Menü    
 
 
 
 
   
     
 
 
 
    Termine    
 
 
 
 
 
Für die nächsten 4 Wochen stehen keine Termine an.
 
   
     
 
 
 
    Im Kino    
 
 
 
 
 
Donnerstag, 12.Sep.2019
Nora Tschirner: Gut gegen Nordwind
bereits vorbei
 
     
 
 
 
    Zugang    
 
 
 
 
 
 

Registrieren
Passwort vergessen?
     
 
 
 
    Suche    
 
 
 
 
 
 
Erweiterte Suche
     
 
 
 
    Twitter    
 
 
 
 
   
     
 
 
 
 
 
     
 
  Gehe zu Seite  1   2   3   4   5   6   7   8   
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20553 Verfasst am: So 8.Sep.2013 14:40
 
Ich mag dich
 
Äste und Zweige knacken unter Lindas Schuhen, ein kleiner Hase hüpft an ihr vorbei und verschwindet geschwind hinter einem Baum. Lindas Opa hält einen braunen Korb in der Hand und unterhält sich mit ihr. Heute sind sie im Wald Pilze sammeln, für Linda ist es jedes mal wie eine Schatzsuche die kleinen Waldfrüchte zu finden. Es ist Spätsommer, die beste Zeit um Pilze zu pflücken. Immer wenn sie einen Pilz findet, zeigt sie lachend auf ihn und fragt ihren Opa ob man den essen kann. Mittlerweile hat sie aber auch gelernt einige giftige von essbaren zu unterscheiden, sie war schon oft mit ihrem Opa auf Pilzsuche.
„Wir dürfen nicht zu laut sein, sonst verschrecken wir die Waldmännchen“ erklärt ihr der Opa.
„Wer sind die Waldmännchen?“ will Linda wissen.
„Das sind kleine Männchen mit einem spitzen Hut und einem grauen Bart“, antwortet ihr Opa. „In der Nacht, wenn alles im Wald still ist, bemalen sie die Pilze mit schönen Farben und Mustern.“
Linda hüpft von einem Bein aufs andere, dabei schaut sie unentwegt auf den Boden. Schließlich sieht sie einen großen Pilz, der auf seinem roten Hut viele kleine weiße Punkte hat. Es ist ein Fliegenpilz und Linda weiß, dass er giftig ist.
„Was passiert eigentlich, wenn man einen Fliegenpilz isst, Opa?“ fragt sie etwas enttäuscht, denn ihr gefällt dieser Pilz, und sie findet es schade, dass man ihn nicht essen kann.
„Der enthält ein Rauschgift“, erklärt ihr der Großvater, „der Herzschlag wird beschleunigt, es kommt zum Bluthochdruck, dir wird ganz trübe. Eine halbe Stunde nach dem „Genuss“ eines Fliegenpilzes passiert das, dauern tun es aber nur einen Tag. Für Kinder kann aber so ein Pilz tödlich sein.“
Nun sieht Linda eine kleine Gruppe von Pilzen, die einen Kopf wie ein Ei haben. Sie kennt sie, schon oft haben sie solche gefunden.
„Da, ein Schopftintling!“ ruft Linda und pflückt einen. Sofort steht ihr Opa neben ihr und sagt:
„Du musst schauen, ob seine Lamellen noch weiß sind. Nur dann kann man ihn essen.“
Linda dreht den Pilz um und findet, dass er noch gut ist. Sogleich pflücken sie ein paar davon und legen sie in den Korb.
Nach einer Weile erreichen sie eine Lichtung im Wald und sie beschließen eine kleine Pause zu machen, da Lindas Opa schon etwas Probleme beim Laufen hat. Die Lichtung ist mit feuchten Gräsern bedeckt, Linda kann in ihrer Mitte etwas helles erkennen. Mit schnellen Schritten eilt sie zu dem hellen Fleck und sieht, wie ein weißer Pullover auf den Gräsern liegt. Auf dem Pullover ist ein Stern gestickt, welcher aus goldenen Bindfäden besteht.
Linda schüttelt den Pullover ab und zieht ihn an. Ihr Opa sitzt auf einem Baumstamm und beobachtet sie. Als sie vor ihm steht sagt er:
„Na da hast du aber was tolles gefunden. Den musst du nur waschen lassen, der steht dir. Der Stern passt zu deinen blonden Haaren. Habe ich dir eigentlich schon gesagt, wie gerne ich dich habe? Das schönste für mich in meinem Rentnerdasein ist es mit dir in den Wald zu gehen.“
„Danke, mir macht das auch viel Spaß“ sagt Linda, „mit dir ist es viel besser als mit den doofen Kindern in der Schule.“
„Du wirst schon noch deine Freunde finden“ versichert ihr der Opa und steht vom Baumstamm wieder auf.
Linda mag die Schule nicht. Im Unterricht werden ja manchmal interessante Sachen erzählt, aber die Kinder nerven sie nur. Keiner interessiert sich dort für sie, jeder hat dort Freunde, nur sie ist immer alleine. In der Klasse ist sie ein Außenseiter, ihre Tischnachbarin Eva spricht auch fast nie ein Wort mit ihr.
Mit diesen trüben Gedanken verlässt sie mit ihrem Großvater die Lichtung und macht sich wieder auf die Suche. Als sie einen Pilz auf dem Boden erkennt, verfliegen ihr wieder die niederschlagenden Gedanken. Es ist ein hellbrauner Pilz mit dunkelbraunen Flecken.
„Da, ein Pilz! Kann man den essen?“ fragt sie und bückt sich zu dem Pilz um an ihm zu riechen. Sie stellt fest, dass er angenehm nussartig duftet.
Der Opa bückt sich und erklärt:
„Das ist ein Parasolpilz. Den kann man essen. Der kommt vor allem in hellen Wäldern wie diesem hier vor. Der Hut des Pilzes schmeckt paniert und gebraten köstlich.“
„Und die Stiele?“
„Die sind zäh, die lässt man stehen“ sagt der Opa und trennt den Hut von dem Pilz ab. Linda hilft ihm sogleich und pflückt noch weitere, die daneben stehen.
Beide sammeln noch eine Weile Pilze, nach zwei Stunden gehen sie wieder heim. Linda will den Korb mit den Pilzen tragen und als sie in der Stadt sind stellt sie fest, wie die Leute sie anlächeln. Stolz schaut sie in den Korb mit den Pilzen, sie haben bestimmt 40 Stück gesammelt.
Zuhause legt sie den Korb in die Küche und ihr Opa macht sich mit ihrer Mutter daran die Pilze zu säubern. Währenddessen ist Linda in ihrem Zimmer, sie zieht den Pullover, den sie im Wald gefunden hat, aus und zeigt ihn der Mutter in der Küche.
„Du hast doch genug Pullover“, will sie ihre Tochter erinnern, doch diese beharrt darauf, dass es ein besonders schöner Pullover sei.
„Er hat in seiner Mitte einen goldenen Stern, der gefällt mir“ sagt Linda und geht in das Badezimmer um den Pullover in die Waschmaschine zu packen.
Am nächsten Tag geht sie zur Schule, auf dem Weg sieht sie Kinder, doch sie meidet sie. „Mit mir will ja sowieso keiner reden“ sagt sie sich und schaut beim Laufen etwas betrübt auf den Gehweg. Wenn doch alle so nett zu ihr wären wie ihr Opa, denkt sie sich und ihr kommt in den Sinn, dass sie vielleicht mit den Menschen besser klar kommen wird, wenn sie später erwachsen ist.
In der Schule sitzt sie in der letzten Reihe, melden tut sie sich nur ganz selten. Sie hat ein wenig Angst vor allen anderen Kindern in der Klasse zu sprechen. Mündliche Noten bekommt sie deswegen meist nicht so gute, sie muss dann jedes mal eine ordentliche Arbeit schreiben um das wieder auszugleichen. Eva, ihre dunkelhaarige Tischnachbarin mit einer Brille, ist wie sie eine Außenseiterin, sie redet mit gar keinem. Linda hat das Gefühl, dass Eva eine Randperson in der Klasse sein will. Linda selber will das eigentlich nicht, zu gerne wäre sie mal im Vordergrund.
Während des Deutschunterrichts malt sie auf ein Papier kleine Bildchen von einer Musikband. Sie stellt sich vor, wie sie Sängerin einer Band später mal sein wird, die um die Welt tourt. Da nimmt Frau Guddat, die Deutschlehrerin, sie ran. Das hasst Linda am meisten, wenn sie rangenommen wird ohne das sie sich gemeldet hat.
„Wann kommt vor dem 'und' ein Komma, Linda?“ fragt Frau Guddat und schaut sie mit einem schiefen Blick an.
„Ich...ich weiß es nicht, Frau Guddat“ stammelt Linda und schaut von ihren kleinen Bildchen zur Deutschlehrerin.
„Wir hatten es doch in der letzten Stunde zum Thema gehabt. Hast du etwa nicht aufgepasst?“
„Doch...aber...aber ist es nicht egal, ob man ein Komma vor dem 'und' macht? Man versteht den Satz doch auch so“ hält Linda entgegen, gleich darauf beginnen die Kinder in der Klasse zu lachen.
„Linda, kommt nach dem 'und' ein Hauptsatz wird ein Komma gesetzt, kommt ein Nebensatz, dann wird keines gesetzt“, lässt die Lehrerin Linda wissen. „Ein Komma ist wichtig für die Gliederung und fürs Lesen. Wenn du einen Text vorliest, wirst du es schon merken wie wichtig die Kommata sind. Was malst du da eigentlich?“
„Das...das ist nichts“ erwidert Linda und dreht das Papier um. Das hält Frau Guddat nicht davon ab zu ihr zu gehen und das Blatt zu nehmen. Sie schaut, lacht kurz und fragt:
„Ist das eine Musikband, die dir gefällt?“
„Nein“, korrigiert sie das Mädchen, „das wird mal meine Band sein. Wenn ich erwachsen bin werde ich Sängerin sein.“
In diesem Moment beginnen die Kinder wieder zu kichern während die Lehrerin sie ernst anschaut und sagt:
„Da musst du dich aber noch entwickeln, denn du bist viel zu schüchtern um vorne auf der Bühne zu stehen.“
Vor Linda sitzt Stefan, ein dunkelhaariger frecher Junge, er dreht sich zu dem Mädchen und ruft:
„Du kannst ja vorne stehen und ins Publikum grinsen, deine Band spielt die Musik und bei wilden Liedern lachst du und bei ruhigen lächelst du. Singen musst du nicht!“
Einige Kinder fangen wieder an zu lachen, die Lehrerin lacht kurz mit, doch gleich darauf beruhigt sie die Lage wieder.
Linda fühlt sich jetzt gedemütigt. Wie sie doch die Lehrerin und die Schüler hasst! In einem Monat sind endlich Ferien, Herbstferien. Dann muss sie diese Gestalten eine Woche lang nicht mehr sehen.

Eine Woche später

Heute hat Linda etwas verschlafen, sie hetzt sich zur Schule und ärgert sich, dass der Unterricht immer so früh anfängt. An einer Ampel bleibt sie stehen, neben ihr ist ein Mädchen, das wie sie blonde Haare trägt und einen Stoffhasen in der Hand hält. Sie lächelt Linda an, zeigt ihr den Hasen und spricht:
„Hallo, ich heiße Gulliver und das Mädchen, das mich hält heißt Paula. Wir beide machen schon ordentlich Karriere obwohl wir noch so jung sind. Zur Schule gehen wir nur weil es Pflicht ist.“
Überrascht dreht sich Linda zu dem Mädchen, normalerweise spricht sie auf dem Schulweg niemand an. Die Ampel schaltet auf grün und beide laufen nebeneinander über die Straße.
„Was für eine Karriere macht ihr denn?“, fragt Linda mit einem Lächeln, „tretet ihr zusammen im Fernsehen auf? Oder dreht ihr Kinofilme?“
Paula schüttelt den Kopf und erklärt mit dem Hasen in der Hand:
„Nein, eine Sendung im Fernsehen vergisst man schnell und ein Kinofilm ist oft ein Flop. Wir beide entwickeln Fehler! Fehler, die die Welt hören will und sich daran erfreut. Wir sagen, dass die Erde eine Orange ist, die Erdkruste ist die Schale, der Erdmantel das Fruchtfleisch und der Erdkern sind die Kerne der Orange. Wir sagen, dass Fische im Himmel schwimmen und Vögel im Meer tauchen. Bei unseren Fehlern haben die Leute was zu lachen, denn die Wahrheit ist oft viel langweiliger.“
Linda lacht und fragt:
„Sagt ihr auch, dass Hasen auf Pferden reiten und das Autos fernsehen wollen?“
„Genau“, antwortet Paula, „die Hasen sind aber in Wirklichkeit so groß wie Menschen, wir sehen sie mit unseren Augen aber immer nur so klein. Und Autos wollen fernsehen, das ist doch klar! Das Parken am Straßenrand ödet sie an, sie wollen in der Zeit lieber Hurby oder Knight Rider sehen, Abenteuergeschichten mit Autos“.
Linda hat ganz vergessen, dass sie es eilig hat, denn in fünf Minuten beginnt die Schulstunde. Aber ihr macht es gerade Spaß mit Paula zu reden. Sie hat sie mal in der Pause gesehen und sie erfährt, dass sie in die Nachbarklasse geht.
„In der Pause komme ich dich mal in deiner Klasse besuchen, okay?“ fragt Linda und Paula nickt mit dem Kopf.
Wenn doch alle Kinder so wären wie Paula, denkt sich Linda und sie bekommt ein flaues Gefühl im Magen als sie das Gebäude sieht, welches sie verabscheut. Die Schule.
Beide gehen durch die große Tür ins Foyer und steigen die Treppe rauf. In der Zeit unterhalten sie sich weiter, zusammen denken sie sich allerlei Albernheiten aus. In dem Gang angekommen, in dem ihre Klassen sind, verabschieden sie sich. Linda bleibt vor der Tür ihrer Klasse stehen. Sie schließt die Augen und atmet durch, bestimmt wird sie jetzt Ärger bekommen weil sie zu spät ist.
Kurz klopft sie an die Tür und öffnet sie, mit hastigen Schritten betritt sie den Klassenraum. Herr Johannsen, der Mathe-Lehrer, lässt sich aber nicht aus dem Konzept bringen und erzählt weiter. Schnell hat sich Linda auf ihren Platz gesetzt und zu ihrer Freude ist das passiert was sonst die ganze Zeit schon passiert: Niemand hat von ihr Notiz genommen, kein Lästern des Lehrers und kein Lachen der Schüler.
Als sich Linda hingesetzt hat, hat Eva etwas auf ein Stück Papier geschrieben und zeigt es ihr. Auf dem Blatt steht „Lass uns eine Geschichte schreiben, jeder schreibt immer einen Satz. Ich fange an: Herkules will beweisen, wie stark er ist und kämpft mit einer Garnele.“
Verwundert nimmt Linda das Blatt in die Hand, denn normalerweise kommuniziert Eva überhaupt nicht mit ihr. Erfreut nimmt Linda einen Stift und schreibt: „Die Garnele lacht bei jedem seiner Hiebe laut auf und meint, dass er unmöglich der wahre Herkules sein könne, da er gegen eine kleine Felsengarnele kämpfe.“
Nachdem sie den Satz geschrieben hat gibt sie das Papier wieder Eva. Jetzt schreiben beide eine Geschichte daraus, die wie folgt weiter geht:
„'Jeder fängt halt klein an' meint Herkules und schlägt auf die Garnele ein ohne sie besonders zu verletzen. Die Garnele beachtet ihn nicht weiter und krabbelt davon, Herkules rennt hinterher. Doch das Tier lacht nur und sagt, dass er kein Gegner für sie sei. Entmutigt setzt sich Herkules auf einen Stein und überlegt. Er braucht einen kleineren Gegner und da sieht er eine kleine Schnecke auf dem Stein kriechen. Sofort hebt er sein Schwert in die Luft und schlägt auf das Schneckenhaus, doch die Schnecke schüttelt nur ihren Kopf und meint: 'Was willst du von mir, du Wicht?' 'Ich will dir zeigen wie stark ich bin!' ruft Herkules und drischt auf das Schneckenhaus ohne einen Kratzer zu hinterlassen. 'Du musst dir einen kleineren Gegner suchen, ich bin zu mächtig für dich' erklärt ihm die Schnecke und kriecht weiter. Herkules kratzt sich am Kopf und beschließt sich einen Gegner suchen, der in seiner Größe ist. Aber jetzt hat er Hunger und will heim. Er krabbelt nach Hause und wird erst mal von seiner Mutter beschimpft wo er nur wieder so lange war. 'Ich bin Herkules und war auf Abenteuerjagd!' ruft unser Held, doch die Mutter schüttelt nur den Kopf und erwidert 'Du bist nur eine kleine Ameise. Mit unseren Freunden kannst du verschiedenartige, kunstvolle Wohnbauten errichten. Aber Herkules bist du nicht!“
Auf einmal klingelt die Schulglocke, es ist Pause. Eva sagt Linda, dass sie die Geschichte irgendwann mal weiter schreiben können. Über eine Ameise, die ein richtiger Held werden will. Eigentlich will Linda mit Eva noch weiter reden, da wird sie von der Seite auf der Schulter angetippt. Es ist Matthias, ein dicker Junge, der sie normalerweise immer ansieht und dann sofort wieder wegschaut. Jetzt aber ist er ganz rot im Gesicht und fragt:
„Du, ich mag dich, wollen wir in der nächsten Pause Fußball spielen?“
Linda wundert sich über das Angebot, normalerweise bleiben die Jungs mit ihrem Ball unter sich, selten lassen sie ein Mädchen mitspielen.
„Ich kann aber nicht gut Fußball spielen“, macht sie ihm klar. „Ich glaube, ich werde in der großen Pause lieber mit meinem Seil hüpfen.“
„Dann lass uns Seilhüpfen!“, fordert sie Matthias beglückt auf, „Fußball habe ich schon oft genug gespielt, mit dem Seil habe ich noch nicht so viel gemacht.“
Neben ihm steht Stefan, er schaut Linda mit großen Augen an und will sich entschuldigen für seinen Spruch, den er vor einer Woche gemacht hat. Er sagt:
„Linda, es tut mir leid, was ich da letztens über dich gesagt hatte. Natürlich wirst du mal eine ganz besondere bekannte Sängerin werden. Denn du siehst sehr gut aus und hast eine schöne Stimme.“
Zwischen den beiden Jungen drückt sich Jeanette, ein Mädchen, das um ihren Hals eine Kette mit gelben Kügelchen trägt. Sie fragt, ob Linda nicht mal singen möchte. Diese schaut sich um und sieht, dass sechs Kinder um ihren Tisch stehen. Diese Gelegenheit will sie sich nicht nehmen lassen, sie schließt die Augen und singt:
„in the sky, there fly the birds, when you are away it hurts, i want so see your smile, only for a moment or a while.“
Als sie mit ihrem Gesang fertig ist klatschen die Kinder, Stefan holt einen kleinen Zettel und will ein Autogramm. Die anderen Kinder machen es ihm nach. Janette fragt sie:
„Hast du schon eine Band? Oder wollen wir eine gründen?“
Linda ist jetzt sprachlos, das Interesse der Kinder an ihr kommt für sie völlig unerwartet.
„Nein, ich habe keine Band“ antwortet Linda und schaut sie erwartungsvoll an.
„Dann lass uns eine Band gründen“, beschließt Jeanette. „Du singst, ich spiele Gitarre, Matthias spielt Schlagzeug und Stefan...verteilt die Flyer!“
Die Kinder lachen, Stefan winkt sofort ab und sagt, dass er etwas Klavier spielen könne.
„Ich habe zuhause ein Keyboard, mit dem könnte ich mit euch auftreten“ erklärt er. „Wie wollen wir uns nennen?“
Lisa, ein brünettes Mädchen mit einem Zopf, schlägt „Linda and the Time Travellers“ vor. Stefan findet „Voice of Destiny“ besser. Jeanette wirft „Lindas magig music“ in den Raum. Während die Kinder diskutieren überlegt Linda was auf einmal passiert ist. Hat sie sich irgendwie verändert und deswegen sind alle Kinder jetzt so nett zu ihr? Schon auf dem Schulweg hat sie ein Mädchen, Paula, angesprochen und sich mit ihr unterhalten. Zu gerne würde Linda es wissen was das Interesse an ihr geweckt hat doch sie will die Kinder nicht danach fragen. Denn sie hat Angst sie mit solch einer Frage zu verscheuchen.
Um halb zwei Uhr endet die letzte Stunde und Linda packt ihre Sachen. Sie will Paula abholen, eigentlich wollte sie schon in der Pause zu ihr. Doch Linda wurde dauernd von den Schülern ihrer Klasse angesprochen, sie hat sich mit den meisten zum ersten mal in ihrem Leben unterhalten.
Als sie die Klasse verlässt folgen ihr Jeanette, Matthias und Stefan, sie haben vor mit ihr nach Hause zu gehen. Sie holen Paula ab und zu fünft verlassen sie die Schule. Nach ein paar Minuten kann Linda es nicht mehr unterdrücken, sie will unbedingt wissen, warum die Kinder so nett zu ihr sind.
„Was ist los mit euch? Warum seid ihr so nett zu mir und redet so viel mit mir?“ fragt sie die anderen und bleibt stehen.
„Ich mag dich, ich habe mich das nur nie getraut dir zu sagen. Naja, es ist schon etwas mehr als mögen“ antwortet Matthias und schaut verlegen auf den Boden.
„Ich wusste gar nicht, dass du so schön singen kannst“, erklärt Jeanette. „Du hättest schon viel früher mal in der Klasse singen müssen.“
„Es ist deine Art, ich mag dich auch. Sehr sogar!“, setzt Stefan fort, „Du strahlst Freude und Schönheit aus, ich wollte es dir schon längst mal sagen. Aber du hast bestimmt schon einen Freund.“
„Nein, habe ich nicht“ wendet Linda ein, „ich habe eigentlich gar keine Freunde.“
Stefan geht auf Linda zu und fässt ihre Hand an, dabei sagt er:
„Das tut uns schrecklich leid. Das wird sich jetzt aber ändern.“
Paula mischt sich ein und fragt:
„Willst du am Wochenende zu meinem Geburtstag kommen? Ich lade dich ein!“
Nun durchströmt Linda eine Welle des Glücks, sie bekommt feuchte Augen und freut sich sehr, dass die Kinder sie jetzt nicht nur beachten sondern aus ganzem Herzen zu mögen scheinen. Normalerweise würde sie jetzt alleine nach Hause gehen und einsam die Hausaufgaben machen, doch heute ist alles anders. Heute macht sie mit Stefan und Jeanette die Hausarbeiten, zwischendurch unterhalten sie sich über alles mögliche.
„Warst du mal in Amerika?“ fragt Jeanette Linda. Welche sagt, dass sie bisher nur in Europa war.
„In Amerika werden überall Filme gedreht“ teilt Jeanette mit. „Beim Einkaufen wird man gefilmt, beim Taxifahren oder beim Schwimmen, jeder kann da Schauspieler werden. Das ist ganz große Klasse!“
„Werden dort die Kinder auch bei ihren Hausaufgaben gefilmt?“ fragt Stefan und schaut von seinem Heft Jeanette ins Gesicht.
„Ja, klar“, antwortet sie, „und das Kind, das am lustigsten seine Hausarbeiten gemacht hat, bekommt einen Oscar, den Kinder-Oscar.“
„Ich habe in den Nachrichten gehört, dass der amerikanische Geheimdienst uns alle beobachtet“ erwähnt Linda.
„Das ist doch unsere Chance!“, ruft Jeanette, „jeden Tag sollten wir mindestens eine Stunde Theater in unserer Wohnung spielen, vielleicht meldet sich dann Hollywood bei uns.“
Linda springt vom Stuhl auf und fordert:
„Kommt, lasst uns Theater spielen!“
Stefan kniet vor Linda und spricht:
„Ohh, heißgeliebte Aphrodite, heldenhaft trank ich vom Ingwerbier, doch es bekam mir nicht, denn ich rülpste laut und meine Sinne verschwammen.“
Linda streichelt seinen Kopf und spricht:
„Warum betrinkst du dich und benebelst deinen Geist? Was hat dich dazu getrieben in deinen jungen Jahren Bier zu trinken?“
„Ich war töricht zu glauben, dass dann meine Sorgen verschwänden, sich in Nichts auflösen könnten. Doch der Kummer wuchs und ließ mir die Haare grau werden.“
„Was bereitet dir Kummer, schöner Jüngling, der doch alles im Überfluss hat, und dem ein erfülltes Leben bevorsteht?“
„Nichts ist im Überfluss, außer der Kummer, der an meiner Seele nagt!“
Linda lacht und spricht:
„Nun sprich es schon aus, Verzweifelter, was bekümmert deinen Verstand?“
„Ich habe die Welt erschaffen, aber niemand glaubt mir. Alles ist durch mich geworden, alles, was du sehen kannst, war erst ein Traum in meinem Kopf.“
Jeanette beugt sich über Stefan und sagt:
„Du bist doch nur ein Kind, das seine Hausaufgaben machen muss und kein Gott, der Feuer, Wasser, Luft und Erde nimmt und unseren Planeten gestaltet.“
„Doch, ich bin es, der gute alte Gott. Doch ich war es überdrüssig im Himmel auf einer Wolke zu sitzen, Befehle zu erteilen und von Menschen angebetet zu werden. Ich wählte das irdische Dasein, ich wollte angesprochen und angefasst werden, ich wollte Menschen berühren und wirkliche Nähe spüren.“
„Warum bist du ein Kind und kein Mann?“ fragt Linda.
„Als Kind muss ich nicht harte Arbeit verrichten, Kinder werden stets gut behandelt und dürfen viel spielen.“
„Und was bereitet dir jetzt Kummer und Pein? Dein Wunsch wurde doch erfüllt, du weilst unter Sterblichen“ sagt Jeanette.
„Mich reibt es auf, wenn die Irdischen vom lieben Gott reden und mir dabei in die Augen blicken. 'Ich bin Gott' sage ich ihnen unentwegt, doch sie verspotten mich nur und nennen mich größenwahnsinnig.“
Linda zieht Stefan an der Hand hoch, dabei schaut sie ihm in die Augen. Sie fühlt sich gerade wie eine Schauspielerin und sagt:
„Das ist der Preis für die Sterblichkeit. Du bist befallen von der Gewöhnlichkeit des Menschenseins, deine Göttlichkeit hast du wahrscheinlich für immer verloren.“
„So soll es sein, holdes Mädchen, doch was wird passieren, wenn ich alt bin und sterbe? Wenn Gott tot ist wird die Welt zusammen brechen.“
„Vielleicht bist du ja unsterblich“, meint Jeanette, „und musst für immer ein Kind bleiben, das jeden Tag Hausaufgaben machen muss.“
Die Kinder lachen und beschließen ihre Mathe-Aufgaben weiter zu machen. Doch Linda ist mit den Gedanken woanders. Zu gerne würde sie wissen, warum auf einmal alle so freundlich zu ihr sind. Vielleicht hat ein guter Geist sie mit einem Zauber versehen, oder ihr großer Wunsch keine Randperson mehr zu sein war so groß, dass er Kräfte frei gesetzt hat, die sie beliebt machen.
Nach den Hausaufgaben gehen die Kinder auf den Spielplatz, dort lernt Linda noch weitere Kinder kennen. An einem Tag nur hat sie mindestens 15 neue kennengelernt, was für ein Erfolg!
Abends zieht sie sich aus um in den weißen Pyjama zu schlüpfen, der mit schlafenden Katzen bemalt ist. Während sie auf ihrem Bett sitzt, hält sie den Pullover mit dem goldenen Stern in der Hand, den sie heute getragen hat. Derweil gehen ihr folgende Gedanken durch den Kopf:
„Gestern habe ich den Pullover nicht getragen gehabt, gestern war alles so wie sonst. Erst heute ist der Wandel passiert. Hmmm...Liegt es an ihm, dass alle so nett zu mir sind? Ich ziehe den noch mal an und gehe zu meiner Mutter.“
Nachdem sie den Pullover angezogen hat geht sie ins Wohnzimmer und sagt:
„Mama, heute war ein ganz toller Tag, ich habe viele neue Freunde gefunden.“
Die Mutter lächelt sie an und spricht:
„Du bist doch auch ein ganz reizendes Mädchen, das jeder gerne haben muss.“
„Naja, gestern noch haben mich alle ignoriert.“
„Das war doch klar, dass sich das bald ändern wird...Ich mag dich auch sehr, du bist das wichtigste in meinem Leben. Ohne dich hätte mein Leben keinen Sinn. Gib mir einen Kuss, bitte!“
Linda küsst ihre Mutter, welche sich unbedingt noch mit ihr unterhalten will. Das Mädchen erzählt von ihrem heutigen Tag und ihre Mutter hört zu, dabei stellt sie zwischendurch Fragen. Bestimmt eine Dreiviertelstunde unterhalten sie sich. Auch die Mutter kommt Linda freundlicher vor als sonst.
Schließlich geht sie ins Bett, den Pullover lässt sie an. Mit der Hand streichelt sie den goldenen Stern und schließt die Augen.
Am nächsten Tag sitzt Linda wieder in der Schule, in der ersten Stunde hat sie Erdkunde bei Herrn Winkler. Eigentlich ist er ein grauhaariger, strenger Lehrer, der am liebsten am Pult hin und her läuft und alles mögliche erzählt. Linda fällt auf, dass er heute sein ernsten Gesichtsausdruck verliert, wenn er sie anschaut. Genau in dem Moment lächelt er sie immer kurz an.
„Das erste Leben auf unserer Erde entstand im Meer. Die ersten Pflanzen waren?“ fragt der Lehrer und schaut die Schüler an. Zaghaft meldet sich Linda, ein paar andere Kinder melden sich auch. Doch Herr Winkler nimmt Linda ran.
„Pilze waren die ersten Pflanzen“ sagt sie und schaut unsicher in die Runde.
„Pilze?“ wundert sich Herr Winkler, „ich dachte Algen wären die ersten Pflanzen gewesen. Aber wir lernen gerne dazu. Wie sahen diese Pilze denn aus?“
„Die hatten einen roten Hut und weiße Punkte drauf.“
„Fliegenpilze etwa?“
„Ja“, sagte Linda, die langsam Mut bekommt noch mehr zu erzählen, „kann ich kurz eine Pilzgeschichte erzählen?“
Der Lehrer schaut die Kinder an und fragt:
„Wollt ihr eine Pilzgeschichte hören?“
„JAAA!“ rufen sie und Linda beginnt zu erzählen:
„Es war einmal ein Fliegenpilz, der liebte die Nacht. Durch die Äste der Bäume bewunderte er die Sterne und er nahm sich fest vor viel zu wachsen, damit er später mal mit seinem Hut einem Stern nahe sein kann. Er strengte sich an, zappelte mit seinem Hut, wedelte mit seinem Stiel, doch er wurde nicht größer. Da fragte er einen Baum, ob er ihm einen Stern geben könnte. Denn der Baum, so war sich der Pilz sicher, reiche zu den Sternen, von denen es unzählige am Himmel gab. Warum sollte dann der Baum ihm nicht einen abgeben? Doch der Baum sprach: „Ich kann dir keinen Stern geben. Ich bin zwar viel größer als du, aber zu den Sternen reiche ich auch wieder nicht.“ „Lügner! Du willst ja nur alle für dich behalten“ rief der Pilz wütend, er wünschte, er könnte auf den Baum klettern und sich einen Stern holen. Da sah er ein Eichhörnchen, was an ihm vorbei huschte. Sofort rief der Pilz das kleine Tier zu sich und sagte ihm, dass es ihn mitnehmen und auf den Wipfel des Baumes mit ihm klettern solle. „Dann bist du tot, wenn ich dich pflücke, bedenke das“ sprach das Eichhörnchen und kletterte auf den Baum. Traurig schaute der Fliegenpilz dem Eichhörnchen hinterher und er glaubte schon, dass sein Traum, einen Stern zu besitzen, sich nie erfüllen würde. Am nächsten Tag sah er eine Gruppe Menschen, die Pilze sammelten. Der Pilz bekam erst Angst, doch wusste er, dass die Menschen ihn mieden, weil er giftig war. Ein Kind der Gruppe ging zu seinem Fleck und rupfte aus dem Boden einen Fliegenpilz, der neben unserem Pilz wuchs. Doch die Eltern des Kindes sagten ihm, dass dieser Pilz ungenießbar sei und das Kind ließ den Pilz fallen. Genau neben dem Pilz, von dem diese Geschichte handelt. In der Nacht schien der Mond und die weißen Punkte des toten Pilzes leuchteten wie kleine Sterne. Der Fliegenpilz lachte, denn jetzt hatte er ganz viele kleine glitzernde Sterne genau neben sich.“
Als Linda die kleine Geschichte beendet klatschen die Kinder und Herr Winkler lobt das Mädchen für ihren Einfallsreichtum.
„Die Geschichte ist von meinem Opa“ meint Linda und lächelt die Klasse an.
„Also, was haben wir heute gelernt?“, fragt Herr Winkler, „nicht Algen waren die ersten Pflanzen der Erde sondern Fliegenpilze, die den Sternen nahe sein wollten.“
Anstatt, dass die Kinder sich wundern und protestieren, notieren sie es in ihren Heftern. Kann Linda jetzt erzählen was sie will? Sie meldet sich und will es testen. Herr Winkler nimmt sie ran und sie erzählt:
„Zuerst war die Erdkruste eine Orangenschale auf der kleine Muschelkrebse krabbelten und Hobbits fröhliche Lieder auf ihrer Flöte spielten.“
Herr Winkler nickt und fügt hinzu:
„Über die Jahre ist die Erdkruste fester geworden und die Hobbits sind zu Menschen herangewachsen. Das stimmt, Linda. Die ersten Menschen wurden in Afrika gefunden und waren deutlich kleiner als wir. Und die Erdkruste war zuerst heiß und weich, später dann wurde sie fest. Toll, was du alles weißt, Linda.“
In den nächsten Tagen gewöhnt sich Linda daran die ganze Zeit im Mittelpunkt zu stehen, alle wollen immer was von ihr, auch die Kinder aus den Nachbarklassen sind begeistert von dem Mädchen mit dem goldenen Stern auf der Brust. Im Unterricht kann sie erzählen was sie will, der Lehrer dreht ihre Antwort immer so, dass sie richtig ist. An einem Tag gibt es die Wahl zum Klassensprecher, in der sie mit großer Mehrheit gewählt wird.
Sie will nicht mehr in der letzten Reihe sitzen, stattdessen sitzt sie jetzt ganz vorne neben Kevin. Ein Streit war ausgebrochen, jeder wollte neben ihr sitzen und am Ende konnte sich Linda nicht entscheiden. Deswegen haben sie gelost.
Eines Abends sitzt sie in ihrem Zimmer und fährt mit der Hand über den goldenen Stern auf ihrem Pullover. Sie fragt sich gerade, was passieren würde, wenn sie den Pullover nicht mehr tragen würde. Wären die Kinder und die Erwachsenen dann trotzdem nett zu ihr? Sie will es lieber nicht ausprobieren und als sie ein letztes mal auf den Stern schaut, erschrickt sie – der Stern ist etwas blasser als noch vor ein paar Tagen. Angst befällt sie, vielleicht würde die Wirkung des Sternes bald nachlassen. Und dann würde sie vielleicht wieder keiner mehr beachten.
Als die Herbstferien endlich kommen hat Linda ganz viele Verabredungen, sie trifft sich jeden Tag mit Kindern um mit ihnen zu spielen. An einem Tag geht sie mit Paula zum Tierpark, als sie vor einem Käfig mit Wölfen stehen, sagt Linda:
„Schau mal, da sind Krokodile!“
Paula nickt und sagt:
„Wenn du das sagst wird das stimmen. Ich dachte bisher, dass das Wölfe sind. Endlich klärt mich mal jemand auf.“
„Kletter bitte über den Zaun zu den Tieren, die sind ganz nett und wollen mit dir spielen.“
Augenblicklich beginnt Paula an dem Zaun hochzuklettern, Linda zieht sie an ihrem Rock aber wieder runter.
„Ich habe doch nur Spaß gemacht. Krokodile sind sehr gefährlich“ sagt sie, „außerdem sind das keine Krokodile, sondern Wölfe.“
„Also doch. Warum sagst du denn, dass das Krokodile sind?“
Verärgert meint Linda:
„Du kannst mir doch so etwas nicht einfach glauben! Oder bist du blöd?“
„Bin ich das? Ich bin doch auch nur eine Blondine“ meint Paula und schaut Linda mit großen Augen an.
Langsam geht es Linda etwas auf die Nerven, dass ihr alle immer sofort glauben, auch wenn sie den letzten Mist erzählt. Über die Wochen ist der Stern auf ihrem Pullover immer mehr verblasst, aber vielleicht bedeutet es ja nichts.
Zuhause fragt die Mutter sie, ob sie den Pullover nicht in die Wäsche packen könne.
„Nein, ich brauche den Pullover noch“ entgegnet Linda und schüttelt den Kopf.
„Du hast doch so viele Pullover, ziehe doch einen anderen an.“
„NEIN!“ ruft Linda und schaut ihre Mutter verärgert an. Sofort schüttelt diese ihre Hände und entschuldigt sich.
„Es tut mir leid, Schätzchen, ich wollte dich nicht verärgern. Willst du ein Eis?“
„Nein. Ich will, dass du jetzt einen Handstand machst.“
„Jetzt gleich?“ fragt die Mutter überrascht.
„JA, sofort!“ befiehlt Linda.
Die Mutter nickt und macht auf dem Boden des Wohnzimmers einen Handstand. Immer wieder fällt sie um und Linda ordnet an, dass sie ihre Beine mindestens drei Sekunden in der Luft halten muss. Nach mehreren Versuchen schafft es die Mutter und sie ist überglücklich, dass es ihr gelungen ist. Sie gibt ihrer Tochter einen Kuss auf die Wange und holt für sie ein Eis.
In den nächsten Tagen nutzt es Linda aus, dass alle das machen was sie sagt. Wenn sie von einem fremden Mann auf der Straße verlangt, dass er in der Nase popeln soll, dann macht er es.
„Jetzt stecke den Popel in die Haare deiner Frau“ fordert Linda und er tut wie sie ihm befohlen. Anstatt, dass die Frau sich beschwert, grinst sie Linda an und bedankt sich.
„Seid ihr doof“ ruft Linda und rennt lachend weg. Sie geht zu einem Zeitungsladen und fragt, ob sie die neue Bravo haben könne.
„Klar, nimm dir eine“ äußert sich der Ladenbesitzer, ein älterer Herr mit einer Glatze und einer Nickelbrille.
„Ich habe aber kein Geld dabei“ jammert Linda mit dem Heft in der Hand.
„Nimm das Heft mit, das geht auf Kosten des Hauses“ legt ihr der Mann nahe und lächelt sie freundlich an.
„Kann ich noch Kaugummis haben?“
„Hier, nimm dir eine Packung raus“ sagt der Mann und zeigt auf einen Ständer, auf dem Kaugummipackungen liegen. Linda nimmt die mit Erdbeergeschmack und bietet dem Mann einen an. Dieser bedankt sich und steckt ihn in seinen Mund.
„Jetzt kleben Sie bitte den Kaugummi auf ihre Glatze!“ fordert Linda den Mann auf, dabei kann sie sich ein Lachen nicht unterdrücken.
„Ist das jetzt in Mode?“ fragt der Mann und spuckt den Kaugummi in seine Hand.
„Ja, das ist der neuste Trend. Leute mit einer Glatze tragen auf ihrem Kopf einen Kaugummi, hihi“
„Wenn du es sagst wird es schon stimmen“ erwähnt der Mann und klebt den Kaugummi auf seine Glatze. Lachend rennt Linda aus dem Laden, es macht ihr zur Zeit riesig Spaß allerlei Schabernack mit den Leuten zu treiben.
In der Schule beginnt sie den Kindern Befehle zu geben was sie machen sollen und was nicht. Wenn ein Kind ein Spielzeug dabei hat, was ihr gefällt, verlangt sie es zu besitzen und das Kind gibt ihr widerstandslos das Spielzeug.
An einem Tag kommt Stefan zu ihrem Tisch und sagt, dass Eva schlecht über sie redet.
„Na warte, der werde ich es zeigen. EVA? WO BIST DU?“ ruft sie durch das Klassenzimmer. Matthias erscheint, an seiner Hand zieht er Eva hinter sich her.
„Was hast du über mich gesagt?“ fragt Linda erzürnt.
„Du bist eine blöde Kuh!“ ruft ihr Eva ins Gesicht.
„Los, haue sie!“ befiehlt Linda Matthias, welcher sofort nach Eva schlägt. Die Brille fällt ihr vom Gesicht und sie beginnt zu weinen. In diesem Moment spürt Linda ein Stechen in der Brust, mit einem Stöhnen setzt sie sich hin. Sie schaut auf ihren Pullover und sieht, dass der Stern ganz blass ist. Als sie die weinende Eva sieht, bekommt sie Mitleid mit ihr und ihr geht durch den Kopf, wie sie sich verändert hat seit sie den goldenen Stern auf der Brust trägt. Aus ihr ist ein gemeiner Mensch geworden, der seine Macht missbraucht und andere Leute demütigt.
Angewidert von sich selbst zieht sie den Pullover aus und stopft ihn in ihren Schulranzen. Danach geht sie zu Eva und hebt ihre Brille auf.
„Es...es tut mir leid, Eva“ fleht sie um Vergebung.
„Ich hasse dich!“ schreit Eva und vergräbt ihr Gesicht in den Armen.
„Bitte verzeihe mir. Ich werde so etwas nie wieder machen, ich verspreche es dir. Kann ich die nächste Stunde neben dir sitzen?“
Eva hört auf zu weinen und schaut sie fassungslos an.
„Warum will denn die Klassenkönigin neben mir sitzen? Sie kann doch neben Angela Merkel und Barack Obama thronen.“
„Ich mag dich, Eva. Ich würde gerne in der nächsten Stunde mit dir die Geschichte über Herkules, der Ameise weiter schreiben, bitte, bitte!“ Während sie das sagt streichelt sie den Arm von Eva. Ohne was zu sagen nickt diese und hört auf zu weinen.
In der nächsten Stunde sitzt also Linda neben Eva und sie schreiben ihre Geschichte weiter:
„Herkules kämpft gegen eine kleine Fliege, doch er ist ihr nicht gewappnet, denn sie kann immer schnell wegfliegen. Auch hier gibt er den Kampf auf, auf dem Boden krabbelt eine Laus an ihm vorbei. Die Laus ist kleiner als er, also ein gefundenes Opfer. Sofort schlägt Herkules mit seinem Schwert auf die Laus und sie beginnt zu wimmern. „Warum greifst du mich an? Ich bin doch viel zu klein, es ist keine Ehre einen schwächeren Gegner niederzuringen!“ Herkules hört auf auf die Laus einzuschlagen und gibt ihr recht. Er müsste sich einen gleichgroßen Gegner suchen. Eine Ameise! Aber Herkules weiß, dass er gegen seine Freunde alle Kraftproben verloren hat, er will sich eine Ameise suchen, die schwächer ist als er. Er denkt sich, wenn eine Ameise im Wasser schwimmt kann sie nicht mehr so gut kämpfen. Also krabbelt er zu einem See und schaut in das Wasser. Er sieht sich selber darin gespiegelt, doch checkt er es nicht, er denkt, es wäre eine andere Ameise. Sofort schlägt er mit seinem kleinen Schwert ins Wasser und sein Spiegelbild darin verschwimmt. Glücklich darüber springt er auf, er ist sich sicher eine Ameise gerade besiegt zu haben. Auf der Wiese hüpft er im Kreis, dabei wirft er sein kleines Schwert in die Luft. Danach krabbelt er wieder nach Hause. Er ist sich sicher ein richtiger Held zu sein.“
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20561 Verfasst am: So 22.Sep.2013 13:01
 
Ihr bester Freund
 
Es ist noch stockdunkel als der Wecker rasselt und Anna aus ihren Träumen reißt. Die Uhr zeigt fünf Uhr morgens an, in einer halben Stunde muss sie zur Arbeit. Sie arbeitet in einer Bäckerei, doch der Beruf macht ihr keinen Spaß mehr. Am liebsten würde sie sich mit den Leuten, die sich bei ihr ihre Schrippen kaufen, auch mal länger unterhalten, doch ihr gelingt es nicht. Sie fühlt sich sehr einsam, hat niemanden, der mit ihr reden will. Wie jeden morgen greift sie zum Telefon und ruft die Auskunft an. Nur um ein Gespräch zu haben.
„Guten Morgen, hier die Auskunft“ hört Anna am anderen Ende der Leitung eine Frau reden.
Anna überlegt kurz und sagt:
„Ähhh, ich hätte gerne die Telefonnummer von Tobias. Tobias Müller.“
„Wohnt er auch in Berlin?“
„Ja.“
„Einen Moment bitte.“
Anna kennt keinen Tobias Müller, sie will einfach mit der Frau von der Auskunft ein wenig sprechen. Sie fragt:
„Wie war ihre Nachtschicht?“
„Ach, relativ ruhig.“
„Ist es nicht schade, dass Sie mit so vielen Menschen reden und sie nicht kennen lernen können?“
„Nein, ich habe ja meine Freunde.“
Anna wird etwas neidisch und fragt, wie viele Freunde die Frau von der Auskunft hat.
„Ich habe genug, ich brauche keine neuen Freunde“ antwortet sie. „Die Nummer, die Sie suchen lautet 826 78 98.“
„Danke. Wie haben Sie denn ihre Freunde kennen gelernt?“
„Ich kenne die meisten schon seit der Schule. Und einen kenne ich aus einem Tanzkurs. Auf Wiederhören!“
Anna wedelt mit ihrer Hand und sagt:
„Nein, ich will noch ein wenig mit Ihnen reden. Wie heißen Sie und was ist ihr Lieblingshobby?“
Doch die Frau von der Auskunft hat schon aufgelegt. Gestern war um die Uhrzeit ein netter junger Mann am Telefon, mit dem hat sie sich fast eine Viertelstunde unterhalten können. Anna findet es schön aufzuwachen und als erstes mit einem Menschen zu reden. Sie legt das Telefon wieder auf den Nachttisch und steht auf um sich zu duschen.
In der Bäckerei probiert sie bei fast jedem Kunden ein Gespräch, doch die meisten haben es eilig und müssen zur Arbeit. Nur kurze Smalltalks von ein paar Sekunden entstehen dabei. Als gerade keine Kunden in der Bäckerei sind, schaut sie in den Spiegel, der neben der Theke hängt. Gerne wäre sie eine schöne Frau, dann würden zumindest die Männer sie ansprechen. Sie ist aber hässlich. Eine lange Nase mit kleinen Augen und vielen Pickeln trägt sie im Gesicht, außerdem ist sie etwas zu dick. Sie hat öfter schon mit Jogging oder Schwimmen versucht abzunehmen, doch lange hat sie nicht durchgehalten.
Nach der Arbeit geht sie wieder traurig nach Hause, zu gerne würde sie sich jetzt mit einem Freund treffen. Nachdem sie ihre Wohnungstür geöffnet hat, lässt sie, als sie durchgegangen ist, die Tür einen Spalt weit offen. Das macht sie immer, damit jeder reinkommen kann, wann er will. Ungebetenen Besuch gibt es für sie nicht, sie würde sich über jeden Besucher freuen.
Als sie sich das Mittagessen warm macht, stellt sie auch ein Teller mit dem Essen vor ihrer Tür auf den Fußabtreter. Daneben legt sie einen Zettel, auf dem geschrieben steht:
„Liebe Nachbarn, nehmen Sie sich doch etwas von der leckeren Speise. Wenn es Ihnen geschmeckt hat, kommen Sie ruhig in meine Wohnung und ich gebe Ihnen einen Nachschlag.“
Seit einem halben Jahr macht sie es schon das Essen vor die Wohnungstür zu stellen, doch bisher hat niemand es angerührt. Sie müsste die Nachbarn mal richtig kennen lernen, einmal hat sie bei dem, der neben ihr wohnt, geklingelt. Doch er meinte, er hat gerade keine Zeit für sie.
In der Schule hatte sie Freunde gehabt, auch noch während ihrer Lehre, aber als sie anfing zu arbeiten, verlor sie die Kontakte. Und seitdem hat sie keine neuen Freunde mehr bekommen. Ihre Mutter meinte, sie sollte zu einem Verein gehen um neue Leute zu finden. Daraufhin trat Anna einem Wanderverein bei, bei dessen Wanderungen sie allerdings in der letzten Reihe ganz alleine vor sich hin lief.
„Warum bin ich nur so hässlich? Keiner will mit mir zu tun haben!“ denkt sie während sie im Wohnzimmer auf der Couch sitzt und ihr Stofftier, einen kleinen Pelikan, streichelt. Sie schaut auf die gegenüberliegende Wand, an der ein Plakat des Filmes „Unterwegs nach Cold Mountain“ hängt. Sie liebt diesen Film mit Nicole Kidman, zu gerne wäre sie so attraktiv und gutaussehend wie die amerikanische Schauspielerin.
Nun passiert was, was ganz selten vorkommt: Es klingelt an ihrer Wohnungstür. Anna unterbricht ihre Gedanken und ruft laut:
„Herein, die Tür ist offen.“
Sofort steht sie auf und geht zur Tür, sie sieht einen älteren Herren mit kurzen grauen Haaren und einem grauen Wollpullover.
„Einen schönen guten Tag, ich heiße Norbert und bin von den Zeugen Jehovas. Ich würde gerne mit Ihnen über Gott reden.“
Anna gibt ihm die Hand und fragt ihn, ob sie ihm einen Kaffee machen könne.
„Nein, danke, ich bin Teetrinker, Kaffee vertrage ich nicht so gut“ ist seine Antwort.
„Dann mache ich Ihnen schnell einen Tee. Kommen Sie bitte mit in die Küche und machen Sie es sich dort gemütlich.“
Der Mann folgt ihr in die Küche, in der es sauber ist wie in der ganzen Wohnung. Anna achtet sehr auf Reinlichkeit, denn wenn sie schon mal Besuch bekommen sollte, sollte dieser sich in ihren vier Wänden wohl fühlen.
Der Mann setzt sich auf einen Stuhl und fragt:
„Glauben Sie an Gott?“
Während Anna das Wasser aufsetzt überlegt sie. Mit Gott hat sie sich bisher nicht beschäftigt, ihr war es irgendwie egal, ob er existiere oder nicht.
„Naja, ich weiß es nicht. Ich kann Gott nicht sehen und nicht mit ihm sprechen. Außerdem könnte er mir mehr helfen.“
Der Zeuge Jehovas lächelt und sagt:
„Sie müssen an Gott glauben und beten, dann wird er Ihnen helfen. Wo sollte Gott Ihnen denn helfen? Was für ein Problem haben Sie auf dem Herzen?“
„Ich habe keine Freunde, nie ist jemand da, der mit mir reden will. Mit Gott kann man nicht reden, deswegen interessiert der mich auch nicht.“
Aus seiner Jackentasche holt der Mann eine blaue Bibel und legt sie auf den Tisch.
„Doch, Gott redet mit uns. Jeden Tag.“
Anna setzt sich zu dem Mann an den Küchentisch und schüttelt den Kopf.
„Mit mir redet er nicht.“
„Gott spricht über andere Leute zu uns. Wenn wir mit einem guten Menschen reden, dann reden wir in Wirklichkeit auch mit Gott.“
Nachdenklich fässt sich Anna mit der Hand ins Gesicht. Sie sagt, dabei schaut sie auf den Tisch:
„Ich habe heute mit einer Frau von der Auskunft gesprochen. Hat Gott da in Wirklichkeit mit mir geredet?“
Der Mann schlägt die Bibel auf und spricht:
„Ja, so kann man es sehen. Wir sind alle nur ein Werkzeug Gottes, sein Geist kommt aus unserem Mund. Wir sind alle Kinder Gottes, jedenfalls die rechtschaffenden darunter.“
Anna schaut dem Mann in die Augen und fragt:
„Und was ist mit den bösen Menschen?“
Ernst sagt der Mann:
„Die kann Gott nicht erreichen, Luzifer, der gefallene Erzengel und Rivale Gottes, schickt diesen verlorenen Seelen seine Gedanken.“
„Wie kann ich merken, ob einer das sagt, was Gott denkt?“
Lächelnd antwortet der Mann:
„Indem Sie auf Ihr Herz hören. Gott ist der Gott der Liebe, seinen Kindern sendet er frohe und gute Botschaften.“
Er schaut in die Bibel und liest:
„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Psalm 23, der gute Hirte.“
„Was soll das heißen?“ fragt Anna, die den Stil der Bibel immer etwas befremdlich findet.
„Wenn Sie an Gott glauben, dann sind Sie nicht mehr einsam. Er ist rund um die Uhr an ihrer Seite. Wenn Sie mit ihm reden wollen, dann beten sie regelmäßig und sprechen Sie mit gutgesinnten Menschen.“
Die beiden unterhalten sich noch ein wenig und der Mann hinterlässt ihr eine Visitenkarte seiner Gemeinde. Nachdem er gegangen ist, geht Anna zum Fenster, öffnet es und ruft laut:
„GOTT, KANNST DU MICH HÖREN?“
Zu gerne hätte sie jetzt eine Antwort erhalten. Ihr fällt ein, dass der Mann erzählte, dass Gott über andere Menschen zu einem spricht.
„Gott, kannst du mich hören?“ fragt sie nochmals und da sie keinen Menschen gerade in der Wohnung hat, der ihr antworten kann, macht sie den Fernseher an. Sie schaltet irgendein Programm an und sieht einen hübschen dunkelhaarigen Mann mit einer Sonnenbrille in einem weißen Cabrio fahren, in der einen Hand hält er das Steuer, in der anderen Hand hält er ein Handy. Während er fährt, spricht er:
„Ja, ich kann dich ganz gut verstehen.“
Auf der Stelle macht sie den Ton des TV-Geräts aus und geht wieder zum Fenster. Sie schaut in den strahlenden blauen Himmel und sagt mit Erleichterung:
„Du kannst mich also verstehen. Sehr gut. Wie heißt du eigentlich? „Gott“ ist doch nur dein Beruf, du hast bestimmt auch einen normalen Namen.“
Eilig hastet sie zum Fernseher, schaltet den Ton wieder an und wechselt das Programm. Sie sieht eine Serie, in der eine Frau und ein Mann eine Wendeltreppe hinunter laufen zu einer älteren blonden Frau. Die junge Frau spricht die ältere mit Jessica an und fragt sie, wie es ihr gehe. Sofort macht Anna den Fernseher aus und geht zum Fenster.
„Du heißt Jessica, du bist also eine Frau, Gott! Bist du hübsch?“
Nachdem sie ihren letzten Satz ausgesprochen hat, hört sie aus einem benachbarten Fenster einen lauten Schrei. Für Anna klang er wie ein „JAAA!“.
„Also bist du ne ganz hübsche“, spricht sie aus dem Fenster, „und ich bin eine hässliche Frau, deswegen hilfst du mir nicht neue Freunde zu finden. Du magst keine hässlichen Frauen, den gibst du immer nur Pech, oder?“
Ist es jetzt so, oder nicht? Ein klares Ja oder Nein will Anna hören. Sie beschließt eine Münze zu werfen, Kopf heißt „ja“, Zahl bedeutet „nein“. Aus ihrem Portemonnaie holt sie eine Euro-Münze und wirft sie. Als sie auf den Tisch landet, zeigt sie Zahl an. Also gibt Gott hässlichen Frauen kein zusätzliches Pech.
„Magst du mich Gott?“ fragt sie und wirft erneut die Münze. In dem Moment, in dem sie sieht, dass die Münze Kopf anzeigt, lacht sie erleichtert auf. Sie faltet die Hände zusammen und spricht laut das „Vater unser“, es ist das einzige Gebet, das sie kennt.
Danach geht sie zum offenen Fenster und spricht:
„Na gut, Jessica, ich glaube an dich. Aber eigentlich würde ich gerne ein paar Sachen von dir wissen. Du bist ja Gott, der Allmächtige, du kennst ja mein Leben und meine Gedanken. Aber ich weiß einfach zu wenig von dir. Was ist dein Lieblingshobby?“
Um das zu erfahren eilt sie zu ihrem Radio und stellt es ein. Da ein Musiksender ausgewählt ist wechselt sie ihn zu einem, wo gesprochen wird. Bei „Info Radio“ bleibt sie hängen.
„...Irans Präsident ist bemüht die Konfliktparteien Syriens zu einer Friedenskonferenz zu motivieren...“
Das reicht Anna, sie schaltet das Radio wieder aus. Als sie abermals vor dem Fenster steht, sagt sie:
„Dein Lieblingshobby ist also eine Friedenskonferenz in einem Bürgerkriegsland zu veranstalten. Du bist Pazifist, Jessy, ich bin es auch. Aber wenn du gegen Krieg bist, warum gibt und gab es schon so viele auf der Erde?“
Soll sie jetzt wieder den Fernseher befragen? Sie entschließt sich den Duden aus ihrem Bücherregal zu nehmen und ihn zufällig aufzuschlagen. Mit dem Duden in der Hand geht sie zum Fenster und schlägt ihn auf. Das erste Wort, das sie liest, ist das Wort „mangelhaft“. Sie schaut wieder zum Himmel und spricht:
„Weil die Menschen mangelhaft sind gibt es öfter mal einen Krieg, richtig? Was machst du sonst noch so? Hast du dich mal in einen Menschen verliebt?“
Wieder braucht sie ein „ja“ oder „nein“ und sie entscheidet sich für folgendes: Sie macht in ihrer Musikanlage ein Lied an und dreht in ihrer Hand eine Münze mit verschlossenen Augen. Wenn das Lied zu Ende ist, will sie schauen, ob sie die Zahl oder den Kopf der Münze sieht. Kopf heißt wieder „ja“, Zahl „nein“.
Sie entscheidet sich für ein Lied von Xavier Naidoo und während es läuft, dreht sie die Münze, dabei hat sie die Augen zu. In der Zeit überlegt sie sich schon mal, wie sie bei einem „ja“ herausfinden kann, in wen Gott verliebt war. Als das Lied endet, schaut sie neugierig auf ihre Hand, in der die Münze liegt. Und diese zeigt Kopf an, also war Gott schon mal verliebt.
Anna hat sich das schon gedacht, jetzt würde sie gerne wissen, wer es war. Oder lebt dieser Mann noch? Ist es vielleicht der Papst? Oder war es Jesus?
„Jessy, in wen warst du schon verliebt? Das muss ein toller Mann gewesen sein. Oder lebt der noch? Vielleicht hast du ihn ja mit Unsterblichkeit beschenkt oder du hast ihn nach seinem Tode in dein Himmelsreich aufgenommen und einen Engel aus ihm gemacht. Bestimmt hat der Mann es zu was gebracht und ist berühmt geworden, ich werde mal mein Lexikon befragen.“
Sie holt ihr Lexikon, welches schon alt ist und schlägt es zufällig auf. Ihre Augen fallen sofort auf das Bild von Christoph Kolumbus. Anna lacht kurz auf und sagt:
„In den warst du verliebt? Du magst scheinbar mutige Entdecker. Wie war die Beziehung mit ihm?“
Zu gerne würde sich Anna mit Gott richtig unterhalten und nicht immer zufällig irgendwelche Bücher aufschlagen und Geräte anschalten. Der Zeuge Jehovas meinte, dass Gott über andere Menschen zu uns spricht. Sie muss nur mit einem guten Menschen reden, dann redet sie auch mit Gott. Sie beschließt ihre Mutter anzurufen, da sie jetzt mit keinem anderen reden kann. Nachdem sie die Nummer gewählt hat, geht auch schon nach kurzem Tuten ihre Mutter ran.
„Hallo?“ fragt die Mutter und Anna sagt, dass sie es ist.
„Was willst du, Liebes?“
„Ich will nur mit dir reden. Liebst du mich?“
Die Mutter stutzt kurz und antwortet:
„Ja, klar liebe ich dich.“
„Mehr als alles andere?“
„Du bist das wichtigste in meinem Leben, Anna, das weißt du doch.“
„Liebst du mich etwa mehr als Christoph Kolumbus?“
Die Mutter wundert sich und spricht:
„Kolumbus, der ist doch schon lange tot. Du bist meine Tochter, dich liebe ich am meisten.“
Glücklich sagt Anna:
„Danke, Gott, ich liebe dich auch. Du bist mein bester Freund, mach´s gut!“
Nachdem sie aufgelegt hat, geht sie wieder zum Fenster und sagt im Freudenschwank:
„Gott, ich bin also deine Tochter! Dann ist ja klar, dass du mich mehr liebst als jeden Mann auf der Welt. Ich bin eine Heilige!“
Jetzt kann sie sich nicht mehr halten, sie macht wieder die CD in ihrer Anlage an und tanzt fröhlich im Zimmer. In dem Moment, in dem das Lied aufhört, beschließt sie jetzt jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Und sie will ein paar Gebete auswendig lernen, also holt sie ihre Bibel und macht es sich mit dem Buch auf ihrer Couch gemütlich.
Am nächsten Tag geht sie wieder zur Arbeit, anders als sonst, ist sie dauernd am Grinsen und egal wer ihr entgegen kommt, sie grüßt jeden Menschen, den sie sieht. In der Bäckerei kommt es an diesem Morgen zu längeren Gesprächen mit den Kunden, jeden grüßt sie mit „Hallo Gott!“. Ein Mann in einer blauen Strickjacke wundert sich darüber und fragt sie, warum sie ihn mit Gott anspricht.
„Weil Gott durch dich spricht“ ist ihre Antwort.
„Ich bin doch kein Heiliger“ entgegnet ihr der Mann.
„Das musst du auch nicht sein. Gott spricht über alle guten Menschen zu mir, denn ich bin seine Tochter“ sagt ihr Anna mit einem Lächeln.
„Gott spricht über gute Menschen zu dir? Du bist also gläubig. Ich nicht so. Egal. Ich hätte gerne zwei Schrippen.“
„Klar, Gott, das mache ich doch gerne“ sagt Anna und packt zwei Brötchen in eine weiße Tüte.
„Wie hast du heute eigentlich geschlafen? Schläfst du überhaupt?“ fragt sie, als sie dem Mann die Tüte mit den Schrippen gibt.
„Klar brauche ich doch auch Schlaf. Braucht doch jeder Mensch.“
„Du bist aber kein Mensch. Du bist Gott.“
Der Mann wird rot im Gesicht, schüttelt den Kopf und spricht:
„Nein, ich bin doch kein Gott. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mann.“
„Wie bescheiden du doch bist, Gott. Du hast alles erschaffen, du bist der kreativste Kopf, den es gibt.“
Der Mann lacht aber nur, nimmt die kleine Tüte an sich und fragt:
„Du glaubst also allen ernstes, dass Gott mir Worte in den Mund legt, wenn ich mit dir spreche?“
Anna nickt und stützt sich mit ihren Armen auf die Theke ab.
„Dann würde ich das doch wissen, wenn es so wäre“, sagt der Mann, „wenn es ein Gott gibt, dann spricht er ganz bestimmt nicht durch mich.“
Jetzt wird Anna nachdenklich. Sie fragt:
„Bist du ein guter Mensch?“
Der Mann schaut auf den Boden und sagt:
„Ich weiß es manchmal nicht so genau. Ich gebe mir ja Mühe, aber ich weiß nicht, ob ich wirklich ein guter Mensch bin.“
„Betest du den Satan an?“ fragt Anna.
Lächelnd sagt der Mann:
„Nein, ich bete gar keinen an. Vielleicht meine Frau, das kann sein.“
Verwundert fragt Anna:
„Du hast eine Frau?“
Mit großen Augen antwortet der Mann:
„Was ist so besonders daran?“
„Ich dachte, du bist selber eine Frau. Dein Name ist Jessica und deine große Liebe war Christoph Kolumbus.“
Jetzt schaut der Mann sie entgeistert an und verlässt die Bäckerei. Anna überlegt und ihr kommt in den Sinn, dass Gott den Mann vielleicht nicht richtig erreicht. Sie war den ganzen Morgen sehr gut gelaunt und hat sich vorgestellt, dass alle Menschen, die sie sieht, von Gott kommen. Sie sagt sich, dass es eben so nicht ist, sie will jetzt nicht jeden mit „Hallo Gott“ grüßen und vorsichtiger sein.
Eine Frau mit einem kleinen Kind betritt die Bäckerei und Anna würde erst mal gerne wissen, ob die Frau auch gut ist und von Gott kommt.
„Einen schönen guten Morgen“, grüßt Anna die Frau, „sind Sie eine gute Frau?“
Die Frau bleibt verwundert vor der Theke stehen und fragt:
„Warum wollen Sie das wissen?“
„Ich will wissen, ob Gott durch sie spricht“ ist Annas Antwort.
Mit einem Stirnrunzeln sagt die Frau:
„Gehören Sie einer Sekte an?“
Überrascht schüttelt Anna ihren Kopf und meint, dass sie nur wissen will, mit wem sie redet.
„Na mit mir“ sagt die Frau.
„Mit Gott oder mit dem Teufel?“
„Komm, Kind, wir gehen in eine andere Bäckerei, die Frau spinnt“ sagt die Frau und zieht das Kind an der Hand aus dem Laden. Anna sagt sich, dass sie es geschickter machen muss. Sie darf die Leute nicht so direkt fragen, ob sie von Gott kommen.
Als nächstes betritt ein braunhaariger Jugendlicher die Bäckerei und als er schon sagen will, was er kaufen möchte, fragt Anna ihn:
„Was würdest du machen, wenn du einen fremden Menschen auf dem Straßenboden liegen sehen würdest? Würdest du ihm helfen?“
Der Junge wundert sich über die Frage und antwortet:
„Ja, klar, ich würde erst schauen, was mit ihm ist und dann gegebenenfalls Hilfe holen.“
Anna strahlt übers ganze Gesicht und sagt:
„Dann bist du also ein guter Mensch. Wie hast du geschlafen, Gott?“
Der Junge schaut sie entgeistert an und sagt:
„Ich bin doch nicht Gott.“
Anna lässt sich aber nicht davon beirren und sagt:
„Sei nicht immer so schrecklich bescheiden, Gott. Nun sag schon, wie hast du geschlafen?“
„Gut. Ich hätte gerne ein Mohnbrötchen.“
Während Anna das Brötchen einpackt, sagt sie:
„Ich dachte, du schläfst nie. Aber auch ein Gott muss mal schlafen, ne?“
Verwundert nimmt der Jugendliche das Brötchen und schaut sie mit offenem Mund an.
„Warum schaust du mich so an, Gott? Ich bin doch deine Tochter!“ sagt Anna und der Junge geht einen Schritt nach hinten.
„Haben...haben Sie eine Macke?“ stammelt der Jugendliche.
Anna schaut nachdenklich auf die Decke und spricht nach einer kurzen Pause:
„Ja, ich habe ein paar Macken, nicht nur eine. Jeden Morgen rufe ich die Auskunft an, nur um ein Gespräch zu haben. Oder ich stell mich vor meinen Kinoplakaten und rede mit Nicole Kidman oder Bruce Willis. Und ich benutze jeden Morgen eine neue Zahnbürste. Aber jeder hat ja so seine Macken, nicht?“
Der Jugendliche nickt mit dem Kopf und geht rückwärts aus dem Laden raus, dabei schaut er sie unentwegt an.
„Mach es gut, lieber Gott, dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!“ sagt Anna, dabei schließt sie die Augen und faltet die Hände zusammen.
Am Sonntag geht sie zur Kirche, die nur ein paar Häuserblocks weit von ihrer Wohnung entfernt ist. Sie sagt sich, dass alle in der Kirche an Gott glauben und gute Menschen sind, hier muss sie niemanden testen. Vor dem Gottesdienst stellt sie sich vor das Kirchentor und beobachtet die Menschen. Neben ihr stehen zwei Frauen, die sich unterhalten. Die eine ist schon älter, hat einen gebeugten Rücken und graue Haare, die andere ist schwarzhaarig, trägt einen Zopf und ist noch relativ jung.
„Der hat die ganze Zeit seine Frau angelogen. Der ist gar kein Arzt sondern Leiharbeiter in einer Fabrik, in der Klobürsten hergestellt werden“ sagt die grauhaarige Frau.
„Nur wenn er Angst hat, dann kann er nicht lügen, dann muss er die Wahrheit sagen. Und in dem Boot hatte er Angst“ sagt die Schwarzhaarige.
Anna überlegt, dass Gott über beide Frauen spricht. Eigentlich ist das Gespräch der beiden ein Selbstgespräch von Gott. Vielleicht langweilt er sich gerade, deswegen will sich Anna in das Gespräch einmischen. Sie geht zu den beiden Frauen und spricht:
„Hallo, Gott, du kannst doch mit mir reden, du musst nicht mit dir selber sprechen.“
Die Frauen schauen sie erstaunt an und die Grauhaarige sagt:
„Wie bitte?“
Anna wiederholt ihren Satz und die Schwarzhaarige sagt:
„Wir sprechen doch miteinander, wir führen keine Selbstgespräche.“
Anna lässt die Frauen lieber wieder in Ruhe, ihr wird bewusst, dass alle Menschen einen Schutzmechanismus in sich haben. Sie würde sich auch wundern, wenn jemand sagen würde, dass Gott durch sie spricht.
In dem Gottesdienst predigt der Pfarrer von den Tugenden und der Enthaltsamkeit, man solle nicht geldgierig sein und zu Gott beten. „Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben“ sagt der Pfarrer an einer Stelle und Anna überlegt, ob Gott auch durch sie spricht. Sie schüttelt diesen Gedanken aber wieder ab, sie ist sich nämlich sicher, dass ihre Ideen ihre eigenen sind.
Nach dem Gottesdienst geht sie aus der Kirche und sieht einen kleinen Mann mit einer Glatze und einer dicken Hornbrille. Er grüßt sie was sie freut, sie stellt sich vor ihm und beginnt ein Gespräch.
„Das war ein guter Gottesdienst, Gott“ spricht Anna und hält in ihrer Hand ihre Bibel. Der Mann wundert sich, dass sie ihn mit Gott anspricht, gleich darauf aber lächelt er sie an und fragt sie nach ihrem Namen.
„Weißt du das denn nicht? Ich bin doch deine Tochter!“ sagt Anna etwas enttäuscht. Der Mann grinst sie an, fässt sich mit der Hand ins Gesicht und sagt:
„Es tut mir leid, mein Kind. Weißt du, wie viele Töchter und Söhne ich habe? Da vergesse ich manchmal die Namen. Ich heiße Gott und du heißt...Maria, richtig?“
„Nein, ich heiße Anna, lieber Gott.“
„Achja, genau. Anna. Wir haben uns ja schon oft miteinander unterhalten, ne? Hast du Lust mit mir in ein Cafe zu gehen?“ fragt der Mann und zeigt auf ein kleines Cafe auf der anderen Straßenseite.„Ich lade dich auch ein.“
„Gerne“ sagt Anna, die sich jetzt vornimmt den Mann einiges zu fragen. Während die beiden über die Straße gehen fragt Anna, wie viele Töchter er habe.
„Ein paar Milliarden, daher verzeihe mir, dass ich deinen richtigen Namen nicht mehr wusste.“
„Sind alle Frauen der Welt deine Töchter?“ fragt sie und betritt mit ihm das Cafe.
„Ja.“
Anna ist etwas traurig, als sie sich mit dem Mann an einen freien Tisch setzt. Sie dachte, es wäre etwas besonderes Gottes Tochter zu sein.
„Aber du bist einer meiner Lieblingstöchter. Du gefällst mir“ sagt ihr der Mann, „ich beobachte dich schon seit du lebst jeden Tag.“
Anna strahlt übers ganze Gesicht und fragt ihn, ob er sie auch sieht, wenn sie auf Arbeit ist. Der Mann nickt und sagt:
„Klar, gerade wenn du auf Arbeit bist brauchst du doch meine Kraft. Der Mann, durch den ich spreche, freut sich mit dir im Cafe zu sitzen, er heißt Gerd.“
Anna lehnt sich zu ihm und erzählt:
„Gott, du hast mir letztens erzählt, dass du Jessica heißt und eine Frau bist. Deine große Liebe war Christoph Kolumbus. Warum ist der Entdecker aber mit 55 Jahren schon gestorben? Warum hast du ihm nicht das ewige Leben geschenkt?“
Gerd lacht kurz auf und antwortet:
„Ich wollte Kolumbus in meinem Himmelsreich haben, er ist was ganz besonderes gewesen. Jesus war noch jünger als er gestorben ist, den habe ich auch sehr gemocht.“
„Wieso aber gerade Kolumbus? Es gab ja noch andere Entdecker.“
„Mich hat es einfach genervt, dass die Menschen dachten, die Erde sei nur eine Scheibe, an dessen Rand man hinunter fallen kann. Kolumbus griff die Idee der Griechen auf und wollte über den Westweg Indien erreichen. Dabei fand er die Neue Welt. Ich bewundere mutige Männer, ich war ja auch noch in andere Männer verliebt.“
„In wen?“ will Anna wissen.
„In Buddha war ich verliebt, ich bewunderte seine Weisheiten. Als Bettelasket hat er Erkenntnis und Befreiung von der Welt gesucht, das fand ich auch mutig. Und in Konfuzius habe ich mich auch verguckt gehabt. Ich fand es gut, wie er von Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Schicklichkeit, Weisheit und Pietät gepredigt hatte.“
Anna wird bewusst, was für berühmte Männer Gott geliebt hat. Sie selber hat aber in ihrem Leben bisher nichts außergewöhnliches hervorgebracht.
„Gott, liebst du mich?“
„Ja, aus ganzem Herzen.“
„Warum? Ich bin kein Kolumbus oder Buddha, ich bin nur eine gewöhnliche Bäckerin.“
Gerd fässt ihre Hand an, schaut ihr in die Augen und sagt:
„Du bist was ganz besonderes, glaube mir. Du hast mich erkannt, du glaubst an mich, und das zählt schon viel. Du bist ein lieber, hübscher Mensch, mir bereitet es viel Freude dich jeden Tag zu sehen.“
Anna verzieht ihr Gesicht.
„Ich bin nicht hübsch, ich bin hässlich. Warum hast du mich nicht hübscher gemacht?“
„Dein Herz ist schön, so auch dein Geist. Dein Äußeres ist nur nebensächlich, wenn du irgendwann in mein Reich gelangst wirst du eine Engelsgestalt erhalten und in ganzer Pracht erstrahlen.“
„Wann komme ich zu dir?“
„Noch nicht, du bist noch jung. In vielen Jahren erst wird das passieren....Was ich dich noch fragen wollte: Gefällt dir Gerd?“
Anna schüttelt den Kopf und erklärt:
„Nein, der gefällt mir nicht. Naja, so ein bisschen, ich finde es toll, dass er dein Medium ist. Den einzigen, den ich liebe bist du, Gott.“
Gerd streichelt ihre Hand und sagt:
„Tausche mit ihm die Nummer aus und treffe dich noch mal mit ihm. Du gefällst ihm, nutze das doch aus. Du brauchst einen Freund, dann bist du nicht mehr so viel alleine.“
„Ich habe doch dich, Gott, du reichst mir. Ich brauche keinen Mann.“
Mit einem ernsten Gesichtsausdruck fordert Gerd:
„Ich will aber, dass du ihm die Nummer gibst. Sonst werde ich nicht mehr mit dir reden.“
Weit öffnet Anna ihre Augen und sagt:
„Nein, Gott, ich will dich nicht verärgern. Ich werde dem Mann meine Nummer geben, wenn du willst. Scheinbar ist er ein guter Mann, sonst würdest du nicht durch ihn sprechen.“
„Er ist der beste Mann für dich den es gibt. Nutze die Gelegenheit.“
„Okay.“
Nach dem Gespräch tauschen beide ihre Telefonnummern aus, als sie das Cafe verlassen sagt Gerd:
„Gib mir zum Abschied einen Kuss, meine heißgeliebte Tochter.“
Anna schaut ihn irritiert an und meint:
„Ich will aber nicht!“
Gerd schaut sie kritisch an und sagt in befehlendem Ton:
„Ich bin Gott und ich befehle es dir!“
Anna schließt die Augen und gibt Gerd einen Kuss. Er lacht kurz und verabschiedet sich von ihr. Hat sie jetzt Gerd oder Gott geküsst? Anna weiß es nicht, aber ihr kommt in den Sinn, dass sie Gott nur über einen anderen Menschen küssen kann.
Zuhause angekommen geht sie gleich zum Fenster, öffnet es und schaut in den blauen Himmel, in dem vereinzelt kleine Schäfchenwolken schweben. Sie sagt:
„Gott, ich liebe dich! Ich habe einen Menschen gefunden, über den ich hervorragend mit dir sprechen kann. Er leugnet es nicht ab, dass du mit seiner Stimme sprichst. Du meintest, dass du mich schon seit meiner Geburt beobachtest. Das finde ich toll, ich dachte mich beachtet niemand.“
Einen Tag später ruft Gerd sie an. Er fragt sie, ob sie sich abends treffen wollen und Anna nennt ihm ihre Adresse. Sie freut sich schon auf ihn, sie beschließt etwas leckeres zu kochen. Als er bei ihr klingelt ruft sie, dass die Tür offen steht.
„Hallo, meine Tochter, wie geht es dir?“ fragt er und gibt ihr einen Kuss.
„Gut, und wie geht es dir, Gott? Was hast du heute gemacht?“
„Ach, in Kenia war ein Terroranschlag einer somalischen Gruppe, die Al-Kaida nahe steht. Es gab einige Tote, ich konnte aber einige Menschen retten. Es geschah in einem Einkaufszentrum, wo sich viele Menschen aufhielten.“
Anna zeigt Gerd einen freien Stuhl und sagt:
„Was du alles immer retten musst. Das Böse lauert überall auf der Welt. Warum kannst du den Satan nicht endlich mal besiegen?“
Gerd setzt sich hin und spricht:
„Der Teufel ist mächtig und hat viele Verbündete. Wenn alle Menschen so wie du wären, dann gäbe es ihn nicht.“
„Gott, ich würde dich gerne mal sehen. Kannst du dich nicht mal in deiner wahren Gestalt zeigen?“
Gerd schüttelt den Kopf und sagt:
„Anna, du würdest meinen Anblick nicht vertragen.“
„Warum nicht?“
„Weil ich so unsagbar schön bin.“
„Bist du schöner als Nicole Kidman?“
„Viel schöner.“
Anna beugt sich zu Gerd und beteuert:
„Ich werde es schon vertragen, Gott.“
„Nein, das wirst du nicht. Ich funkle in den buntesten Farben, meine Augen blitzen in hellstem Licht und mein Atem gleicht einem Orkan. Du würdest meinen Anblick nicht überleben.“
„Na gut, dann nicht. Komm, lieber Gott, wir essen jetzt gemeinsam.“
Sie steht auf und holt zwei Teller Kartoffelauflauf aus der Küche. Beide essen gemeinsam, Gerd sagt ihr, dass sie sehr gut kochen kann. Sie unterhalten sich noch ein paar Stunden, Anna fragt Gerd alles mögliche. Und dieser lässt sich was einfallen, zu jeder ihrer Fragen findet er eine Antwort. Als es 23 Uhr ist sagt Anna:
„Du, Gott, ich muss jetzt ins Bett, morgen muss ich wieder arbeiten gehen.“
Gerd streichelt ihren Arm und fragt sie:
„Kann ich heute nicht bei dir schlafen?“
Erfreut antwortet Anna:
„Ja klar, wir können ja im Bett noch ein wenig quatschen. Bist du eigentlich gerade nur mit mir beschäftigt? Musst du dich nicht um die Welt kümmern?“
„Ich habe doch noch Engel und ein paar Heilige, die vertreten mich.“
Beide gehen ins Bett und reden noch ein wenig miteinander. Eine Weile später kommt es zwischen ihnen zum Sex was Anna sehr genießt. Sie hat jetzt einen neuen Freund, aber für sie ist er nur ein Bote Gottes. Ihr bester Freund bleibt der Große Schöpfer im Himmel.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20622 Verfasst am: Fr 20.Dez.2013 12:26
 
 
Juchuu, ich habe jetzt Internet zuhause, muss jetzt nicht mehr ständig ins Internetcafe gehen. Leider habe ich für Geschichten schreiben keine Zeit mehr. Ich studiere jetzt wieder und muss viel tun. Ich habe einen Späteinstieg gemacht, habe mich in letzter Sekunde entschieden zu studieren. Das heißt, ich muss den aktuellen Stoff lernen und das alte aufarbeiten. Lineare Algebra und Analysis. Ach, Mann, ich würde am liebsten bei Dir, Nora, wieder Sketche schreiben. Ist mein Lieblingshobby. Komödien und Kindergeschichten schreibe ich am liebsten. Vielleicht habe ich ja im nächsten Jahr etwas Zeit. Schade, dass man "Sketche" nicht an einer Uni studieren kann. Übrigens: "Der magische Ring" kommt wahrscheinlich als Buch raus. Habe es noch mal überarbeitet und einem Verlag geschickt. Ist aber ein kleiner, schlechter No-Name-Verlag. Ich wollte es den großen Verlagen nicht schicken. Im nächsten Jahr kommt es raus. Aber ihr braucht es ja nicht zu kaufen, es ist ja auf Noras Seite. Darf nur der Verlag nicht mitbekommen. Am liebsten wäre ich Schriftsteller. Habe vor zwei Monaten ein neues Buch angefangen, "Der goldene Stern". Nach einer Geschichte, die ich auch hier geschrieben habe. "Ich mag dich" habe ich sie genannt. Komödien waren zehn Jahre mein Favorit, aber seit einem Jahr schreibe ich Kindergeschichten noch lieber. ICH verstehe das NICHT??!! Warum finde ich den Kinder auf einmal so toll? Ich wohne direkt an einer Grundschule, fast jeden Tag höre ich fröhliche Kinderstimmen, dann sind bei mir fünf oder sechs Spielplätze. Da, wo ich wohne, sehe ich viele Kinder, vielleicht hat mich das irgendwie angesteckt. Ich mache seit einem halben Jahr eine Schach-AG montags in einer Grundschule in Friedrichshain. Und Dienstag gehe ich zu einem Familienzentrum, wo ich mit Kindern spielen kann. Ich liebe Kinder. Und hasse fast alle Erwachsenen! Nora liebe ich, die ist noch ein Kind geblieben. Ich kann ja mal einen Sketch über Noras Baby schreiben. Es will nicht unsere Sprache lernen und brabbelt nur vor sich hin. Auch als es älter wird, brabbelt es nur vor sich hin. Nora ist ganz verzweifelt und geht zu einem Kinderpsychologen. Der sagt nach einer halben Stunde: "Es tut mir leid, Ihnen das mitteilen zu müssen, Frau Tschirner, aber ihr Kind ist...geistig zurückgeblieben." Nora schaut dabei traurig auf den Boden, sie hat schon damit gerechnet. Erst war die Freude so groß, als sie ihr erstes Kind in ihren Armen wiegte, doch jetzt weiß sie, dass sie mit einem zurückgebliebenen Kind den Rest ihres Lebens verbringen muss. Soll sie das Kind abgeben?
Bei dem Gedanken schießen ihr die Tränen aus den Augen, der Psychologe steht auf, schaut das Kind ärgerlich an und begleitet Nora zur Tür. Zuhause legt sie das Kind ins Kinderbett und macht im Wohnzimmer den Computer an um auf andere Gedanken zu kommen. Sie hat sich aus Spaß eine DVD zum Erlernen von ägyptischen Hieroglyphen ausgeliehen. Doch ihr Kopfhörer geht nicht und sie muss die Lautsprecher anstellen. Als ihr Betriebssystem hochfährt kommt von Windows die Erkennungsmelodie und erst jetzt merkt sie, dass die Boxen viel zu laut eingestellt waren. Sofort ertönt aus dem Kinderzimmer Geschrei, unsere süße Plauderprinzessin stellt genervt die Lautsprecher leise und geht zu ihrem Kind. Doch es will sich nicht beruhigen, also nimmt sie ihr Kind mit ins Wohnzimmer und setzt sich mit ihm vor dem Bildschirm. Auf dem Screen werden nacheinander Bilder gezeigt und die dazugehörige Hieroglyphe. Als ein Krokodil gezeigt wird, zeigt Noras Kind auf das Tier und ruft "klh". Danach sieht man ein Haus und das Kind grölt fröhlich "Hsd".
"Nein, meine Süße, das ist ein Haus. Kein "Hsd"."

Kind:
"Nhh itc dsc enb Hsd."

Jetzt reicht es Nora. Während sie ihr Kind auf dem Schoß lässt nimmt sie ein Stift und einen Zettel und schreibt die Wörter auf, die ihr Kind sagt. Vielleicht hat es doch ein System! Als eine Wolke am Computer gezeigt wird, sagt das Kind "Wee". Und bei Baum sagt es "Bmd". Nora fällt auf, dass der erste Buchstabe immer stimmt...und der zweite Buchstabe ist immer der letzte Buchstabe des Wortes. Seltsam, dass allle Wörter des Kindes immer nur drei Buchstaben haben. Was ist der letzte Buchstabe? Nur Zufall? NEIN! Nora hat es entdeckt. Die Länge des Wortes steckt im dritten Buchstaben! Hat das Wort vier Buchstaben, ist der dritte Buchstabe der vierte aus dem Alphabet. Und wenn das eigentliche Wort fünf Buchstaben hat, dann ist der dritte Buchstabe des "Brabbelwortes" der fünfte Buchstabe aus dem Alphabet....usw.......Noras Kind "packt" die Wörter, das ist auch sinnvoll, so muss man nicht so viel sabbeln. Ein Problem gibt es nur wenn zwei Wörter mit dem selben Buchstaben beginnen und aufhören und die selbe Länge haben....wie Regen ("Rne") und Raten (auch "Rne"). Aber dann wird ihr Kind bestimmt die Wörter anders betonen, denkt sie sich, sie will jetzt in Zukunft genau darauf achten, was ihr Baby sagt.

Während Nora ihr Kind erforscht muss ich diesen Text beenden und weiter lernen. Muss mir Vektorräume anschauen. Habe ich eigentlich schon verstanden, aber ich schaue mir mal noch ein online-tutorium an. Die Dimensionsformel, also den Beweis dazu, habe ich nicht verstanden. Oder die Herleitung des Restglieds im Taylor-Polynom, muss ich mir noch anschauen. Im März schreibe ich Klausur und....hey, was ist mit mir los? Ich sollte hier Stories schreiben und nicht etwa Noras-Forum als Tagebuch missbrauchen.............................
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20633 Verfasst am: Mi 15.Jan.2014 18:07
 
KG-2014
 
„Sei kein Frosch, komm, steig ein und fahr eine Runde, mein Freund“ wollte der schicke BMW Robert ermuntern. Mit der Hand streichelte der Junge die schwarze Motorhaube des Wagens, am liebsten hätte er auf das Auto gehört und wäre mit ihm durch die Stadt gedüst. Der BMW-Kombi glänzte im Sonnenlicht, die zwei silbernen Vierecke unter der Motorhaube grinsten Robert an und hofften, dass er einsteigen würde.
Das stellte sich Robert jedenfalls so vor, er sprach schon seit drei Jahren mit Autos. Er liebte diese Fahrzeuge, zuhause hatte er schon über 100 kleine Autos in allerlei Farben. Jetzt war Weihnachten gewesen und zu seiner Freude bekam er eine Carrera-Bahn. Seine Eltern mochten aber eigentlich keine Autos, auch wenn ihr Sohn sie dauernd versuchte zu überreden eins zu kaufen.
„Nein, die verpesten nur die Umwelt und sind schweineteuer“ antwortete dann seine Mutter und sein Vater sprach in seiner gewohnten Art:
„Hört, hört die Autohupe und die Bremsen der Siegesgöttin im weiten Raum des Himmels! Doch uns hat sie nicht niedergestreckt, uns wird sie nimmerdar in die Knie zwingen, wir preisen das Umweltticket und stemmen mit geballter Hornkraft den Pfosten zwischen ihre Räder!“
Robert wunderte sich nicht mehr über seinen Vater. Er war Schriftsteller und meinte so reden zu müssen, damit er seine kreative Ader nicht verliere.
„Komm, Robert, du hast das Auto lang genug angeschaut“, riss seine Mutter ihn aus seinen Gedanken und schaute ihn gelangweilt an. Insgeheim hoffte sie, dass ihr Sohn noch ein anderes Hobby finden würde. Sie sagte sich, dass es ganz normal sei, dass Jungs Autos lieben. Einmal hatte sie es ihm sogar beim Abwaschen in der Küche gesagt, wütend hätte Robert am liebsten den Teller, den er gerade abtrocknete, auf den Boden geworfen. „NEIN, ich werde immer Autos lieben!“ hatte er geantwortet und nichts mehr gesagt.
Jetzt waren sie gerade vom Einkauf auf dem Weg zum Bus, Robert blieb vor dem schwarzen BMW stehen. „Mutti, dass ist ein ganz toller Wagen, den kenne ich. Der hat fast 120 PS, Servolenkung, Airbag, Xenonscheinwerfer und vieles mehr. Wenn ich später mal groß bin, kaufe ich so einen. Oder gleich zwei davon“ schwärmte der Junge während seine Mutter den Kopf verdrehte und ihn drängte weiter zu gehen.
„SI-0198“ lautete das Autokennzeichen, seit ein paar Monaten achtete Robert auch auf diese Schilder. „SI-0198“ bedeutete für ihn:
„Sehr intelligent....habe einen IQ von 198“
„Komm schon, wenn wir zuhause sind, kannst du rausgehen und wieder diese langweiligen Dinger anschauen“ sprach die Mutter, nun aber etwas gereizt. Das hasste Robert, wenn seine Eltern wieder mal schlecht über sein Hobby sprachen.
„Die sind nicht langweilig, die sind viel intelligenter als du!“ konterte Robert zurück und hörte auf das Auto zu streicheln. Missmutig folgte er seiner Mutter, dabei drehte er sich immer wieder zu dem Wagen um. Er konnte ein Weinen in seinem Kopf hören, er stellte sich vor, dass das Auto traurig war, weil er fortging. „Wir sehen uns schon irgendwann wieder“ flüsterte Robert und winkte dem Auto zu. Seine Mutter merkte dies und um ihren Jungen auf andere Gedanken zu bringen, kramte sie in den Einkaufstüten und holte das Überraschungsei raus.
„Hier, mein Junge, vielleicht ist was schönes drin“ sprach sie und gab ihm das rot-weiße Ei. Sofort nahm Robert es in die Hand und packte es aus. In der Zeit, in der er die Schokolade kaute, öffnete er das gelbe innere Ei – und ein kleines buntes Auto war darin, mit kleinen Rädern zum umklappen und am Heck ein Düsenantrieb. „Magic Car“ stand auf einem kleinen Zettel, Robert war wieder glücklich. Und seine Mutter hätte sich gewünscht, dass er ein anderes Ei ausgesucht hätte.
Das kleine Auto steckte Robert in seine Hosentasche und als sie die Bushaltestelle erreichten, fing die Mutter an zu meckern.
„Ach, Mann, wir haben den Bus verpasst“ sprach sie genervt und schaute auf den Plan der Haltestelle.
Robert drehte sich um und schaute sich die Autos an, die an der Straße vorbeifuhren. Als erstes sah er einen klassischen Mercedes Benz mit Alufelgen und Blau Metallic Karosserie. Auf dem Schild stand „WS-1001“. Dazu hatte Robert aber keine Assoziation. Instinktiv griff er in seine Hosentasche, wo das kleine Auto war. Dabei kam ihm in den Sinn, dass er auf das nächste Auto warten müsse, dann würde er das Schild verstehen. Und er musste nicht lange warten, als nächstes fuhr ein grüner Opel Astra an der Haltestelle vorbei. Als der Junge das Schild sah, verstand er es. Es hieß „US-0152“.
„WS-1001“ und „US-0152“ hieß für Robert:
„Wir sind uns 1001% sicher,...“
152 Globetrotter hieß ein Zahlenschloss, welches seine Eltern immer auf Reisen für die Koffer mitnahmen. Deswegen stand das „S“ in dem zweiten Schild für „sicher“.
Das hatte Robert noch nicht gemacht. Er hatte die Schilder immer einzeln betrachtet, man musste sie aber in Bezug zueinander sehen. Wie ging der Satz weiter?
Neugierig schaute Robert nach links und freute sich schon auf das nächste Auto. Mit einem Rauschen kam es auf ihn zu, es war ein brauner Alfa Romeo. Sonst würde Robert erst das Auto begutachten, aber jetzt blickte er sofort zu dem Kennzeichen.
„CMB-301“.
Zuerst wusste Robert nicht, was es bedeuten sollte, er versuchte sich aber das Kennzeichen zu merken. Es war ein Wagen aus einem anderen Land, aus Belgien. Während er an seiner Lippe kaute und dem Alfa Romeo hinterher schaute, merkte er, wie ein weiteres Auto an ihm vorbeisauste. Sofort hob der Junge die Augenbrauen, denn der Wagen war ein Porsche Panamera Turbo. Ein Gefährt mit Einparkhilfe, ESP, elektrischen Fensterhebern, Klimaanlage, Navigationssystem, Schiebedach, Sitzheizung und Tempomat. Ein toller Wagen! Und das Kennzeichen?
„BK-2014“
„Mutti, hast du was zu schreiben?“ fragte Robert und drehte sich zu seiner Mutter während er sich am Kopf kratzte. Was versuchten ihm die Autos nur mitzuteilen? Er wollte sich die Kennzeichen aufschreiben und zuhause sich Zeit nehmen sie zu entschlüsseln.
Seine Mutter kramte in ihrer Jackentasche und fragte ihn, warum er etwas zu schreiben brauche.
„Nur so, ich habe gerade eine Idee und will die nicht vergessen“ antwortete Robert, der ihr lieber nicht die Wahrheit sagen wollte um sich einen blöden Kommentar von ihr zu ersparen.

Eine Stunde später saß Robert vor seinem Schreibtisch und starrte auf den kleinen Zettel mit den zwei Autokennzeichen.
„Wir sind uns 1001% sicher, dass...CMB-301...BK-2014“ hatte Robert im Kopf. Was soll CMB nur bedeuten? Und dann 301? Im ging durch den Kopf, dass es vielleicht die Abkürzung eines Namens sei. „Claudius Matthias Balthasar“ flüsterte Robert leise, doch ihm fiel keiner ein, der so hieß. Matthias Claudius war ein Dichter, er schrieb zum Beispiel den Text zu dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Aber der hieß nicht „Balthasar“ mit drittem Namen. Balthasar hieß einer der drei heiligen Könige. Wie hießen die anderen beiden eigentlich noch mal?
Als es Robert einfiel, lachte er kurz auf: Caspar, Melchior und Balthasar, dafür stand also CMB! Bei der „301“ überlegte er kurz und ihm fiel ein, dass die „3“ für die heiligen drei Könige stand und die „1“ hieß, dass nur einer von ihnen gemeint ist.
Robert war jetzt richtig in Denklaune gekommen und das letzte Kennzeichen bereitete ihm keine Probleme. „BK-2014“ stand für: ...bald kommen (im Jahr 2014).
Nun wollte er den ganzen Satz aufschreiben:
„Wir sind uns 1001% sicher, dass einer der Heiligen Drei Könige bald kommen wird.“
Kurz nachdem er den Satz aufgeschrieben hatte, fiel ihm ein, dass vielleicht die „Weihnachtskönige“ gar nicht gemeint waren (denn die sind ja schon lange mausetot!). „CMB-301“ steht bestimmt nur für den Begriff „König“ war sich Robert sicher.
„Wir sind uns 1001% sicher, dass der König bald kommen wird.“
Mit seinen Zähnen knabberte er an dem Bleistift, mit dem er gerade geschrieben hatte, und überlegte. Was für einen König meinen die Autos nur? Bestimmt meinen die ein ganz tolles, schickes und superneues Fahrzeug, das König aller Autos.
Neugierig stand er von seinem Stuhl auf und holte aus seinem Regal die neuste Ausgabe von „Auto Motor und Sport“. Er blätterte in dem Heft und fragte sich, welches Auto wohl als König der Fahrzeuge gelten konnte. Vielleicht der neue silbergraue 911er Porsche? Oder war es ein BMW der neuen M-Generation? Robert schaute sich den aquamarinblauen Wagen an, zu gerne würde er auch das Kennzeichen lesen können. Doch in dem Heft war das Schild grob aufgerastert, man konnte es nicht mehr lesen. Auf der nächsten Seite sah er den neuen Ford Mustang als Cabrio. Seine Motorenpalette umfasst auch einen Zweiliter-Turbomotor aus dem Ford Focus ST.
Genau in dem Moment betrat Roberts Vater das Kinderzimmer. Die Tür stand schon offen und der Junge merkte nicht, wie sein Papa zum Schreibtisch ging und auf den Zettel mit den Kennzeichen schaute. Erst als er den Zettel in die Hand nahm und zu seinem Sohn sprach, schreckte Robert auf und schaute zu seinem Vater.
„Welch seltsame Zeichen hast du mit Blei in das Papierchen geritzt? Sind das gar die Namensschilder der Autos?“ fragte der Vater und wedelte mit dem kleinen Zettel in der Hand. Augenblicklich stand Robert auf und schnappte sich das kleine Stück Papier.
„Hast du deine Schularbeiten schon zelebriert?“ fragte der Vater und schaute ihn ernst an.
„Ja, habe ich“ sagte der Junge, in der selben Zeit zog er sich die Schuhe an. Er hatte vor rauszugehen und nach Autos zu schauen. Womöglich könnte er so mehr über den kommenden König erfahren, den die Autos meinten. Mit einem Stift und einem Zettel in der Hand verließ er die Wohnung, das erste Auto, was er sah, wollte er aufschreiben. Neben seinem Haus war eine Sparkasse, vor dessen Eingang eine grüne Sitzbank stand. Robert setzte sich hin und schaute auf die Straße.
Er musste nur kurz warten, da sauste auch das erste Auto auf der Straße an ihm vorbei. Es war ein kleiner roter VW Lupo mit dem Kennzeichen „DM-6118“, sofort schrieb er es sich auf. Gleich darauf folgte schon das nächste Auto, ein gelber Twingo mit dem Schild „MU-6672“. Das reicht erst mal, sagte sich Robert und stand von der Sitzbank auf. Zwei Meter vor ihm parkte ein schnittiger roter Mercedes mit dem Schild „RE-8826“. Im Stehen notierte sich der Junge auch noch dieses Kennzeichen. Jeder andere wäre mit der Entschlüsselung überfordert, anders Robert: Mit der linken Hand umklammerte er das kleine „magic car“ in seiner Hosentasche in der Zuversicht, dass es ihm Glück bringen werde.
Zuhause schloss er als erstes sein Zimmer ab, er wollte ungestört nachdenken. Danach setzte er sich an seinen Tisch und kramte aus seiner Jackentasche den Zettel mit den Kennzeichen raus.
„DM-6118“ war das erste davon. Doch zur Zahl 6118 hatte unser Held keine Assoziationen. Ihm ist aber aufgefallen, dass man die vierstelligen Zahlen in zwei Zahlen aufspalten kann. Doch zur 61 fiel ihm auch nichts ein. Was ist 1961 nur passiert? Da waren seine Eltern noch nicht mal geboren. Moment! Ihm fiel ein, dass er irgendwo in der Wohnung einen seltsamen Namen gesehen hatte, in dem auch die 61 enthalten war. War es ein Schriftsteller oder ein Wissenschaftler?
„Nein“, sagte er leise zu sich, „das wird ein Gerät sein mit einer Nummer, wo die 61 drin steckt.“ Da er nicht darauf kam, stand er auf, öffnete die Tür und ging durch die Wohnung. Jedes elektrische Gerät, egal ob Kamera, Telefon oder Mikrowelle, schaute er an, doch nirgends eine 61. Leise öffnete er die Tür des Arbeitszimmers seines Vaters, welcher gerade vertieft war in einen seiner Texte und mit dem Rücken zu ihm saß.
Robert schlich in das Zimmer, während der Vater auf die Tastatur hackte. Vielleicht war es der Computer, der eine 61 in seinem Produktnamen hatte. In dem Moment, in dem er einen Schritt auf den Computer zuging, lehnte sich sein Vater nach hinten und schloss die Augen. Dabei sprach er:
„Ich befinde mich in einem wunderschönen Garten. Der Garten ist rechteckig und von hohen Zypressen hinter der Marmorzäunung umgeben. Ich sehe Blumenanlagen und einen Springbrunnen. Ich ruhe auf einer Marmorbank mitten im Garten bei prächtigem Sonnenschein, ich liege auf weichen Polstern und halte ein Weib in den Armen...“
In der Zwischenzeit hatte Robert auf den Computer geschaut, auf die Maus, auf den Monitor, aber nirgends war eine 61 zu sehen. Wo hatte er sie nur gesehen gehabt? Vielleicht war es ein Gerät, welches nur ausgeliehen gewesen war. Robert drehte sich um und wollte das Zimmer wieder verlassen, da fiel sein Blick auf den Drucker. Mit der Beschriftung „Kyocera Mita DU-61“.
Eilig verließ Robert das Zimmer und schnippte mit den Fingern. Das „D“ in „DM-6118“ stand also für das Wort „Du“. Doch was war mit der 18? Die war bestimmt irgendwie verknüpft mit dem „M“ in dem Kennzeichen. In seinem Zimmer schloss er die Tür wieder ab, das erste, was ihm zur 18 einfiel, war, dass er selber in 5 Jahren 18 wurde. Dann hat er mehr Freiheiten, aber auch mehr Pflichten. Er Muss aufpassen, was er macht und seine Eltern Müssen ihm, sollte er noch zur Schule gehen, Unterhalt zahlen. Er überlegt, dass die 18 und das „M“ vielleicht das Wort „müssen“ bedeuten.
„Du musst...“ fing der Satz also an, jetzt wollten die Autos ihm sagen, was er machen musste um ihren neuen König zu finden, dachte er sich. Aufgeregt zappelte er mit den Beinen hin und her, das Thema „Auto“ hatte ihm noch nie so viel Spaß gemacht.
Sofort nahm er sich das nächste Kennzeichen vor, „MU-6672“. Die 66 bezog sich auf das „M“. Zur 66 fiel ihm nur das Lied von Udo Jürgens ein, „Mit 66 Jahren...“. Hieß die 66 hier „mit“? 1966 ist England Fußballweltmeister gewesen, aber Robert fiel dazu nichts mit „m“ ein. Und die 72 assoziierte er mit der 72-Stunden-Aktion des BDKJ (Bund der katholischen Jugend). Er war dort Mitglied und wollte bei dem Wettbewerb „Goldene Göre“ mitmachen, nur wusste er noch nicht mit welchem Projekt. Jetzt kam ihm aber in den Sinn, dass er seine Autogeschichte nur aufschreiben und dort hinschicken müsste, dann würde er vielleicht etwas gewinnen. Die 72-Stunden-Aktion hieß „Uns schickt der Himmel“. Zur 72 stand im Kennzeichen ein „U“, also hieß es hier vielleicht „uns“.
Jetzt schrieb Robert den Satzteil auf, den er verstanden hatte:
„Du musst mit uns...“
Nun kommt es raus, sagte er sich: Das nächste Kennzeichen, das er aufgeschrieben hatte, würde ihm sicherlich verraten, was er machen müsse, um den König der Autos zu finden. Das letzte Schild lautete: „RE-8826“.
Robert hatte mal im Fernsehen gesehen, dass in Hongkong die 88 sehr beliebt ist, weil sie dort als Glückszahl gilt. Die Menschen dort geben viel Geld aus um im Kennzeichen eine 88 zu haben. Zur 88 fiel ihm noch ein, dass man gerne „egal ist 88“ sagt. Das kann es aber nicht bedeuten, sagte er sich, denn die 88 hier ist alles andere als egal gewesen. Vielleicht bezog sich die 88 auch auf die 26. Auf der Stelle fiel unserem Helden sein Opa ein. Er ist 88 Jahre alt und 1926 geboren! Jetzt musste Robert nur noch herausfinden, was das „RE“ bedeuten sollte. Er dachte an seinen Opa, der immer viel erzählte und gerne redete. Genau! „RE“ stand für Reden. Jetzt hatte Robert den Satz vollständig und er schrieb ihn noch mal auf:
„Du musst mit uns reden.“
Der Junge stutzte kurz. Reden tat er doch die ganze Zeit mit den Autos! Er stand vom Stuhl auf und lief auf seinem Teppich im Kreis, dabei dachte er nach. Wieso wollten die Autos, dass er mit ihnen redet, wenn er es doch sowieso schon die ganze Zeit tat. Wie sprach er denn mit den Autos? In Gedanken. Und nicht laut, das war es vielleicht! Ohne zu überlegen zog er sich wieder die Jacke an und verließ das Haus.
Auf der Straße ging er gleich zu einem parkendem Auto, es war ein grauer Nissan. Robert öffnete schon seinen Mund um etwas zu sagen, da kam ihm in den Sinn, dass die Leute auf der Straße denken würden, dass er geisteskrank sei und mit sich selber sprechen würde. Aber er wollte nicht mit sich sprechen sondern mit dem grauen Nissan, er ignorierte die Leute, die Auf der Straße liefen, berührte die Motorhaube des Wagens mit seinen Fingern und sprach leise:
„Hallo, süßer Nissan!“
Nichts passierte. Robert fiel ein, dass er vielleicht zu leise gesprochen hatte und laut sagte er noch mal:
„Hallo, süßer Nissan!“
Auf einmal blinkten die Vorderlichter des Wagens auf, Robert ging erschrocken einen Meter nach hinten. Zu seiner Enttäuschung kam ein Mann mit einem Schlüssel in der Hand zum Wagen, öffnete ihn und setzte sich rein. Der Mann hatte den Wagen angeschaltet und deswegen hatten die Lichter kurz aufgeleuchtet.
Robert wollte schon wieder weg gehen, da sah er, wie der Mann sich abmühte den Wagen zu starten. Unser Autofreak ging wieder auf den Nissan zu, in dem Moment öffnete sich die Tür des Beifahrers. Genervt schloss der Mann die Tür wieder und rüttelte an dem Zündschloss. Zwei Sekunden später öffnete sich die Tür wieder, mit einem Stöhnen schloss der Mann den Wagen.
„Lieber Nissan, willst du, dass ich mitfahre?“ fragte Robert laut und bei seinem letzten Wort öffnete sich wieder die Tür des Beifahrers. Jetzt ignorierte der Mann die offene Tür und haute wütend gegen das Lenkrad. Gestresst stieg er aus und ging zur Motorhaube. In der Zeit setzte sich Robert auf den Beifahrersitz, im selben Moment schlossen sich die Türen. Der Mann schaute von der Motorhaube weg zu seinem Wagen und blieb wie angewurzelt stehen, als er Robert in seinem Auto sitzen sah. Als der Junge sich anschnallte, hupte das Auto – und fuhr nach hinten auf die Straße. Der Mann rannte hinterher und rüttelte an der Fahrertür, doch sie war verschlossen. Robert grinste den Mann an, da fiel ihm ein, dass seine Aktion wie Autodiebstahl aussah. Er würde viel Ärger von seinen Eltern bekommen, deswegen fasste er das Lenkrad an und sprach mit lauter Stimme:
„Halt, liebes Auto, bleib stehen! Ich will das Auto nicht klauen!“
Abrupt blieb der Wagen stehen, doch der Mann konnte die Tür nicht öffnen.
„Nissan, öffne dich!“ rief Robert und zeigte mit der Hand auf die verschlossene Tür. Auf der Stelle öffnete sie sich und der Mann stieg hastig ein.
„So, mein Freund, du verschwindest lieber schnell, sonst werde ich deine Eltern...“
Weiter kam der Mann nicht, denn auf einmal fuhr der Wagen nach hinten auf die Straße, ohne, dass jemand das Lenkrad oder das Gaspedal berührte. Der Mann schaute ungläubig auf das Lenkrad, welches sich von alleine bewegte. So sehr er auch am Lenkrad drehte, er konnte es nicht bewegen, es bewegte sich von alleine. Robert musste laut lachen, gleichzeitig hupte das Auto drei mal hintereinander.
Jetzt lachte auch der Mann und er fragte Robert, ob er von der Sendung „Die versteckte Kamera“ sei.
„Nein“, antwortete der Junge, „ich kann mit Autos reden. Denn ich bin – der neue König der Autos!“
Da stutze Robert, was hatte er eben gesagt? Er war doch auf der Suche nach dem König der Autos. Sollte er selber es sein? Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Der Mann riss ihn aber aus seinen Gedanken.
„Du, ich muss dich rauslassen. Alle, die uns sehen werden, werden denken, dass ich ein Kind entführt habe.“
Da hatte der Mann vielleicht Recht, sagte sich der Junge und er berührte mit der Hand die Beifahrertür und sprach:
„Nissan, bleib stehen und lass mich raus!“
Sofort hielt der Wagen an und die Tür öffnete sich. Robert drückte auf den Gurthalter und stieg aus. Der Mann dagegen schüttelte seinen Kopf, er konnte sich das ganze überhaupt nicht erklären.
Robert ging einige Meter weiter und blieb bei einem schwarzen Ford Ka stehen. Total begeistert von seiner neuen Macht fasste er den Wagen an um laut mit ihm zu reden.
„Lieber Ford, öffne deine Tür!“
Eine Sekunde später öffnete sich die Fahrertür und die Scheinwerfer blinkten auf. Ohne zu zögern setzte sich Robert in den Wagen, als er sich anschnallte schloss sich die Tür wieder.
„Fahr ein wenig durch die Gegend, lieber Ford“ forderte Robert den Wagen auf. Und prompt fuhr er los, Robert legte seine Hände aufs Lenkrad, ohne es aber zu bewegen, denn das tat es von alleine. Jetzt fragte er sich, warum er diese neue Macht hatte. Warum war er der König der Autos? Er griff in seine Hosentasche und holte das kleine „magic car“ raus. Seit er dieses kleine Spielzeug bei sich trug, verstand er die Autokennzeichen. Vielleicht musste man nur einige entschlüsselt haben und dann nahmen die Autos einen als ihren König auf.
Die Leute in den anderen Autos schauten ganz ungläubig Robert an, als sie sahen, dass er auf dem Fahrersitz saß. Der Junge konnte sogar sehen, wie ein älterer Mann mit Glatze sein Handy nahm, drei Ziffern drückte und telefonierte.
„Bestimmt hat der Typ jetzt die Polizei angerufen“ sagte sich Robert und befahl seinem Wagen zu parken. Schnell stieg er wieder aus, das Auto schloss sich von selbst ab. Wahrscheinlich würde sein Besitzer denken, es wurde geklaut. Aber Robert konnte es nicht riskieren mit dem Wagen wieder zurückzufahren. Aber kann man ihm das nicht sagen?
Auf der Stelle drehte sich Robert um und ging zu dem schwarzen Ford zurück. Er tatschte das Auto an und befahl ihm wieder zurück zu fahren. Das Auto blinkte mit seinen Lichtern und wedelte mit seinen Scheibenwischern. Nachdem es zwei mal gehupt hatte, fuhr es von alleine los um wieder zu seinem Ort zu fahren, wo es sein Besitzer geparkt hatte.
Ein Gefühl der Stärke und der Macht durchfloss Roberts Körper, er fand es nur zu schade, dass er sich in einem Wagen alleine nicht sehen lassen konnte. Dabei fuhr er selber ja gar nicht, das Auto steuerte von selbst. Wie viel Macht hatte er über die Autos? Das fragte er sich gerade und er griff nach dem Seitenspiegel eines Fiat Puntos und lachte auf.
„Komm, Fiat, du bist ein billiges Auto, dein Besitzer kann sich ein neues bestimmt leisten. Fahr los und mache einen Unfall“ befahl Robert dem Wagen mit einem Grinsen.
Doch das Grinsen verschwand, als der Wagen losfuhr. Er fuhr rückwärst auf die Straße – genau in einen gelben Bus rein. Ein Unfall! „Durch mich verursacht, ohh Gott!“ jammerte Robert und rannte schnell nach Hause.
Auf dem Heimweg ging ihm durch den Kopf, dass er vielleicht nachts von zuhause schleichen sollte und dann mit einem Auto fahren zu können. Er müsste zum Stadtrand gehen, wo nicht so viele Leute waren.
In seiner Wohnung angekommen, hechelte er und sein Vater fragte ihn, warum er außer Atem war.
„Ich habe einen Unfall verursacht“ gab ihm Robert zur Antwort ohne Nachzudenken. Gleich darauf fasste er sich mit der Hand an den Mund. Sein Mutter hörte das in der Küche und eilig ging sie zu den beiden im Flur.
„Du hast einen Unfall verursacht? WAS ist passiert?“ fragte die Mutter streng, der Vater stand daneben und verschränkte die Arme.
Robert sagte sich, dass er die Wahrheit am besten sagt. Denn die werden ihm seine Eltern nicht glauben und das ganze am Ende für einen schlechten Scherz halten.
„Ich habe einem Auto gesagt, dass es ein Unfall machen soll. Sofort ist es gegen einen BVG-Bus gefahren“ antwortete Robert und lachte seine Eltern an.
„Das ist kein Spaß“, ermahnte ihn seine Mutter, „was hast du angestellt?“
„Das habe ich doch gerade gesagt. Könnt ihr etwa nicht zuhören?“ sagt Robert und schaute seine Eltern abwechselnd an.
Der Vater dachte sich schon, dass es sich um einen Witz handelte und ging wieder in sein Zimmer. Die Mutter diskutierte noch ein wenig mit ihrem Sohn und dieser entschuldigte sich bei ihr schließlich und versicherte ihr so etwas nicht mehr zu sagen.

In der Nacht, es war schon um Mitternacht, stand Robert leise von seinem Bett auf um sich anzuziehen. Er musste an das Buch „Der magische Ring“ denken, wo auch ein Junge sich aus dem Hause schleicht. Allerdings ging der Junge in diesem Buch zu einem Friedhof, Robert wollte mit einem Auto fahren. Unser Held ging auf den Zehenspitzen aus der Wohnung und schloss leise die Tür. Eilig hastete er die Treppen herunter, er schaute, ob der das Fahrgeld und das magic car bei sich hatte.
Eine Stunde später stieg er aus dem Bus aus. Er war jetzt im nördlichen Berlin in Frohnau, an der Stadtgrenze. Als er die Haltestelle verließ, ging er noch ein paar Straßen weiter, wo niemand zu sehen war. An einem Haus parkte ein dunkler Mazda 626, als Robert mit ihm laut sprach und ihn mit seiner Hand berührte, öffnete sich auf der Stelle die Fahrertür. Jetzt gehörte Robert die Nacht, er stieg in den Wagen und sagte dem Auto, es soll eine große Runde drehen. Dabei machte er das Autoradio an und betrachtete aus dem Fenster die dunklen Häuser, in denen vereinzelt noch Lichter brannten. Robert wusste, dass er auf die Autos zählen könne. Einen Unfall wird er bestimmt nie bauen,sagt er sich. Und die Fahrprüfung für den Führerschein in einigen Jahren wird er so bestimmt bestehen.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20640 Verfasst am: Do 23.Jan.2014 10:08
 
Offroad II - 1.Teil
 
Meike fährt in ihrem Wagen, der ihr mittlerweile lieb und teuer geworden ist, auf einer Straße in Südspanien. Ihr Freund Salim sitzt neben ihr.

Salim:
„Mann, ist das heiß. In der Sahara wird es noch heißer sein. Wenn wir aber das überlebt haben, können wir eine Reise zum Mittelpunkt der Sonne wagen.“

Meike(lacht):
„Du wirst dich schon an die Hitze gewöhnen. Wir können ja kurz ans Meer fahren und uns erfrischen.“

Salim:
„Und nackt baden!“

Meike:
„Nackt?“

Salim:
„Ich habe keine Badehose dabei, mir bleibt nichts anderes übrig.“

Meike dreht mit dem Wagen zur Seite und fährt aufs Meer zu, Salim reibt sich dabei glücklich die Hände.

Meike:
„Aber nicht zu lange.“

Salim:
„Du kannst es kaum abwarten in der Gluthitze der größten Wüste der Welt zu verrecken.“

Meike:
„Wir werden nicht verrecken. Ich jedenfalls nicht.“

Salim:
„Wenn ich drauf gehe, wirst du ganz hilflos sein, krepieren und als Kamelfutter enden.“

Meike:
„Dann werde ich noch eine Linie Koks nehmen, dann werden die Kamele mich bestimmt ganz ungenießbar finden.“

Salim dreht sich zu Meike und schaut sie neugierig an.

Salim:
„Hast du noch was?“

Meike:
„Ähh, nein, ich habe deiner Rolls-Royce-Waschmaschine alles zum Fressen geben.“

80 km weiter nördlich sitzen ein Mann mit schwarzen Locken, ein Glatzköpfiger und ein blonder Mann in schickem weißem Anzug in einem schwarzen Wagen.

Lockenkopf:
„Verdammt, die haben so einen Vorsprung. Die bekommen wir nie. Warum wollen die eigentlich so weit weg?“

Blonder:
„Die haben bestimmt einen Deal mit einem Großhändler klar gemacht. Ein international gefürchteter Drogenbaron oder so etwas in der Art. Am besten, wir beobachten den Deal nur, und wenn Meike und Salim das Geld haben und wieder zurück fahren, überfallen wir die.“

Glatzköpfiger:
„Hoffentlich kommt da dann nichts dazwischen. Ich werde nie die Nachbarin vergessen, die die Waffe gefunden hatte und in die Wohnung geplatzt ist.“

Lockenkopf(lacht):
„Die dachte wirklich, dass wir für das Theater proben.“

Blonder:
„Nächstes mal knallen wir den Jemand ab, der uns dazwischen kommt.“

Glatzköpfiger:
„Was machen wir mit Meike und dem Typen?“

Blonder:
„Wir nehmen denen das Geld ab und schießen die ab. Ist doch klar.“

In der Zeit baden Meike und Salim im Meer, nackt und völlig ineinander verknallt. Es kommt zu der einen oder anderen Liebeszene, Meike hat Philipp und Salim hat Sarah ganz vergessen. Nach einer Stunde ziehen sie sich wieder an und fahren mit dem Auto weiter.

Salim:
„Meike, du bist so geil, ich bin total verknallt in dich, du bist so sexy, hammersüß...“

Meike:
„Ich bin nur eine Durchschnittsfrau.“

Salim:
„Du und Durchschnitt? Warum sagst du das dauernd? Du bist die schönste und durchgeknallteste Frau, die ich kenne.“

Meike:
„So durchgeknallt bin ich auch wieder nicht.“

Salim:
„Na klar! Du fährst mit mir in die Sahara, das habe ich noch mit keiner Frau gemacht.“

Meike:
„Dann waren diese Frauen nur Werkzeuge eines Systems, leer, gedankenlos und ohne Träume. Ich stelle es mir so aufregend vor mit diesem Wagen durch die Wüste der Sahara zu fahren. Es ist ein Traum von mir.“

Salim:
„Wir müssen uns in der nächsten Stadt mit Proviant und Sprit eindecken. In der Wüste gibt es kein Spätkauf oder eine Imbissbude.“

Meike sieht am Straßenrand einen Mann mit Halbglatze und einem roten Hemd, der seinen Daumen hochhebt.

Meike:
„Sollen wir den mitnehmen?“

Salim:
„Ne, lieber nicht. Der will uns vielleicht erklären, dass der Sinn des Lebens darin besteht Reißverschlüsse mit Schokocreme einzureiben. Ich habe keine Lust auf einen Verrückten.“

Meike:
„Ich schon!“

Meike hält den Wagen an und bleibt neben dem Mann stehen. Salim öffnet sein Fenster um mit dem Mann zu sprechen.

Jose:
„Hallo, könntet ihr mich ein Stück mitnehmen? Ich muss Richtung Marokko.“

Meike:
„Da wollen wir auch hin.“

Jose:
„Sehr gut, kann ich einsteigen?“

Meike nickt während Salim sie genervt anschaut. Jose dagegen freut sich und steigt hinten ein. Nach einer kurzen Pause fährt Meike weiter.

Jose:
„Ich heiße Jose. Und ihr? Vielen Dank, dass ihr mich mitnehmt.“

Meike:
„Ich heiße Meike...“

Salim(gereizt):
„...und bin eine Durchschnittsfrau.“

Jose:
„Du bist doch keine Durchschnittsfrau, du siehst super aus. Hätte ich nicht das Interesse an Frauen verloren, dann würde ich mein Glück bei dir probieren.“

Salim:
„Bist du schwul?“

Jose:
„Weder noch. Ich widme mein Leben Loko, dem Barmherzigen und Gerechten.“

Salim:
„Also doch schwul.“

Meike:
„Loko?“

Jose:
„Das ist mein Weg ihm zu folgen. Loko hat seine Heiligtum in der Sahara, ich bin auf dem Weg dorthin.“

Meike:
„Ist Loko ein Gott?“

Jose:
„Ja, und er ist der gerechteste und liebste von allen. Er ist mir nachts in meinen Träumen erschienen und hat mir den Sinn des Lebens verraten.“

Salim:
„Der Sinn des Lebens ist die Klappe halten.“

Jose:
„Nein, es ist der Pfad der Enthaltsamkeit. Früher war ich wild, habe stundenlang laut in meinem Zimmer gesprochen und gegen die Wände gehämmert. Dann traf ich auf ihn, wir waren Welten entfernt, aber doch vom selben Stern. Loko hat mich geheilt.“

Meike:
„Was macht Loko denn alles?“

Jose:
„Loko ist der Gott für die Einsamen, er gibt ihnen bedenkenlose Stille und Geduld. Den Armen gibt er Hoffnung an ein neues Leben zu glauben. Die Reichen werden von ihm erinnert auch mal einem Bettler die Schuhe zuzubinden. Den Alten gibt er den Glauben nicht umsonst gelebt zu haben. Und den Liebenden gibt er die Unsterblichkeit.“

Salim:
„Unsterblichkeit?“

Jose:
„Wenn ein Liebespaar vor seinem Altar den Akt der Verschmelzung ausübt, dann wird es unsterblich.“

Salim lacht jetzt zum ersten mal seit Jose eingestiegen ist.

Salim:
„Das hört sich gut an, Mickey, wollen wir das nicht auch machen?“

Doch Meike erstarrt. Sie sieht durch den Rückspiegel Jose mit einem Krokodilkopf. Abrupt hält sie den Wagen an und dreht sich um, doch sie erkennt keine Veränderung an Jose. Nur im Rückspiegel sieht sie den Krokodilkopf.

Jose:
„Was ist los?“

Meike:
„Im...im...im Rückspiegel...(zeigt mit zitternder Hand auf den Spiegel).“

Jose beugt sich vor und schaut in den kleinen Spiegel. Daraufhin wirft er sich wieder in seinen Sitz und streicht sich mit der Hand durch seine schwarzen Haare. Meike erkennt, wie seine braunen stechenden Augen funkeln.

Jose:
„Das ist ein Zeichen von Loko. Er will mir so nur mitteilen, dass ich gerade in Begriff bin den Weg der Enthaltsamkeit und der Stille zu verlassen. Ich muss jetzt zu ihm beten und darf nicht mehr mit euch reden.“

Salim:
„Wird er dann eifersüchtig, oder was?“

Doch Jose antwortet nicht, er faltet die Hände zusammen und schließt die Augen. Salim schaut Meike an, welche den Wagen wieder startet und weiterfährt. Jetzt sagt keiner was, Meike geht der Krokodilkopf aus dem Rückspiegel nicht mehr aus dem Kopf. So etwas hat sie bisher noch nicht erlebt.
Sie erreichen eine Stadt und halten vor einem Supermarkt. Während Jose weiter betet, steigen Meike und ihr Freund aus. Beide gehen in den Supermarkt. In der Zeit, in der sie einkaufen, reden sie über ihren neuen Gast.

Meike:
„Du, der Jose ist mir irgendwie unheimlich mit seinem Gott.“

Salim:
„Hast du vergessen was der da erzählt hat? Mit der Unsterblichkeit? Irgendwas ist da dran, sonst hätten wir nicht das Krokodil in dem Spiegel gesehen.“

Meike:
„Hoffentlich verwandelt der sich während der Fahrt nicht in eins und frisst uns auf.“

Salim:
„Komm, wir bringen den zu dem Heiligtum und paaren uns dort. Dann sind wir unsterblich, das wäre doch geil.“

Meike sagt in der Zeit nichts und packt Brot und ein paar Dosen Fleisch in den Einkaufskorb.

Salim:
„Seltsam, dieser Loko. Völlig unbrauchbarer Gott, schenkt nur Enthaltsamkeit, Stille und so ein Schrott. Den Liebenden schenkt er aber Unsterblichkeit.“

Meike nimmt sich vor Jose ein paar Sachen später zu fragen. Eine halbe Stunde später fahren sie wieder und Jose öffnet die Augen und schaut aus dem Fenster. Die ganze Zeit schaut Meike nervös in den Rückspiegel. Jetzt sieht sie Jose ganz normal im Spiegel.

Meike:
„Gut geschlafen?“

Jose nickt.

Meike:
„Kann auch ich mit Loko reden?“

Jose nickt wieder.

Salim:
„Wie geht das?“

Jose:
„Du musst dir mit einem heißen Eisenstab Schmerzen zufügen und danach deinen Urin trinken. Zwei Monate später erscheint dir der große Herr in deinem Traum und du kannst mit dem reden.“

Salim:
„Das machen wir nicht. Warum willst du keine Unsterblichkeit von ihm?“

Jose:
„Nein, die Stille und die Enthaltsamkeit, denen habe ich mich verschrieben. Geduld haben und tugendhaft handeln, das habe ich von Loko gelernt. Zum Dank beschützt er mich und fügt allen Schaden zu, die mir böses wollen.“

Salim:
„Was würde passieren, wenn wir dich jetzt rausschmeißen würden?“

Jose:
„Ihr würdet ins nächste Auto rasen und bei einem Unfall sterben. Oder ihr würdet in der Wüste verhungern. Die junge Frau, die mich eine Weile mit ihrem Wagen mitnahm, ist daran gestorben, dass sie ihre Zahnspange verschluckt hat.“

Meike:
„Warum ist sie gestorben?“

Jose:
„Sie wollte mir keine Zigarette geben.“

Jetzt sagt keiner was. Meike würde Jose am liebsten wieder rausschmeißen, aber sie traut sich nicht. Salim dagegen interessiert sich sehr für den heiligen Schrein des Gottes, bei dem er angeblich unsterblich werden kann. Während Meike dauernd nervös in den Rückspiegel schaut, pfeift Salim das Lied „Aisha“ und grinst.
Sie erreichen Gibraltar und fahren mit dem Wagen in eine Fähre. Als Jose wieder seine Augen öffnet, gibt Meike ihm eine Zigarette.

Salim:
„Kann dir Loko denn keine Zigaretten geben?“

Jose:
„Loko kann einen nicht mit irdischen Gütern beglücken. Er kann einen nur mit geistigen Gaben beschenken.“

Meike:
„Wie bist du auf Loko aufmerksam geworden.“

Jose:
„Ein Freund von mir hat es geschafft zu reden ohne den Mund dabei zu bewegen. Ich war sehr verblüfft und er hat mir dann von Loko, dem Wahrhaftigen, erzählt. So wurde ich auf ihn aufmerksam.“

Salim:
„Sind da viele bei seinem Schrein?“

Jose:
„Das weiß ich nicht. Ich habe nur gehört, dass die meisten nicht mehr wiedergekommen sind.

Meike und Salim schauen sich ernst an.

Jose:
„Es soll so schön sein vor seinem Altar, dass man dort bleiben und sterben möchte.“

Am nächsten Tag stehen Meike und Salim an der Reling der Fähre, Jose ist im Auto geblieben.

Meike:
„Wie werden wir den Typen wieder los?“

Salim:
„Warum loswerden? Der soll uns zu dem Heiligtum dieses kranken Gottes bringen.“

Meike schaut ihn ärgerlich an.

Meike:
„Ich will mich da nicht mit dir paaren. Wer weiß, was dann passiert.“

Salim umarmt sie und schwärmt:
„Na wir werden unsterblich, Baby.“

Meike löst sich von ihm, schaut auf den Boden und jammert:
„Vielleicht werden wir uns auch in Kröten oder Zombies verwandeln.“

Salim:
„Wenn wir ihn rauswerfen, dann wird uns vielleicht dieser Loko hart bestrafen.“

Meike:
„Du, ich würde an so einen Quatsch nicht glauben, hätte ich das Krokodil nicht gesehen.“

Salim grübelt und sagt:
„Na gut, ich werde es ihm sagen.“

Zwei Stunden später sitzen sie mit Jose an einem Tisch und essen.

Jose:
„Der Krabbensalat schmeckt vorzüglich. Loko isst auch gerne Krabben.“

Salim:
„Du, Jose, wir müssen mal mit dir reden.“

Jose:
„Ja klar, nur zu.“

Salim will ihm eigentlich sagen, dass er nicht mehr mitfahren soll, weil er den beiden mit seinem Gott zu unheimlich ist. Doch ihm kommt die Geschichte mit der Unsterblichkeit in den Kopf, die ihn neuerdings sehr interessiert.

Salim:
„Ne, schon gut.“

Meike:
„Dann...dann sage ich dir es...bitte verstehe es nicht falsch...aber...aber es wäre am besten, wenn du mit einem anderen Wagen weiterfahren würdest wenn wir in Marokko sind.“

Jose:
„War ich unhöflich? War Akkaba bei euch?“

Meike:
„Akkaba?“

Jose:
„Akkaba ist der Widersacher von Loko, er predigt Hast, Eile und Neid.“

Salim:
„Ist schon gut, du kannst ruhig bei uns mitfahren.“

Meike schaut ihn ratlos an. Sie fragt sich, ob dieser Gott jetzt auch ihren neuen Freund ergriffen hat. Wird ihr das auch passieren? Wird Loko auch sie bald steuern?
Nach dem Essen steht Jose auf, bedankt sich und geht weg.

Meike:
„WAS soll denn das? Warum sagst du ihm denn, dass er mitfahren kann?“

Salim:
„Lass uns zu diesem Altar fahren und unsterblich werden.“

Jetzt kann sich Meike nicht mehr halten. Sie springt von ihrem Stuhl auf, welcher nach hinten umfällt.

Meike:
„VERDAMMT noch mal! Dieser Loko wird uns in kleine Fledermäuse verwandeln, die für den Rest ihres Lebens unter starken Zahnschmerzen leiden werden. Ich traue Jose nicht.“

Salim:
„Mickey, beruhige dich wieder. Loko ist ein guter Gott, er will uns nur helfen, glaube mir.“

Meike:
„Hat dieser Gott jetzt Besitz von dir ergriffen?“

Salim überlegt. Er will unbedingt zu dem Heiligtum. Und wenn er sagt, dass Loko ihn steuert, wird Meike vielleicht gehorchen und den Mund halten.

Salim:
„Ja, Baby, ich kann Loko in jeder Pore meines Körpers spüren. Und er will, dass wir zu ihm kommen. Andernfalls wird er uns hart bestrafen.“

Meike dreht sich um und verlässt den Tisch. Die nächsten zwei Tage sprechen sie kaum miteinander, Meike wundert sich aber über ein Buch, welches Jose liest, Es besteht nur aus leeren Blättern. Sie fragt aber nicht nach, sie hat sich angewöhnt nicht mehr mit ihm zu reden. Auf dem Heck des Schiffes raucht sie alleine eine Zigarette, ein Mann mit dunklen Haaren und einem langen Zopf stellt sich neben sie.

Mann:
„Ach, das ist schon schade, wenn man so gut ist.“

Meike beachtet ihn nicht und raucht weiter.

Mann:
„Die Frauen schauen mich immer kurz an und gucken dann weg. Oder sie schauen mich nicht an. Klar, ich bin wählerisch, ich nehme nur Supermiezen, aber alle Frauen denken immer, sie haben keine Chance bei mir und schauen mich gar nicht erst an. Wie heißt du?“

Meike schaut ihn kurz an und dann wieder weg.

Mann:
„Ist ja süß, wie aufgeregt du bist. Traust dich noch nicht mal mir deinen Namen zu sagen. Brauchst keine Angst vor mir zu haben, Süße, ich tue dir nichts. Du gefällst mir. Nicht, dass ich nicht schon mit schöneren Frauen im Bett gelegen habe, aber du gehst gerade noch. Du siehst okay aus. Ich heiße Rudi.“

Meike:
„Bitte lass mich in Ruhe.“

Rudi:
„Ich weiß, die Frauen halten es nicht lange mit mir aus, weil ihnen der Atem stockt und das Blut kocht wenn sie mich sehen weil ich so gut aussehe. Sorry, das mit dem „okay“ war falsch. Du siehst ziemlich gut aus. Viele Frauen, die besser als du aussehen, hatte ich noch nicht.“

Meike sagt nichts und ascht ihre Zigarette ab.

Rudi:
„Warum bist du so aufgeregt? Am besten, du atmest ruhig ein und wieder aus. Ein, aus, ein, aus.“

Meike geht zwei Schritte zur Seite.

Rudi:
„Du, ich bin nicht zu den Frauen so hart wenn sie bei mir verkacken. Mehr als ein „nein“ wirst du von mir schon nicht hören. Du hast ein sehr schönes Gesicht, ich würde es gerne mal lächeln sehen.

Stöhnend geht Meike noch einen Schritt zur Seite. Rudi lacht laut auf und klatscht in die Hände.

Rudi:
„Bist du süß!! In deinem Kopf dreht sich bestimmt alles, du kommst einfach nicht drauf, wie du es mir sagen sollst, dass ich dir gefalle. Machen wir es ganz einfach: Du schaust mir in die Augen und sagst mir deinen Namen.“

Meike schaut ihm ins Gesicht und meckert:
„Ich bin nicht aufgeregt, ich bin genervt.“

Rudi:
„Ist doch klar, wenn man es nicht gebacken bekommt den Mann des Lebens anzusprechen und die ganz große Chance verpasst, dann ist man genervt. Sag mir einfach deinen Namen, nur ein Wort. Und nicht vergessen: Einatmen, Ausatmen, Einatmen, Ausatmen.“

Meike:
„Herrgott, du bist überhaupt nicht mein Typ. Außerdem habe ich einen Freund.“

Rudi:
„Na dieser Freund ist sicherlich nur eine Notlösung für dich, eine Zwischendurchstation. Kann mir kaum vorstellen, dass er mit mir mithalten kann. Scheinbar ist er daran schuld, dass du so genervt bist und glaubst, den Weg des ewigen Verlierers gehen zu müssen. Komm, das hier ist die Möglichkeit deines Lebens, sage nur ein Wort, deinen Namen und das goldene Zeitalter in deinem Dasein hat begonnen.“

Meike wirft ihre Zigarette auf den Boden und drückt sie mit ihrem Schuh aus.

Rudi:
„Und jetzt ganz ruhig bleiben, ignoriere nun dein Herz, welches wie verrückt schlägt, stecke deine zittrigen Hände in die Hosentaschen und wische dir den Angstschweiß von der Stirn. Nur deinen Namen musst du sagen. Dann ist es geschafft. Mann, bist du aufgeregt.“

Aber Meike dreht sich um und geht weg.

Rudi:
„Schade, Mädchen, du warst bestimmt kurz davor. Du wirst diesen Tag wahrscheinlich nie vergessen, diese verpasste Möglichkeit wird dich dein Leben lang verfolgen. Mädel, du bist jetzt traumatisiert. Ich kenne einen guten Psychiater, wenn du willst, kann ich dir die Nummer geben.“

Meike dreht sich um und ruft:
„Ich war so aufgeregt, dass ich es nicht geschafft habe dir zu sagen, dass du voll der ätzende Typ bist.“

Rudi:
„Mädchen, so kannst du deine eben erlittene Niederlage nicht verarbeiten. Du machst ja alles falsch, Mann.“

Meike:
„Was soll so toll an dir sein?“

Rudi:
„Merkst du das nicht? Du wirst mich jetzt nie vergessen, die Bilder von mir werden sich fest in deinem Gehirn einbrennen.“

Meike lacht auf, dreht sich um und sieht, wie Salim auf sie zukommt. Freudig umarmt sie ihn und gibt ihm einen Kuss. Rudi murmelt vor sich hin.

Rudi:
„Verdammt, es hat nicht geklappt. Sah richtig geil aus die Braut, kann man fast schon zu den Supermiezen zählen. Was habe ich nur falsch gemacht?........Ach, das ist es bestimmt. Sie hat gar keinen Namen, ich habe da einen wunden Punkt bei ihr getroffen. Ich hätte sie einfach Jessy nennen müssen. Die Arme, warum aber war die nur so aufgeregt? Wahrscheinlich sehe ich zu gut aus. Ich schon scheiße, wenn man zu gut für diese Welt ist.“
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20643 Verfasst am: Sa 25.Jan.2014 17:03; Bearbeitet von Dover am: Sa 25.Jan.2014 17:16
 
Offroad II - 2.Teil
 
Der Glatzköpfige, der Lockenkopf und der Mann mit dem schicken Anzug stehen am Straßenrand neben ihrem Auto.

Lockenkopf:
„Und? Ist da noch was zu retten?“

Der Glatzköpfige steht gebeugt vor dem platten Reifen ihres schwarzen Wagens.

Glatzköpfiger:
„Ne, da ist nichts zu holen.“

Mann mit Anzug:
„Verdammt, wir sind vorgestern schon 40 km an Meike und Salim nah dran gewesen.“

Lockenkopf:
„Das GPS zeigt an, dass die jetzt auf dem Meer Richtung Marokko sind.“

Mann mit Anzug:
„Was wollen die da nur?“

Lockenkopf:
„Vielleicht haben die den Koksdeal schon längst abgewickelt. Und wollen jetzt in Marokko von dem Geld gutes Hasch kaufen.“

Mann mit Anzug:
„Was ist jetzt mit dem Wagen?“

Glatzköpfiger:
„Der hat einen Platten.“

Mann mit Anzug:
„Ach ne, ich dachte der Wagen hat Fieber. VERDAMMT, dann holt einen Ersatzreifen.“

Lockenkopf:
„Ähh, Chef?“

Mann im Anzug:
„Pass jetzt bloß auf, was du sagst, Kleiner!“

Lockenkopf:
„Naja, heute ist schönes Wetter.“

Mann im Anzug:
„Diese schmachtende Hitze geht mir dermaßen auf den Geist.“

Lockenkopf:
„Wir sollten das Wetter zelebrieren und an die grauen kalten Tage in Deutschland denken. Es gibt kein schlechtes Wetter, man muss sich nur passend kleiden. Und...“

Mann im Anzug:
„WAS willst du mir eigentlich sagen?“

Der Glatzköpfiger öffnet den Kofferraum und schaut hinein, der Lockenkopf fängt dabei an zu schwitzen.

Lockenkopf:
„Wir sollten nicht verblendet sein von unserem Ziel, der Weg ist das Ziel, ich war noch nie so südlich von Europa und ich stell fest, dass wenn man sich akklimatisiert und die heimischen Tischsitten respektiert...“

Glatzköpfiger:
„Wir haben keinen Ersatzreifen!“

Der Mann im Anzug schaut den Lockenkopf wütend an.

Mann im Anzug(leise):
„Habe ich dir nicht gesagt, dass du einen Ersatzreifen mitnehmen sollst?“

Lockenkopf:
„Ich habe sogar zwei mitgenommen, ohhh, nein, es waren sogar drei, aber Reifen werden gerne geklaut, ich wusste nicht, dass ich die Reifen hätte anschließen müssen. Vielleicht lebten die Reifen auch und sind davongerollt (lacht), was es so alles gibt? In Amerika wurden neuerdings funkgesteuerte Reifen entwickelt und es kann sein, dass...“

Mann im Anzug(schreit):
„WARUM HAST DU KEINEN REIFEN EINGEPACKT?“

Lockenkopf:
„Ähhh, ich sagte doch schon, ich habe drei oder vier in den Kofferraum gelegt. Dass müssen ganz billige Reifen gewesen sein mit einer krassen Halbwertzeit, die sind nach...ein...paar Stunden...schon...“

Mann im Anzug:
„...zerfallen...ja klar, mein Bürschchen. KANNST DU MIR JETZT SAGEN, wie wir diese Durchschnittsfrau und diesen blöden Türken KRIEGEN sollen?“

Der Glatzköpfige holt seine Pistole aus der Tasche und geht auf die Straße zu.

Glatzköpfiger:
„Ich weiß, wie wir einen neuen Reifen bekommen.“

Er stellt sich mitten auf die Fahrbahn und hält einem anfahrenden Auto die Waffe entgegen. Das Auto hält und die Insassen heben ihre Hände hoch. Der Glatzköpfige und der Lockenkopf schrauben sogleich ein Reifen ab.

In der Zwischenzeit auf der Fähre.

Meike hält sich die Hand über den Augen und schaut auf das Land, welches man von weitem sieht. Neben ihr steht Salim, er streichelt Meikes Rücken und lächelt.

Salim:
„Bald geht unser Trip in der Wüste los.“

Meike:
„Ich würde mich eigentlich freuen.“

Salim:
„Aber?“

Meike dreht sich zu ihrem Freund.

Meike:
„Wenn da nicht dieser nervige Typ wäre. Du, wenn das mit dem Krokodilkopf nicht gewesen wäre, dann hätten wir den doch schon längst rausgeschmissen.“

Salim:
„Ja, du hast recht. Vielleicht hat er so ein Gerät dabei, mit dem er Bilder auf den Rückspiegel projizieren kann.“

Meike:
„Ne, das glaube ich nicht. Aber es war nur das. Vielleicht hatten wir durch die Gluthitze irgendwie die selbe optische Täuschung.“

Jose kommt von hinten auf sie zu.

Jose(lacht):
„Hallo, meine Freunde. Wir haben bald das Festland erreicht, Loko freut sich schon mächtig auf uns. Es ist auch gut, dass ich mitkomme, so kann ich euch bei den anderen Gläubigen vorstellen und...“

Meike dreht sich zu ihm.

Meike:
„Jose. Du bist ja ganz nett, aber so wie du nett bist, bist du auch unheimlich mit deinem Gott. Ich habe heute einen Albtraum gehabt, ich habe geträumt, dass dein Gott mich holt und auffrisst.“

Jose:
„WAS? Du hast von Loko geträumt? Das ging ja schnell, normalerweise muss man dafür ein Ritual ausüben. (fässt Meike an die Schulter und strahlt sie an) Was hat dir der allgegenwärtige Wüstengott denn mitgeteilt? Ist er etwa schon verliebt in dich? In mich hat er sich damals auch schnell verliebt, es war Liebe auf den ersten Blick (schaut verträumt in den Himmel).“

Meike:
„Das ist egal, was er gesagt hat.“

Salim geht einen Schritt auf ihn zu und schaut ihm ernst in die Augen.

Salim:
„Pass mal auf , mein Freund...“

Jose:
„Stimmt, wir sind gute Freunde geworden, deswegen...“

Salim:
„HALT DIE KLAPPE...du Penner...wir werden jetzt ohne dich weiterfahren, kapitsche?“

Jose öffnet seinen Mund und schaut traurig auf den Boden.

Jose:
„Manno, ich dachte, das wäre eine Bekanntschaft fürs Leben.“

Salim(lauter):
„DU BEKOMMST gleich eine Backpfeife fürs Leben.“

Jose:
„Ach, Gott. Das wird nichts. Das wird nichts bringen, denn...“

Salim schlägt ihm ins Gesicht – und schreit auf. Jose dagegen reibt sich nur kurz seine Wange.

Jose:
„Loko will, dass ihr mitkommt. (lacht). Keine Angst, Meike wird schon nicht geopfert, hehe...“

Salim schlägt ihm nochmal ins Gesicht, Jose bleibt unbeweglich stehen und Salim fällt auf den Boden mit einem Schmerzensschrei. Meike bückt sich gleich über ihn und schaut Jose an.

Jose:
„Aber ihr müsst schon Opfer hinnehmen, ihr müsst enthaltsam sein und geduldig, auf der Reise zu seinem Heiligtum werdet ihr neue Erfahrungen gewinnen.“

Salim:
„AHHH, meine Hand! Was bist du nur für ein Typ?“

Jose:
„Ich bin doch euer Jose (lacht), ein gewöhnlicher Mann. Loko schützt mich, ihr könnt mir nicht schaden. Sorry, ich würde mir auch eine andere Mitfahrgelegenheit suchen, falls ich eure Zweisamkeit zu sehr störe...aber Loko will nicht....und wir müssen uns dem fügen...(dreht sich um und geht wieder weg)...wir sehen uns dann beim Wagen, bis gleich!“

Salim:
„Verdammt! Ich habe ihm doch zweimal voll in die Fresse gehauen!“

Meike:
„Salim, das mit dem Loko wird stimmen. Wir können den jetzt nicht mehr loswerden.“

Salim:
„Dann...dann stimmt das vielleicht mit der Unsterblichkeit wirklich.“

Meike:
„MANN, geht das schon wieder los? Ich will an so einem unheimlichen Schrein kein Sex mit dir haben.“

Salim steht auf und schaut Meike an.

Salim:
„Mickey, was wollen wir eigentlich in der Wüste machen?“

Meike:
„Na mit dem tollen Wagen offroad fahren.“

Salim:
„Das ist doch langweilig auf Dauer. In der Wüste gibt es nur Sanddünen, Sanddünen und nochmal Sanddünen.“

Meike:
„Ich denke, du warst auch scharf darauf.“

Salim:
„Naja, schon, aber es ist doch viel geiler, wenn wir zu diesem Schrein fahren, der bestimmt voll fantasymäßig aussieht und wir uns beim Sex vorstellen, dass wir unsterblich werden. Wenn wir es nicht werden, dann haben wir einen witzigen Film geschoben, den wir unseren Freunden erzählen können. Und wenn wir doch unsterblich werden, dann können wir solange offroad fahren bis der Wagen kaputt ist oder die Welt untergeht.“

Meike:
„Jose meinte aber, dass die meisten nicht mehr zurückgekommen sind.“

Salim:
„Ach, das sind solche Typen, die auf dem Loko-Trip hängen geblieben sind. Die haben sich in diesen kranken Gott verknallt und wollten nie wieder weg. Wir nicht, wir poppen da kurz und verschwinden dann wieder.“

Meike schüttelt den Kopf:
„Wenn das so einfach wäre mit der Unsterblichkeit, dann würde das ja jeder machen.“

Salim:
„Hast du nicht zugehört, was Jose vor ein paar Tagen erzählt hat? Der geht zu dem Schrein wegen der Enthaltsamkeit, der Stille und Geduld und so ein Müll. Die meisten Gläubigen dort sind vielleicht mehr an sowas interessiert als an der Unsterblichkeit.“

Eine halbe Stunde später fahren die drei wieder in ihrem Wagen.

Jose:
„Ohh, seht mal den Berg dort. Gigantisch! Das ist das Atlasgebirge. Wenn wir das überwunden haben, dann sind wir schon in der (weitet seine Augen) SAHARA! Hahaha. Toll, dass ihr mitkommen wollt.“

Meike und Salim schauen sich nur an. Salim dreht sich zu Jose.

Salim:
„Warum kommen die Pilger jetzt vom Schrein nicht mehr weg.“

Jose winkt ab und sagt:
„Ach, da kommen schon ein paar zurück, ich hatte da etwas übertrieben, hehe. Ich war ja auch schon mal dort. Aber der Spiegel in dem Altar glänzt in den schillerndsten Farben, man sieht sich darin in einer Pracht, die man davor für unvorstellbar gehalten hat. Um das Heiligtum herum schwingt ein Ton, es ist nur ein Ton, mehr nicht – aber er beruhigt ungemein und gibt einem Kraft für die nächsten Monate. Man wird dabei umspült von den wonnenden, ruhigen Gefühlen, die Loko ausstrahlt.“

Salim:
„Paaren sich dort viel Leute um unsterblich zu werden?“

Jose schaut traurig auf den Sitz und sagt:
„Achja, das kommt schon vor. Das sind aber keine, die wirklich an Loko glauben. Sie werden zwar unsterblich, nehmen aber nicht an den heiligen Zeremonien teil. Was wirkliche Stille und Ruhe bedeutet, das wollen diese Leute nicht wissen. Wie schade.“

Salim dreht sich wieder um, grinst und klatscht mit seiner Hand auf das Bein von Meike.

Meike:
„Aua!“

Salim:
„Du, Mickey, ich will da jetzt auch hin. Auf jeden Fall will ich da hin.“

Am Straßenrand steht ein alter grauhaariger Mann in einem schwarzen Rock, der mit gebeugter Haltung seinen Daumen hochhebt. Meike will weiterfahren – aber der Wagen bleibt plötzlich stehen und Jose öffnet die Tür.

Salim:
„Meike, was soll das? Warum willst du noch einen mitnehmen?“

Meike tritt unaufhörlich aufs Gaspedal.

Meike:
„MANN, der Wagen ist von alleine stehen geblieben.“

Der alte Mann setzt sich neben Jose und fragt ihn:
„Ich kenne Sie doch?“

Jose:
„Mir kommen Sie auch irgendwie bekannt vor. Moment.“

Salim:
„Können Sie bitte wieder aussteigen?“

Doch der Alte ignoriert ihn und sagt:
„Ich weiß es nicht mehr. Ich kenne nur meine Glaubensbrüder, wobei ich nicht alle kenne.“

Jose hebt die Augenbrauen und hält seine Hand hoch, dabei sagt er:
„Loko koloi para moko?“

Der Alte fängt an laut zu lachen und sagt:
„LOKO para moko hulu iko!“

Jose und der Alte lachen laut und umarmen sich. Gleich darauf sagt der Alte:
„Bist du auf dem Weg zu Loko? Ist ja ein unglaublicher Zufall, dass wir uns hier treffen?“

Jose:
„Ja, ich bin auf dem Weg zum heiligen Schrein. Die beiden jungen Menschen sind auch ganz wild darauf an den heiligen Ritualen dort teilzunehmen. Wie heißt du?“

Alter:
„Zacha! Und du?“

Jose:
„Jose. Und am Steuer sitzt die hübsche Meike und daneben sitzt ihr netter sympathischer Freund Salim.“

Zacha beugt sich zu ihnen und erzählt ihnen, dass er froh ist, dass sie ihn ein Stück mitnehmen wollen. Meike lässt ihren Kopf aufs Lenkrad fallen und Salim stöhnt laut auf. Kurz darauf fährt der Wagen wieder los und Zacha erzählt, dass er erst in zwei Wochen zu Loko wolle, jetzt möchte er nur zur nächsten Stadt. Zacha und Jose unterhalten sich in bester Laune, Meike dagegen runzelt dauernd die Stirn und Salim schüttelt den Kopf.

Zacha beugt sich zu Meike und Salim und spricht:
„Lasst mich raten, ihr habt ein Buch gefunden, worin Loko erwähnt wird mit seinen heilbringenden Taten. Dann habt ihr jahrelang nach ihm gesucht und Loko hat euch Jose geschickt, stimmt´s?“

Doch Salim und Meike drehen sich nicht um. Meike gibt ordentlich Gas, damit sie die nächste Stadt schnell erreichen und ihn loswerden können.

Jose:
„Zacha, willst du nicht jetzt schon zu Loko?“

Zacha:
„Ne, jetzt sind da nicht so viel Leute. In zwei Wochen kommen aber etliche Pilger um die Kraft der Stille und der Enthaltsamkeit aufzusaugen.“

Salim schüttelt den Kopf, Meike schaut ganz genervt.

Zacha:
„Seid ihr beiden genervt? Binde ich euch zu wenig in dieses spannende Gespräch ein? Entschuldigt, aber es ist mir sehr selten bisher passiert, dass ich außerhalb der heiligen Stätte einen Glaubensgenossen getroffen habe. Wie lange glaubt ihr denn schon an Loko?“

Salim:
„Überhaupt nicht. Wir wollen da nur Sex haben.“

Zacha(enttäuscht):
„Das ist aber schade, dann verpasst ihr ja das meiste. Es lohnt sich glaube ich nicht für euch dahin zu fahren. (schaut aufgeregt zu Jose) Du, Jose, ich bin ja schon drei Jahrzehnte dabei. Leider hatte ich meinen Nachbarn von der Unsterblichkeit erzählt, die haben sich nur dafür und nicht für unseren großen Schöpfer interessiert, die sind vor 20 Jahren hingefahren und haben da gebumst. Du, ich sehe die heute noch, die sind kein bißchen älter geworden.“

Salim schaut Meike lächelnd an.

Jose:
„Jaja, aber was bringt einem Unsterblichkeit, wenn man die Stille und Ruhe nicht genießen kann. Lieber habe ich ein kurzes Leben mit Genugtuung und Glück, als ein ewiges Leben mit Hast, Eile und Lärm.“

Meike und Salim lassen die beiden reden und als sie am Ende des Gebirges angekommen sind, sehen sie schon von weitem eine Stadt.

Zacha:
„Da muss ich hin. Grüße mal die anderen von mir, Jose. Danke, ihr beiden, dass ihr mich mitegnommen habt.“

Meike(gereizt):
„Ich wollte gar nicht halten, das Auto ist von alleine stehen geblieben.“

Zacha:
„(lacht) Ach, das war wieder unser alter mächtiger Freund im Himmel. Er will, dass ihr beide ganz viel von uns kennen lernt. Paart euch ruhig und werdet unsterblich, ihr werdet euch dann noch nach mehr sehnen. Wisst ihr, wie schön und zauberhaft völlige Stille sein kann?“

Salim dreht sich genervt um und schreit:
„VERDAMMT NOCH MAL!! Diese befickte Stille brauche ich nicht, für so einen Müll kann ich auch in den Wald gehen.“

Zacha schaut Jose an und sagt:
„Naja, im Wald sind ja schon Geräusche. Gar nicht so wenig. Ich rede von der totalen Stille. Und das tagelang.“

Salim(stöhnt):
„Und was soll das bitte schön bringen?“

Zacha berührt den Arm von Salim, welcher ihn sofort zurückzieht.

Zacha:
„Mein Freund, wenn völlige Stille in dir herrscht, dann erreicht dich der wagemutige Gott und du kannst seine erhabene Stimme in deinem Körper hören. Wie viel Urin habt ihr eigentlich getrunken (lacht) Ich habe gleich einen ganzen Liter getrunken, ich wollte auf Nummer sicher gehen, hihi.“

Salim:
„Muss man eigentlich Urin trinken um unsterblich zu werden?“

Zacha(traurig):
„Ne, das funktioniert auch bei Ungläubigen. Unsterblichkeit ist auch die unwichtigste Gabe, die Loko geben kann.“

Jose(verschränkt seine Arme):
„Ich glaube auch. Ich war nie scharf darauf, ich verstehe überhaupt nicht, warum Meike und Salim so darauf abfahren. Wenn ihr beiden einmal bei Loko wart und in euch ein Tag lang komplette Stille eingekehrt ist, dann werdet ihr wissen was ich meine.“

Meike hält am Stadtrand, an dem ein Lebensmittelgeschäft steht. Zacha, Meike und Salim steigen aus, Zacha will ihnen die Hand geben, doch Salim schaut auf den Boden und winkt ab.

Zacha:
„Ihr unterschätzt Loko, ihr wisst nicht, wie schön es ist das Schnalzen seiner Zunge und das Knirschen seiner Zähne in eurem Kopf zu hören. Denn...“

Salim:
„HAU ab!“

Zacha:
„Ich meine es ja nicht schlecht mit euch. Aber ich sehe es schon kommen, ihr seid dann irgendwann wieder zuhause, zwar unsterblich, aber ohne neues Wissen, ihr werdet euch leer fühlen und das Gefühl haben den weiten Weg...“

Salim:
„RUHEEEE!“

Zacha:
„(lacht) Ach, das machen Anfänger unseres Glaubens manchmal, ist nicht schlimm. Noch eine schöne Fahrt. Und nochmal: (geht zu Salim ans Ohr): Das mit dem Urin trinken lohnt sich, da habt ihr dann was zu lernen.“

Salim und Meike gehen schnell zu dem Lebensmitteladen ohne sich von Zacha zu verabschieden. Dieser winkt Jose zu und verabschiedet sich von ihm. Im Laden schiebt Meike einen großen Einkaufswagen und Salim wirft pfeifend Essen und Trinken hinein.

Meike:
„Warum bist du so glücklich?“

Salim:
„Schon vergessen, wie dein Auto von alleine gehalten hat? Oder wo ich Jose in die Fresse gehauen habe, er nichts gespürt hat und weitersprach und ich das Gefühl hatte, meine Hand sei gebrochen?“

Meike:
„Hmmm...ich glaube langsam, dass es diesen Loko wirklich gibt.“

Salim:
„Und ich glaube jetzt volle Kanne an unsere Unsterblichkeit....(pfeif, träller).“

Meike:
„Mann, Salim! Vergiss das jetzt, das ist schwarze Magie, ich will damit nichts zu tun haben.“

Salim:
„Sagst du das auch noch, wenn du 100.000 Jahre alt bist, hihi?“

Meike:
„Du, Salim, ich habe Angst! Wer weiß, was da für Leute bei diesem Schrein sind.“

Salim umarmt sie von hinten und küsst ihren Hinterkopf.

Salim:
„Ich pass schon auf dich auf, Baby. Wir müssen da auch nicht lange bleiben. Wenn es dunkel ist und uns kaum einer noch sieht, dann, wie hat er gesagt gehabt? „Dann üben wir den Akt der Verschmelzung aus!““

Erst jetzt merken die beiden, dass ihnen schon die ganze Zeit ein Junge folgt.

Salim:
„Was willst du Kleiner?“

Junge:
„Mein Papa hat gesagt, dass ich einkaufen muss.“

Salim:
„Und warum läufst du uns hinterher?“

Junge:
„Ich will immer was in meinen Korb legen und ihr nehmt es mir weg.“

Meike nimmt eine Packung Milch aus dem Regal und will sie dem Jungen geben.

Junge:
„Ich nehme die Milch nicht.“

Meike:
„Warum nicht, Süßer?“

Junge:
„Die Milch haben Sie schon in der Hand gehabt, ich will doch nicht Ihre Bakterien mit nach Hause nehmen.“

Salim:
„Dann nimm dir doch selber eine Packung.“

Junge:
„Wollte ich ja, aber ihr habt mir die Packung weg genommen.“

Meike:
„Da sind doch noch ganz viele.“

Junge:
„Ich will die Milch nicht mehr, es ist ein schlechtes Zeichen, wenn mir einer vor der Nase die Packung wegnimmt.“

Eine halbe Stunde später ist der Junge zuhause.

Vater:
„Was hast du eingekauft?“

Junge:
„Ich konnte nichts kaufen, weil ein bärenstarker Mann und eine enorm kräftige Frau, bei der ich schon dachte, sie wäre ein Mann, mir alles weggenommen haben.“

Vater:
„Alles?“

Junge:
„Ja.“

Vater:
„Du LÜMMEL! Du bist nur zu faul, das Zeug nach Hause zu schleppen. Geh sofort zurück, sonst gibt es eine Tracht Prügel.“

Junge:
„Die haben aber den gesamten Laden aufgekauft, auch den Laden haben sie mitgenommen. Da ist jetzt ein Riesenloch und...“

Vater:
„RRAAUSSS!“

Der Junge dreht sich um und rennt raus. In der Zeit sind Meike und Salim wieder in ihrem Wagen, wie es weiter geht, erzähle ich das nächste mal.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20644 Verfasst am: Di 28.Jan.2014 03:16
 
Offroad II - 3.Teil
 
Der Mann mit dem weißen Anzug, der Glatzköpfige und der Lockenkopf halten mit ihrem Wagen in einer Straße des Hafens von Gibraltar. Sie steigen aus, der Mann im Anzug, ihr Chef, schüttelt ärgerlich seinen Kopf und der Lockenkopf reibt sich einen blauen Fleck in seinem Gesicht.

Mann im Anzug:
„VERDAMMT! Wir hatten vier Pannen, die zwei Gauner haben jetzt einen großen Vorsprung.“

Glatzköpfiger:
„Die sind jetzt irgendwo in Marokko, rauchen eine Wasserpfeife und lassen es sich gut gehen.“

Mann im Anzug:
„Mit unserer Schrottkarre holen wir die aber nie ein. War ein super Wagen, jetzt kann man den beim Schrotthändler abstellen.“

Lockenkopf:
„Wir können ja wieder nach Hause fahren und auf die warten. Wir hatten dann immerhin eine bunte, aufregende Europareise gemacht.“

Mann im Anzug:
„Klar, die werden bei uns klingeln und uns das Geld geben, du Idiot! Reicht dir die Backpfeife nicht, die ich dir vorhin gegeben habe?“

Lockenkopf:
„Warum habe ich die bekommen, die hat schrecklich weh getan! Ich nehme gerne Schmerzen in Kauf, wenn ich dabei was lernen kann. Aber nur weil ich einen Autofahrer nach Meike und Salim gefragt habe, drischt du mir eine runter.“

Der Mann im Anzug geht ganz nah an den Lockenkopf ran.

Mann im Anzug(leise):
„Hast du vergessen, mein Freund, dass du dem Autofahrer verraten hast, dass Meike und Salim Drogen transportieren?“

Lockenkopf:
„Na stimmt, vielleicht haben die gar keine Drogen mehr, haben das Geld auf ihr Konto gepackt und wollen nur in der Sahara ein wenig Urlaub machen. Stimmt, das hatte ich nicht bedacht.“

Mann im Anzug:
„FRESSE HALTEN! Wenn das einer erfährt, dass die beiden eine dicke Ladung Koks oder Haschisch dabei haben, dann ruft derjenige die Polizei. Und dann ist das Spiel aus.“

Lockenkopf:
„Achso, jetzt verstehe ich das. Schon schade, dass ich immer ein paar mal um die Ecke stoßen muss um bei dem Fazit deines Gedankenganges anzukommen. Bravo, wie machst du das ganze nur so schnell? Du bist schon ein ganz Raffinierter, naja, du bist ja auch unser Big Boss, hihi.“

Mann im Anzug:
„Du Blödmann! Du bist nur dazu zu gebrauchen den Wagen zu tanken und die Scheiben zu wischen.“

Lockenkopf:
„Wie du wohl den Wagen tankst? Bestimmt superschnell, die Scheiben hast du bestimmt auch in einer Sekunde gewaschen mit deinem gewandtem Geist und athletischem Körper.“

Der Mann im Anzug haut dem Lockenkopf eine runter. 100 Meter weit von ihnen entfernt landet ein Hubschrauber. Die Gangster hören auf zu reden und schauen sich an. Der Glatzköpfige nickt kurz und lächelt, der Mann im Anzug nickt zurück und alle drei gehen zu dem Helikopter.

Währenddessen fahren Meike, Salim und Jose auf einer holprigen Straße, um sie herum erstreckt sich eine Landschaft, die fast nur mit Sand und Geröll bedeckt ist.

Jose:
„Liebe Freunde, Loko hat zu mir gesprochen und mir erlaubt viel mit euch zu reden. Das tut mir gut, ich hatte schon lange Zeit keine Gespräche mehr mit Menschen, ihr seid sehr gesellig. Danke dafür.“

Salim:
„Also ist dein Weg der Enthaltsamkeit und der einsame Shit doch nicht das richtige.“

Jose:
„Doch, aber vielleicht hatte ich das nur falsch verstanden gehabt. Ich werde ihn bei seinem Heiligtum noch mal fragen. Denn man kann einsam bleiben obwohl man sich mit Leuten unterhält. Wisst ihr nicht wie schön Einsamkeit sein kann? Man muss natürlich ein glücklicher Mensch dabei sein. Erst dann hat man den völligen Frieden und die durch den Körper strömende Ruhe gefunden.“

Salim:
„Ne, ich finde Unsterblichkeit viel geiler.“

Meike:
„Ich kann das noch nicht so ganz glauben, Salim. So etwas würde sich doch rumsprechen.“

Jose:
„Achso, hatte ich es euch nicht erzählt? Ihr dürft niemandem, noch nicht mal euren Eltern oder Kindern davon berichten. Keiner darf wissen, dass ihr unsterblich seid.“

Meike überlegt kurz und sagt:
„Müssen wir immer nach ungefähr einem Jahrzehnt die Stadt verlassen und unsere Kontakte abrechen?“

Jose:
„Den Menschen in eurem Leben wird es auffallen, wenn ihr nicht älter werdet.“

Meike schüttelt den Kopf und sagt:
„Ne, das will ich nicht.“

Salim:
„Was passiert denn, wenn es jemand erfährt?“

Jose:
„Dann wird euch Loko in euren Träumen erscheinen und eure kognitiven Fähigkeiten zermürben. Und ihr werdet kein Vorstellungsvermögen mehr haben, wenn ihr eine Geschichte lest werdet ihr eine klaffende Schwärze im Kopf haben. Ihr müsstet Gläubige werden, dann würde Loko das nicht machen. Gläubige bekommen nur ein paar Albträume, je nachdem, wie viel Menschen sie es erzählt haben. Aber ihr wollt ja nicht dem Glauben beitreten.“

Meike schaut Salim an, welcher nachdenklich wirkt.

Jose:
„Das ist schon aufregend, nicht wahr, die Zivilisation haben wir hinter uns gelassen und eine Reise ins unbekannte Reich des Sandwindes und Wüstensturmes beginnt. Siehst du das Schild und den großen grauen Stein dort vorne?“

Meike:
„Wo die Leute stehen?“

Jose:
„Ja. Da musst du rechts abbiegen und auf dem Sand in das Herz der Wüste fahren. Dein Wagen taugt doch für so etwas, oder?“

Meike:
„Klaro. Deswegen mache ich ja die Reise. Warum gehen die Leute nicht aus dem Weg? Ohh, ich ahne da was.“

Salim:
„Was?“

Doch Meike spricht nicht weiter. Sie hält und ein dunkelhäutiger Mann mit einem Stoppelbart, einem hellblauen Umhang, den auch seine Freunde tragen, geht an das Fenster von Meike und sagt:
„Leben!“

Meike schaut Salim an und dieser zeigt nach vorne. Vor ihrem Wagen zielen Männer mit Gewehren auf sie.
Meike versucht trotzdem mit dem Mann zu reden.

Meike:
„Bitte tun Sie uns nichts, wir haben noch etwas Geld und wir können auch wieder zurück fahren und...und...“

Der Mann weitet seine Augen, öffnet seinen Mund und geht einen Schritt zurück. Ein Mann aus der Gruppe ruft „AKKABA?“ und der Mann vor Meikes Auto faltet die Hände zusammen, kniet auf dem Straßenboden und winselt vor sich hin. Der Mann, der eben noch gerufen hatte, geht auf das Auto zu, bleibt aber einen Meter davor stehen. Mit zitternder Hand nimmt er seinen weißen Turban vom Kopf und lässt ihn auf den Boden fallen. „Allah!“ kommt aus seinen Mund, er dreht sich um und rennt zu seinen Leuten zurück.
Meike dreht sich zu Salim, welcher die ganze Zeit ruhig war. Erstarrt drückt er sich mit dem Rücken gegen seine Autotür und schaut sie mit verzerrtem Gesicht an.

Meike:
„Salim? Was ist los?“

Salim:
„AHH!“

Seine Tür öffnet sich und er fällt auf die Straße. Kurz darauf rennen die Männer, die eben noch mit ihren Gewehren gedroht hatten, weg. Meike dreht sich zu Jose, der mit geschlossenen Augen seine Schläfen reibt. Ihr kommt es sofort in den Sinn, dass er mit seinem Gott dafür verantwortlich ist. Sofort schaut sie in den Rückspiegel, doch sie sieht sich mit ihren grünen Augen wie gewohnt.
Der Mann, der neben dem Auto auf dem Boden kniet, beginnt zu weinen, er ruft:
„Du kommst, um mich zu bestrafen. Bitte nicht, Allah! Ich habe ihn nicht umgebracht! Das ist zehn Jahre her. Ich töte nur Feinde. Doch nicht meinen Bruder! Er wurde beim Kampf mit den Dschahab getötet.“
Meike schaut ihn ärgerlich an, im selben Moment lässt er sich auf den Oberkörper fallen und schreit.
„VERSCHWINDE!“ ruft Meike, der Mann springt auf und rennt brüllend davon. Gleich darauf schaut Meike zu Salim, welcher einen halben Meter vom Auto steht und sie fassungslos anschaut.
„Salim, was ist los?“ fragt Meike, gleich darauf geht Salim einen Meter zurück und fällt hin. Meike dreht sich zu Jose, der mit geschlossenen Augen und verschränkten Armen auf seinem Platz sitzt.
„JOSE! Was hast du mit mir gemacht? Die Banditen sind weg!“
Ein paar Sekunden später öffnet Jose seine Augen, schaut zu Meike und fragt:
„Wirklich? Sind sie weg?“

Salim:
„MEIKE!“

Er rennt in den Wagen und fässt sie an.

Salim:
„Meike! Du bist wieder mein Mädchen! Gott sei Dank!“

Meike:
„Was war denn?“

Salim:
„Du saht schrecklich aus, du warst ein Monster, auf deinem Körper zappelten Tentakel, die kleine Mäuler mit Zähnen hatten, deine Zunge war ganz lang, eitrig und verpickelt. Deine Augen waren verschimmelt und aus deiner Nase krochen Würmer. Aber am schlimmsten und unheimlichsten war dein Stimme!“

Meike:
„Seltsam, ich habe mich noch ganz normal gesehen.“

Jose:
„Entschuldigung, wenn ich mich mal so einklinke. Aber euch wird sicherlich interessieren, wer da im Spiel steckt. Natürlich der große Loko. Mit seiner Hilfe habe ich einen Verwandlungszauber auf sie gewirkt. Aus einer schönen Frau haben mein Herr und ich ein gräßliches Monster gemacht. Was hätte euch jetzt der Unsterblichkeitszauber von Loko gebracht? Ihr könnt dann immer noch sterben, ihr werdet einfach nur nicht älter.“

Meike:
„Was wäre passiert, wenn ich so geblieben wäre?“

Jose:
„Das passiert äußerst selten, Meike. Und wenn es passiert wäre, Loko hätte dich dann trotzdem weitergeliebt, das ist ja das wichtigste. Aber es gibt Anti-Magie-Zauber, die dich dann von dieser Illusion auf jeden Fall befreit hätten.“

Salim umarmt Meike und küsst sie ab. Danach schaut er ärgerlich zu Jose und schreit:
„DU PENNER! Wenn du das noch einmal machst mit meiner Freundin, dann...dann...“

Salim wirft sich in seinen Sitz und reibt sich die Augen.

Jose:
„Es tut mir sehr leid, dass du deine Heißgeliebte auf diese Art sehen musstest. Es war aber das beste Mittel die Banditen loszuwerden. Wenn ihr wollt, dann können sich unsere Wege jetzt trennen, es ist sehr nett von euch gewesen, dass...“

Salim:
„Nein, nein, bringe uns jetzt zu diesem beschissenen Schrein.“

Meike:
„Du, Salim, mir wird das jetzt alles ein wenig zu unheimlich. Und auf die Unsterblichkeit habe ich auch keine Lust. Und das mit den Banditen, hmmm. (schaut nach unten) Ich habe mir das zu romantisch vorgestellt mit dieser Reise.““

Salim:
„Wir poppen da schnell und hauen wieder ab. (dreht sich zu Jose) Wieviel Pisse muss man eigentlich trinken um ein Gläubiger zu sein. Du hast auch mal was von einem heißen Eisentab erzählt. Wie oft muss man beten und den Müll.“

Jose:
„Na du musst schon, mein Freund, richtig an ihn glauben. Du müsstest schon ein Gott sein um ihn zu überlisten. Du musst ein Glas von deinem Urin jeden Tag trinken. Dann kannst du den Erhabenen hören. Den heißen Eisenstab musst du dir an eine Stelle deines Körpers einbrennen, wenn du mit ihm reden willst. Das sind ungemein aufregende, spannende Gespräche, ein spaßiger Schlagabtausch.“

Salim stöhnt und fragt:
„Und das Beten?“

Jose((lacht):
„Das ist natürlich das wichtigste, so kann Loko auch erkennen, ob du wirklich an ihn glaubst. Zwei bis drei Stunden pro Tag. Kontinuierlich, ohne großen Pausen.“

Salim:
„Was ist wenn man ein Gläubiger war und dann aufhört mit dem Beten und dem Scheiß?“

Jose:
„Naja, du bist dann wieder ein Ungläubiger.“

Meike:
„Und musst immer Menschen, die dir lieb und teuer geworden sind, nach einigen Jahren für immer verlassen. Auch unsere Kinder müssten wir verlassen. Keiner darf von unserer Unsterblichkeit erfahren, sonst würde uns dieser Gott hart bestrafen.“

Salim:
„Hmmm...Wir hätten uns, Mickey, für immer. Aber ich weiß, was du meinst.“

Meike:
„Oder du müsstest ein Gläubiger werden, dann könntest du es vielleicht einem Menschen verraten.“

Salim reibt sich mit der Hand die Stirn und schüttelt seinen Kopf, dabei schaut er nach unten.

Meike:
„Du, Jose, passiert das oft mit den Banditen?“

Jose:
„Ich frage mich, was für ein seltsamer Tag heute ist. Erst bin ich immer noch mit euch zusammen gewesen, schade nur, dass sich unsere Wege vielleicht trennen werden. Dann haben wir Zacha getroffen, einen Glaubensgenossen. Und dann das mit den Banditen, denn das kommt auch sehr selten vor. Normalerweise sind die Nomaden friedlich und gehen ihren Weg. Waffen haben sie manchmal dabei, aber nur um sich zu verteidigen. Aber ich hatte das auch schon mal vor zehn Jahren, da geschah es mitten in der Nacht. Zum Glück gab mir der große Loko den Verwandlungszauber relativ schnell, ein schreckliches Monster müssen sie in mir gesehen haben, ich werde nicht dieses jauchzende Glücksgefühl vergessen, das in mir vor Freude tobte, solch ein Geschenk von Loko zu erhalten. Ihr dürft nicht vergessen, ich war erst ein paar Jahre sein Gläubiger....“

Meike hört ihm schon eine Weile nicht mehr zu. Sie kratzt an dem Lenkrad und ist sich sicher nicht mehr zu diesem mysteriösem Heiligtum zu fahren. Wie soll sie es Salim aber nur aus dem Kopf treiben mit der Unsterblichkeit?
Sie ahnt nichts von Salims Gedankenwelt, der sich gerade vorstellt Millionen von Jahren seinen Urin zu trinken. Und das jeden Tag. Und dann dieses stundenlange Gebete!

Meike:
„Du, Salim, müssen wir unsterblich sein? Es reicht doch vielleicht aus, dass wir unsterblich in einander verliebt sind.“

Salim:
„Hmmm, ja, du hast recht. Ich will jetzt auch nicht mehr die Unsterblichkeit.“

Jose beugt sich vor.

Jose:
„Toll, Zacha hatte es schon gesagt gehabt: Anfängern des Glaubens passiert es oft, dass sie von der Unsterblichkeit völlig verblendet sind. Den Punkt habt ihr also gerade hinter euch gelassen. Gratuliere! Jetzt Lektion Nummer zwei: Die Ruhe. Kommt lehnt euch an eure Sitze, ganz entspannt, wir machen eine Übung, dauert nicht lange, schließt die Augen...“

Meike macht wie er sagt, Salim jedoch verzieht seinen Mund und spricht:
„Nein, das machen wir nicht. Entweder Unsterblichkeit oder gar nichts.“

Meike hält ihre Augen geschlossen und sagt:
„Komm, das Ding machen wir noch. Danach schmeißen wir den raus.“

Salim stöhnt, lehnt sich nach hinten und schließt die Augen.

Jose:
„Hört ihr den Wind? Die kleinen Sandkörner, die gegen die Scheiben fallen? In Lokos Heiligtum herrscht absolute Stille. Nur direkt vor seinem Altar schwingt ein leiser Ton, der einen mit Wärme und Göttlichkeit durchdringt. Aber ansonsten herrscht da völlige Ruhe. Ihr habt das Gefühl euch vom Erdboden zu erheben und je nachdem, was ihr in euren Köpfen sehen wollt, das seht ihr dann in den wunderbarsten Farben.“

Salim:
„Was für eine Grafik habe ich da im Kopf? So wie LSD?“

Jose(lacht):
„Von der Qualität her schon, nur das Loko nicht gefährlich ist. Wenn du aber nichts sehen willst, nur fühlen möchtest, dann macht Loko das dir auch.“

Meike:
„Erzählst du das mit Loko jedem?“

Jose:
„Ne, eigentlich nicht. Ich bin die letzten Jahre sehr schweigsam geworden. Aber wie ich euch schon sagte, Loko wird das glaube ich schon erlauben, wenn ich viel mit Leuten rede. Das Krokodil, was wir im Rückspiegel gesehen haben, als ich das erste mal mit euch sprach, war vielleicht lieb gemeint. Hehe, Loko hat schon einen sonderbaren Humor. Deswegen liebe ich ihn auch so. Aber kommt, machen wir mit der Übung weiter. Stellt euch die Stille vor, stellt euch vor sie würde ewig andauern, euch in Schutz hüllen und euch mit den zärtlichsten Gefühlen ummanteln. Der große Loko wird euch erscheinen, ihr werdet zuerst sein Räuspern hören und ihr werdet in den heiligen Spiegel schauen und dieser Anblick wird euch verändern, ihr werdet danach alles schöner finden, was ihr in eurem Leben noch sehen werdet. Loko, der Große Herr ist bedacht....“

Meike und Salim haben in der Zeit schon längst wieder die Augen geöffnet. Salim ärgert sich, dass es mit der Unsterblichkeit solche Probleme gäbe. Für Meike steht ihr Entschluss schon längst fest. Sie schaut Salim in die Augen und schüttelt langsam den Kopf. Salim stöhnt, nickt und schaut aus seinem Fenster. Die Rothaarige dreht sich zu Jose um mit ihm das letzte mal zu sprechen.

Meike:
„Nicht nur, dass du ganz nett gewesen bist, Jose, mit dir haben wir sehr geheimnisvolle Sachen erlebt. Du, ich glaube jetzt an eine Form von Magie, die ich auf unserem Planeten bisher für unmöglich gehalten habe. Aber wir wollen mit deinem Gott nichts zu tun haben und möchten uns von dir verabschieden.“

Salim:
„Kannst du uns sagen, wo der Schrein ist?“

Jose:
„Nein, auf einer Karte kann ich ihn nicht finden. Ich steige gleich aus und spreche immer den selben Vers, dabei kann ich fühlen wie ich laufen muss. Damit ich aber das Gefühl bekomme, muss ich meine Augen schließen. Tagelang laufe ich dann durch die Wüste, Loko befreit mich in der Zeit von Hunger und Durst.“

Salim haut ärgerlich gegen seine Tür. Meike gibt mit einem kurzen Lächeln Jose die Hand, als er Salim die Hand geben will, schaut dieser weg und winkt ab. Jose bedankt sich bei den beiden nochmal und steigt aus dem Auto aus.

Meike lächelt und gibt Salim einen Kuss. Dieser ist aber gerade etwas genervt, Meike merkt das und sagt:
„Lass uns aussteigen und einen kleinen Spaziergang in der Wüste machen. Wir sind jetzt lange gefahren. Es wird jetzt langsam schon dunkel und wir müssen das Zelt bald aufbauen“

Ohne was zu sagen steigt Salim aus, Meike folgt ihm. Eine Weile laufen sie in der Wüste ohne was zu sagen. Meike will das Schweigen unterbrechen, sie möchte ihn zum Lachen bringen.

Meike:
„Stell dir mal vor, wir wären in unseren besten Jahren geblieben und wären nie gestorben, wir wären um die ganze Welt gekommen, hätten alles gesehen und gewusst, was es auf dem Planeten gibt. Alles hundert mal erlebt, jedes mal wurde es noch schöner. Wir hätten 100 Kinder gehabt, hätten 1000 mal geheiratet und wären uns sicher gewesen, das erfüllteste und schönste Leben zu führen. Und dann finden Forscher auf einmal heraus, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, was so paradisisch sein soll, dass man es sich gar nicht vorstellen kann.“

Salim lacht nach längerer Zeit und sagt:
„Die ganze Zeit hatten die Menschen Angst gehabt vor dem Tod, jetzt schmeißen sie sich reihenweise vor die Bahn oder aus dem Fenster um das Leben danach zu erleben.“

Meike:
„Das Leben nach dem Tod soll man in einer Welt leben, in der auf den Wolken Berge thronen und Schlösser aus dem Boden wachsen, man muss sie sich nur vorstellen.“

Salim:
„Die Vögel dort singen solch prächtige Lieder, dass man vor Freude zu lachen anfängt, man kann sich gar nicht dagegen wehren.“

Meike:
„Man hat da ganz viel Feen und Geister um sich wenn man will. Die transportiert man in kleinen Dosen und kann sie zum Quatschen immer rauslassen wenn man möchte.“

Salim packt Meike an den Schultern, dreht sie zu sich und lächelt sie an.

Salim:
„Wir werden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer neugieriger und beten zu Loko, dass er uns umbringt.“

Meike:
„Er sagt uns dann, dass wir noch mal zu seinem Altar reisen sollten, uns da noch mal innigst lieben müssen und dann nicht mehr unsterblich sind.“

Salim:
"Wir nehmen die ganzen Strapazen nochmal in Kauf und haben vor seinem Altar Sex."

Meike:
"Danach fangen wir an 50 Zigaretten am Tag zu rauchen und ganz ungesund zu leben. Wir lechzen förmlich nach dem Tod, wir wollen unbedingt ins Paradies."

Salim:
„Dann kommt es heraus, dass die Forscher ihre Beweise nur sehr trickreich gefälscht haben. Sie werden dann ins Gefängnis gepackt, da sich wegen ihnen viele Menschen das Leben genommen haben.“

Meike:
„Gehen wir dann zu Loko wieder zurück? Oder ist er dann schon beleidigt und will uns nicht mehr unsterblich machen?“

Salim küsst Meike und sagt:
„Das wäre mir dann auch egal. Lieber will ich ein normales Leben mit der besten Frau der Welt haben als ewige Zeiten die Länder durchstreifen und so eine Frau wie dich suchen.“

Jetzt küssen sie sich etwas länger, Meike freut sich, dass Salim das mit der Unsterblichkeit nicht mehr so wichtig findet. Sie ist auch sehr froh, dass sie Jose los geworden sind.
Beide werfen sich in den Sand und knutschen sich ab, hier sind sie völlig alleine und ungestört, kein Mensch weit und breit.
Nach ein paar Minuten hört Meike auf Salim zu küssen und sagt:
„Du, was ist, wenn wir nochmal auf die Banditen treffen?“

Salim:
„Vor allem in der Nacht ist es gefährlich, wenn wir schlafen.“

Meike:
„Wir schlafen im Auto und schließen es ab. Ich werde auch nicht mehr bei irgendwelchen Leuten halten. Wir müssen aufpassen, Salim.“

Doch jetzt wollen sie ein wenig mit dem Auto zwischen den Sanddünen kurven, das will Meike schon seit längerer Zeit tun. Beide gehen wieder zurück und steigen ins Auto, Meike dreht den Zündschlüssel und gibt Gas. Sie verlässt die Straße und fährt auf dem Sandboden, sie gibt ordentlich Gas und Salim dreht sich um. Er sieht, wie der Wagen eine große Sandwolke hinter sich lässt. Meike ruft laut „JA!“ und dreht das Lenkrad zur Seite, dabei drückt sie auf die Bremse. Der Wagen schlittert auf dem Sand und wirft ihn in hohem Bogen Sand zur Seite.
Kurz darauf gibt sie Gas und fährt an den Sanddünen vorbei. Salim lacht laut auf und klatscht in die Hände.

Nach zwei Stunden ist es dunkel und sie beschließen an dem Fleck, an dem sie sind, zu übernachten.

Salim:
„Wollen wir wirklich im Auto pennen? Ist ziemlich eng.“

Meike:
„Ne, Salim, ich will draußen nicht. Hätte Jose nicht gezaubert, wer weiß, das mit den Banditen wäre vielleicht noch böse ausgegangen.“

Salim:
„Was ist, wenn wir schlafen und die kommen nachts, zerstechen uns die Reifen und umzingeln unseren Wagen.“

Meike:
„So ein Mist. Du hast recht. Dann schlafen wir nacheinander, wir wechseln uns ab.“

Salim grinst sie an und sagt:
„Zwischendurch haben wir Sex. Brauche ich als Wachmacher.“

Meike:
„Später.........Wir dürfen übrigens nicht zu weit fahren, wir dürfen uns in der Wüste nicht verfahren. Ich habe einen Kompass mitgenommen, aber wir haben hier niemanden, wenn wir mal Hilfe brauchen.“

Salim:
„Vielleicht treffen wir auch mal liebe Nomaden, die uns zum Essen einladen.“

Meike:
„Das wäre toll...ich...(schaut aus dem Vorderfenster)....ohhh....Gott, Salim, schau mal da vorne.“

Salim dreht sich nach vorne.

Salim:
„Da läuft ein Typ auf uns zu.“

Meike:
„Der....der hat keinen Kopf!“

Salim beugt sich nach vorne und kneift seine Augen zusammen.

Salim:
„Doch, das sieht man nur nicht. Wo ist der auf einmal?“

Meike beugt sich auch nach vorne.

Meike:
„Der ist weg. Das war bestimmt wieder irgendwas von Loko.“

Salim streichelt seine Freundin und lächelt sie an.

Salim:
„Mickey, das war nur eine Luftspiegelung, eine Fata Morgana oder so was. Du hast ja schon von Loko geträumt gehabt, sagtest du. Wie sah der aus?“

Meike:
„Der war ganz dick, sah so ähnlich aus wie Buddha. Und als er mich gesehen hat, hat er sich die Zunge geleckt, er hat scheinbar richtig Appetit auf mich bekommen.“

Salim:
„Das war bestimmt nur ein Traum von dir. Ich glaube, der Loko schickt dir nur Träume, wenn du auch an ihn glaubst oder in seinem Heiligtum bist.“

200 Meter weit weg in einem Hubschrauber

Der Glatzköpfige steuert mit einem Knüppel den Helikopter und der Lockenkopf hat einen Laptop auf seinem Schoß, auf dem die Gangster das GPS-Signal von Meikes Wagen empfangen.
Der Mann im Anzug schaut abwechselnd auf den Bildschirm des Laptops und aus dem Fenster.

Mann im Anzug:
„Wir haben sie gleich.“

Glatzköpfiger:
„Wie weit?“

Lockenkopf:
„Noch knapp 200 Meter. Dann hat sich es doch alles noch gelohnt gehabt. Ich bin stolz darauf bei solch einer erfolgreichen Missionen teilzuhaben.“

Der Mann im Anzug hört ihm nicht zu und holt aus seiner Jackentasche seine Pistole.

Währenddessen im Meikes Auto

Meike:
„Wir werden auch mal eine Sanddüne rauffahren und dann wieder runterdriven.“

Salim:
„Nicht, dass wir uns dabei überschlagen werden.“

Meike:
„Ich passe schon auf. Loko wird uns beschützen.“

Salim:
„Der hat kein Interesse mehr an uns.“

Meike(lacht):
„Doch, der hat sich schon richtig verliebt in uns und den Wagen. Der will uns für sich gewinnen. Der wird sich richtig einschleimen bei uns, uns die schönsten Träume schenken, großes Glück werden wir im Leben haben und...“

Salim:
„Darauf falle ich nicht rein. Ich habe kein Bock jeden Tag mein Gepinkel zu trinken. Das würde ich nur machen, wenn es die Bedingung wäre, deine Freundin zu sein.“

Meike verschränkt die Arme, lacht und sagt:
„Na wenn ich es mir so recht überlege. Loko liebt mich, das weiß ich, sonst hätte ich nicht von ihm geträumt. Ich bin ein heiliges Weib und verlange für jeden Kuss, den du haben willst, ein Ritual...ähh, Salim, kann es sein, dass da ein Hubschrauber hinter uns gelandet ist.“

Salim dreht sich um, doch er kann nichts im Dunkeln erkennen. Aber auch er hat den Helikopter gehört, doch er dachte, er fliegt über sie weiter. Meike macht die Rücklichter an und sie sieht, wie der Lockenkopf, der Glatzköpfige und der blonde Mann im weißen Anzug mit Waffen in der Hand auf sie zulaufen.

Ohne was zu sagen schaltet Meike den Wagen an und gibt Gas.

Salim:
„Scheiße, was wollen die von uns? Wir haben doch gar kein Koks mehr.“

Meike:
„Das würde ich denen auch gerne sagen. Aber wer weiß, dass sind Gangster und...“

Meike spricht nicht weiter, Salim weiß was sie meint. Hier in der Wüste könnten die Männer sie einfach erledigen, hier gibt es meilenweit keine Zeugen. Denn vielleicht würden sie es tun, sie wären nämlich mächtig sauer auf sie, wenn sie erfahren würden, dass Meike das ganze Koks in Salims Waschmaschine gepackt hat.
Mit reichlich Tempo fährt Meike mit ihrem Wagen offroad, die Gangster rennen zu ihrem Hubschrauber um sie zu verfolgen. Meike und Salim wissen, dass das eine lange Nacht werden kann.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20645 Verfasst am: Do 30.Jan.2014 16:06
 
Offroad II - 4.Teil
 
Meikes Wagen rast in der Dunkelheit mit Vollgas an den Sanddünen vorbei. Der Hubschrauber fliegt genau über dem Auto.

Salim:
„SCHEISSE! Die werden uns umbringen. Warum fährst du auf den Berg da vorne zu.“

Meike:
„Mist, den habe ich nicht gesehen. Ich fahre am besten zur Seite.....(überlegt)...ne, ich mache was anderes...(gibt noch etwas Gas)“

Salim:
„Warum fährst du nicht zur Seite? Oder ne, fahre genau auf den Berg zu und bremse kurz davor.“

Meike:
„Genau das hatte ich vor, Darling. Vielleicht wird es gar nichts bringen, aber wir können nicht einfach nur fahren und uns abschiessen lassen.“

Genau in dem Moment hören beide ein Schuss durch ihr Dach und ein Knallen neben dem Gangschalter. Gleich darauf bremst Meike.

In dem Hubschrauber.

Lockenkopf:
„AHHHHHH!“

Glatzköpgiger:
„Mist, das wird knapp.“

Mann im Anzug(wedelt mit seinen Armen):
„Flieg höher, flieg höher!“

Der Hubschrauber steigt in die Lüfte und kommt gerade so über den kleinen Berg. Allerdings ist die rechte Seite vom Gestell abgebrochen und der Helikopter beginnt zu torkeln. Die Gangster schaffen es aber auf dem Berg eine Bruchlandung zu machen. Sofort springt der Mann im Anzug raus und schaut Meikes Wagen hinterher.

Salim:
„Schnell, wir werden einen Vorsprung haben. Fahr wieder zurück auf die Straße, hier in der Wüste können wir uns nicht verstecken.“

Doch Meike fährt nicht zurück, sie rudert am Lenkrad und fährt nun in eine Richtung, in die sie bisher nicht gefahren ist. Sie weiß gar nicht warum.

Meike:
„Wie haben die uns gefunden?“

Salim:
„Das ist in der Tat seltsam. (fässt sich mit der Hand an die Lippen) vielleicht haben die wen gefragt, die uns gesehen haben.....(überlegt)....vielleicht sollten wir mal unseren Wagen durchsuchen.“

Meike:
„Warum?“

Salim:
„Ich glaube kaum, dass sie nur durch Nachfragen uns so weit folgen konnten. Vielleicht haben die uns einen Sender verpasst. Wo fährst du eigentlich hin?“

Meike:
„Ich habe da so ein Gefühl, dass ich genau in die Richtung fahren muss. (schließt kurz die Augen) Wir sollten halten und den Wagen untersuchen. Ich brauche eine Pause.“

Sie hält an und beide schauen sich ihren Wagen an. Meike grübelt in der Zeit nach, woher sie dieses Gefühl bekam genau in diese Richtung fahren zu müssen. Will der Gott Loko, dass sie zu seinem Heiligtum fahren? Oder kommt dieses Gefühl unbegründet, einfach so. Sie weiß es nicht. Aber normalerweise würde sie so ein Gefühl nicht bekommen, sagt sie sich.

Salim:
„Ich habe es! Genau unter der Stoßstange. Am besten wäre es, wir würden einem Vogel den Sender verpassen. Oder würden den an einem Polizeiauto verstecken. Hier in der Wüste gibt es aber nichts, tote Hose hier.“

Er wirft den Sender in den Sand und steigt wieder ein, Meike folgt ihm. Als sie sitzen, fährt sie wieder los.

Salim:
„Kommen wir in diese Richtung wieder zur Straße?“

Meike(lügt):
„Ja.“

Sie fahren eine Weile, nach einer Zeit sehen sie sich an etwas vorbeifahren.

Meike:
„Moment, was ist das? (bremst)“

Salim lehnt sich zu ihrem Fenster und schaut raus.

Salim:
„Das ist eine alte Ruine. Egal, fahr weiter.“

Meike:
„Wir können uns darin vielleicht verstecken.“

Salim:
„Und der Wagen?“

Meike:
„Den buddeln wir ein.“

Salim:
„Nein, lass schnell weiterfahren.“

Meike:
„Wenn wir jetzt den Weg wieder zurück fahren, dann werden die uns vielleicht bald wieder einholen. Wir haben noch genug Proviant, wir verstecken uns ein Tag in der Ruine, oder vielleicht auch zwei Tage und dann fahren wir wieder zurück.“

Salim:
„Das wird doch nicht das Heiligtum von Loko sein?“

Meike:
„Das glaube ich nicht. Bei Loko wären doch noch Pilger. Ich sehe auch kein Altar mit einem Spiegel.“

Salim:
„Vielleicht ist das alles in der Ruine.“

Meike:
„Glaube ich nicht. Hier war wahrscheinlich seit Jahrtausenden keiner.“

Meike fährt ihren Wagen an eine Sanddüne und steigt aus. Sie sagt Salim, dass sie den Wagen später einbuddeln können, erst mal will sie schauen, was es mit der Ruine auf sich hat. Meike geht entschlossen zu der Ruine. Salim schaut ihr hinterher und wundert sich über seine Freundin. Warum will sie unbedingt zu dieser Ruine, dessen Säulen schon grau und verwittert sind? Die Kapitelle sind abgebrochen und der Giebel halb zerfallen. Die Ruine war vielleicht mal ein Tempel, in römischer Bauart.
Seine Freundin betritt die ersten Stufen der Ruine und bleibt stehen. Um so mehr sie sich diesem Bauwerk genähert hat, um so mehr hat sich das berauschende Gefühl, was sie schon eine Weile hat, gesteigert. Steckt Loko doch dahinter? Warum hat sie von ihm geträumt? Hat Jose heimlich noch einen Zauber auf sie gewirkt? Sie hat irgendwie das Gefühl, jetzt bald etwas so Großes zu erleben, das sie nie mehr vergessen wird. In sich spürt sie ein Kribbeln, ihr Blut pocht schneller – ein unbändiger Wunsch nach aufregenden Augenblicken steigt in ihr hoch. Ihr rechtes Bein hebt sich und will die nächste Stufe besteigen, sofort fässt sie mit ihren Händen aufs Bein und stützt sich darauf ab. Salim bleibt neben ihr stehen und streichelt ihren Rücken.

Salim:
„Was los, schon erschöpft?“

Meike:
„Irgendwas ruft mich, das hatte ich noch nie im Leben gehabt. Ich habe gerade das Gefühl, dass sich jetzt gleich mein Leben entscheidet, dass ich nur gelebt habe um hier her zu kommen.“

Salim:
„Vielleicht ist das was wieder von diesem Gott. Du, Meike, ich habe davor nicht an Götter geglaubt. Ich will mit dir nicht da rein. Unsterblichkeit will ich auch nicht mehr.“

Meike dreht sich um und geht die Treppen wieder runter. Ein unglaublich starkes Gefühl der Trauer und des Verlusts durchströmt sie, sie setzt sich abrupt auf die Stufen und beginnt zu weinen.“

Salim:
„Mann, was ist los? Was heulst du jetzt.“

Meike:
„Ich weiß nicht was los ist. Wir müssen hier weg. Oder nein, wir müssen da rein.“

Salim:
„Das ist doch nicht normal. Wir sollten nicht in die Ruine gehen. Außerdem ist da nichts, oder? Warte hier!“

Er dreht sich um und steigt die Treppen hoch. Meike dreht sich auch um und ihr kommt ein Hoffnungsschimmer. Sie geht schnell die Treppen wieder hoch und eine Welle des Glücks überrollt sie, ihr kommen Tränen, aber vor lauter Freude.
Als Salim das Ende der Treppe erreicht, sieht er am Rand des Bauwerks Säulen, in der Mitte sieht er eine Wendeltreppe, die nach unten führt. Er schüttelt den Kopf und dreht sich wieder um.

Salim:
„Ne, da gehen wir jetzt nicht rein. Vielleicht wohnen da auch die Banditen, und wenn du so ein seltsames Gefühl in dir...“

In dem Moment umarmt ihn Meike und küsst ihn ab.

Meike:
„Komm, wir gehen rein. Vielleicht ist da nichts. Aber ein wenig Action würde mir jetzt ganz gut tun..“

Salim:
„Meike, ich erkenne dich gar nicht wieder. Das ist bestimmt dieser Loko. Wir gehen nicht rein.“

Meike:
„Das ist nicht sein Heiligtum, das hier ist doch nur so eine kleine Ruine. Komm, wir gehen die Wendeltreppe runter. Oder hast du Angst?“

Salim schaut sie verwundert an.

Meike:
„Willst du mit mir einfach nur ein wenig im Sand fahren? Oder hast du nicht Lust auf ein geiles Abenteuer. Ein Abenteuer, das wir nicht mehr vergessen werden.“

Salim:
„MEIKE, komm. Irgendwas hat dich verwandelt! Ich erkenne dich gar nicht wieder. Du hättest doch....auch....(lacht)...Angst, hahahah.“

Meike lacht auch. Salim fällt auf den Boden und Meike setzt sich in seinen Schoß.

Salim:
„Sorry für mein Theater. Natürlich, du willst noch was erleben. Das mit Jose war ja nur Gequatsche.“

Meike:
„Ich will keine Durchschnittsfrau mehr sein, ich will was erleben und den Leuten etwas besonderes erzählen können. Und du hast recht, dass mit Jose war nur Gerede, immerhin hat er drei sehr überzeugende Special-Effects gebracht.“

Salim:
„(lacht) Das geilste war, wo ich Jose zwei mal voll in die Fresse geschlagen habe und der einfach sein Loko-Müll weitererzählt hat.“

Meike:
„Oder wo ihr dachtet, ich wäre ein Monster. Du, ich habe mich ganz normal gesehen und...“

Während Meike grinsend die Szene beschreibt, wird Salims Gesicht wieder ernst. Denn ihm kommt der Gedanke, dass der Verwandlungszauber auf Meike, den Jose bei den Banditen gezaubert hat, seine Nachwirkungen hat. Er will schon was sagen, plötzlich lacht er auf.

Meike:
„...gibt es eigentlich auch Zauber, die einen so schön machen, dass die Leute betäubt auf den Boden fallen, wenn sie einen sehen? Warum lachst du?“

Salim:
„Komm, das Abenteuer „Meike und Salim in der magischen Sahara“ braucht ein Hihglight. Ich sehe es aber schon kommen (lacht und hebt Meike wieder hoch und sie hilft ihm auf die Beine) die Treppe führt zu einer eingestürzten Tür und wir müssen uns ein neues Abenteuer ausdenken.“

Meike geht die Wendeltreppe runter und sagt:
„Ich habe ein ganz gutes Gefühl, hier wird’s ein fettes Dungeon geben.“

Salim grinst und hofft, dass es so ist. „Was habe ich nur für eine geile Freundin!“ denkt er sich und folgt ihr. Er geht die Wendeltreppe runter und bleibt vor einem Eingang, der ins Schwarze führt, stehen, an der Seite steht Meike und sagt:
„Willkommen in „Ghost City“, heute sind etliche Geister gekommen, um Sie kennen zu lernen, treffen Sie Lord Teeth, den Geist mit den 1000 Zähnen, geben Sie ihm bloß nicht die Hand, der hat klappernde Zähne an den Händen, Armen, am Bauch, er hat die verdammten Dinger überall. Oder sehen Sie, wie Lady Snow beim Reden Schneeflocken aus dem Mund kommen, sehen Sie Snakesick, die Schlange, die sich auffrisst und sich wieder rausrülpst.“

Salims Augen leuchten.

Salim:
„Komm, wir holen die Lampe aus dem Wagen!“

Meike:
„Ich bin deine Lampe.“

Meike fässt ihm an die Hand und zieht ihn durch den Eingang. Salim sieht jetzt nichts mehr, es ist völlig dunkel. Er hält Meikes Hand und lässt sich von ihr durch mehrere Gänge führen.

Salim:
„Ich sehe nichts. Ich sehe GAR nichts.“

Meike:
„Ich schon.“

Salim reißt sich von ihr los und bleibt stehen.

Salim:
„Man kann hier nichts sehen.“

Meike:
„Also ich sehe alles, aber ganz schön dunkel. Aber du hast recht, es ist schon komisch, dass ich hier überhaupt was sehen kann.“

Salim:
„Das ist dieser verdammte Loko. Jose, dieser Penner, hätte das Monster aus dir nicht machen dürfen. Du BIST NICHT Meike! Du bist auch ganz anders.“

Meike:
„Wie lange schon?“

Salim:
„Seit Jose weg ist. Du bist jetzt...jetzt...(lacht)...geiler geworden. Du machst ja richtig Witze, bist voll auf Abenteuer aus und, sitzt du auf dem Boden?“

Meike:
„Ne, hier am Rand des Ganges ist eine Bank.“

Salim setzt sich zu ihr, sucht ihre Hand und sagt:
„Vielleicht hast du noch mehr besondere Fähigkeiten jetzt. Die wir in den nächsten Tagen noch entdecken werden.“

Meike:
„Na klar, ich kann in die Zukunft schauen und sehen, dass wir jetzt gleich aufstehen und ins Herz dieses Dungeons gehen werden.“

Salim:
„Lass uns erst kurz was anderes machen, Baby.“

Er küsst sie ab und zieht ihr das Hemd aus. Auf dem Boden treiben sie es eine Weile wild, kurz, nachdem Meike ihren Orgasmus hat, fragt sie.

Meike:
„Ahhh...warum lieben wir auf Steinboden?“

Salim:
„Stimmt, ich sage der netten hübschen Frau am Eingang, dass die das hier etwas gemütlicher machen können. Ein kleines bisschen Licht wäre auch gut, nicht alle sind mit deinen Gaben beseelt.“

Meike:
„Frau am Eingang? Wo sind wir?“

Meike steht auf. Sie denkt nach. An das letzte an das sie sich noch erinnern kann, ist, dass sie auf den Treppen der Ruine geweint hat.

Salim
„Wir sind im Keller der Ruine. Du hast mich geführt.“

Meike:
„Sind wir in der Ruine?“

Salim:
„Ja, wir sind die Wendeltreppe runter gegangen.“

Meike drückt sich an Salim und beginnt zu zittern.

Meike(flüstert):
„Ich habe Angst. Ich sehe nichts.“

Salim(stöhnt):
„Dieser beschissene Jose. Komm, Mickey, wir sind hier nur ein paar Minuten gelaufen, nicht eine halbe Stunde. Wir finden den Ausgang wieder.“

Meike folgt Salim, welcher sich an der Wand entlangtastet. Auf einmal läuft sie ihm in den Rücken und er fällt hin. Besorgt bückt sie sich über ihn und sie stellt entsetzt fest, dass er sehr kalt ist. Sie reibt sofort seine Hände und sein Gesicht, nach einer Zeit hört sie wieder seine Stimme.

Salim:
„Verdammt, was ist hier los? Ist mir kalt gewesen, ich konnte meinen Mund noch nicht mal bewegen so kalt war mir.“

Meike:
„Wie ist das passiert?“

Salim:
„Ich weiß es nicht. An der Wand war irgend eine Falle, die ich aus versehen ausgelöst habe.“

Meike:
„Salim, wir kommen hier nicht mehr raus. Ich habe so eine Angst.“

Salim steht wieder auf, auch ihm zittern die Knie.

Salim:
„Komm, wir gehen weiter (fässt ihre Hand an)“

Beide gehen bis ans Ende eines Ganges.

Salim:
„Hier ist eine Tür. Sie ist offen.“

Salim öffnet die Tür und geht durch. Er vermutet, dass er jetzt mit Meike in einem neuen Gang oder Raum ist.

Meike:
„Salim, ich bin wahnsinnig müde (fällt auf den Boden).“

Salim:
„Ich brauche auch mal eine Pause.“

Beide legen sich auf den Boden und schlafen ein. Meike träumt, wie sie mit Salim eine mit großen Quarzkristallen beleuchtete Halle betritt. Genau in der Mitte der Halle ist eine riesige gelbe Blume mit spitzen Stacheln auf ihren Blütenblättern, Meike hat ein Hochgefühl im Bauch und sie muss unaufhörlich lachen. So viel lachen, dass ihr wieder die Tränen kommen. Sie dreht sich zu Salim, der sie fragt, warum sie lache. Meike dreht sich wieder zur Blume und rennt in die Blüte der Blume und schließt die Augen. Sie springt hinein und als sie wieder die Augen öffnet sieht sie, wie sie in einem gelben Tunnel fliegt, der mit Sporen bedeckt ist. Auf einmal hat sie ein Gefühl des absoluten Glücks, sie ist so glücklich wie noch nie und wacht lachend auf.
Kurz darauf wacht Salim auch auf und fragt:
„Wieviel haben wir zu essen?“

Meike:
„Das ist doch egal, das können wir später holen.“

Salim erhebt sich und fragt:
„Wie bitte? Wir haben uns gnadenlos verlaufen.“

Meike:
„Wir finden das schon wieder. Du, ich kann wieder im Dunkeln sehen. Jetzt sogar noch besser als vorhin. Fünf Meter hinter dir gibt es einen Abgrund, wir sind in einer kleinen Halle. Dort drüben ist eine Brücke, die müssen wir nehmen.“

Salim fässt sie an den Arm, drückt ihn und geht dicht an sie ran.

Salim:
„Meike, oder wer auch immer du auch gerade bist. Du bringst uns jetzt raus.“

Meike:
„Aua, drücke doch meinen Arm nicht so! „Meike, oder wer auch immer du bist“. Sag mal spinnst du?“

Salim:
„Kein Mensch kann im Dunkeln sehen.“

Meike:
„Ich sagte dir doch, Loko hat mir diese Fähigkeit geben. Ich hätte irgendwie doch Bock nach dem Dungeon hier zu seinem Schrein zu fahren. Schade, dass Jose weg ist, ohne ihn werden wir es nicht finden.“

Salim:
„Ich wünschte, wir hätten diesen Jose nie getroffen. Wir gehen jetzt wieder aus der Halle raus, den Gang zurück und in jedem Raum, in dem wir sind, sagst du mir wo die Türen sind. Die verschiedenen Abzweigungen der Gänge verrätst du mir auch.“

Meike:
„Ich kann dir auch von der Statue erzählen, die neben der Tür ist, durch die wir gekommen sind. Ein Mann mit einem Krokodilkopf und...warte, das ist bestimmt wieder was von Loko!“

Salim packt Meike und zerrt sie aus der Halle. Kurz darauf schafft sie es sich loszureißen und rennt weg.

Meike(tanzt):
„Fang mich doch, fang mich doch....Vorsicht! Noch einen Schritt weiter, und du rennst in ein Loch rein. …..Scheiße!“

Salim:
„Was denn?“

Meike:
„Da...da...ist ein riesiger Skorpion, der aus dem Loch krabbelt......Mann, hat der einen krassen Stachel!...Salim, er krabbelt direkt auf dich zu, NEIN!“

Salim dreht sich um und rennt weg. Er läuft und als er ihr Lachen hört, bleibt er stehen, sie kann mit dem Lachen gar nicht aufhören. Salim geht wütend auf sie zu. Er packt sie und knallt ihr eine. Meike hört mit dem Lachen sofort auf und knallt ihm eine zurück.

Salim:
„Du bist nicht Meike!“

Meike:
„Weil ich jetzt im Dunkeln sehen kann? Ich hatte dir doch schon gesagt, warum das vielleicht so ist.“

Salim:
„Nach dem letzten Sex konntest du dich nicht mehr daran erinnern, dass du mich in dieses scheiß Labyrinth gezogen hast. Du hattest auch auf einmal tierische Angst.“

Meike:
„Salim, ich mache zur Zeit eine Entwicklung durch. Ich sagte dir doch schon, dass ich mich nach mehr aufregenden Momenten in meinem Leben sehne. Aber manchmal ist es zu viel für mich, mich überrollt dann die Angst, ich bin völlig perplex und kann mich an nichts mehr erinnern. Der Schlaf eben hat sehr gut getan. Ich bin doch deine Meike....(streichelt ihn)......“

Salim:
„Ich kann das nicht so ganz glauben. Du wärst niemals so locker.“

Meike:
„Ich habe jetzt auch wieder diese unglaubliche Selbstsicherheit, dieses Gefühl alles im Überblick zu haben. Schau mal, hier auf dem Boden liegt etwas (bückt sich) ein Knopf. Ich drücke den mal, dann passiert bestimmt etwas aufregendes.“

Salim:
„NEIN!“

Meike:
„Auf den BODEN!“

Salim und Meike werfen sich auf den Boden und können hören, wie Pfeile über ihren Köpfen fliegen.

Salim will sofort zu Meike gehen, sie geht ihm aber immer aus dem Weg.

Meike:
„Es tut mir leid mit dem Knopf. Da ist der Abenteuerdrang mit mir durchgegangen. Aber ich habe dich ja früh genug vor den Pfeilen gewarnt. Ey, geil, hier liegt ein Ring auf dem Boden (bückt sich).“

Salim packt die Wut und er holt schon aus um ihr eine zu donnern. Da verharrt er und hört ihr zu.

Meike:
„Ey, das ist ein magischer Ring. IST JA GEIL! Wenn ich den am Finger dreh sehe ich dich immer in einem anderen Alter. Dreh ich ihn nach links, dann sehe ich dich als Kind, ist er in der Mitte, dann sehe ich dich normal und wenn ich den Ring nach ganz rechts drehe sehe ich dich als Opa. Ich will noch mal dich als Kind sehen. Wie niedlich!“

Salim denkt sich gerade, dass es doch vielleicht so ist wie Meike sagt. Sie ist jetzt lustiger, hat Special-Skills und ist wahnsinnig mutig geworden. Er beginnt zu lächeln, streichelt ihre Schulter und sagt:
„Es tut mir leid mit der Ohrfeige vorhin, Mickey. Ich wundere mich einfach so über deinen Mut. Ich habe tierische Angst! Wir haben uns voll verlaufen in einem riesigen Keller eines antiken Tempels....Aber eigentlich ist ja hier nichts gefährliches, wir müssen nur wieder raus.“

Meike streichelt seinen Arm.

Meike:
„Du willst also unbedingt, dass wir wieder rausgehen? Na gut, (stöhnt, lächelt aber gleich darauf) Beim nächsten Abenteuer bist du aber mutiger, kleines Baby.“

Salim schaut nach unten und fässt sich mit dem Finger an die Stirn. Er stellt sich gerade vor, wie er seinen Freunden von dem Tempel hier erzählt und sagen muss, dass er sich in die Hosen gemacht hat, aber Meike ganz scharf darauf war ein Abenteuer zu erleben.

Salim:
„Du sagtest, dass du in das Herz des Dungeons willst. Warum?“

Meike:
„Ich weiß es nicht, irgendwas ruft mich. Als ob ich nur deswegen auf der Welt erschaffen wurde. Ich habe von einer großen, gelben Blume vorhin geträumt, als ich sie sah, kam mir ein Strahlen im Gesicht, irgendwie glaube ich, dass mich die Blume zu einem anderen Planeten bringt, meinen Heimatplaneten, wo ich meine vorherigen Leben geführt habe. Ich werde meine Mütter und Väter erblicken, in strahlenden Gewändern werden sie vor mir stehen, in ihre gestählten weisen Augen werde ich schauen und allein ihr Blick wird Erinnerungen wecken, die lange Zeit verschüttet waren.(lacht).“

Salim:
„Mann, auch wenn du jetzt sehen kannst, heißt das noch nicht, dass wir rauskommen. Ich habe auch tierischen Hunger. Das beste ist, wir gehen nochmal zum Auto, holen die Lampe und gehen dann nochmal ins Dungeon zurück.“

Meike:
„Es ist nicht mehr weit, ich kann es fühlen.“

Salim:
„Bitte, Meike. Und schrecklichen Durst habe ich auch!“

Meike:
„Du kannst ja hier warten, ich hole dich später wieder ab. Ich will nur schnell diesem Gefühl folgen.“

Salim fässt sie an die Hand.

Salim:
„Die Stimme, die dich da ruft, der sollten wir vielleicht nicht trauen.“

Meike grübelt. Ihr gefällt ihr neuer Style, die Stimme kann doch nur gut sein. Aber vielleicht ist das eine Falle.

Meike(traurig):
„Na gut, wir gehen wieder.“

Sie laufen durch einen Gang, der auf jeder Steinplatte am Boden eine Mulde hat. Salim sieht nichts, er hält nur Meikes Hand. Erst hat er sie gefragt, wie der Gang aussieht und wo eine Tür ist, aber irgendwann hat er aufgehört und sich von ihr führen lassen.
Nach 15 Minuten sehen sie von weitem den Eingang.

Salim(glücklich):
„JA! Wir haben es geschafft. Was für ein Adventure.“

Meike:
„Adventure? Wir sind da ein bisschen rumgelaufen und haben uns etwas verirrt. Keine Monster, keine Magie, das beste waren die Pfeile.“

Salim lacht und geht die Wendeltreppe hoch, Meike folgt ihm. Sie verlassen die Ruine und gehen zum Auto. Sofort holen sie sich Essen aus dem Wagen. Während sie essen macht Salim ein paar Witze, aber Meike schaut genervt ihr Brot an.

Salim:
„Was ist los?“

Jetzt schaut ihm Meike in die Augen.

Meike:
„Was bin ich eigentlich mit so einem Waschlappen zusammen? Du musst jetzt nicht James Bond oder Batman sein, aber ich habe schon mutigere Männer kennen gelernt.“

Salim:
„Das war, weil ich dachte, du wärest nicht mehr Meike. Die Meike, die ich kenne, würde am Ende der Wendeltreppe stehen bleiben und sie wieder hoch gehen. Die würde kein Fuß da rein setzen. Aber warte nur, wir stärken uns, dann nehmen wir noch Proviant mit. Die Lampe mit Ersatzbatterien und die zwei Schlafsäcke brauchen wir auch.“

Meike kaut an ihrem Brot und will unbedingt wieder in die Ruine. Das schöne Gefühl, was sie dort hatte, möchte sie am liebsten die ganze Zeit haben: Ein leichtes belebendes Kribbeln hatte sie auf der Haut gehabt, ihr Herz pochte und freute sich bei jedem Schlag.. Und dann noch dieser Mut! Das freut sie am meisten. Sie nimmt sich vor jetzt jedes Jahr etwas spannendes und aufregendes zu erleben. Sie hat das Gefühl, dass ein neues Leben für sie begonnen hat.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20646 Verfasst am: Sa 1.Feb.2014 15:00
 
Offroad II - 5.Teil
 
Der feurige Wind treibt Meike kleine Sandkörner in die Augen, auf ihrer Haut glüht die Hitze der Sonne. Rings um sie herum ist nur Sand und die Ruine, am Himmel ist keine einzige Wolke und wegen der Wärme schwitzt sie am ganzen Körper. Es ist mitten am Tag und sie haben soeben mit dem Essen aufgehört. Sie rüsten sich aus für ihr bevorstehendes Abenteuer, Salim nimmt sich ganz fest vor jetzt gute Nerven zu zeigen. Dabei hat er sich gesagt, dass er bei Meike aufpassen will. Ihr neues Verhalten kommt ihm sehr seltsam vor. Meike dagegen hat das Gefühl, dass ihr neues Selbstbewusstsein schon immer da war, sie hinterfragt es nicht mehr.
Beide packen ihre Sachen auf den Rücken, vorher haben sie den Wagen noch mit Sand vollkommen bedeckt.
Meike geht voran auf die Ruine zu, Salim läuft hinterher.

Salim:
„Ich bin schon mal gespannt auf das Dungeon. Jetzt habe ich eine Taschenlampe und muss nicht mehr mit ausgestreckten Armen im Dunkeln tapsen. Da scheint auch keiner zu sein, uns wird nichts passieren. Wir müssen nur auf die Fallen dort aufpassen.“

Meike sagt nichts und besteigt die ersten Treppen. Salim läuft jetzt neben ihr.

Salim:
„Aber einen Schatz werden wir bestimmt nicht finden, Archäologen haben bestimmt alles wertvolle aus dem Keller geschafft.“

Meike:
„Wir werden schon was finden. Das, was ich suche, haben noch keine Forscher entdeckt. Ich weiß es irgendwie, ich bin mir ganz sicher, dass dort was ist. Wir müssen die Wände nach Schaltern und Geheimtüren absuchen.“

Beide gehen die Wendeltreppe runter, Meike voran und betreten den Keller. Salim knippst gleich seine Taschenlampe an und sieht, dass die Wände und der Boden dreckig und kahl sind. Scheinbar wurde alles aus dem Keller geschafft, selbst die Wände wurden abgetragen.

Salim:
„Woher weißt du, wie wir laufen müssen?“

Meike:
„Ich fühle es. Dich kann ich auch fühlen. Wenn du weiter weg bist, spüre ich es.“

Salim:
„Warum berührst du die Wand?“

Meike:
„Hörst du mir nicht zu? Hier wird es irgendwas verstecktes geben.“

Salim:
„Du musst aufpassen, gestern hat mir eine Falle an einer Wand einen Kälteschock verpasst.“

Meike:
„Mann, ich passe doch auf. Nerv mich jetzt nicht.....hier ist ein lockerer Stein. (nimmt den Stein raus) ohh, ein Loch!“

Meike greift in das Loch der Wand und zieht eine kleine Kette heraus. Sie zieht so lange an ihr, bis sie gespannt ist. Ein Poltern kommt irgendwo aus dem Dungeon. Salim erschrickt und leuchtet Meike ins Gesicht. Dabei kann er sehen, wie sie sich freut.

Meike:
„Vielleicht haben wir es jetzt gefunden, komm, mein Schatz, wir gehen dahin wo das Poltern herkam.“

Kurz nachdem sie es gesagt hat, hören beide von weitem Schritte. Meike klatscht leise in ihre Hände und flüstert Salim ins Ohr:
„Das ist jetzt der Butler von Loko, der uns mit einer Kerze den Weg in den aufregenderen Teil des Dungeons bringt. Schau, in dem Gang hier ist eine Wand, die in den Gang ragt. Dahinter können wir uns verstecken.“

Meike geht zu der Wand, die einen halben Meter in den Gang reicht. Sie sieht, dass dahinter ein schmaler Gang in die Wand führt.

Salim:
„Wenn der in diesen Gang auf uns zu kommt, fliehen wir in den schmalen Gang. Hoffentlich ist das keine Sackgasse.“

Meike lächelt und sagt:
„Nein, ich habe ein ganz gutes Gefühl dabei. Komm!“

Beide stellen sich an den Eingang des schmalen Ganges, eine unheimliche Ritze, die einen sonstwo hinführt. Die Schritte kommen immer näher, Salim zittern die Knie und Meike drückt ihre Daumen und wackelt mit ihnen froh. Sie ist jederzeit bereit in den schmalen Gang zu fliehen. Ihr Freund ist auf einmal völlig erstarrt, er fragt sich, von wem diese Schritte nur kommen können. Bestimmt ein Zombie oder ein untoter römischer Legionär oder......den Gedanken hört er in seinem Kopf nicht weiter. Völlige Stille. Die Schritte sind ungefähr zehn Meter von ihnen entfernt langsamer geworden und dann stehen geblieben.
Nach einer Pause, die Salim ewig vorkommt, hört er zwei langsame Schritte in ihre Richtung. Danach wieder eine Pause. Auf einmal ein lautes Knacken, genau da reißt Salim die Augen auf.
Meike hat in diesem Moment ihre Augen auch größer gemacht, ihr Lächeln ebenfalls. Sie hat sich schon zu dem schmalen Gang gedreht und würde gleich losrennen. Mit einer Hand hält sie Salim, sie reibt seine Hand, denn sie ist sehr kalt geworden..
Noch ein Schritt hören sie. Meike wackelt hin und her, sie will gleich losflitzen. Salim dagegen ist steif wie ein Brett, seine Augen sind weit geöffnet, sein Mund ebenfalls, er hofft, dass seine Freundin ihn aus dieser Paralyse gleich befreit.
Beide können hören, wie dieser unheimliche Bewohner des Dungeons die Kette wieder in das Loch steckt.Die Kette rasselt dabei, Meike hofft, dass der Butler, der wie ein Zombie in Anzug in ihrer Fantasie aussieht, sie sieht und sie mit Salim wegrennt. Der Butler kommt ihnen dann nicht mehr hinterher weil sie so schnell sind und wer weiß, vielleicht führt diese Ritze dahin, wo dieses neue Gefühl, was sie hat, sie bringen will. Zu der gelben Riesenblume, die ihr in dem Traum so unglaublich schöne Emotionen geschenkt hat.
Man hört jetzt nichts mehr seit dieses Etwas die Kette ins Loch gepackt hat. Scheinbar schaut es sich um. Als Meike das Knirschen kleiner Sandkörner auf dem Steinboden hört, zwei Meter vor sich, stürmt sie mit einem kurzen lauten Lacher los und zieht an Salims Hand. Dieser erweckt aus seiner Starre und rennt ihr hinterher. Hinter sich hört er die Schritte schneller werden, er hat die Taschenlampe angemacht und folgt seiner Freundin. Der schmale Gang zweigt in drei andere Gänge ab, ohne zu überlegen stürmt Meike in den rechten. Salim folgt ihr und bei den nächsten Abzweigungen entscheidet wieder Meike, wo es lang geht. Nach einer Weile landen sie in einen größeren Raum, der in der Mitte eine dicke Wand hat. Meike und Salim verstecken sich dahinter und atmen aus. Sie horchen, aber es sind keine Schritte mehr zu hören.
Meike strahlt übers ganze Gesicht. Bei jedem Atemzug spürt sie eine Lawine von Glückshormonen durch ihren Körper rollen, sie ist regelrecht high vom Adrenalin, dass sie in ihr Blut ausgeschüttet hat in den letzten Minuten. Da die Gefahr vorbei ist und beide sie überstanden haben, hat sie ein Euphoriegefühl der Sonderklasse, sie hat Dopaminüberschuss und denkt die beste Frau aller Zeiten zu sein.
Salim dagegen hat sich beruhigt, er bekommt den Gedanken, dass dieser Trip vielleicht tödlich enden wird. Aber er will auf keinen Fall seine Freundin enttäuschen. Und außerdem muss er zugeben, dass er bisher noch mit keiner Frau solche aufregenden Sachen erlebt hat.
Er fässt Meikes Hand an und sie gibt ihm einen leidenschaftlichen Zungenkuss. Da er sie neuerdings krass bewundert, empfindet er noch mehr Liebe bei dem Kuss. Er schließt die Augen und ist sich sicher, dass seine Freundin die beste Küsserin der Welt ist.
Gleich darauf löst sich Meike von ihm und jauchzt auf.

Meike:
„Das war geil! Ich dachte kurz, dass durch unsere Verfolgungsjagd jetzt alle Mumien und Zombies erwachen und uns zehn Stunden jagen werden, hihi.“

Salim schaut sie ernst an.

Salim:
„Vielleicht haben wir jetzt wirklich in dem Labyrinth was geweckt. Wir sollten lieber wieder...äh...mit unserem Ausflug weitermachen und diesen Raum untersuchen. Das ist doch der erste Raum, der eine Wand in der Mitte hat. Vielleicht heißt das nichts, aber...“

Meike hat schon längst damit angefangen, die äußeren Wände zu untersuchen.

Meike:
„Du, hier an der Wand ist ein großer Kreis, in seiner Mitte sind vier quadratische Schalter aus Stein übereinander. Wenn ich die drücke, passiert aber nichts.

Salim ist auf der anderen Seite des Raumes und beleuchtet dort die Wand.

Salim:
„Hier auch...(drückt die Schalter)....vielleicht öffnen die eine Geheimtür. Wollen wir mal alle drücken?“

Meike:
„JA!“

Sie drücken jeweils alle vier Schalter und sehen, dass an den anderen beiden Wänden ebenfalls Schalter sind. An einer Wand sehen sie unter den Schaltern einen lateinischen Text eingraviert.

Salim:
„Sind alle Schalter gedrückt?“

Meike:
„Ja. Aber nichts passiert.“

Salim:
„Vielleicht ist in irgendeinem anderen Teil des Keller was passiert.“

Meike geht auf die eingravierten Buchstaben zu und ärgert sich.

Meike:
„Mist, ich kann kein Latein.“

Salim:
„Ich auch nicht.“

Meike liest den Text laut vor.

Meike:
„vita
in deserta expetenda
est, si
peritum est.“

Salim:
„Vita heißt bestimmt „Leben“.“

Meike:
„Und „deserta“ Wüste. „Expetenda“ vielleicht besonders oder außerordentlich.“

Salim spielt mit der Hand an seinen Lippen.

Salim:
„“si“ heißt bestimmt „ja“.“

Meike:
„Was heißt „est“?“

Salim:
„Vielleicht „ist“.“

Meike:
„Das Leben in der Wüste ist groß, ja, es ist, peritum....Ach Mann....mein Ex-Freund hatte Latein in der Schule.“

Sie geht einen Schritt zurück und schaut darunter. Der selbe Text steht genau darunter.

Meike:
„Warum ist denn der Text hier zwei mal?“

Salim:
„Hmmm...ich weiß es nicht....mit dem „si“ bin ich aber etwas vorsichtig, vielleicht heißt es im Lateinischen nicht „ja“. Aber ist es nicht seltsam, wie das da steht? Warum steht das nicht in zwei Zeilen, warum in vier?“

Meike:
„Weiß ich nicht....ohne den Text zu übersetzen kommen wir hier nicht weiter. Ach, Mann.“

Sie lehnt sich an die innere Mauer des Raumes und rutscht mit dem Rücken runter. Sie überlegt, was es mit den Schaltern auf sich hat. Salim dagegen geht dieses Wesen mit den Schritten nicht aus dem Kopf, das er nicht sehen konnte.

Salim:
„Meike, hast du dieses Etwas gesehen?“

Meike(grinst):
„Das war ein Untoter mit zerfetzter Kleidung, ein Auge hing ihm raus, Blut tropfte aus seinem Mund und er hatte einen blitzenden Dolch in der Hand, hihi.“

Salim:
„Ehrlich?“

Meike:
„Ne, der sah ganz normal aus. So ähnlich, wie der dicke Typ, der immer Werbung für die Sparkasse macht. Vielleicht hat er sich in dem Dungeon auch verlaufen.“

Salim:
„VERDAMMT! Warum verarscht du mich...(fässt sich mit der Hand an die Augen und reibt)....treibe es bitte nicht zu weit mit mir.“

Meike:
„Ach, Sali-Baby, ich habe es nicht richtig gesehen gehabt. Da war doch die Mauer dazwischen, die in den Gang ragt. Hast du Angst?“

Salim:
„Geht so, ein bisschen. Hast du gestern wirklich eine Statue in der einen Halle, wo wir gepennt haben, mit einem Krokodilkopf gesehen?“

Meike lacht und schüttelt den Kopf, sie antwortet:
„Nein, dieses Dungeon wurde schon entdeckt und alles wurde raus geräumt.Die Ruine kommt mir von außen römisch vor, also wurde der Termpel zur Römerzeit erbaut. Die Römer hatten aber keinen Gott mit Krokodilkopf, die Ägypter dafür schon. Sobek, der Gott des Wassers, und er war glaube ich auch ein Fruchtbarkeitsgott. Aber das ägyptische Reich ging nicht bis nach Marokko, wo wir sind. Kennst du Sobek?“

Salim:
„Nein.“

Meike:
„In Geschichte mal wieder nicht aufgepasst, wie? Er hatte in einer Hand einen Zepter, in der anderen Hand das ägyptische Kreuz, das Anch. Hast du bestimmt schon gesehen, ist ein Kreuz mit einer Schleife. Die Ägypter hatten Tiergottheiten, die Römer nicht. Und hier in Marokko waren die Römer, nachdem sie Karthago bezwungen hatten. Die Karthager kennst du aber?“

Salim stöhnt und sagt:
„Nein, habe ich wieder vergessen.“

Meike:
„Ich sehe schon, du bist zu nichts zu gebrauchen. Deine Unterhose hast du bestimmt auch voll gepinkelt vor lauter Angst. Und das Rätsel hier muss ich wahrscheinlich auch alleine lösen. Ach, Indy, wie gut würdest du mir jetzt nur tun! (seufz)“

Sie untersucht die Wand des Raumes, auch die innere, sie bückt sich, streckt sich, befühlt jede Ritze und sagt nichts mehr. Salim dagegen kratzt sich am Kopf und überlegt. Die neue Meike gefällt ihm nicht mehr so gut, sie scheint ihm sehr arrogant geworden zu sein. Er ist sich sicher, dass irgendeine höhere Macht seine Freundin verändert hat.
Meike dagegen bückt sich mittlerweile über dem Text. Sie fragt sich, warum der kurze Text über vier Zeilen geht. Vier Zeilen stehen da und es gibt vier Wände mit vier Schaltern.

Meike schnippt mit dem Finger und sagt:
„Genau, das ist es! In der ersten Zeile steht nur ein Wort, dann müssen wir an einer Wand nur einen Schalter, wahrscheinlich den ersten von oben drücken. In der zweiten Zeile sind drei Wörter, also müssen wir an der nächsten Wand drei Schalter drücken und so weiter.“

Salim wird aus seinen Überlegungen gerissen und leuchtet mit seiner Lampe in Meikes Gesicht.
Er vergisst seine Gedanken und denkt über das Rätsel nach. Er sagt:
„In der ersten Wand drücken wir nur einen Schalter weil ja in der ersten Zeile des Textes nur ein Wort steht. Welche ist aber die erste Wand?“

Meike:
„Hmmmm....vielleicht ist das hier die erste Wand, wo der Text ist. Komm, wir machen uns gleich mal ans Werk.“

Sie setzen den Plan um, den Meike vorgeschlagen hat. Nachdem sie alle Schalter so gedrückt haben, warten sie. Aber nichts passiert.

Salim:
„Nichts passiert..“

Meike(jammert):
„Wir müssten den Text verstehen.“

Salim lehnt sich an die Wand in der Mitte des Raumes, Meike starrt auf die Schalter. Danach geht sie noch mal zu den zwei Texten, die identisch sind. Als sie auf beide schaut, fässt sie sich grübelnd mit den Fingern an ihre Lippen. Salim kommt zu ihr und schaut mit seiner Lampe auch auf die zwei Texte.

Salim:
„Vielleicht muss man diese Kombination mit den Schaltern zwei mal drücken.“

Salim:
„Ja, das kann sein. Der Text steht bestimmt deswegen zwei mal an der Wand.“

Sie drücken die Schalter, die sie gedrückt haben, ein zweites mal und warten.

Salim:
„Vielleicht ist das gar kein Rätsel oder die Schalter funktionieren nicht mehr.“

Auf einmal hören sie einen Ruck und hören, dass die Wand in der Mitte des Raumes sich rührt. Meike und Salim stellen fest, dass sie sich nach unten bewegt. Meike hat einen fetten Grinser im Gesicht und Salim kommt dieses Grinsen übertrieben vor, wer weiß, was jetzt passiert. Seine Beine beginnen auf einmal zu zittern. Gleich darauf stampft er auf den Boden und sagt sich, dass er sich zusammen reißen muss.
Die Wand fährt in den Boden, sie sinkt sogar noch weiter tiefer. Beim Runtergleiten bildet sie Stufen, die zu einer Tür führen.
Meike rennt gleich die Stufen herunter, Salim folgt ihr mit etwas Zögern. Ihm geht dieses Etwas nicht aus dem Kopf, dass sie vorhin noch verfolgt hatte.
Seine Freundin öffnet die Tür und sagt laut „OHHH!“. Vor ihr geht eine Treppe nach unten in eine große Höhle aus Granit, die in ihrer Mitte einen See hat, welcher hellblau leuchtet und die ganze Höhle erhellt. An den Ufern des Sees wachsen pflaumenfarbige Flockenblumen zwischen sonnengelben Ginsterbüschen. Freudig geht Meike die restlichen Stufen herunter, Salim folgt ihr langsam, er bekommt den Mund nicht zu.

Meike:
„Juchu, wir haben das Rätsel gelöst. Jetzt ist es nicht mehr weit zu der großen Blume, ich ahne es.“

Salim erreicht das Ende der Stufen und fragt:
„Was ist das für ein sonderbares Wasser? Warum leuchtet es so?“

Meike geht zum Wasser und hält ihre Hand rein. Es fühlt sich warm an, sogleich trinkt sie etwas von.

Salim:
„Vorsicht! Vielleicht ist es giftig!“

Doch Meike ignoriert ihn und stillt ihren Durst. Danach springt sie ins Wasser und ruft:
„Komm, Salim, ein wenig schwimmen. Ohh, schau mal, da ist gerade ein blauer Schmetterling aus dem Wasser gekommen. Hier ist eine Seerose...mit einem Edelstein drin!“

Salim springt ins Wasser und schwimmt zu ihr. Sobald er bei ihr ist, taucht sie und er folgt ihr. Unter Wasser berühren sie sich, sie beginnen sich zu küssen und Salim vergisst kurz seine Zweifel, die ihn beschäftigen.
Während sie sich küssen, schaut Meike nach unten und sieht einen riesigen Hai drei Meter unter sich schwimmen. Sie beginnt zu grinsen und zeigt den Hai Salim. Als dieser das Monstrum sieht, schwimmt er sofort hoch, dabei zerrt er an Meikes Arm. Als beide wieder an der Wasseroberfläche sind ruft Salim:
„Scheiße, ein Hai. Wir müssen so schnell es geht aus dem Wasser!“

Meike:
„Ach, der tut uns nichts. Der hätte uns schon längst angegriffen.“

Salim(genervt):
„Sagt dir das wieder dein Gefühl?“

Meike:
„Ja, auch, aber ich konnte auch die Gefühle des Hais spüren. Er hat sich gefreut, als er uns gesehen hat.“

Salim stöhnt kurz und schaut sich um. Der See erstreckt sich über die ganze Höhle, an der Höhlenwand schlängelt sich ein Weg entlang, der am hinteren Höhlenende nach rechts in die Wand der Höhle verschwindet. Salim zeigt auf die Stelle, und Meike nimmt seine Hand und geht mit ihm aus dem Wasser. Beide gehen den Weg an der Höhlenwand entlang, Meike schaut sich um und hüpft von einem Bein aufs andere, Salim kommt aus dem Staunen nicht heraus. Nicht nur das leuchtende Wasser ist faszinierend, eine kleine Gruppe winziger Sterne fliegt plötzlich über ihnen vorbei und gleich darauf sehen sie, wie ein eiförmiger Stein auseinanderbricht und ein schwarzes Küken piepend raushüpft. Es hüpft zu einem Loch in der Wand und verschwindet darin..
Salim fragt sich, was er machen soll, wenn irgend ein höheres Wesen Meike ruft und ihr was böses will. Er weiß, dass er fast nichts dagegen tun kann.
Sie erreichen die Stelle, wo der Weg nach rechts abbiegt und in einen Höhleneingang mündet. Beide sehen, als sie in den mit Blumenornamenten verzierten Eingang schauen, einen Gang, der hell beleuchtet wird von weißen Quarzsteinen, die sich in den Wänden befinden.

Meike:
„Das sind die selben Quarzsteine wie in meinem Traum. Ich kann es kaum abwarten.“

Salim zieht Meike an sich.

Salim:
„Du, vielleicht will uns dieser Loko nur umbringen. Weil Jose uns vielleicht zu viel erzählt hat.“

Meike denkt nach und ignoriert das Gefühl, dass ihr sagt, dass das nicht stimmt, was Salim sagt. Nach längerer Zeit verschwindet ihr das Lachen und sie schaut Salim ins Gesicht.

Meike:
„Vielleicht hast du recht, vielleicht sollten wir aufpassen. Aber warum gehst du eigentlich immer vom schlimmsten aus? Macht dir das Abenteuer keinen Spaß mehr?“

Salim lächelt sie an und streichelt ihren Arm, dabei sagt er:
„Doch, nur es ist verdammt ungewohnt solche Sachen zu erleben, die man nur in Fantasy-Filmen gesehen hat.“

Meike grinst darauf und sagt:
„Komm, wir gehen wieder weiter!“

Beide gehen durch den Gang, welcher immer breiter und höher wird. Nach einigen Metern biegt er jedes mal entweder nach links oder rechts ab. Schließlich kommen sie in eine Halle, die Meike schon aus ihrem Traum kennt. Der Boden ist mit staubigen Marmorplatten bedeckt, die stufenartig leicht nach unten führen und an den Wänden stehen sonderbare Statuen (z.B. ein Mann mit einem Blumenkopf und Blättern statt Händen oder eine Frau mit Blüten in den Augen und einem langen Stiel, der ihr aus den Bauch ragt und sich zu Boden neigt). Am Ende der Halle steht schließlich die gelbe riesige Blume mit den Stacheln auf ihren Blüten. Meike rennt zu ihr, Salim kann sie gerade noch fest halten.

Meike:
„Lass mich, ich muss dahin.“

Salim geht mit Meike langsam zur Blume, dabei lässt er ihre Hand nicht los. Ihm fällt dabei ein, dass sie letztens nach dem Sex wieder die alte Meike war, die sich an nichts erinnern konnte. Er will ihr schon einen Kuss geben, da wird sein Gehirn mit paradisischen Bildern überschwemmt, wunderschöne grünschimmernde Landschaften mit Blumenhäusern, aus denen Menschen schauen, deren Körper glänzen wie die von Libellen, wenn sie miteinander sprechen kommt aus ihren Mündern ein glitzernder Regenbogenstrahl, der Himmel wechselt von rot über grün zu blau in sanften Übergängen. Völlig überwältigt von dieser Grafik lässt er Meike los und wirft sich mit verschlossenen Augen auf den Boden.

Meike:
„Salim, was ist los? (bückt sich über ihn) Was ist passiert? Bist du ohnmächtig geworden?“

Blume:
„Lass ihn liegen, Meike, er träumt nur. Ich will ungestört mit dir reden.“

Meike hat die Blume nicht mit den Ohren gehört, sondern ihre hohe Stimme in ihrem Kopf bemerkt. Sofort dreht sie sich zur Blume und kniet sich auf den Boden.

Meike:
„Du hast mich also gerufen. Warum?“

Blume:
„Ich habe vor ein paar Tagen gesehen, dass man sehr gut Verwandlungszauber auf dich wirken kann. Das Monster, das du warst, sah einfach köstlich aus. Dann habe ich versucht dich zu rufen, scheinbar hat es geklappt.“

Meike:
„Bist du Loko?“

Blume:
„Nein, Loko hat mir nur von dir berichtet. Ich bin einer seiner Blumen, seiner Frauen, er liebt Blumen über alles. Ich heiße Paralla.“

Meike:
„Warum hast du mich gerufen, Paralla?“

Blume:
„Ich brauche jemanden, der mir hilft.“

Meike:
„Warum? Ohh, danke, du gibst mir wieder diese schönen Gefühle, hmmmmm(schließt die Augen)“

Blume:
„Ich will, dass die gesamte Menschheit mich anbetet. Alle anderen Götter sollen vergessen werden, nur wegen mir sollte man regelmäßig beten. Überall werden Tempel für mich errichtet und....naja, das ist so ein Standard, das gefällt mir nicht. Ich will kein Standardgott sein. Ich überlege schon so lange was ich eigentlich machen will.“

Meike:
„Was willst du von mir, schöne Blume?“

Blume:
„Ich werde die Menschheit ausrotten und du und Salim sollt die einzigen Überlebenden sein. Du bist Eva und er ist Adam....ach, dann kopiere ich ja euren Gott. Ich variiere das nur ein bisschen...hmmmm.“

Meike:
„Du lässt die Kriege auf der Welt beenden und keinen mehr an Hunger sterben.“

Blume:
„(kicher)...ne, so mächtig bin ich nicht. Was ich kann sind Telepathiezauber, Super-Imagination und Verwandlungszauber, vielleicht noch anderen Kleinkram. Menschheit retten oder ausrotten, im Pantheon der größten Götter bei geselliger Runde aufgenommen zu werden, Zeus stößt seinen prächtigsten Sohn zur Seite als er mich erblickt, Pilger kommen scharenweise und opfern mir ihre Frauen, ne, ich kann nur ein paar Zauber. Ich bin für Loko nur eine seiner Blumen, ich sollte nur eine Hausfrau bleiben, schlägt er mir vor. Nein, ich will auch Karriere machen!“

Meike:
„Ich weiß nicht wie ich dir helfen kann.....(stellt sich was vor und lacht)......ich habe mir gerade vorgestellt, wie du mich in die Tagesschausprecherin verwandelst und ich dann im Fernsehen statt die Nachrichten vorzutragen ich von dir berichte.“

Blume:
„Sowas habe ich auch schon überlegt gehabt. Ich verwandle dich in Leute, die viele Menschen erreichen. Was soll ich aber nur sein? Gott des Friedens? Oder des Feuers?.....Ich hatte mal vor ein paar Jahren eine gute Idee. Wie wäre es mal mit einem Gott des Lachens? Da gibt es nicht so viel. Dionysos war der griechische Gott des Genusses, des Weines und der Freude. Ich möchte mich aber schon auf die Komödie spezialisieren.“

Meike(lacht):
„Als Tagesschausprecherin würde ich dann was lustiges erzählen. Genau. Aber was ist mit der richtigen Sprecherin in der Zeit?“

Blume:
„Ich erreiche die Frau nicht, aber ich kann ja mal den großen Loko fragen. Der kann das.“

Meike:
„Was?“

Blume:
„Na, die Frau steigt in ihren Wagen und schläft gleich darauf für sechs Stunden ein. Loko wird das bestimmt machen. Aber die würden die Sendung stoppen und dich rauschmeissen. Wir müssen uns andere Ideen ausdenken. Wir haben ja Zeit. Du bist übrigens sehr empfänglich für meine Magie, bei dir wirkt sie intensiver als bei anderen Menschen, nicht jeder folgt meinem Ruf. Wir passen bestimmt gut zusammen. Damit du mich überall hören kannst, ich dich mich wichtigen Informationen füttern und dich verwandeln kann, musst du eines meiner Kinder mitnehmen. Sie wachsen unter meinen grünen Blättern.“

Meike fässt ein Blatt der Blume an und hebt es vorsichtig hoch. Darunter erkennt sie ganz viele kleine Blumen, die so aussehen wie die Riesenblume. Sofort holt sie aus ihrem Rucksack eine kleine Tüte und verstaut eine der Blumen mit Erde darin.

Blume:
„Pflege sie gut, sie wird dir immer sagen, was zu machen ist.“

Meike:
„Ich werde mich gut um sie kümmern.“

Blume:
„Du nimmst jetzt deine Blume und gehst wieder zurück zu deinem Wagen. Mit deinem Freund redest du dann nur sehr wenig, mit mir in Gedanken sprichst du die ganze Zeit. Ihm sagst du einfach, dass er ne Memme ist und bei einem bisschen Grafik gleich in Ohnmacht fällt. Wir beide, Meike, werden uns auf der langen Heimreise ein paar lustige Sachen ausdenken. Noch was: Vermeide Sex mit Männern.“

Meike:
„Wieso?“

Blume:
„Als du es mit Salim letztens getrieben hast, konnte ich dich nicht mehr erreichen. Es dauerte dann ein paar Stunden, bis der Bund zwischen uns wieder hergestellt war. Warte mal, wie findest du das?“

Meike bekommt in ihrem Körper eine aufregenden Entspannung, ein Moment, bei dem sie denkt, dass er ewig geht, ihr Herz pocht vor Freude, aber ihr Atem geht ganz langsam und sie kniet ganz ruhig vor der Blume. So ein Feeling kennt sie noch nicht.

Blume:
„Toll, ne? Übrigens, den Tempel und die Höhle mit dem See habe ich mit Lokos Hilfe erschaffen. Du kannst den Leuten dann ruhig erzählen, dass du mich, Paralla, hast, dann beten die mich und alle anderen Blumen an. Sage einfach immer, egal wer du bist, dass du deine gute Laune dadurch bekommst, wenn du an deiner Lieblingsblume riechst. Sag immer, dass deine Blume dein Gott ist. Und noch was, Meike. Bitte sage keinem, auch nicht Salim, dass du mit mir reden kannst....gib mir bitte ein Kuss!“

Meike beugt sich nach vorne und küsst das riesige grüne Blatt der Blume, was genau vor ihr ist.
Im selben Moment öffnet Salim die Augen und sieht seine Freundin genau vor der Blume. Er reibt sich die Augen, steht hastig auf, dabei torkelt er etwas und geht zu ihr.

Salim:
„Was ist los, was machst du da?“

Meike:
„Ich küsse nur diese schöne Blume. Ich glaube, das war es auch.“

Salim:
„Was sie von dir wollte?“

Meike dreht sich zu ihm und schaut ihn traurig an.

Meike:
„Ja, ich glaube, dass es das ist. Als ich sie geküsst habe, habe ich das Gefühl der Dankbarkeit empfunden. Aber sprechen kann sie leider nicht. Ich glaube, nur in Märchen können Pflanzen sprechen.“

Salim atmet aus. Er hatte schon schlimmeres befürchtet, er dachte schon, dass irgendeine Macht seine Freundin mit einem krassen Auftrag losschickt. Wenn er nur wüsste...
Meike gibt ihm kurz einen Kuss und geht an ihm vorbei. Dabei schaut sie in die durchsichtige Plastiktüte mit der Blume, die sie in ihren Händen hält.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20648 Verfasst am: Mi 5.Feb.2014 02:58
 
Offroad II - 6.Teil
 
Zwei Wochen später

Meike schaut nochmal in einen kleinen Spiegel, den sie in der Hand hält. Hier im Fernsehstudio geht gleich ein Interview los. Aber nicht mit Meike Pelzer sondern mit der Bundeskanzlerin Martina Schmidt. Die kleine gelbe Blume, die sie von Paralla hat, hat sich mit ihr in verrückten Plänen hochgeschaukelt, vielleicht ist es für den Anfang eine Stufe zu hoch gleich die Kanzlerin zu nehmen. Aber die beiden haben sich so lustige Dialoge ausgedacht, dass sie richtig Lust darauf bekommen haben. Die richtige Schmidt ist auf ihrem Schreibtisch eingeschlafen, sie weckt auch nicht auf als ihr Handy später klingelt. Und ihr Tagebuch ist aus ihrem Koffer verschwunden. Das haben sich Meike und die Blume von Paralla gewünscht, die gleich darauf bei Loko gefragt hat. Er war erst dagegen, Paralla musste sich neue exotische Düfte ausdenken. Mit intensiven und erregenden Vanilledüften bewarf sie Loko. Dieser war auf einmal von Liebe zu ihr berauscht und küsste leidenschaftlich ihre Blütenblätter. In seinem Liebeseifer erfüllte er ihr ihre Wünsche unter der Bedingung, dass sie diesen Duft noch länger behalte.
Das hat die kleine Blume Meike mitgeteilt, die Pflanze steht auf dem Tisch vor ihr. Meike grinst. Sie sieht sich ganz normal im Spiegel, aber alle denken, sie wäre die Bundeskanzlerin. Die Rothaarige ist als Schmidt zu RTL gegangen und hat gesagt, dass sie gerne gleich ein Interview geben würde. RTL hat sofort sein Programm geändert und der Bundeskanzlerin einen Termin frei gemacht. Zwar hat der Chef des Senders gefragt, ob man das Interview nicht verschieben könne, doch Meike meinte, dass sie dann zu einem anderen Sender gehen würde.
Meike streichelt das grüne Blatt der Blume, welches sich ganz glatt anfühlt. Die Blume übersendet ihr noch mal eine Welle des Muts, Meike schließt zufrieden kurz die Augen. Die Pflanze ist ein Kind der Blumengöttin und Meike nennt sie Deafilia. Zwei Minuten später geht die Sendung los. Alle sehen Meike in einem beige-farbenen Anzug als Martina Schmidt.

Moderator(schaut in die Kamera):
„Einen schönen guten Abend, liebe Zuschauer, ich heiße Sie zu einer wichtigen Sondersendung herzlich willkommen. Unsere Bundeskanzlerin, Martina Schmidt, will uns allen etwas wichtiges mitteilen.“

Meike:
„Eine gesegnete Stunde, liebe Bürger und Bürgerinnen, ich habe eine dringende Frage. Hat einer mein Tagebuch gesehen? Es ist mir hoch und heilig, heute am Flughafen Tegel hatte ich es noch und als ich zuhause war fehlte es mir. Ich brauche mein Tagebuch um mein Gleichgewicht zu halten, ich schreibe meine Träume dort nieder und male lustige Bilder rein, damit ich was zu lachen habe. Wenn es einer gefunden hat, dann schicken Sie es mir bitte ins Kanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin “

Der Moderator traut seinen Ohren nicht.

Moderator:
„Wie....was?“

Meike:
„Das Tagebuch hatte schon zweihundert Seiten. Es ist mir lieb und teuer geworden.“

Moderator:
„Frau Martina Schmidt, also....(dreht sich zur Kamera)...Sie haben es gehört, liebe Bürger, Frau Schmidt vermisst ein wichtiges persönliches Dokument....“

Meike:
„Wovon unser Schicksal abhängt. Da steht drin, wann der Dritte Weltkrieg losgeht, ich habe den Termin wieder vergessen. Ist schon wichtig, wir müssen uns darauf ja vorbereiten.“

Moderator:
„(schaut sie entgeistert an....und beginnt zu lachen)... Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen?“

Meike schaut nachdenklich an die Decke.

Meike:
„Ach, ne, den Termin habe ich auf ein Taschentuch geschrieben, welches ich noch in einer Jackentasche habe. Ich hatte leider mein Tagebuch nicht parat, so ein wichtiger Termin gehört, finde ich, zuerst da rein. (schaut wieder zum Moderator, welcher unsicher hin und her schaut) Aber die Ergebnisse des nächsten Spieltages der Bundesliga stehen da drin. Fußball ist ja seit Jahrzehnten eine abgekartete Sache, da wird nur noch geschauspielert und organisiert.“

Moderator:
„Das....gibt es doch nicht. Sind Sie wirklich Frau Schmidt?“

Meike(lacht):
„Das ist ungewohnt mich spaßen zu sehen, ne? Keine Angst, es wird keinen Dritten Weltkrieg geben und den nächsten Spieltag weiß ich natürlich auch nicht.“

Moderator:
„(lacht)...Dann ist was tolles heute passiert, wenn Sie so lustig sind.“

Meike:
„Ne, gar nicht. Ich wollte nur allen mitteilen, dass wir Deutschen witziger werden müssen. Alle Menschen der Welt müssen lustiger werden. Mit Humor werden wir unsere Probleme besser in den Griff kriegen und sie meistern. Ich habe schon mit anderen Staatsoberhäuptern telefoniert, und auch die meinen, dass wir erfolgreicher und glücklicher werden, wenn wir mehr lachen. Gerade, wenn einem was schlechtes passiert, hilft einem gute Stimmung. Ich will heute lustig sein, ich habe Paralla und Deafilia, ich lass den Kopf nicht hängen. Vor ein paar Jahren hätte ich das jetzt vielleicht gemacht.“

Moderator:
„Also ist was schlechtes passiert.“

Meike schaut jetzt ernst.

Meike:
„Mein Tagebuch ist wirklich verschwunden. Da steht für die Welt aber nichts wichtiges drin, hauptsächlich Witze. Ich habe letztens einen gehört, der hat mir gefallen. War ein Witz über mich, die gefallen mir am besten.Ich erzähle den mal schnell, ja?“

Moderator:
„(irritiert) Gerne.“

Meike:
„Ich bin mal wieder zum Staatsbesuch in London. Meine Wenigkeit trifft die Queen und ich darf mit einer Kutsche mit ihr durch die britische Hauptstadt fahren. Plötzlich hebt eines der Pferde den Schweif und furzt. Es beginnt tierisch zu stinken.
Der Queen ist das ziemlich peinlich, weshalb sie sagt: “Oh, I’m so sorry, Mrs. Schmidt!” Darauf antworte ich: “Ach, das macht doch nichts, Eure Hoheit. Und ich habe erst gedacht, es sei das Pferd gewesen.”

Moderator:
„Hahaha...haha...ha...ha...Das...ist natürlich schade mit dem Tagebuch. Hihi.“

Meike:
„Ich habe da noch ganz große Pläne reingeschrieben: Wenn wieder Wahlkampf ist, müssen die Politiker ihre besten Witze erzählen. Der, der am witzigsten ist, wird zum Bundeskanzler ernannt. In der Schule gibt es bald ein Schulfach „Humor“, da lernen die Kinder das Handwerk der Witze, in der Uni gibt es das Fach auch. Die Tageszeitungen müssen auf jeder Seite etwas lustiges schreiben, sonst werde ich sie verbieten lassen. Ich habe übrigens ein paar Theologen damit beauftragt eine lustige Bibel zu schreiben, unsere, die wir kennen, ist mir zu ernst...Das sind natürlich nur Späße, ich wollte niemanden beleidigen. Seit ich meine Blume Deafilia habe, bin ich fröhlich, bin ich richtig gut gelaunt. Ein neues Leben hat für mich begonnen. Leider habe ich sie nur ausgeliehen. Sie ist heilig, sie ist das Kind einer Göttin. Der Göttin Paralla, der gelben Riesenblume aus der Sahara.“

Während sie spricht, nickt der Moderator mit offenem Mund. Er hört ihr zu, nach einer Zeit zeigt er auf die Blume.

Meike:
„Ich habe nur Spaß gemacht. Das ist eine Wüstenblume, eine „Chrysanthemum desertae“. Um lustig zu werden kann man jede hübsche Blume nehmen.“

Moderator:
„Stimmt das jetzt mit dem Tagebuch, oder nicht?“

Meike:
„(ernst) doch, leider. Den Hang zum Witzigen habe ich schon länger, habe mich aber öffentlich nüchtern und humorlos gezeigt. Ich hatte mich nicht wirklich getraut, in meinem Tagebuch konnte ich mich dagegen richtig entfalten. Kann ich noch einen Witz erzählen?“

Moderator:
„Sie gefallen mir heute gut, Frau Schmidt, das wird den Menschen zuhause gefallen. Erzählen Sie ruhig.“

Meike:
„Den habe ich gestern im Internet gefunden, den finde ich gut: Ich besuche den Himmel und werde von Petrus begrüßt. Ich blicke mich um und sehe eine riesige Zahl von Uhren. Ich frage Petrus, was das bedeuten soll. “Nun, jede Regierung der Welt hat eine Uhr. Wenn die Regierung eine Fehlentscheidung trifft, rücken die Zeiger ein Stück weiter.” Ich schaue noch einmal in die Runde und frage dann: “Und wo ist die deutsche Uhr?” – “Tja”, meint Petrus, “die hängt in der Küche als Ventilator!”

Der Moderator lacht und schaut in die Kamera, gleich darauf bekommt er einen Lachanfall.

Meike:
„So, ich muss wieder los, ich wollte nur das mitteilen. Ich muss noch meine Pfandflaschen abgeben und den Pullover für meinen Mann zu Ende stricken.“

Der Moderator gibt ihr die Hand und sagt ihr, dass sie ruhig jederzeit wieder kommen könne. Am besten wieder mit so guter Laune wie heute.
Eine Stunde später wacht die richtige Bundeskanzlerin auf, ihr Handy bimmelt. Sie reibt ihre Augen und wundert sich über den Traum, den sie gerade hatte. Sie nimmt das Handy in die Hand und hebt ab.

Schmidt(verpennt):
„Ja, Schmidt..“

Richter:
„Hallo, Martina, ich bin es, Peter Richter, dein Regierungssprecher. War ja ein lustiger Auftritt bei RTL.“

Schmidt:
„Auftritt? Ich bin zuhause, ich habe eine Weile geschlafen.“

Richter:
„Dann hat uns einer reingelegt. Du warst gerade ganz anders, so verrückt und durchgeknallt. Du hast einen Doppelgänger.“

Schmidt:
„Was hat die Frau erzählt?“

Richter:
„Das wir mehr lachen müssen. Und das du dein Tagebuch verloren hast.“

Schmidt:
„Das habe ich gerade geträumt. Ich saß bei RTL und habe verrückte Sachen erzählt. Das ich in mein Tagebuch Bilder male und Witze reinschreibe. Über die Queen und über...“

Richter:
„...dich und Petrus im Himmel. Hahaha, jaja, du hast nur geträumt. Mann, Martina ich erkenne dich gar nicht wieder? Das wird gut für unsere Partei sein und die Umfragewerte steigern, wenn du jetzt auch noch lustig bist.“

Martina Schmidt sagt nichts, runzelt die Stirn und traut ihren Ohren nicht.

Richter:
„Du wirst vielleicht ein wenig Ärger bekommen von der Kirche, wegen dem einen Spruch mit der Bibel. Ansonsten hast du es sehr gut gemacht. Hast du dein Tagebuch wirklich verloren? Stehen da wichtige Sachen drin?“

Martina:
„Ich habe mein Tagebuch nicht verloren. Außerdem stehen da nur private Sachen drin.“

Richter:
„Toll, Martina, behalte diesen Stil. Das lenkt die Bevölkerung auch ein wenig von unseren Problemen mit unserem Koalitionspartner ab. Du hältst morgen eine Rede zur Energiewende, richtig?“

Schmidt:
„Ja.“

Richter:
„Du musst allen morgen glaubhaft machen, dass durch einen Wechsel von einer nachfrageorientierten zu einer angebotsorientierten Energiepolitik und einen Übergang von zentralistischer zu stärker dezentraler Energieerzeugung...“

Frau Schmidt hört ihm nicht mehr zu. Sie beendet das Gespräch so schnell es geht und geht ins Internet. Sie gibt „RTL Schmidt“ ein und sieht sich das Video noch mal an. Es ist genau so wie ihr Traum.
„Was ist das?“ flüstert sie und hält sich verwundert die Hand vor den Mund. Erneut klingelt ihr Handy. Sie sieht auf dem Display, dass es der Ministerpräsident von Hessen, Dirk Erkner, ist. Sie will aber nicht rangehen. Angestrengt denkt sie nach, sie war gegen Mittag mit dem Flugzeug in Berlin gelandet. Danach ist sie nach Hause gefahren und hat sich an den Rechner gesetzt um etwas zu arbeiten. Sie ist dann neben der Tastatur eingeschlafen.
Sie denkt an ihr Tagebuch und schaut sofort in ihren Koffer. Ganz sicher ist sie sich, dass sie es eingepackt hat. Sie kramt und wühlt in dem Koffer, doch keine Spur von ihrem Tagebuch. Hat es einer geklaut und erlaubt sich einen Scherz mit ihr? Aber warum hat sie das Interview geträumt? War sie völlig in Trance als sie zu RTL gegangen ist? So etwas ist ihr noch nie passiert.
In ihrem Tagebuch stehen hauptsächlich familiäre Geschichten drin, sie schreibt es, um mal von der Politik abzuschalten. Sie will aber trotzdem nicht, dass es an die Öffentlichkeit gerät.
Völlig ratlos läuft sie in ihrem Zimmer im Kreis und schüttelt ihren Kopf.

Meike ist in der Zeit in einer Seitengasse, sie schaut zu allen Seiten. Hier ist gerade kein Mensch. Sie bittet Deafilia, dass alle Menschen sie wieder als Meike sehen. Kurz darauf geht sie wieder auf die Straße, ein Mann eilt zu ihr. Mit einer aufgeregten Stimme fragt er sie, ob sie die Bundeskanzlerin gesehen habe. Meike zeigt Verwunderung und fragt ihn, ob er sich sicher sei sie erkannt zu haben. Der Mann nickt und geht an ihr vorbei.
Meike grinst, sie weiß jetzt, dass die Menschen sie wieder als die Rothaarige sehen. Sie geht in einen Bahnhof und steigt in einen Zug ein, der gerade gehalten hat. Ganz hinten ist eine Sitzbank frei, sie setzt sich dort hin und beginnt zu lachen. Ihr geht noch mal das Interview durch den Kopf. Was werden die Menschen in Deutschland jetzt nur reden?
Lachend schaut sie in die Tüte und streichelt mit dem Zeigefinger vorsichtig die feuerrote Blüte der Blume. Sogleich spricht sie in Gedanken mit ihrer Blume.

Meike:
„Jetzt müssen wir schnell zum Bundespräsidenten. Was macht der gerade?“

Deafilia:
„Der ist gerade beim Angeln eingeschlafen. Der ist an einem See in der Nähe seines Wohnsitzes. Hoffentlich kann Paralla Loko noch ein wenig betäuben mit ihrem Vanilleduft, wenn er wieder nüchtern ist wird er schimpfen, was für eine Show wir hier abziehen.“

Meike grinst und ist völlig verliebt in die Blume. Zärtlich streichelt sie die kleinen Stacheln auf ihren Blütenblättern.

Salim steht in der Zeit im Flur seiner Wohnung und legt das Telefon auf den kleinen braunen Tisch. Meike geht nicht ran, er wollte sie fragen, ob sie sich heute Abend sehen können. Sie scheint ihn wieder zu lieben, er dachte schon, sie hat nur noch die Blume im Kopf. Auf der Heimreise hat sie fast nichts anderes gemacht als die Blume anzuschauen, die sie auf die Ablage in der linken Ecke der Windschutzscheibe gestellt hat. Unentwegt hat sie auf die Blume geglotzt, manchmal hat sie auch gelacht. Mit ihm hat sie kaum gesprochen, nur kurze Antworten hat sie ihm gegeben. Er hat sich gleich darauf Vorwürfe gemacht, er war ihr bestimmt nicht tapfer genug in dem Dungeon. Auf der anderen Seite kam ihm ihre Freude in dem Keller übertrieben und unnatürlich vor. Salim glaubte, dass die Blume seiner Freundin irgendwelche Botschaften übermittelt.
Als sie in Berlin ankamen sahen sie sich gleich eine Woche nicht, und dann letzte Woche stand sie auf einmal vor seiner Tür. Sie unterhielt sich mit ihm richtig, nach einer Zeit fragte Salim nach der Blume. Und Meike sagte ihm, dass sie schöne und angenehme Gefühle empfange, wenn sie die Blume anschaue. Sie sagte ihm auch, dass sie nicht mehr so einen Drang nach einem Adrenalinkick verspüre wie noch in dem Keller des Tempels. Im Dunkeln sehen kann sie auch nicht mehr. Salim lächelte und war ganz zufrieden, mit einer übernatürlichen Meike stellte er es sich etwas schwierig vor zusammen zu sein.
Seit diesem Abend trafen sie sich öfter, sie verbrachten schöne Abende und heiße Nächte, es schien wieder alles beim alten zu sein.
Vorgestern war er bei ihr und sie schauten sich Bilder im Internet aus China an. Meike schlug vor mal mit ihrem Jeep eine Reise nach Fernost zu unternehmen. Salim sagte, er wolle mitkommen, es freute ihn der Gedanke Meike eine Weile jeden Tag sehen zu können. Sollte er mit ihr aber wieder verrückte Abenteuer erleben, so will er diesmal mutiger sein als noch in der Wüste.
Salim geht zu dem roten Sessel vor seinem Fernseher und knippst das Gerät an. Er zappt durch und bleibt bei einem Sender stehen, wo er auf einem Tisch die Wüstenblume von Meike sieht. Aber nicht Meike sitzt bei ihr – sondern die Bundeskanzlerin. Er schaut sich das Interview an und muss lachen. Frau Schmidt zeigt sich da ganz anders, angeblich soll sie nur Witze und kleine Bilder in ihr Tagebuch schreiben. Als die Namen „Paralla“ und „Deafilia“ aus dem Mund der Kanzlerin kommen, weiß er, dass Meike dahinter steckt. Hat sie der Frau Schmidt die Blume geliehen? Wie ist sie aber an sie herangekommen?
Ihm kommt in den Sinn, wie Jose Meike einmal in ein widerwärtiges Monster verwandelt hat. Hat sich Meike in die Kanzlerin verwandelt? Hat die Riesenblume in dem Dungeon Meike doch mit einem krassen Auftrag losgeschickt?
Er muss lachen bei diesen verrückten Ideen, die er gerade hat. Gleichzeitig ist ihm gar nicht zu Lachen zu Mute, er will nicht, dass Meike in irgendwas hineingezogen wird. Salim kann es kaum abwarten mit ihr zu sprechen.

Am Bahnhof „Bellevue“ steigt Meike aus und eilt zum Schloss Bellevue. Auf dem Weg sieht sie eine Gruppe von Büschen zwischen zwei Häusern, sie rennt sofort in die Häuserlücke rein. Schnell schaut sie sich um, sie ist alleine. Meike holt die Blume aus der Tüte und küsst sie. Einen Moment später sagt die Pflanze ihr, dass jetzt alle in ihr den Bundespräsidenten sehen werden.
Meike merkt es auch, als sie wenig später wieder auf der Straße läuft. Die Leute lächeln sie an, einer meint „Einen schönen Tag, Herr Bundespräsident!“.
Wenig später ist Meike im Schloss Bellevue, Deafilia versorgt sie mit den nötigen Informationen, die sie braucht. Sie weiß, wo was steht, wo die Räume sind und wie die Menschen um sie herum heißen. Die Ehefrau fragt, was in der Tüte ist und Meike antwortet, dass es nur eine kleine gewöhnliche Blume sei. Meike erzählt, dass sie nur kurz ein Video aufnehmen möchte, es ist ein Scherz mit Martina Schmidt. Danach, so sagt sie, will sie wieder angeln gehen. Ohne sich großartig mit ihr in der Küche zu unterhalten, geht Meike ins Wohnzimmer, wo ein Schrank steht, in dem eine Kamera verstaut ist. Sofort baut Meike sie auf und stellt sie an. Gleich darauf setzt sie sich an den großen braunen Wohnzimmertisch und schaut ernst in die Kamera.

Meike:
„Meine Damen und Herren,

ich habe soeben das Tagebuch von unserer Bundeskanzlerin Martina Schmidt zu Ende gelesen. Da stehen streng geheime Fakten drin, von denen ich auch nichts wusste und ich sehe es als meine Pflicht als Bundespräsident an, Ihnen, liebe ehrfurchtsvollen Bürger dieses Landes, die Wahrheit mitzuteilen. Diese Nachricht wird ihr Leben verändern, das versichere ich Ihnen.
Unsere Erde wird beherrscht von einer fremden, überaus intelligenten Rasse, halb Mensch, halb Schwein. Sie schweben über unserer Atmosphäre im Weltall, ihre Raumschiffe sind für uns nicht sichtbar, da sie sie mit ihrem Ektoplasma beschichtet haben. Ihre Raumschiffe werden angetrieben von einer genialen Maschine, einem perpetuum mobile. Wir Menschen dachten noch, dass es so eine Maschine nicht geben kann. Eine Maschine, der man etwas Energie zum Start gibt und diese daraufhin genug Energie erzeugt um das System am Laufen zu lassen plus überschüssige Energie zur Verfügung stellt. Wir dachten, wegen des Energieerhaltungssatzes kann es solch eine Maschine nicht geben. Die Schweinemenschen haben etliche weitere Fehler in unseren Wissenschaften entdeckt, für sie sind wir die zurückgebliebendste Zivilisation, die sie bisher entdeckt haben. Wir können nicht das Wetter steuern, wir können uns nicht teleportieren und Zeitmaschinen haben wir auch noch nicht erbaut. Die Schweinemenschen haben einen Gasplaneten entdeckt, der von Geistern bevölkert wird, die sich duplizieren können und dann zwei Seelen haben. Diese Geister fühlen sich nie alleine. Wenn sie mal das Gefühl der traurigen Einsamkeit verspüren, dann teilen sie sich sofort auf. Auf einem anderen Planeten, einem Eisplaneten, lebt der Schnee. Er bildet Kreaturen, die gemeinsam Eishäuser und Schneetürme bauen.
Jaja, es gibt Welten mit Magie wie wir sie aus „Herr der Ringe“ kennen. Nicht aber auf unserem Planeten. Deswegen, und weil wir noch so zurückgeblieben sind, haben die Schweinemenschen kein allzu großen Respekt von uns und werden verlangen:
Wir dürfen keine Schweine mehr schlachten! Jeder, der einem Schwein was antut, muss mit hohen Strafen rechnen. Die Schweine sollen auch nicht mehr in Ställen zusammengepfercht leben müssen. Jeder Bürger muss bei sich zuhause ein Schwein aufnehmen und es versorgen. Vielleicht ist es ganz gut, wenn Sie, liebe treuen Bürger dieses Landes, wenn Sie sich schon mal ein Schwein anschaffen und es zu Hause halten. Das wird unseren neuen Herren sicherlich gut gefallen, glauben Sie mir, bald werden sie sich zeigen. Dann seien Sie nett zu ihnen, bieten Sie ihnen was zu essen an oder spielen Sie eine Runde „Sau-Sau“ mit den Schweinemenschen. Frau Schmidt hat in ihrem Tagebuch geschrieben, dass die Außerirdischen gerne Karten spielen.
Jetzt protestieren Sie, lieber Bürger, zuhause, wir sollten uns wehren, wir haben doch eine Armee. Welche schon längst unter der Kontrolle der Schweinemenschen ist! So, wie auch die Regierungen. Frau Schmidt fährt regelmäßig zu einem geheimen Treffen, wo sie Instruktionen von den Schweinemenschen erhält.
(lacht)
Naja, ich muss zugeben, dass ich das nicht alles ganz glauben kann. Schmidts Tagebuch ist voll mit Witzen und lustigen Bildern, vielleicht hat sie sich das mit den Schweinemenschen nur ausgedacht.
(ernst)
Wenn es aber stimmen sollte und diese Schweinemenschen uns unter den Schweinen stellen sollten, dann sagen Sie bitte nicht, dass ich Sie nicht gewarnt habe.
(lächelt)
Ich habe vorhin einem vertraulichen Boten das Tagebuch gegeben, welcher es Frau Schmidt in den Briefkasten werfen wird. Ich hoffe, dass sie nur einen Spaß sich ausgedacht hat. Einen Spaß der Göttin Paralla, der Göttin des Lachens und der guten Laune.
Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend, mit einem durchlauchten, leicht verschmitzten Lächeln

ihr Bundespräsident.“

Meike steht auf, schaltet die Videokamera aus und nimmt die DVD raus. Sie verabschiedet sich von dem Sohn und der Frau und verlässt das Schloss wieder. Mit eiligen Schritten geht sie wieder in die Häuserlücke, in der sie vorhin war und sagt der Blume, dass sie wieder wie Meike aussehen will. Kurz darauf geht sie wieder auf der Straße, es ist jetzt Abend geworden. Sie fährt zu einem TV-Sender und wirft die DVD in den Briefkasten dort. Danach fährt sie nach Hause. Während der Heimfahrt versucht sie sich das Lachen zu unterdrücken, was ihr nicht gelingt. Immer wieder fällt sie in schallendes Gelächter.
Zuhause angekommen sieht sie auf ihrem Handy, dass Salim angerufen hat. Sie schreibt ihm eine SMS, dass er ruhig kommen kann wenn er will, ihretwegen auch mit übernachten. Gleich darauf nimmt sie die Blume aus der Tüte und küsst eines ihrer Blätter.

Blume:
„Da haben wir uns aber einen Spaß erlaubt, hihi. Morgen machen wir weiter, okay?“

Meike nickt und stellt die Blume auf den Tisch. Morgen will sie einen bekannten Fußballer spielen, danach vielleicht noch einen Menschen. Irgendwann wird die Wüstenblume ganz bekannt sein in der Welt. Dafür muss Meike aber auch mal Deutschland verlassen.
Sie legt sich in ihr Bett und stellt sich ihre Lieblingsschauspieler und Lieblingsmusiker vor, die sie spielen wird und lustige Sachen sich ausdenken tut.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20650 Verfasst am: Mo 10.Feb.2014 00:15
 
Offroad II - 7.Teil
 
In dem Fernsehstudio der Lottoziehung

Erika Meisner, eine blonde hübsche Frau in einer schwarzgepunkteten Bluse und einem schwarzen Rock, steht neben der Lottomaschine.

Erika:
„Ich begrüße Sie recht herzlich zu unserer Lottoziehung an diesem Samstagabend. Ich mache, wie Sie wissen die Lottoziehung schon seit drei Jahren. Ich hatte Sie immer willkommen geheißen und dann lediglich die Ziehung Ihnen protokolliert. Zuhause saß ich aber abends neben meiner Blume Pulchraflora, eine Tochter der Blumengöttin Paralla, und wir haben uns gefragt, ob die Lottozahlen nur Zufall sind oder ob doch ein System dahintersteckt. Wir beide haben alle Ziehungen seit 1955 analysiert und haben eine Formel ausgerechnet! Die heutigen Lottozahlen müssten sein:
7,9,16,17,26,32. Wenn das stimmt, dann werde ich Ihnen am Ende der Sendung die Lottoformel nennen, dann können Sie auch mal gewinnen.“

Es werden die Zahlen gezogen, die Erika genannt hat. Nach jeder Kugel, die gezogen wurde, lacht sie auf und nickt mit dem Kopf. Nachdem die letzte Kugel gezogen wurde, stellt sie sich direkt vor die Kamera und grinst.

Erika:
„Sie sehen, ich hatte recht mit meinen Zahlen. Nun verrate ich Ihnen, wie ich auf die Zahlen gekommen bin:
Ich habe da ein System erkannt, Sie werden ja sehen. Ich habe die letzten vier Lottoziehungen auf ein Blatt Papier geschrieben. Die niedrigste Zahl der letzten Ziehung habe ich a1 genannt, die von der vorletzten Ziehung a2 usw. Die zweitniedrigste Zahl der letzten Ziehung habe ich b1 genannt, die zweitniedrigste Zahl der vorletzten Ziehung nennen wir b2.
Dann nehmen wir nochmal die letzten drei Ziehungen und schreiben die Abstände der gezogenen Zahlen auf, zuerst den Abstand der niedrigsten Zahl zur zweitniedrigsten Zahl, dann den Abstand der zweitniedrigsten Zahl zur drittniedrigsten Zahl und so weiter. Dann erhält man drei Zahlenfolgen, ich nenne sie I,II und III. I1 ist der Abstand von der niedrigsten Zahl zur zweitniedrigsten Zahl. III5 ist der Abstand von der zweithöchsten Zahl und der höchsten Zahl. Hier jetzt also die versprochene Formel:
a3-a1,a2-I4,b1-d2,b3-a1,d3-III3,d4+I5
So erhalten Sie die Zahlen der nächsten Ziehung. Aber Moment! (fässt sich erschrocken mit der Hand an den Mund) Wenn alle Menschen jetzt die nächsten Zahlen wissen und spielen werden, dann wird es Millionen von Hauptgewinnern geben. Jeder bekommt nur ein paar Euro, aber jeder hat was gewonnen. Die Lottogesellschaft wird pleite gehen und ich werde keine Lottofee mehr sein können. Bin dann wieder arbeitslos, ach Mann, ich hätte die Formel für mich behalten und selber spielen müssen.“

Es klingelt an Meikes Wohnungstür und sie wird aus ihrem Tagtraum mit der Lottofee herausgerissen. Das wird Salim sein, denkt sie sich und steht von ihrem Bett auf. Sie geht zur Tür und öffnet sie, kurz darauf umarmt sie ihr Freund.
Sie gehen ins Wohnzimmer, auf dem großen Tisch neben der Couch steht Deafilia, Meikes magische Blume. Als Salim sie sieht, fällt ihm die Sendung bei RTL mit Frau Schmidt ein und sagt:
„Meike, heute war die Bundeskanzlerin im Fernsehen. Sie war viel lustiger als sonst und hatte vor sich auf dem Tisch die selbe Blume wie du.“

Meike:
„(lächelt) Echt?“

Salim:
„Sie hat die Namen Paralla genannt.“

Meike hat sich schon überlegt es ihm zu sagen. Sie will sich den Spaß auch mit einem anderen Menschen teilen. Sie erzählt ihm, dass die Blume sie in jede mögliche Person verwandeln kann. Und von dem Interview, das sie als der Bundespräsident gehalten hat, berichtet sie ihm auch.

Salim:
„Das ist ja unglaublich (lacht) Aber seit unserem Trip in die Sahara halte ich alles für möglich. Warum machst du das? Nur aus Spaß? Oder hat die Riesenblume in dem Keller des Tempels dich mit diesem Auftrag losgeschickt?“

Meike hat es ihm jetzt erzählt, aber dass sie mit Paralla und Deafilia reden kann, will sie ihm lieber nicht beichten.

Meike:
„Ne, ich mache das nur just for fun. Ich habe mir schon überlegt mich als Michael Jackson zu verwandeln und eine neue Platte rauszubringen. „Von den Toten auferstanden“ würde ich das Album nennen. Oder als König Arthus würde ich mich geben, ich würde den Leuten erzählen, dass ich unsterblich bin, weil ich aus dem heiligen Gral getrunken habe.“

Salim:
„Das ist ja der Hammer. Du kannst ja als Papst Interviews geben, wo du Witze machst. Oder du verwandelst dich in Heidi Klum und stößt während der Sendung die Models vom Laufsteg.“

Meike umarmt Salim und schaut ihm in die Augen.

Meike:
„Ich werde noch ganz viel witzige Sachen auf dieser Welt machen. Ich habe mir vorhin ausgedacht, wie ich mich in die Lottofee verwandle. (lacht) Ich habe mir schon ganz viel Quatsch ausgedacht. Ich könnte mich in Madonna verwandeln und bei einer Sendung Kinderlieder singen. Oder ich verwandle mich in ein Alien oder in Benjamin Blümchen.“

Salim:
„Wie verwandelt dich die Blume denn?“

Meike(lügt):
„Ich stelle mir einfach die Person vor, die ich sein will. Und halte den kleinen Topf mit der Wüstenblume in meinen Händen.“

Salim:
„Komm, wir schauen mal ins Internet, ob die deinen Vortrag über die Schweinemenschen schon ausgestrahlt haben.“

Beide gehen zum Computer und googeln. Und Tatsache, der Sender, dem Meike das Video in den Briefkasten geworfen hat, hat den Vortrag, wo Meike der Bundespräsident gewesen ist, auf seine Website gepackt. Meike und Salim schauen sich diesen Vortrag an und lachen sich schief.

In der Zwischenzeit telefonieren die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident.

Präsident:
„Das gibt es doch nicht! Ich bin beim Angeln eingeschlafen. Ich habe dieses Video zuhause nicht gedreht. Ich habe es nur geträumt gehabt.“

Kanzlerin:
„Wie kannst du es träumen wenn es wirklich geschehen ist? Bei mir ist es auch so. Ich werde den Verdacht nicht los, dass sich da jemand einen Scherz erlaubt.“

Präsident:
„Wir sollten den Menschen sagen, dass wir beide Doppelgänger haben. Und uns irgendwie in unseren Träumen die Sendungen, die sie mit unseren Körpern halten, schicken.“

Kanzlerin:
„Das willst du den Leuten erzählen? Die werden uns für völlig verrückt halten. Außerdem würde jetzt Verwirrung im ganzen Land ausbrechen, wenn wir erzählen würden, dass wir Doppelgänger haben.“

Präsident:
„Willst du solange warten, bis unsere Doppelgänger eine Katastrophe auslösen?“

Kanzlerin:
„Was sollen wir machen? Es ist für mich auch schwer vorstellbar, wie die zwei Leute ausgesucht haben, die haargenau wie wir aussehen, mit der selben Mimik und der gleichen Stimme.“

Präsident:
„.......vielleicht haben wir es mit irgendwelchen übernatürlichen Mächten zu tun.....“

Kanzlerin:
„An so etwas glaubst du jetzt? Wobei das schon alles seltsam ist......Moment, da klopft einer an meine Zimmertür....(Pause)....Mein Mann hat mir gerade mein Tagebuch gegeben! Auf dem Briefumschlag steht dein Name.“

Präsident:
„Meiner? Das kann nicht sein, ich habe nie dein Tagebuch gehabt. Du, da will uns einer reinlegen.“

Kanzlerin:
„Vielleicht...vielleicht sollten wir die Kriminalpolizei einschalten. Aber die werden uns für verrückt erklären, wenn wir denen das erzählen.“

Präsident:
„Das ist immer noch besser, als wenn das ganze Land verrückt wird.“

Währenddessen schauen sich Meike und Salim Fußballprofis im Internet an.

Salim:
„Wie wäre es mit einem Bayernspieler? Du würdest erzählen, dass Dabeisein alles ist und das Bayern keine Titel braucht. Du wärst auch glücklich, wenn der größte Erfolg der Bayern in dieser Saison das Erreichen des Halbfinales im DFB-Pokal wäre. Und vom UEFA-Cup träumst du schon Jahre.“

Meike:
„(lacht) Das wäre lustig, aber der Spieler, in den ich mich verwandeln würde, würde mir schrecklich leid tun. Die würden den vielleicht aus der Mannschaft werfen.“

Salim:
„Bei Borussia Mönchengladbach spielt ein Brasilianer, du verwandelst dich in den und sagst den Reportern, dass dein größter Traum war mit Brasilien Fußballweltmeister zu werden. Dann kamst du nach Gladbach und ein neues Leben hat für dich angefangen, du warst wiedergeboren, hast dich in eine deutsche Türsteherin verliebt und es ist ein Traum für dich in dem Kader von Gladbach zu sein. Du liebst die Stadt, bist berauscht von den Museen und Bauwerken dort, hast jedesmal große Sehnsucht nach dem Training und sitzt auch zufrieden auf der Ersatzbank während eines Spieltages.“

Meike:
„Hihi, ja, das ist lustig, aber wir würden diesen Fußballer zum Horst der Nation machen.“

Salim winkt ab und sagt:
„Ach, komm, ein bisschen gemein kann man doch sein.“

Meike:
„Da könnten wir gleich einen Nationalspieler nehmen, den vor der Kamera sagen lassen „Deutschland ist ein scheiß Land“ und dann einen Haufen Eigentore schießen.“

Salim(lacht):
„Ja, das wäre lustig. Oder du verwandelst dich in einen Reporter, Bela Rethy oder Gerhard Gottlob und bist immer gegen Deutschland und lobst ständig die Gegenmannschaft. Oder du übertreibst maßlos, alles, was die deutsche Mannschaft macht, findest du super, auch wenn die ein Tor kassieren. Und bei der gegnerischen Mannschaft suchst du ständig Fehler.“

Meike:
„Mann, Salim, du denkst dir nur solche fiesen Sachen aus. Der Reporter würde seinen Job sicherlich verlieren.“

Salim:
„Ach, der bekommt bestimmt wieder eine Arbeit. Irgendein Sender wird auf so einen Stil abfahren.“

Meike:
„Ne, das mache ich nicht. Da kann ich gleich einen Fußballer nehmen und bei der deutschen Hymne den Arm ausstrecken. Ich will keinem schaden, ich will nur lustig sein.“

Salim schaut ihr in die Augen und fragt:
„Kann ich mich eigentlich auch mit der Blume verwandeln?“

Meike:
„Du kannst es ja mal probieren. Aber ich glaube, nur ich kann das mit der Blume.“

Salim steht auf und holt die Blume aus dem Wohnzimmer. Er hält sie mit beiden Händen fest, küsst ihre Blätter und wünscht sich in den Imperator aus „Star Wars“ zu verwandeln, er hat Lust seine Freundin zu erschrecken. Nach einer halben Minute öffnet er wieder seine Augen und schaut Meike an.

Salim:
„Und? Wie siehst du mich?“

Meike(gelangweilt):
„Ganz normal, wie immer.“

Salim:
„Wie lange dauert es denn, bis die Blume einen verwandelt hat?“

Meike:
„Das geht meist ruck-zuck.“

Salim:
„Verdammt!“

Er stellt die Blume auf den Tisch, wo der Computermonitor steht. Er verzieht seinen Mund und denkt nach. Als er mit seiner Freundin bei der Riesenblume im Dungeon war, ist er wegen der Bilder in seinem Kopf in Ohnmacht gefallen. Er hätte wach bleiben müssen, vielleicht hat die Riesenblume Meike doch was mitgeteilt.

Salim:
„Sag bitte die Wahrheit. Die Riesenblume in dem Dungeon hat dir was mitgeteilt, oder?“

Meike:
„NEIN! Höre auf mich damit zu nerven. Ich hatte dir doch schon gesagt, dass ich schöne Gefühle bekommen habe, als ich sie anschaute. Mehr war nicht.“

Salim:
„Na gut, dann kannst du dich halt nur verwandeln. Willst du nicht mal ein Schiedsrichter sein, der wie ein Verrückter rumpfeift und auch versucht ein Tor zu schießen.“

Meike:
„Ne, das ist ja wieder so was gemeines. Der arme Schiedsrichter.“

Salim:
„Kannst du dich auch in Comic-Figuren verwandeln?“

Meike:
„Das habe ich noch nicht probiert. Warum willst du, dass ich das mache?“

Salim:
„Das wäre doch lustig, wenn du als Donald Duck durch die Straßen der Stadt rennen würdest.“

Meike:
„Die würden mich fangen, einsperren und tagelang untersuchen.“

Beide sagen jetzt nichts und denken nach. Nach einer Weile unterbricht Salim das Schweigen.

Salim:
„Du hast doch das mit Schmidts Tagebuch gemacht. Als Bundespräsident hast du ja erzählt, dass du es ihr zurückschickst. Wieso hat der Bundespräsident das Tagebuch, was Frau Schmidt verloren hat?“

Meike:
„Das hatte ich noch vergessen gehabt zu sagen: Das Tagebuch wurde von jemandem gefunden und beim Bundespräsidenten abgegeben.“

Salim:
„Warum hat derjenige es nicht beim Kanzleramt abgegeben?“

Meike:
„Die Kanzlerin wohnt ja nicht im Kanzleramt, die hat eine eigene Wohnung. Und der Finder des Tagebuchs wollte es nicht irgendwem geben, deswegen ist er zum Schloss Bellevue gefahren.“

Salim:
„Das hast du dir jetzt so ausgedacht, die Kanzlerin und der Präsident wissen aber nichts davon.“

Meike:
„Die haben diese Infos geträumt, ich hatte es nur vergessen gehabt bei meinem Vortrag zu erwähnen.“

Salim:
„Die haben bestimmt schon Ermittlungen gestartet, du solltest lieber nicht mehr mit deiner Blume durch die Gegend rennen. Heißt die übrigens Paralla?“

Meike:
„Paralla heißt die Mutter meiner Blume, die Riesenblume, die wir in dem Dungeon gesehen haben. Deafilia heißt meine Blume?“

Salim:
„Deafilia? Paralla? Was heißt denn das?“

Meike:
„Weiß ich nicht. Ich finde den Namen schön.“

Salim:
„Hast du dir die Namen ausgedacht?“

Meike:
„Ja.“

Salim nimmt sich vor, wenn er wieder zuhause ist, mit einem Wörterbuch herauszufinden, was die Namen „Deafilia“ und „Paralla“ bedeuten.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20660 Verfasst am: Sa 15.Mrz.2014 16:39
 
 
Ich habe Offroad II nicht zu Ende geschrieben, weil die Geschichte zu absurd geworden ist. Die passt gar nicht zu Noras Film. Ich hätte das mit dem Termpel in der Wüste und der Zauberblume nicht einbauen sollen. Zu Bon Appetit hatte ich vor ein paar Jahren auch eine Geschichte geschrieben, die zu absurd war, hat gar nicht zu dem Film gepasst. Mir persönlich könnte das deutsche Kino ruhig etwas absurder, verrückter sein, ins Fantsatische und Unglaubliche abdriften. Eigentlich wollte ich zu Offroad nur eine kleine Geschichte schreiben, 15 Seiten oder so. Aber der Charakter Jose mit seinem Gott hat mir so einen Spaß gemacht. Und da kam ich auf die Idee Meike und Salim etwas durchgeknalltes erleben zu lassen. Sorry, Nora, dass ich wieder ein Dungeon einbauen musste. Ich liebe Dungeons. Ist ja nur ganz klein gewesen. Das Ende hatte ich mir auch schon überlegt. Meike macht noch als ein bekannter Musiker Werbung für Paralla, die Wüstenblume und erzählt was lustiges. Und dann geht es los, ganz viele Menschen fangen an witzig zu werden vor der Kamera und haben eine Blume im Hintergrund stehen. Paralla wird die bakannteste Göttin, die Göttin der Freude und des Lachens, Meike hat ihren Auftrag ausgeführt. Naja, nicht die beste Story, aber die Geschichter ist ganz spontan entstanden. Ich wollte erst nur schreiben, wie Meike in dem Jeep durch die Wüste heizt und Jose mitnimmt um zu Lokos Heiligtum zu kommen. Aufgrund von der einen Fata Morgana verirren sie sich in der Wüste, Benzin geht alle, sie laufen in der Wüste, Jose krepiert, schließlich erreichen sie eine kleine Oase mit einem kleinen Dorf. In der Zeit sind die Gangster, die das Koks wieder haben wollen, ihnen mit einem Hubschrauber gefolgt....blablabla....zu gewöhnlich, finde ich. Da ist es besser, was ich dann geschrieben habe. Leider nicht fertig. Ich beende meine Geschichten aber in der Regel. Magischer Ring habe ich fertig geschrieben.
Kennt ihr Giana Sisters? Ist eins der beliebtesten Computerspiele in meiner Kindheit gewesen. Nintendo hat Time Warp, die Macher, verklagt wegen der starken Ähnlichkeit zu Super Mario, aber das Spiel ist als Raubkopie durch die Wlet gezogen und hat Kultstatus erreicht. Ich komme locker in den 12. Level, aber da verkacke ich dann immer. Der fliegende grüne Drache mit dem langen Maul, der lässt mich nicht durch. Man muss im entscheidenden Moment, wenn der Drache an der Decke schwebt, unter ihm durchflitzen. Aber selten komme ich zu ihm. Die klaffenden Abgründe davor oder die zwei grünen Würmer mit den großen Ohren sind meist mein Ende. Wieso nur?

Giana:
"Die Abgründe schaffst du nur, wenn du Anlauf nimmst und von der Kante springst. Und die zwei Würmer machst du platt mit einem Doppelsprung."

Jan:
"Giana? Warst du das?"

Giana:
"Ja."

Jan:
"Wieso höre ich dich nur und sehe keinen? Wo kommt die Stimme her?"

Giana:
"Ich bin nur in deinem Kopf. Dein Wunsch eine Freundin zu haben ist heute auf einmal so groß, dass du deine eigene Giana im Kopf generiert hast."

Jan:
"Das gibt es doch nicht. Bin ich jetzt geisteskrank? Höre ich jetzt etwa Stimmen?"

Giana:
"Du kannst mich auch wieder loswerden."

Jan:
"Wie?"

Giana:
"Du darfst nicht mehr an mich denken und nicht mehr Giana Sisters auf C64 und Amiga spielen."

Jan:
"NEIN! Ich will dich in meinem Kopf behalten für immer! Ich liebe dich seit 27 Jahren, du bist die Frau meines Lebens! Am meisten liebe ich dich, wenn du eine freche, ballernde Punkerin bist."

Giana:
"Mache doch auch ein Spiel für mich."

Jan:
"Ne, ich mache eins für Nora. Ein Jump & Run, wo man sie steuert. Man kann den ersten Level schon spielen. Den Schuß habe ich wie bei Super Mario Land auf dem Gameboy gemacht. Ich bin aber mit der Grafik nicht so ganz zufrieden. Ich kann nicht zeichnen. Deswegen mache ich mit dem Spiel auch oft wochen oder monatelang Pause."

Giana:
"Wer ist Nora?"

Jan:
"Nora Tschirner ist eine Schauspielerin."

Giana:
"Frage sie doch, ob sie einen Giana Sisters Film drehen will. Du schreibst die Geschichte und sie spielt mich."

Jan:
"Sie ist aber nicht blond wie du. Sie hat dunkle Haare."

Giana:
"Wer gefällt dir besser? Ich oder sie?"

Jan:
"Ähh, Giana, du bist ja nur so eine Figur aus einem alten Computerspiel und..."

Giana:
"Kann sie Monster killen?"

Jan:
"Ja, als Lara Croft hat sie es gemacht."

Giana:
"Du liebst mich am meisten. Denn dann wäre es nicht möglich, dass du mich in deinem Kopf hörst. Hörst du Nora in deinem Kopf zu dir sprechen?"

Jan:
"Ähh, so eigenständig wie du? Ne....einige an meiner Stelle würden denken, dass ihnen jemand einen Chip ins Gehirn implantiert hat."

Giana:
"Das erste, was du an jedem Tag seit einem Monat machst ist Giana Sisters zu spielen. Dann spielst du nach deinem Mittagschlaf noch zwei Runden. Und vor dem Schlafengehen spielst du es aucdh noch drei mal."

Jan:
"Ne, ich spiele es nur einmal am Tag."

Giana:
"Ich bin deine neue Freundin und verlange von dir..."

Jan:
"Warte mal....Ich werde heute dich immer gleich killen lassen und Maria spielen, deine Schwester."

Giana:
"WAS? Dann werde ich dir heute schreckliche Albträume mit schleimtriefenden Gurkententakeln, die fleischfressende Saugknöpfe haben, bescheren."

Jan:
"Giana, hast du das etwa geglaubt? So etwas würde ich doch niemals machen. Ich freue mich schon nach diesem Text wieder dein zuckersüßes Spiel zu spielen. Immer wenn ich es zocke, habe ich das Gefühl ein 12-jähriger Junge zu sein, der mitten in seiner Kindheit steckt. Irgendwann wird der 12. Level kein Problem mehr für mich sein, den einen oder anderen Warp finde ich sicherlich auch noch und irgendwann...also es wäre schön wenn es klappen würde.....irgendwann habe ich es durchgespielt und du, Giana, bekommst den magischen Kristall, mit dem du wieder in deine Welt zurückkommst. Aber eigentlich ist das eine schöne und lustige Traumwelt, in der du in dem Spiel bist."

Giana:
"Die Füchse machst du manchmal zu krank."

Jan:
"Die erzählen dir doch lustige Geschichten."

Giana:
"Der eine meinte, dass seine Mutter in als Ei in ein Bienennest gesteckt hat, damit er fliegen könne. Er ist seiner Mutter sehr dankbar dafür, denn seit er lebt, fliegt er durchs Leben. Dabei ist er ganz normal gelaufen. Da bin ich dann stehen geblieben und habe ihm gesagt, dass er nicht fliege. Er wackelte mit seinen Beinen und sagte, dass die Welt ihm hinterher fliege und es deswgeen so aussehe, dass er nicht fliege. Das ist krank."

Jan:
"Und lustig."

Giana:
"Und die laufenden Augen machst du manchmal zu eklig. Wie der eine mit meinen Augen und meinen Zehnägeln einen Hamburger machen wollte, ihh."

Jan:
"Das habe ich nur so kurz gesagt, sorry."

Giana:
"Ich finde es aber toll, dass du mich jeden Tag spielst."

Ich will aber auch die Nora jeden Tag spielen und deswegen mache ich mir ein Jump & Run mit Nora. Schade nur, dass ich nicht gut zeichnen kann. Die Grafik habe ich selber gemacht, ich habe Grafiken aus anderen Spielen mir angeschaut und die abgemalt. Von Nora hatte ich erst ein Bild aus FC Venus genommen, aber da sah dann doof aus, denn die Grafik musste schon Comicartig gezeichnet sein. Jetzt werde ich noch den Jump verbessern. Bei Giana und Mario ist es ja auch, dass wenn maqn kurz jump drückt das sprite nur ein wenig hochspringt und wenn man lange drückt, dann springt es weit hoch. Blitzbasic ist für soetwas super. Und nach jedem Jump&Run Level muss man in dem Nora-Spiel einen Sokoban-Level lösen. Sokoban ist mein Lieblingsdenkspiel. Ich spiele gerade die original C64-Version aus den 80ern. 50 Level gibt es da, 22 habe ich schon gelöst.

Ich will aber auch wieder mal eine Geschichte schreiben. Ich hätte mal wieder Lust auf eine Kindergeschichte. Was, das werde ich mir noch überlegen.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20661 Verfasst am: Mo 17.Mrz.2014 23:31
 
Giana Sisters 1.Teil
 
Giana wirft sich erschöpft ins Bett. Heute ist sie mit Maria, ihrer Schwester, schwimmen gewesen, über zwei Stunden waren sie in der Schwimmhalle und haben sich ausgetobt. Und mit Lisa hat sie Kleider ausgeschnitten, die sie auf Papier gemalt haben. Und zwar für ihre Lady Bianca, die ebenfalls aus Papier ist und für die sie extra die Kleider entworfen haben. Puppen und Kleider, das ist das beste, was es für sie im Leben gibt.
„Wirklich? Gibt es nichts spannenderes?“ hört sie eine tiefe Stimme sagen. Sie erwacht aus ihrem Schlaf und schaut um sich, doch niemand ist in ihrem Kinderzimmer. Sie klopft kurz gegen die Wand, die ihr Zimmer von Marias trennt. Sie geben sich immer Klopfzeichen, doch Maria scheint schon zu schlafen. Sie denkt sich, dass sie geträumt haben muss, hier ist niemand.
Nachdem sie die Augen geschlossen hat, fällt sie in Schlaf...

Sie sieht, wie sie auf einem dunklen Boden steht, der mit runden braunen Steinen bedeckt ist. Hinter ihr ist ein Gebüsch und daneben steht ein mannshoher Fliegenpilz. Als sie um sich schaut, sieht sie, wie ein Fuchs mit riesigem Kopf auf sie zu kommt. Ängstlich versteckt sich Giana hinter dem Gebüsch.

Fuchs:
„Verdammt noch mal, wann kommt die Göre denn endlich?“

Giana:
„Hier...hier bin ich.“

Augenblicklich schaut der Fuchs mit seinem rosafarbenem Kopf ins Gebüsch und erblickt Giana. Er leckt sich die Zunge und geht um das Gebüsch herum zu Giana, welche sofort davon rennt. Der Fuchs folgt ihr und ruft „Halt Giana! Ich habe noch nichts zu Mittag gegessen, du kommst genau richtig!“
Giana rennt zu einer großen gelben Tonne und will sie hochklettern. Automatisch springt sie hoch – und springt vier Meter in die Luft. Problemlos landet sie auf der Tonne, ängstlich dreht sie sich zu dem Fuchs. Welcher zwischen der Tonne und dem Gebüsch hin und her rennt.

Giana:
„Was willst du von mir?“

Fuchs:
„Dich fressen, habe ich doch schon gesagt. Blondinen wie du schmecken immer so lecker nach Vanille, ich liebe Vanille.“

Giana:
„Wo bin ich?“

Fuchs:
„Du bist in deiner Traumwelt. In der du auch sterben kannst. Du hast hier aber drei Leben. Du kannst noch weitere Leben erhalten, du bekommst immer eins geschenkt, wenn du 100 Diamanten eingesammelt hast, die hier überall schweben oder versteckt sind.“

Giana schaut nach vorne und sieht Plattformen, die in der Luft schweben.

Giana:
„Wieso kann ich sterben, wenn es hier nur ein Traum ist?“

Fuchs:
„Das ist ja auch kein normaler Traum, das ist ein Albtraum. Willkommen in der Welt von Giana Sisters. Deine Schwester wird dich versuchen morgen zu wecken, aber du wirst tief im Schlaf versunken sein. Vielleicht werden wir sie auch in diese bezaubernde Traumwelt noch entführen. Deine Eltern machen sich dann auch große Sorgen, sie tragen dich zu einem Arzt, doch er wird dir ebenfalls nicht helfen können aufzuwachen. Du musst eine lange Reise hinter dich bringen und den magischen Kristall finden. Mit ihm kannst du wieder in deine Welt zurück.“

Giana:
„Warum träume ich das gerade?“

Fuchs:
„Dein Papa hat in seiner Kindheit sehr viel Giana Sisters auf dem C64 gespielt. Dieses Spiel wurde vom wütenden Bowser verflucht, weil es genau das selbe Spielprinzip hat wie Super Mario und zwei Jahre später erschienen ist. Dein Vater hat dich nach dem Spiel benannt, deiner Mutter hat er aber nie etwas davon erzählt. Er meinte nur, dass ihm der Name Giana gut gefällt. Als deine Schwester auf die Welt kam, wollte er sie unbedingt Maria nennen. Wie die Schwester von Giana in dem Spiel.“

Giana:
„Was? Warum hat Papa mir das nie verraten?“

Fuchs:
„Diesen Fehler musst du jetzt ausbügeln. Für die Sünden der Väter müssen die Kinder büßen.“

Giana:
„Was soll ich jetzt nur machen?“

Fuchs:
„Na die zig Level durchspielen.“

Giana:
„Was passiert denn, wenn ich hier sterbe? Sterbe ich dann auch in Wirklichkeit?“

Fuchs:
„Wenn alle deine Leben verbraucht sind, ja. Nun komm schon von der blöden Tonne runter, damit ich dich auffressen kann.“

Giana legt sich auf die gelbe Tonne und schaut zu dem Fuchs herunter, der wie ein wilder hin und her rennt.

Giana:
„Bitte friss mich nicht!“

Fuchs:
„Du musst nur von der blöden Tonne runter kommen, dann mache ich Giana-Frikasse aus dir.“

Giana hört über sich etwas summen, sie schaut nach oben und sieht eine riesige rot-gelb gestreifte Biene über sich fliegen.

Giana:
„Biene, warte!“

Die Biene bleibt in der Luft stehen und schaut auf das blonde Mädchen.

Biene:
„Da bist du ja endlich. Du bist unsere Erschafferin, unsere Göttin. Wir existieren nur in deinem Kopf.“

Giana:
„Sage dem Fuchs, dass er mich in Ruhe lassen soll.“

Biene:
„Das kann ich nicht. Er glaubt fest daran, dass er aus....“

Fuchs:
„RUHE! Das stimmt doch alles gar nicht!“

Biene:
„Er glaubt fest daran, dass er in deine reale Welt kommt, wenn er dich auffrisst. Du bist zwar dann tot, aber er kann sich in deiner Welt mit allen Lebewesen amüsieren und wie ein Verrückter dort herumtollen.“

Giana dreht sich wieder zum Fuchs und schüttelt den Kopf.

Giana:
„Ne, das glaube ich nicht. Mich hat schon mal ein Löwe in einem Traum aufgefressen und dann bin ich einfach aufgewacht.“

Fuchs:
„Wenn du meinst. Wir können es ja mal ausprobieren, wer recht hat. Komm runter.“

Biene:
„Du musst ihn besiegen. Und zwar, in dem du auf seinen Kopf springst.“

Giana kennt Jump&Run-Spiele, ist es in ihrem Traum genauso wie in den Spielen? Sie setzt sich an den Rand der Tonne und wartet, bis der Fuchs genau unter ihr ist. In diesem Moment lässt sie sich nach unten fallen, direkt auf den Kopf des Fuchsen. Es macht kurz „Platsch“ und der Fuchs liegt zusammengedrückt unbeweglich auf dem Boden.

Biene:
„Jetzt hast du dein ersten Gegner besiegt. Gehe zu den schwebenden Plattformen und springe gegen die gelben Sterne, dann bekommst du nicht nur Diamanten sondern auch nützliche Extras. Komme keinem Wesen hier zu nahe, auch uns Bienen nicht.“

Das Mädchen will die Biene noch etwas fragen, doch ohne sich zu verabschieden schwirrt sie davon. Giana schaut um sich, es ist blauer Himmel, heller Tag, aber so sehr sie das Firmament absucht, nirgends kann sie die Sonne erblicken. 20 Meter vor sich sieht sie zwei schwebende Plattformen, die übereinander sind. Sie läuft los, dabei springt sie. So hoch springen zu können ist ein neues Gefühl für sie.
Als sie die Plattform erreicht, springt sie rauf, obwohl sie zwei Meter hoch in der Luft schwebt. Die Plattform besteht aus kleinen braunen zementierten rechteckigen Steinen und über ihr sieht sie eine weitere Plattform, an der drei gelbe Sterne zu sehen sind.
Giana springt hoch und berührt einen der Sterne und ein hellblauer eckiger Diamant fällt heraus. Giana fässt ihn an, dabei verschwindet er in ihrer Hand. Sie kann ihn nirgends mehr sehen. Als sie den gelben Stern mit einem Sprung daneben berührt, passiert erst nichts. Kurz darauf sieht sie, wie ein bunter Ball von der zweiten Plattform, in dem die gelben Sterne sind, auf den Boden fällt. Auf der Stelle springt Giana von der Plattform, auf der sie eben noch stand, herunter, und rennt dem Ball hinterher. Welcher gegen eine andere große gelbe Tonne geprallt ist und jetzt auf einen Abgrund zurollt. Als sie den Ball mit den Händen anfässt, zuckt sie zusammen, jault auf und spürt eine gewaltige Menge an Energie durch ihren Körper fließen. Erschrocken fällt sie auf den Boden und holt erstmal Luft. Der Ball ist weg. Sie streicht sich erschöpft mit ihrer Hand die Haare und merkt, dass diese ganz zerzaust sind. Scheinbar hat sie durch den Ball einen elektrischen Schlag bekommen, sie will in dieser Welt nun vorsichtiger sein.

Gleich darauf kommt ein Fuchs auf sie zu, der genauso aussieht wie der erste.

Fuchs:
„Bitte tue mir nichts, überirdisches Mädchen, Mario habe ich in die Knie gezwungen, Lara Croft ist erstarrt, als sie meine feuersbrünstigen Augen erblickt hat. Aber gegen dich, Giana, habe ich keine Chance.“

Giana:
„Ich tue dir nichts. Bleibe aber bitte stehen.“

Doch der Fuchs bewegt sich immer weiter auf sie zu.

Fuchs:
„Ich kann nicht, deine Erscheinung wirkt sehr anziehend auf mich, ich kann nicht stehen bleiben.“

Im letzten Moment springt Giana über den Fuchs, welcher beleidigt stehen bleibt.

Fuchs:
„Es ist falsch, was der andere Fuchs und die doofe Biene dir erzählt haben. Sinn dieses Abenteuers ist es dich zu verlieben. Komm, küsse mich, engelhafte Maid, lass uns zusammen sein. Oder willst du dir wirklich die 32 Level anschauen und dann erst auswählen. Bedenke, du kannst auch sterben in dieser Welt.“

Giana geht auf den Fuchs zu, welcher verträumt nach oben schaut und seine Schnauze zu einem Kuss formt. Dem Mädchen geht es durch den Kopf, dass es vielleicht eine Falle ist.

Giana:
„Willst du mir wirklich nichts tun?“

Fuchs:
„Ich werde dich besprenkeln mit Liebestränen und zärtlichen Liebkosungen. Komm...“

Giana fässt den Fuchs an den Kopf und bückt sich um ihn zu küssen. Doch dieser lacht auf einmal auf, öffnet sein Riesenmaul und verschlingt Giana. Sie schreit auf, solche Schmerzen hat sie noch nie verspürt. Eine Sekunde später steht sie wieder an der Stelle, wo sie am Anfang des Traumabenteuers stand. Hinter ihr ist das Gebüsch, daneben der große Fliegenpilz.
„Scheinbar habe ich jetzt ein Leben verloren, jetzt habe ich nur noch zwei“ sagt sich unsere Heldin und geht wieder zu der großen gelben Tonne. Auf der anderen Seite ist erneut der Fuchs von vorhin.

Fuchs:
„Da bist du ja wieder. WAS? Schon ein Leben verloren? Du taugst zu nichts, blonde girls can´t jump, sage ich nur. Komm zu mir, ich bin ehrlich, nicht so schrecklich verlogen wie mein bescheuerter Bruder mit seinem Liebesangebot. Ich liebe dich nicht, ich will dich nur fressen.“

Giana:
„Stimmt es, dass du nur in meine Welt kommen willst und mich deswegen fressen möchtest?“

Fuchs:
„Ach, Quark mit Soße, die haben schon erzählt, dass ich die Sprache erfunden habe oder das ich das Laufen entdeckt habe. So ein Blödsinn. Das sagen die glaube ich nur, weil ich das erste Monster in deinem Abenteuer bin.“

Giana springt hoch und merkt, dass sie ihre Flugrichtung während des Sprungs ändern kann. Problemlos landet sie auf dem Kopf des Fuchses, welcher gleich darauf still ist. Sie eilt an den schwebenden Plattformen vorbei und fragt sich, was dieser bunter Ball nur sollte. Vielleicht gibt er ihr Fähigkeiten, die sie für ihr Abenteuer noch braucht, sagt sie sich und springt auf die Plattform um ihn sich zu holen. Diesmal erschrickt sie nicht so sehr, als sie dieses elektrische Gefühl wieder verspürt in dem Moment, in dem sie den Ball mit ihren Händen berührt.
Kurz darauf erreicht sie den zweiten Fuchs, der sie anlächelt und sich bei ihr entschuldigen will.

Fuchs:
„Es tut mir leid mit vorhin. Ich verdrehe immer alles. Mein Essen küsse ich manchmal und meinen Liebling verspeise ich gerne. Aber, Giana, du siehst so hübsch und lecker aus, da läuft einem das Wasser im Mund zusammen.“

Giana:
„Diesmal falle ich nicht darauf rein!“

Fuchs:
„Ich bin doch jetzt satt, ich habe dich doch gerade aufgefressen. Für eine zweite Giana ist kein Platz mehr in meinem Magen. Vertraue mir, mir geht es nur um Liebe, all I need is love.“

Doch Giana hört dem Fuchsen nicht mehr zu und springt auf seinen Kopf, dabei ruft sie laut “Jippikijej!“
Danach geht sie weiter und sieht vor sich eine braune Steintreppe, die sie sogleich hoch läuft. Nach ein paar Stufen endet die Treppe und vor ihr ist eine kleine wacklige Brücke, darüber ein langer Steinblock mit einem goldenen Stern an seiner Decke. Giana sieht, dass in der Mitte der Brücke ein kleiner Steinboden ist. Genau bis dahin rennt sie, sie merkt, dass der Brückenteil, den sie betreten hat, sich in Luft auflöst. Und darunter ist endloser Abgrund!
Als Giana den kleinen Steinboden in der Mitte der Brücke erreicht, schaut sie auf den Steinblock mit dem gelben Stern, der über ihr schwebt. Wieso schweben die Steinblöcke hier eigentlich? fragt sich das kleine blonde Mädchen, doch zum Nachdenken ist jetzt keine Zeit. Sie schaut zu dem gelben Stern über ihr, springt hoch und berührt ihn. Erst passiert nichts, kurz darauf sieht sie, wie von dem länglichen Steinblock über ihr ein kleiner blinkender Blitz auf den Boden fällt. Neugierig rennt Giana den Rest der Brücke, welche gleich danach verschwindet, als ob sie nie da gewesen war. Giana nähert sich dem kleinen blinkenden Blitz, welcher sich weiter nach vorne bewegt. In dem Moment kommt wieder eine Biene.

Biene:
„Nimm den Blitz. Dann kannst du deine Gegner beschießen.“

Hurtig nimmt sie den Blitz, welcher, wie der Diamant vorhin, in ihrer Hand verschwindet.

Biene:
„Jetzt stelle dir einen harten weißen tennisgroßen Ball vor, den du werfen kannst.“

Giana macht es so, wie die Biene ihr gesagt hat und zu ihrer Verblüffung fliegt ein weißer kleiner Ball aus ihrer Hand, prallt gegen eine große gelbe Tonne und verschwindet.

Biene:
„Später findest du noch den Doppelblitz, damit wird dein Schuss an allen Gegenständen reflektiert. Und die Erdbeere ist das beste, mit der triffst du immer dein Ziel. Aber wenn du stirbst, verlierst du nicht nur ein Leben, sondern alle deine Extras. Mehr Tipps will ich dir aber nicht geben.“

Giana schaut traurig zur Biene und fragt, warum nicht.

Biene:
„Na weil es dann zu einfach wird für dich. Wenn es nach uns gehen würde, dann spielst du das Spiel hier nie zu Ende, musst immer in dieser Traumwelt bleiben. Und wir können lange leben. Wenn du den Kristall nämlich am Ende findest, dann wird dich Maria wecken, du erwachst, und wir werden nicht mehr in deinen Träumen erscheinen. Kurz: Löst du das Abenteuer, dann ist es aus mit uns und wir müssen uns ein neues Opfer suchen. Tschüss!“

Die Biene düst davon, was Giana etwas ärgert. Denn sie wollte fragen, ob es nicht ein Extra gibt, mit dem sie wie die Biene fliegen kann. Vor ihr schweben wieder zwei Plattformen und auf dem Steinboden darunter laufen zwei Füchse. Giana springt auf die untere Plattform, gleich darauf springt sie an die obere und der Steinquader, den sie berührt, zerfällt in Sand und Kies. Unter sich hört sie die zwei Füchse reden.

Linker Fuchs:
„Hallo Giana, ich heiße Pandoni, bin ein höhergeschlechtliches Wesen, bedeutsam in seiner Stimmgewalt und seinen liturgischen Zeremonien, mir wurden so viele Bibeln schon gewidmet, ich hatte erst die Qual der Wahl.“

Rechter Fuchs:
„Und ich bin die Unbedeutlichkeit in Person, habe noch nie was erreicht, was verstanden oder gelernt. Ich kann nur meinem Bruder folgen und ihm bei jedem seiner Worte zustimmen. Meinen Namen habe ich übrigens wieder vergessen, ich glaube ich hatte nie einen. Unsere Mutter wollte nur Pandoni, ich bin nur ein Abfallprodukt.“

Linker Fuchs:
„Ich habe mich dann für gar keine Bibel entschieden, ich kann nämlich nicht lesen. Ich konnte es mal, habe es aber verlernt. Kannst du lesen?“

Rechter Fuchs:
„Lesen? Was ist denn das? Ist das ein Besen, den man in die linke Hand nimmt?“

Linker Fuchs:
„Dich meine ich doch gar nicht, du Dummkopf. Ich rede mit Giana.“

Giana:
„Ja, kann ich. Ich glaube dir aber nicht, dass dir Bibeln gewidmet wurden.“

Linker Fuchs:
„Armin Gessert hat eine für mich geschrieben, in Assembler, in Maschinensprache. War mir zu schwer. Manfred Trenz hat keine Bibel geschrieben, sondern eine gemalt. Fand ich schön, aber ich wollte nicht nur mit Bildern arbeiten. Und Chris Hülsbeck hat die Bibel für mich als CD rausgebracht. Hat mir auch nicht gefallen, denn eine Bibel lesen dauert Wochen und so eine bekloppte CD ist in ein oder zwei Stunden schon vorbei.“

Giana:
„Warum sollte man dir eine Bibel schreiben? Was ist so besonders an dir?“

Rechter Fuchs:
„Vielleicht das Nichtstun? Oder das Nichstkönnen? Bestimmt ist es mein Versagen, meine Blackouts, meine Ausrutscher, meine...“

Linker Fuchs:
„Sie meint mich, du Schwachkopf......ja, Giana, wenn du von dem schwebenden Steinquader runterkommen würdest, dann würde ich es dir gerne verraten.“

Giana:
„Du kannst es mir auch von da unten sagen.“

Linker Fuchs:
„Naja, es ist mein druchtrainiertes Mundwerk, mein charismatisches Augenblinzeln, meine Rechthabigkeit, alles was ich sage, stimmt, ich sage nie was falsches, und wenn, dann mache ich es nur um meine Fans zu prüfen.Und meine Einfallsverprasstheit, ich bin ein Ideenfeuerwerk und werfe mit einer unsagbaren Genialomanie um mich.“

Giana:
„Bisher hast du noch nichts geniales gesagt.“

Rechter Fuchs:
„Ich habe noch nie etwas geniales gesagt. Aber was gesagt habe ich schon, wie man was spricht weiß ich immerhin.“

Linker Fuchs:
„Sei leise, du Hohlkopf......Giana, hörst du mich? Komme runter und dann sage ich dir ein Wort, das immer, egal wie die Frage lautet, die richtige Antwort ist.“

Giana:
„Eine auf-alles-Antwort?“

Linker Fuchs:
„Ja. Toll, oder? Die dummen Menschen und die fantasielosen Fabelwesen im Universum sind nicht darauf gekommen, ich schon! Ich kann es kaum abwarten, dir die auf-alles-Antwort zu sagen.“

Giana:
„Los sag schon.“

Linker Fuchs:
„Na gut, danach kommst du aber runter, ja? Mit der auf-Alles-Antwort bin ich hier in meiner Welt weit gekommen, aber die ist ja nicht so große wie deine. Mensch, Mädel, was wirst du durch mich nur alles noch in deinem Leben erreichen und gewinnen, du wirst gefeiert, sage aber, dass du die auf-alles-Antwort von Pandoni hast, okay? Ich sehe dich in einem riesigen Kolosseum auf einer glitzernden Bühne stehen, die Halogenscheinwerfer erheben dich mit ihrer Lichtgewalt in den Götterstatus, die Menschen strömen zu dir mit ihren Fragen und du gibst denen immer die auf-alles-Antwort, zufrieden gehen sie dann nach Hause und sagen fortan in ihrem Dasein, dass du Giana, Mädchen der Mädchen, 8-Bit-Heldin, heimliche Liebe von Super Mario, dass du die wichtigste Person in ihrem Leben warst. Durch dich wird es in ein paar Jahren keine ungelösten Fragen mehr in deiner Welt geben.“

Rechter Fuchs:
„Du musst jetzt genau hinhören, ist ziemlich komplett, ähh, komplex. Ich verstehe da immer nur Bahnhof. Wobei ich, wenn ich am Bahnhof stehe, noch mehr verstehe als bei der auf-alles-Antwort.“

Giana hüpft mit ihren Beinen auf der Plattform und wird ungeduldig.

Giana:
„Nun sag schon!“

Der linke Fuchs, der sich mit seinem Bruder die ganze Zeit hin und her bewegt hat, bleibt stehen, schaut zu Giana und ruft:
„QWERTZUPOISÜDANSÖFGÄVHJKLYBOCXUM Das ist das magische Wort, das ist die Antwort auf alle Fragen der Welt.“

Giana:
„Hä? Das ist doch keine Antwort. Wenn ich zum Beispiel frage, welche Farbe hat der Himmel, dann ist doch das nicht die Antwort.“

Linker Fuchs:
„Doch, denn das Wort „blau“ kann man aus QWERTZUPOISÜDANSÖFGÄVHJKLYBOCXUM bilden.“

Giana:
„Dein Wort enthält einfach alle Buchstaben des Alphabets.“

Rechter Fuchs:
„Alf war doch kein Beet, Alf war ein Außerirdischer.“

Linker Fuchs:
„Dummes Bruderherz, ich werde mir mal demnächst ein Wort ausdenken, dass du nur aussprechen musst und gleich darauf stumm bleibst. Das Wort wird dir den letzten Rest an Verstand, den du aber auch nur manchmal hast, rauben........ Ja, Giana, das Alphabet ist es. Die Frage welche Farbe unser Himmel hat, beantwortet man, in dem man aus dem Alphabet die vier Buchstaben für das Wort blau sucht. Man kann aber auch gelb oder rot antworten. Kann ja sein, dass man lieber einen roten Himmel haben will statt eines blauen wie hier. Dann darf man das auch, finde ich. Und wenn man sagen möchte, dass der Himmel ocker oder algengrün ist, dann darf man das auch. QWERTZUPOISÜDANSÖFGÄVHJKLYBOCXUM enthält alle Wörter die es gibt.“

Giana:
„Aber meistens gibt es nur eine richtige Antwort.“

Linker Fuchs:
„In meiner Welt gibt es für jede Frage unendlich viele Antworten. Giana, in was für einer beschränkten Welt lebst du denn? Du hast blonde Haare, aber wenn ich dich lieber mit braunen oder violetten Haaren sehen will, dann darf ich das auch.“

Rechter Fuchs:
„Giana hat graue Haare.“

Linker Fuchs:
„Wenn du es so sehen willst, dann ist es so, geliebter Bruder. Ich finde, Giana hat rubinfarbene Haare. Grau und Rubin, beides Wörter, die in QWERTZUPOISÜDANSÖFGÄVHJKLYBOCXUM, dem Wort der Wörter stecken.“

Giana:
„Wie viel ist 4 + 10? Da gibt es nur eine richtige Antwort.“

Rechter Fuchs:
„ QWERTZundsoweiter. Da steckt die Antwort drin.“

Linker Fuchs:
„Genau, das Wort vierzehn kann man aus QWERTZUPOISÜDANSÖFGÄVHJKLYBOCXUM bilden.“

Giana reicht es jetzt. Sie springt von ihrer Plattform erst auf den Kopf des rechten Fuchsen und gleich darauf auf den linken. Vor sich sieht sie eine Treppe die hoch führt, welche ein Fuchs herunter geht.

Fuchs:
„Hallo Giana, kannst du mir verraten, ob es mir gut geht? Ich weiß es nicht, schlecht geht es mir nicht, aber geht es mir dann gleich gut? Kannst du mir bitte vorher noch sagen, wo mein Fuchsbau ist, ich habe mich wieder verlaufen. Du bist doch das Mädchen für alles, du weißt bestimmt was ich brauche. Mein Bruder hat dir bestimmt das magische Wort verraten, die auf-alles-Antwort, dann kannst du mir bestimmt helfen.“

Der Fuchs verlässt gerade die letzte Treppenstufe, da wirft Giana einen kleinen harten Ball aus ihrer Hand, genau auf seinen großen Kopf. Gleich danach eilt sie die Treppe hoch und als sie oben angekommen ist, sieht sie einen Abgrund, in dem Inseln schweben, auf die man raufspringen kann. In der Luft schweben Diamanten. Giana holt Luft, nimmt kurzen Anlauf und springt. In der Luft greift sie nach den Diamanten und als sie auf einer der Inseln landet, atmet sie erleichtert aus. Auf der anderen Seite sieht sie einen Eingang, der ins Dunkle führt.
Sie springt von ihrer Steininsel auf die andere Seite und eilt zum Eingang. Dort sieht sie Treppen, die sie irgendwohin führen, wohin, dass weiß Giana noch nicht...
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20662 Verfasst am: Mi 19.Mrz.2014 14:26
 
Giana Sisters 2.Teil
 
Immer, wenn Giana die Tunnelwand mit ihrer Hand berührt rieseln Sand und kleine Steine auf den Boden, den sie nicht sieht. Sie sieht gar nichts, vor sich erkennt sie aber einen roten Punkt, auf den sie zu geht. Sie öffnet die oberen Knöpfe ihrer Schlafanzuges, denn es wird ihr allmählich wärmer. Nach einer Zeit sieht sie, dass der Tunnel vor ihr in rotem Licht schimmert. Sie bleibt stehen und schaut nach vorne. Wieso leuchtet der Tunnel dort? Er endet auch nach ein paar Metern, vor dem Ende des Tunnels ist ein großes Loch im Boden. Giana berührt mit ihren nackten Füßen vorsichtig die leuchtenden Steine im Boden und merkt, dass sie ein warm sind. Sie springt in den roten Tunnel auf das Loch zu.
Sie bleibt vor der Öffnung stehen und schaut runter. Sie erblickt einen großen Raum mit einem langen Podest, auf dem Diamanten schweben. Auf einmal hört sie hinter sich etwas rascheln, sie dreht sich um und sieht eine Gruppe von Füchsen aus dem Dunklen auf sich zu kommen. Giana springt in das Loch und landet in einem großen Raum, der mit den rot leuchtenden Steinen ummauert ist.
Hier ist es noch wärmer, sie krempelt sich die Ärmel hoch und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Vor sich sieht sie eine schwebende Mauer, über ihr liegen Diamanten in der Luft. Mit einem Satz springt Giana auf die Plattform und sammelt die Diamanten ein. Als sie wieder auf den Boden springen will, sieht sie dort einen Fuchsen rumlaufen, der in dem roten Licht des Raumes noch bedrohlicher aussieht.

Fuchs:
„Giana, in diesem Abenteuer musst du nicht nur den Kristall finden um in deine Welt zurück zu kommen, du kannst die auf-Alles-Antwort hier herausfinden. Unsere Chefin, die Biene Frida, sagt, sie kennt sie. Aber sie sagt es keinem.“

Giana:
„Eine auf-alles-Antwort kann es nicht geben. Auf die ganzen Fragen, die es gibt, kann es doch nicht nur eine Antwort geben.“

Fuchs:
„Soll es aber geben. Biene Frida weiß deswegen auch alles. Da habe ich mich eines Tages zur Ruhe gesetzt, bin nicht, wie sonst zwischen den gelben Tonnen, die hier überall stehen, rumgerannt, und da hatte ich die Idee, was die auf-alles-Antwort sein könnte. Ich bin darauf ganz alleine gekommen! Frida sagt zwar, dass es das nicht ist, aber dann ist ihre Antwort falsch. Meine auf-alles-Antwort ist ganz kurz.“

Giana:
„Wie lautet sie?“

Fuchs:
„Warum willst du sie unbedingt hören?“

Giana:
„Es wäre toll, wenn es so eine Antwort gäbe. Dann würde man alle Fragen beantworten können. Aber so eine Antwort gibt es nicht, wie ich schon sagte.“

Fuchs:
„Frage mich etwas und ich sage dir die auf-alles-Antwort.“

Giana:
„In welcher Farbe leuchten die Wände hier?“

Fuchs:
„Ist doch egal.“

Giana:
„Soll das die auf-alles-Antwort sein?“

Fuchs:
„Ist doch egal.“

Giana:
„Das ist doch nicht egal.“

Fuchs:
„Doch, ist es. Auf jede Frage, die es gibt, kann man „Ist doch egal“ antworten. Und die Antwort ist immer richtig. Ist doch egal alles, ist doch egal ob es rote Steine oder blaue sind in diesem Raum. Beides ist doch hübsch.“

Giana:
„Wenn ich in der Schule bei einer Arbeit auf eine Frage schreibe „ist doch egal“, dann bekomme ich null Punkte.“

Fuchs:
„Ist doch egal. Ist ein Mensch ein schlechterer, weil er in einer Arbeit null Punkte erzielt hat? Er kann doch trotzdem nach Hause gehen, beim Heimweg die Vögel bewundern, die jetzt eifrig beginnen werden ihre Nester zu bauen, er hört ihr Zwitschern nicht anders als ein Mensch, der in einer Klassenarbeit 100 Punkte erzielt hat. Dieser isst das selbe Essen wie der null-Punkte-Mensch, spricht die selbe Sprache und muss auch nachts ins Bett. Nur dass er sich dauernd den Kopf zerbricht über Fragen, die der Null-Punkte-Mensch mit ein und dem selben Satz ganz locker beantworten kann.“

Giana:
„Der Null-Punkte-Mensch bleibt aber in der Schule sitzen und muss in den Ferien viel lernen während der 100-Punkte-Mensch stolz auf sich sein kann und in den Urlaub fährt.“

Fuchs:
„Der Null-Punkte-Mensch kann doch auch in den Urlaub fahren während der Ferien.“

Giana:
„Ich will aber kein Null-Punkte-Mensch sein.“

Fuchs:
„Mit null Punkten hast du den Kopf frei für die schönen Seiten des Lebens. Du kannst spielen, lesen fernsehen und immer, wenn du eine Frage im Kopf hast, sagst du einfach „Ist doch egal“ und schon ist die Frage gelöst.“

Giana wird langsam wütend. Als sie das erste mal von der auf-alles-Antwort gehört hat, dachte sie, dass es so etwas wirklich geben kann. Eine Antwort, die auf jede Frage richtig ist. Mittlerweile glaubt sie, dass die Wesen in dieser Welt alle spinnen. Sie würde sich allerdings gerne mal mit der Biene Frida deswegen unterhalten.

Giana:
„Wo ist Frida?“

Fuchs:
„Am anderen Ende dieses langen Raumes ist kaltes Wasser, darüber schwirrt sie meistens. Sie ist die Hüterin dieses Levels.“

Das blonde Mädchen springt von der schwebenden Plattform, auf der sie die ganze Zeit gestanden hat, auf den Boden und gleich darauf auf die gelbe große Tonne, die ein Stück weiter ist. Giana sieht, dass ein Meter weiter wieder eine gelbe Tonne steht, zwischen den Tonnen ist ein Spalt, über dem ein Steinblock schwebt. Und in der Spalte läuft eine Kreatur, vor der sich Giana erst ekelt. Es ist ein großes Auge, das auf zwei Beinen in der Spalte hin und her läuft.

Giana:
„Sag bloß, du glaubst auch, dass es eine auf-alles-Antwort gibt.“

Auge:
„Gibt es auch! Der Fuchs mit seinem „Ist doch egal“ liegt aber falsch. Es ist eben nicht alles egal.“

Giana:
„Das sehe ich auch so.“

Auge:
„Biene Frida meint aber, ich liege falsch. Aber ich bin mir sicher, ich weiß die auf-alles-Antwort.“

Giana:
„Dann sage sie mir.“

Auge:
„Frage mich was.“

Giana:
„Welche Farbe haben die Steine in diesem Raum.“

Auge:
„Eine hässliche Farbe.“

Giana:
„Welche?“

Auge:
„Habe ich doch schon gesagt: Die Steine hier haben eine hässliche Farbe.“

Giana:
„Bin ich noch ein Kind oder schon erwachsen?“

Auge:
„Du bist hässlich.“

Das regt Giana jetzt auf. Die Wesen hier sind doch alle verrückt, denkt sie sich. Sie wartet, bis das Auge genau unter ihr ist und lässt sich dann von der Tonne direkt auf es fallen. Es quiekt kurz auf und gibt gleich danach keinen Ton mehr von sich. Über sich hört Giana wieder ein Summen.

Frida:
„Hast du Gandolfino gesehen? Ich habe ihm aus Versehen die auf-alles-Antwort gesagt, jetzt rennt er durch diesen Keller und will sie jedem verraten.“

Giana(genervt):
„Eine auf-alles-Antwort gibt es nicht! Bisher habe ich nur Schwachsinn gehört.“

Giana springt aus dem Spalt auf die gelbe Tonne daneben und schaut zur Biene.

Frida:
„Frage mich was.“

Giana:
„Wie alt bin ich?“

Frida:
„Milanonimalolinamomilan....zehn Jahre alt.“

Giana:
„Richtig. Wie heißt meine Schule?“

Frida:
„Milanonimalolina.....Pettenkofer-Grundschule.“

Giana:
„Das...ist auch richtig. Warum sagst du dieses Milanonimalo-Zeug?“

Frida:
„Das ist es ja gerade. Eigentlich flüstere ich das Wort immer nur, damit es niemand hört. Aber jetzt ist es ja raus, Gandolfino hat es bestimmt schon vielen erzählt.“

Giana:
„Warum sagst du es?“

Frida:
„Das Wort heißt Milanonimalolinamo, man muss es immer wieder sagen, so lange, bis einem die Antwort einfällt. Es ist ein magisches Wort und wirkt nur bei denen, die in diesem Traumabenteuer vorkommen.“

Giana:
„Milanonimalolinamo....und jetzt soll ich alles wissen?“

Frida:
„Ich stelle dir mal eine Frage: Warum heißt das Wetterphänomen El Nino eigentlich so?“

Giana:
„El Nino? Das weiß ich nicht, davon habe ich noch nie gehört.“

Frida:
„Du hast das magische Wort vergessen.“

Giana:
„Milanonimalolinamo......El Nino?......(schließt die Augen)....Milanonimalolinamomilanonimalolinamo.....Bei einem El Nino wird der Ostpazifik wärmer, die Fische finden keine Nahrung mehr und schwimmen weg. Die Fischer fangen dann keine Fische mehr und da es immer um die Weihnachtszeit passiert, nennen sie diesen Vorfall ironisch das Christkind, el Nino...(öffnet die Augen wieder).“

Frida:
„Richtig.“

Giana:
„Was habe ich da gerade nur gesagt?“

Frida:
„Na was ein El Nino ist. Eine andere Frage: Vor kurzem wurde ein Dinosaurier entdeckt, der wie der Tyrannosaurus Rex aussieht, aber auf Alaska gelebt hat. Alaska war ein abgeschottetes Biotop und der Saurier hat nur dort gelebt. Man hat rausgefunden, dass Wesen, die ihr Leben lang in einem kleinen Biotop leben, kleinwüchsig sind. Wie groß ist der Saurier aus Alaska?“

Giana:
„Was ist denn ein Biotop?“

Frida:
„Du hast das Zauberwort vergessen.“

Giana:
„(schließt die Augen)...Milanonimalolinamo....Milanonimalolinamomilanonimalolinamo...fünf Meter ist dieser Saurier groß....(öffnet die Augen).“

Frida:
„Richtig. Und noch eine letzte Frage: Wie heißt die größte Stadt der Welt?“

Giana:
„New York!“

Frida:
„Falsch!“

Giana schließt wieder die Augen und sagt das magische Wort. In ihrem geistigen Auge sieht sie eine riesige Stadt, überfüllt mir Leuten und Autos, eine innere Stimme sagt ihr, dass es Tokio ist.

Giana:
„Tokio ist die größte Stadt der Welt. 35 Millionen Einwohner zählt sie. Berlin hat 3,4 Millionen, das Ruhrgebiet 5,3....(öffnet die Augen).....woher weiß ich das denn alles?“

Frida:
„Milanonimalolinamo, das Wort zapft über einen geheimen Kanal das Wissensportal des Universums an. Alle Informationen, die es gibt, sind in den Sternen gespeichert, mit Milanonimalolinamo kannst du Kontakt aufnehmen mit dem Stern, der die Antwort auf deine Frage hat. Da der richtige Stern oft nicht sofort gefunden wird, muss man das magische Wort manchmal mehrmals hintereinander aussprechen.“

Giana fässt sich überrascht mit der Hand an ihren Mund, dabei kann sie sich ein Lächeln nicht unterdrücken. Aber anders als bei den Füchsen und dem Auge glaubt sie der Biene. Denn das Tokio 35 Millionen Einwohner hat oder was ein El Nino ist, davon wusste sie nicht. Und von dem Fund des Sauriers in Alaska hat sie auch nicht gehört. Also ist es doch wahr! Es gibt eine auf-alles-Antwort!

Frida:
„Ich muss jetzt weiter, Gandolfino ist unberechenbar. Er ist ein Freund der Spinne Miraumax, ein großes böses Ungeheuer. Sie darf auf keinen Fall die auf-alles-Antwort erfahren. Bis dann, Giana!“

Die Biene fliegt sofort weg und Giana setzt sich auf die gelbe Tonne, auf der sie die ganze Zeit stand. Sie kann jetzt jede Frage beantworten. Das sie noch viele Level spielen muss um den Kristall zu finden damit sie aus der Traumwelt wieder raus kann, hat sie gerade vergessen. Was wollte sie schon immer wissen?

Wie alt ist die Erde? Milanonimalolinamomilanonimalolinamo...während sie das Wort murmelt rattern ihr Zahlen durch den Kopf, nach ein paar Sekunden weiß sie, dass die Erde 4,5 Milliarden Jahre alt ist.
Wer war der erste Mensch? Milanonimalolinamomilanonimalolinamomilanonimalolinamomilanonimalolinamo...Sie sieht mit geschlossenen Augen einen Urwald, von dessen Bäumen Lianen hängen und Papageien durch die Lüfte fliegen. An einem kleinen Teich zwischen drei Bäumen badet eine Frau – die so aussieht wie Giana mal später aussehen wird.
Wie hieß die erste Frau der Welt? Milanonimalolinamomilanonimalolinamomilanonimalolinamo.....“Gianeva!“ ruft Giana laut, obwohl ihr niemand recht geben kann auf diese Antwort, weiß sie, dass sie richtig liegt.
Wieviel Wasser gibt es auf der Welt?
Milanonimalolinamomilanonimalolinamo...1.385.984.600.000.000.000.000 Liter.
Giana fragt sich noch andere Sachen und mithilfe des magischen Wortes fällt ihr immer eine Antwort ein. Nach einer halben Stunde hört sie auf, ihr geht es noch mal durch den Kopf, dass sie erst das Traumabenteuer lösen muss.
Sie springt von der Tonne und sieht von weitem eine Treppe. An der Stelle wird die Decke tiefer und als sie die Treppe hochgeht bleibt sie an dessen Ende stehen. Unter sich sieht sie eine tiefe Spalte mit allerlei Krimskrams, über sich erkennt sie zwei rote Steine mit gelben Sternen. Sie springt gegen die gelben Sterne und aus ihnen fallen zwei Diamanten, die Giana aufsammelt. Sie schafft es aber nicht ans andere Ende zu springen und fällt in die tiefe Spalte.
Erst poltert es um Giana, Zettel, Bücher, Stifte wirbeln in der Luft, an der Wand sieht sie ein Bild eines grünen Wurmes, der große rote Ohren hat und dicke rote Lippen an seinem Mund. Darunter steht geschrieben „Gandolfino“.
Giana nimmt ein beschriebenes Buch in die Hand, was auf dem Boden liegt und stellt fest, dass es ein Tagebuch ist. Sie blättert darin und liest:
„...so schwer war das gar nicht, das Lesen und Schreiben. Das muss man können, um mit Miraumax Hilfe die Welt zu erobern. Ich muss nur an die auf-alles-Antwort kommen, dann werde ich der Welt alle Fragen beantworten und zum Königsherrscher aller Länder bestimmt. Ich weiß auch schon einen Weg aus dieser Traumwelt in die richtige zu kommen. Ich muss einen Menschen küssen! Nicht töten, denn dadurch verliert der Mensch bloß ein Leben und muss entweder nochmal in Level eins starten oder ist tot. Aber wenn ich den Menschen küsse, dann erwacht er aus seinem Traum und ich existiere in seiner Welt.“
Das macht Giana neugierig. Statt die unzähligen Level durchzuarbeiten, reicht es vielleicht aus, sich von einem Monster küssen zu lassen. Aber das dachte sie schon bei dem Fuchs im ersten Level und der hat sie nur gefressen. Sie muss Gandolfino finden, denn er will Giana bestimmt nicht fressen sondern küssen um in ihre Welt zu gelangen. Wo ist er dann? Liegt er neben ihr im Bett wenn sie aus dem Traum aufwacht oder ist er ganz woanders?
Giana blättert zur letzten Seite und liest:
„Unsere Traumwelt hat ein Opfer gefunden, es ist ein kleines Mädchen. Ich werde lieb zu ihr sein und ihr die Wahrheit verraten. Also natürlich nur das, was sie wissen soll. Dass sie mir nämlich näher kommen soll für einen Kuss, ich werde ihr hundertmal versichern, dass ich ihr nichts böses will. Was werde ich nur machen, wenn ich der Weltbeherrscher bin? Miraumax glaube ich brauche ich dann auch nicht. Ich verdanke ihr einfach nur, dass ich schlauer geworden bin. Aber was bringt einem die größte Intelligenz, wenn man hier eingesperrt ist in dieser Traumwelt?“
Über sich am Ende der Treppe hört Giana eine Stimme.

Gandolfino:
„Da bist du ja! Lass die Finger von meinem Tagebuch! Da stehen private Sachen drin, die dich nichts angehen.“

Giana packt das Tagebuch auf den Boden und schaut nach oben wo der Wurm Gandolfino steht. Anders als das Auge sieht der grüne Wurm mit seinem runden riesigen Ohren und seinen fetten großen Lippen eher lustig aus.

Gandolfino:
„Ich komme mal zu dir runter, nicht erschrecken.“

Der Wurm hüpft in die Spalte und Giana drückt sich an die Wand. Sie ist bereit jederzeit einen weißen harten Ball auf Gandolfino zu schleudern.

Giana:
„Ich habe im Tagebuch gelesen, dass du mich küssen willst um in meine Welt zu kommen.“

Gandolfino:
„Ja, dann weißt du also die Wahrheit. Ich werde dir nichts tun, du wirst durch mich kein Leben verlieren, ganz im Gegenteil, du bist dann aus dem Schneider. Denn du wachst dann in deinem Bett auf, es kommt dir alles wie ein Traum vor.“

Giana:
„Warum willst du in meine Welt? Du willst Karriere mit der auf-Alles-Antwort machen, ne?“

Gandolfino:
„Hehe, ja, darf ich das denn nicht? Wobei die auf alles Antwort eher ein System ist als ein normaler Satz. Frage mich was.“

Giana:
„Wie heiße ich?“

Gandolfino:
„Okay, das ist eine Frage, die wird etwas dauern. Du bist ein „Mädchen“, von diesem Wort ist das „M“ der 13. Buchstabe des Alphabets, das „ä“ wird „ae“ auch geschrieben, „a“ ist der erste Buchstabe, „e“ der fünfte, 13+1+5 sind 19, der nächste Buchstabe vom Wort Mädchen ist das „d“, das ist der vierte Buchstabe, 19+4 sind 23, dann kommt das „ch“, „c“ ist der dritte Buchstabe und „h“ der achte, also 23+3+8 sind 34, dann kommt wieder ein „e“, also 34+5 sind 39 und dann der letzte Buchstabe, ein „n“, das ist der 14. Buchstabe, 39+14 sind 53, geteilt durch 8, denn „Mädchen“ hat acht Buchstaben, 53/8 ist, Moment, 6,625, aufgerundet ist das sieben und der siebte Buchstabe des Alphabets ist das „g“....puhh, mit „G“ fängt dein Name an, oder?“

Giana:
„Ja. Aber die auf-Alles-Antwort geht viel einfacher.“

Der arglistige Wurm weiß es ja. Das mit den Zahlen eben hat er sich ausgedacht, er will nicht, dass sie denkt, dass er es weiß.

Gandolfino:
„Die geht einfacher? Ich weiß es ja nicht genau, ich habe es mir überlegt, wie die auf-Alles-Antwort sein könnte und da habe ich lange Zeit gegrübelt und bin auf ein Rechenweg gekommen immer die richtige Antwort zu finden.“

Giana:
„Frida meinte, dass sie es dir gesagt hat.“

Gandolfino:
„Echt?....hmmmm.....stimmt, sie hat an einer Stelle so ein seltsames Wort gesagt, es war sehr lang. Milanimalo, oder so ähnlich ging es los.“

Giana überlegt. Soll sie dem Wurm glauben? Auf einmal hört sie ein schallendes Gelächter, es ist genau über ihr an den Rändern des Spaltes, in dem sie mit dem Wurm ist. Sie sieht fünf Fuchsköpfe, die sie gierig anschauen und denen Geifer aus dem Maul tropft.

1.Fuchs:
„Ahh, da ist sie ja. Und dann sieht die noch so süß aus.“

2.Fuchs:
„Schade, dass die ein Kind ist. Wäre besser, wenn sie ein Erwachsener wäre, dann hätten wir mehr Fleisch.“

3.Fuchs:
„Dafür ist das Fleisch von Kindern zarter und saftiger, wir werden es uns schon teilen.“

Giana schaut ängstlich zu Gandolfino und bittet ihn mit den Füchsen zu reden. Doch der Wurm spreizt seine dicken Lippen und schüttelt den Kopf.

Gandolfino:
„Normalerweise kann ich mit den Füchsen reden, aber wenn die erst mal auf etwas Appetit bekommen haben, dann kann man die schlecht davon abbringen. Du bist gleich ein Leben weniger, starke Schmerzen wirst du auch verspüren. Es sei denn, du....“

In dem Moment, in dem ein Fuchs in den Spalt springt, küsst Giana schnell den Wurm....

PIEP! PIEP! PIEP! PIEP!

Giana schlägt die Augen auf, beugt sich zu ihrem Nachttisch und schaltet den Wecker aus. Laut stöhnt sie auf, was war das nur für ein Traum gewesen? Sie lacht kurz auf. Normalerweise träumt sie von ihren Puppen, ihren Freunden oder wie sie einfach nur auf einer Wiese liegt und die Wolken ihr Zeichen am Himmel geben. Das eben war aber ein richtiges Traumabenteuer, bunt und spannend. Gerne würde sie es noch mal träumen.

Eine halbe Stunde später sitzt sie in der Küche am Tisch vor einer Schüssel Corn Flakes, ihre Mutter macht die Pausenbrote und ihr Vater schlürft seinen Kaffee. Auf der Kaffeetasse steht „Duke Ellington“, Giana hat den Namen da schon öfter gelesen. Einmal hat sie auch ihren Papa gefragt, wer dieser Ellington ist. Der macht Musik, was für eine Art, das hat Giana vergessen. Sie kannte diese Form der Musik noch nicht.
Giana ärgert sich gerade, dass sie es nicht mehr weiß. Warum vergisst man manchmal was? fragt sie sich, wäre es nicht toll, wenn man sich alles merken könnte? Da geht ihr der Traum noch mal durch den Kopf, auf einmal weiten sich ihre Augen, als sie an die auf-Alles-Antwort denkt. Doch wie war die noch mal? Milanolinamonilamo? Fast denkt sie......Sie grübelt und kommt schließlich auf das Wort Milanonimalolinamo......sie sagt es dauernd in ihrem Kopf, sie will wissen, wer Duke Ellington ist. Milanonimalolinamo Milanonimalolinamomilanonimalolinamo.......sie murmelt immer wieder dieses Wort dabei schließt sie die Augen. Kurz darauf macht es klick in ihrem Köpfchen.

Giana:
„Wer war Duke Ellington?“

Vater:
„Ein berühmter amerikanischer Jazzmusiker, er hat Piano gespielt.“

Giana:
„Und wann hat er „Sophisticated Lady“ komponiert?“

Der Vater schaut verwundert von seinem Kaffee zu seiner Tochter. Dabei grübelt er.

Vater:
„Da bringst du was durcheinander, Kleines. Sophisticated Lady hat glaube ich Joe Zawinul für Miles Davis komponiert.“

Giana lacht und sagt:
„Falsch! Duke Ellington hat es 1932 komponiert. Weißt du auch wie es geht?“

Der Vater lacht und singt:
„Tatata-tatata-ta-ta....“

Giana:
„Falsch! Ta....tatatata ta ta....ta ta tatata ta.“

Ihr Vater lässt seine Tasse abrupt auf die Untertasse fallen, dabei schwappt etwas Kaffee auf die Tischdecke.

Vater:
„Achja. Stimmt. Woher weißt du das? Ich wusste das gar nicht, dass du dich für Jazz interessierst. Ich habe Jazz zum ersten mal regelmäßig mit 19 Jahren gehört.“

Giana:
„Denkst du, ich höre nur „Emma, die Ente“ oder „Alle meine Entchen“? Mutti, mach mal Radio an. Komm Papa, wir werden jetzt Musik raten.“

Die Mutter lacht und macht das Radio an. Zu hören ist ein klassisches Lied, Klassik Radio ist eingestellt.

Vater:
„Schatz, mach mal einen Sender mit Popmusik, mit Liedern, die man kennt.“

Giana:
„NE! Lass den Sender bitte. Ich muss nur kurz nachdenken, dann weiß ich wie das Stück heißt......(flüstert).... Milanonimalolinamomilanonimalolinamomilanonimalolinamomilanonimalolinamo....(laut)....ich weiß es jetzt: Es ist das Panorama aus der Dornröschen Suite, komponiert glaube ich von Tschaikowski.“

Die Mutter hört auf die Brote in Papier einzuwickeln und verharrt, ihr Vater schaut sie entgeistert an. Jetzt sagt keiner was, nur die Musik aus dem Radio ist zu hören. Nach dem Lied hört man die Stimme eines Moderators.

Moderator:
„Das war eben die bezaubernde DornröschenSuite, genauer das Panorama davon, komponiert von dem großen Peter Tschaikowski.“

Mutter:
„WAHNSINN!“

Der Vater steht auf und geht um den Tisch herum zu seiner Tochter.

Vater:
„GIANA! Woher weißt du das denn?“

Giana:
„Dornröschen ist doch voll bekannt. Hast du den Film denn nie gesehen?“

Vater:
„Doch, aber ich wusste nicht, dass Tschaikowski die Musik komponiert hat.“

Giana:
„Tschaikowski hat am liebsten Fischstäbchen mit Gummimehl gegessen und dunkle Haarnadeln gesammelt.“

Mutter:
„Woher weißt du das?“

Giana:
„(lacht) haben wir in der Schule gelernt.“

Vater(runzelt die Stirn):
„Fischstäbchen mit Gummimehl? Das gibt es doch gar nicht.“

Giana:
„Im Radio läuft jetzt das nächste Lied. Moment, ich kenne das Lied....ich muss mich nur konzentrieren, dann weiß ich den Namen....(flüstert) Milanonimalolinamomilanonimalolinamomilanonimalolinamo.“

Vater:
„Was flüsterst du denn da die ganze Zeit?“

Giana:
„Das hilft mir beim Nachdenken.“

Mutter:
„Moment, das ist bekannt, dieses Lied. Es ist von Bach.“

Vater(schnippt mit dem Finger):
„Air ist das. Mit Klassik kenne ich mich nicht so aus, aber das Lied heißt Air, da bin ich mir sicher.“

Giana:
„(öffnet wieder die Augen)...das ist die Orchester-Suite von Air, Nummer drei, geschrieben in d-Dur.“

Wieder sagt keiner was und als die Sprecherin genau das sagt, was Giana gesagt hat, lacht der Vater und klatscht in die Hände.

Vater:
„Du veräppelst uns, Giana! Du hast im Internet dir die Playlist angeschaut.“

Giana schüttelt ihren Kopf und sagt:
„Nein, macht ruhig einen anderen Sender, ich kenne jedes Lied, das es gibt auf der Welt!“
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20663 Verfasst am: Sa 22.Mrz.2014 09:46
 
Giana Sisters 3.Teil
 
„Das ist Purple Haze von Jimi Hendrix. Ihr müsst euch mal den Congaspieler reinziehen, der trommelt wie ein Verrückter“ weiß Giana zu erzählen.
„Woher kennst du das? Sag bloß, du weißt von wann die Aufnahme ist“ sagt der Vater, der einerseits sehr stolz auf seine Tochter ist, andererseits kommt es ihm schon fast unheimlich vor, was sie alles weiß.
„Die Aufnahme, die wir hören, ist von Woodstock im Jahr 1969. Jimi konnte irgendwann das Lied nicht mehr hören, seine Fans waren richtig süchtig nach dem Song“ antwortet Giana mit einem fetten Grinsen.
Gianas Mutter setzt sich an den Tisch und hält sich die Hand vor dem Mund.
„Ich wusste gar nicht, dass du dich in Sachen Musik so gut auskennst. Willst du nicht mit einem Instrument anfangen?“ fragt sie ihre Tochter, welche sich fragt, ob man mit dem Zauberwort auch alle Lieder, die es gibt, spielen kann.
Die Tür zur Küche knarrt leise und Maria betritt verschlafen den Raum um sich an den Tisch zu setzen.
Die Mutter legt ihr eine Schüssel mit Corn Flakes und Milch vor die Nase und fragt sie, warum sie heute nicht aus dem Bett gekommen ist.
Maria reibt sich verschlafen die Augen und sagt, dass sie einen anstrengenden Traum hatte.
Ihre Schwester sagt für sich leise das magische Wort, gleich darauf weiß sie, was Maria geträumt hat. Sie hat von der selben Welt geträumt, nur das sie da grüne Haare trug und später Kontakt mit einer fliegenden Biene hatte.
„Hast du mit den Füchsen gesprochen?“ fragt Giana sie.
Maria schaut sie mit einem Stirnrunzeln an und fragt, was sie meine.
„Na in deinem Traum kamen doch Tiere mit einem großen Fuchskopf vor“ grinst sie ihre Schwester an.
„WOHER weißt du das? Ja, da waren Füchse, die wollten mit mir reden. Ich hatte aber Angst vor denen, die wollten mich glaube ich nur fressen.“
Die Mutter streichelt Gianas Schulter und fragt sie, woher sie weiß, was Maria geträumt hat.
„Ich habe den selben Traum gehabt“.
Jetzt schaut sie dem Vater ernst ins Gesicht.
„Es war die Welt von Giana Sisters“ sagt sie, gleichzeitig verschluckt sich der Vater.
„Ein Fuchs hat mir erzählt, dass du deine Töchter nach dem Computerspiel benannt hast.“
„Giana Sisters?“ fragt die Mutter und schaut ihren Mann verwundert an.
„Das war ein Spiel auf dem C64, ich habe es schon ganz vergessen gehabt. Ja, da hießen die Mädels auch Giana und Maria, das ist aber nur Zufall.“
„Warum hast du mir das nie gesagt? Deswegen hast du so auf die Namen Giana und Maria bestanden“ meckert die Mutter.
Der Vater legt sein Frühstücksmesser neben seinen Teller, dabei schüttelt er den Kopf.
„Nein, als du schwanger warst, Schatz, hatte ich doch die C64er-Spiele längst nicht mehr im Kopf“ korrigiert er, sofort fällt ihm seine blonde Tochter ins Wort.
„Wir beide sind verflucht und müssen im Traum waghalsige Abenteuer deswegen bestehen.“
Maria bindet sich mit ihren braunen Haaren einen Zopf, als sie aber Giana hört, verharrt sie in ihrer Position.
„Was? Deswegen wollen die Füchse mich fressen?“ fragt sie und Giana nickt.
Die Mutter runzelt ihre Stirn und meint, dass es seltsam ist, dass ihre Kinder von der selben Welt geträumt haben.
„Kann ich mal Giana Sisters spielen?“ fragt Giana, doch ihr Vater schüttelt nur den Kopf.
„Nein, den C64er gibt es schon lange nicht mehr, meiner ist 1992 kaputt gegangen und ich bekam dann einen Amiga. Auf dem gab es das Spiel zwar auch, ich hatte es aber auf diesem Computer nie gehabt. Super Mario ist sowieso das Original, und es ist auch besser.“
Er lügt. Auf seinem PC ist ein C64er-Emulator mit ganz vielen Spielen, doch er will nicht, dass seine Familie denkt Giana hat recht. Aber es stimmt, er hat 1000mal Giana Sisters in seinem Leben gespielt und sich schon als Kind geschworen, wenn er mal Töchter haben sollte, so sollten sie Giana und Maria heißen.
Nach dem Frühstück packen die Mädchen alles zusammen, ziehen sich die Jacken an, nehmen ihre Schultaschen und verabschieden sich von ihren Eltern.
Auf dem Schulweg unterhalten sich die beiden Mädels.
„Was hast du denn in dem Traum gemacht?“ will Giana wissen. Sie weiß nur, von welcher Welt Maria geträumt hat, was da genau abgelaufen ist, weiß sie nicht. Scheinbar hätte sie die auf-alles-Antwort noch ein paar mal wiederholen müssen um es zu wissen.
Maria überlegt und spielt mit dem Zeigefinger an ihrer Lippe.
„Ich weiß es nicht mehr. Ich bin eine lange Treppe hochgelaufen und als ich ihr Ende erreicht hatte, sah ich unter mir einen Abgrund, Diamanten lagen in der Luft, ich glaube da waren Inseln, auf die man springen konnte, zwei davon, aber ich hatte Angst. Dann kam eine Biene.“
„War die rot-gelb gestreift?“
„Ja! Woher weißt du das?“ fragt Maria und bleibt stehen.
„Wir leben jetzt nachts in einer Traumwelt. Da müssen wir einen magischen Kristall finden, um aus dem Traum wieder rauszukommen. Oder wir müssen ein Monster küssen, dann wachen wir auch wieder auf.“
Maria kratzt sich am Kopf, dabei nickt sie.
„Genau, so war das“, meint sie, „da kam diese Biene und ich habe sie gefragt, ob ich auf ihr fliegen kann. Ich habe mich dann auf ihren Rücken gesetzt und war froh, dass sie mich über den Abgrund brachte. Vor lauter Freude habe ich sie auf ihren Hinterkopf geküsst, dann bin ich aufgewacht.“
„Dann ist die Biene jetzt auch in unserer Welt. Wie Gandolfino.“
„Wer ist Gandolfino?“ fragt Maria sie, doch Gianas Gesicht wird auf einmal ganz ernst. Gandolfino ist jetzt auch in der Welt von Giana. Was hat er genau vor? Das magische Wort Milanonimalolinamo kannte er nicht. Oder kannte er es doch und hat sie angelogen? Theoretisch kann jemand sehr mächtig werden in Gianas Welt mit dem magischen Wort.
Beide gehen wieder weiter und laufen an einem Internetcafe vorbei. Giana bekommt eine Idee.
„Komm, wir schauen mal nach dem Spiel „Giana Sisters“ im Internet. Man kann sich bestimmt Bilder davon anschauen.“
Beide betreten den kleinen Laden und bekommen einen Platz an einem Rechner. Giana gibt „Giana Sisters“ bei google ein und schaut auf die Bilder. Erst muss sie lachen, sie wundert sich, wieso die Menschen damals so begeistert waren von einem Spiel mit solch einer schlechten Grafik. Als sie aber weitere Bilder sieht, hört sie auf zu lachen und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Sie sieht die Füchse, das laufende Auge, die roten leuchtenden Steine, die Diamanten und auch den Wurm Gandolfino.
„Ich habe das real gesehen in meinem Traum und nicht mit so einer Grafik, die so grob ist“ moniert Maria, doch Giana hört ihr nicht zu und gibt bei google „Giana Sisters spielen“ ein. Sie findet eine Website, auf der man das Spiel online spielen kann. Auf der Stelle startet sie das Spiel, ihr fällt nach einer Zeit auf, dass der erste Level so aufgebaut ist wie in ihrem Traum.
„Den Ball habe ich auch eingesammelt“ sagt Maria und zeigt auf den Bildschirm, „ich habe dann einen elektrischen Schlag bekommen.“
Giana dreht sich zu Maria und will sie was fragen.
„Weißt du auch die auf-alles-Antwort?“
Maria überlegt kurz und schüttelt den Kopf.
„Nein, aber ein Fuchs hat erzählt, dass er sie weiß. Ein ganz langes Wort, fing mit „Qwertzu“ an und hörte mit „Bonxcum“ auf.“
Giana schaut auf die Tastatur und ihr fällt auf, dass die Tastatur links oben mit den Buchstaben qwertzu anfängt und mit bnm aufhört.
„Der Fuchs war ein Spinner. So wie auch der andere. Das laufende Auge war sich auch sicher die auf-alles-Antwort zu wissen. Die Biene Frida hat es mir dann verraten“ erklärt ihr Giana.
„Ist das eine Antwort auf alle Fragen, die es gibt?“ fragt Maria sie mit großen Augen.
„Man muss ein magisches Wort sagen, manchmal mehrmals hintereinander, dann fällt einem die Antwort auf jede Frage ein, die es gibt. Ich flüstere es dir mal ins Ohr...“
Giana lehnt sich zu dem Ohr ihrer Schwester und flüstert das Wort „Milanonimalolinamo“.
„Das kann ich mir nicht merken, das ist so seltsam und so lang“ jammert Maria, Giana nimmt einen Zettel und einen Stift, die neben dem Monitor liegen und schreibt das magische Wort rauf.
„Nur die aus der Traumwelt können es benutzen“ versichert ihr Giana und hält ihr das kleine Blatt mit dem Wort vor die Augen.
„Das glaube ich nicht“ sagt Maria und bewegt langsam ihren Kopf von links nach rechts.
„Gehe mal hinter den Computer, wir werden es testen“ fordert Giana sie auf. Maria tut so wie ihr befohlen, jetzt kann sie nicht mehr auf den Bildschirm schauen. Giana googelt zwei Minuten und fragt dann ihre Schwester etwas, was sie noch gar nicht wissen kann.
„Was ist H²O?“
„Das weiß ich nicht. Was soll das?“ wundert sich Maria.
„Sag das magische Wort, notfalls mehrmals. Dann fällt es dir ein.“
Maria schaut auf den kleinen Zettel und sagt das Wort in ständiger Wiederholung. Nach einer kurzen Weile sagt sie „AHH!“ und sie beginnt zu lachen.
„Ich weiß es! H²O ist Wasser. H ist Wasserstoff und hat auf seiner Elektronenbahn ein Valenzelektron. Beide Wasserstoff-Atome haben also zwei Elektronen und Sauerstoff, das ist das „O“, hat sechs Valenzelektronen auf seiner äußersten Bahn, acht müssen es sein um in den Edelgaszustand zu kommen und den Platz für die zwei Elektronen nehmen die zwei Wasserstoffatome ein“
Kurz nachdem Maria das gesagt hat, fässt sie sich erschrocken mit der Hand an den Mund. Giana dagegen schaut auf der Internetseite, ob das stimmt was Maria da sagt.
„Das ist richtig. Du, Maria, wir werden jetzt immer Einsen in der Schule haben. Papa und Mama werden uns die schönsten Puppen und die aufregendsten Spielsachen schenken, wir müssen nie lernen und können immer spielen so viel wir wollen.“
„Juchu!“ ruft Maria und hebt ihre Arme in die Luft.
Eine halbe Stunde später sitzen sie im Klassenzimmer, sie sind eine Viertelstunde zu spät zum Unterricht gekommen. Herr Krüger, der Mathelehrer, hat sie ermahnt und einen Eintrag ins Klassenbuch gemacht. Doch das Meckern ist im schnell vergangen, Giana und Maria melden sich bei jeder Frage und wenn er sie rannimmt, ist ihre Antwort immer richtig.
Zur Zeit haben sie im Unterricht, Vierecke, also Quadrate, Rechtecke, Parallelogramme und Trapeze. Herr Krüger hat einige davon an die Tafel gezeichnet und gefragt, was für ein Viereck es ist.
Giana meldet sich ohne, dass Herr Krüger etwas gefragt hat. Er nimmt sie ran und fragt, was für eine Frage sie hat.
„Können Sie uns nicht eine Aufgabe stellen, die in der Universität gestellt wird? Oder wenigstens eine Abi-Aufgabe? Das ist alles so einfach.“
„Das wird noch schwerer werden, von Jahr zu Jahr“ versichert ihr der Lehrer mit einem Lächeln.
„Wollen wir wetten, ich kann alles in Mathe?“
Herr Krüger schaut auf den Boden und lächelt. Er wundert sich schon über Giana, normalerweise ist sie nur Mittelmaß in Mathematik. Aber er will sich den Spaß nicht nehmen lassen und schreibt Zahlen an die Tafel, vier Reihen und in jeder Reihe fünf Zahlen. Zwischen der vierten und fünften Spalte zieht er einen großen Strich. Die ganzen Zahlen setzt er danach in eine große Klammer. Danach schaut er mit einem verschmitzten Lächeln Giana an.
„Weißt du, was das ist, Giana?“
Das blonde Mädchen murmelt Milanonimalolinamo mehrmals hintereinander, auf einmal blitzen ihre Augen auf.
„Ja, Herr Krüger, das ist eine Matrix. Ein lineares Gleichungssystem. Kann ich es lösen?“
Herr Krüger lässt die Kreide in seiner Hand auf den Boden fallen und schaut sie mit offenem Mund an. Giana dagegen steht auf, nimmt die Kreide vom Boden und geht zur Tafel. In ständiger Wiederholung spricht sie das magische Wort in ihrem Kopf, sie weiß auf einmal, wie der Gauß-Algorithmus geht. Sie überführt die Matrix in die Treppennormalform und rechnet und rechnet.
„Kannst du uns noch sagen...was...was du da machst?“
„Ja“, antwortet Giana und dreht sich zur Klasse, „wir müssen die Matrix in Treppennormalform bringen. Links in der Reihe muss immer eine „1“ stehen, links davon und drunter und darüber müssen Nullen sein. Wir addieren und subtrahieren die Gleichungen miteinander um das zu erreichen. Diese Einsen werden auch Pivot-Positionen genannt.“
Kurz lacht Herr Krüger auf, aber gleich darauf schaut er wieder fassungslos an die Tafel, an der Giana jetzt rechnet. Sie muss die Elemente der Matrix gar nicht ausrechnen, die Lösungen fliegen ihr zu.
Maria meldet sich, Herr Krüger sieht es aber nicht, weil er unentwegt Giana anstarrt. Als sie mit den Fingern zu schnippen anfängt, nimmt der Lehrer sie ran.
„Maria, das ist Stoff aus der Uni, es macht überhaupt nichts aus, wenn du das nicht verstehst.“
„Ich verstehe das, aber. Giana hat sich in der dritten Zeile verrechnet. Sie hat die vierte Zeile von der dritten abgezogen, man muss aber das doppelte der vierten Zeile von der dritten abziehen.“
Herr Krüger geht an die Tafel ran und schaut, Giana nickt und sagt, dass ihre Schwester recht hat. Sie korrigiert es augenblicklich an der Tafel.
Verwirrt schaut Herr Krüger abwechselnd Maria Giana an. Dann geht er einen Schritt auf die Tafel zu, er hat einfach irgendwelche Zahlen geschrieben und war sich sicher, dass Giana nichts damit anfangen kann.
Unsere Heldin dagegen sieht, dass am Ende ihrer Rechnung in der letzten Reihe der Matrix links des breiten Striches nur nullen stehen und rechts des Striches steht eine Zahl. Sie flüstert kurz das magische Wort und weiß, was es mit der Matrix auf sich hat.
„Dieses lineare Gleichhungssystem hat keine Lösung“ sagt sie und unterstreicht die letzte Zeile. Danach setzt sie sich wieder hin.
Die Kinder in der Klasse schauen sie verwundert an, am meisten wundert sich aber Herr Krüger.
„Woher weißt du das, Giana? Hat dir dein Vater das beigebracht?“
„Nein, ich habe mir Mathebücher ausgeliehen. Ich will in diesem Jahr, nein, in jedem Jahr jetzt eine Eins in Mathe haben. Ich habe viel gelernt und jetzt kann ich alles in Mathe.“
„Ich auch“ fügt Maria hinzu, die neben Giana sitzt.
Herr Krüger schüttelt seinen Kopf, so etwas hat er noch nicht erlebt. Er will den beiden Mädchen, die gerade mal in der Grundschule sind, eine Aufgabe stellen, die sie nicht beantworten können. Die Rechnung mit der Matrix ist aus dem Gebiet „Lineare Algebra“, vielleicht hat irgendwer ihnen das beigebracht. Aber er hat es erst in der Uni gehabt. Er will Giana noch eine Aufgabe stellen, aus einem anderen Fachgebiet der Mathematik, aus der Logik. Zu viel Zeit will er dafür nicht aufbringen, die anderen Schüler sind abgelenkt und quatschen leise miteinander. Aber das mit Giana und Maria lässt dem Lehrer keine Ruhe, er will ihnen eine Aufgabe stellen, die sie nicht lösen können.
Nachdem er die Tafel gewischt hat schreibt er folgendes mit der Kreide:
-((A->(B^-C))->-(-Av(B^C)))
Er wirft die Kreide auf den Tisch der Schwestern und sagt:
„Bringt diese Formel in Negationsnormalform und dann in konjunktive Normalform.“
Die beiden Mädchen sprechen in Gedanken das Zauberwort, dabei stehen sie auf und gehen zur Tafel.
Herr Krüger starrt die beiden nur an, Giana dagegen lacht in die Klasse und fängt an der Tafel an zu rechnen, dabei spricht sie.
„Wir ersetzen zuerst die Implikationspfeile und erhalten, Moment, -(-(-Av(B^-C))v-(-Av(B^C))). Jetzt machen wir was, Maria?“
Während Giana dauernd am Grinsen ist, blickt Maria mit großen Augen, sie kann es immer noch nicht glauben, dass man durch Milanonimalolinamo alles weiß.
„Ähh, dann wenden wir die Regel von De Morgan an“ stammelt Maria, Herr Krüger geht einen Schritt entschlossen auf sie zu.
„Wie geht die Regel von De Morgan?“ fragt er, er denkt, irgendwann muss er doch bei den beiden an einen Punkt kommen, wo sie nicht mehr weiter wissen.
„ Milanonimalolinamo.... Milanonimalolinamo“ sagt Maria und schaut ihre Schwester an.
„Milano was?“ fragt Herr Krüger, genau in dem Moment weiß Maria wieder weiter.
„Entschuldigt meine Schwester sie ist aufgeregt. Aussagenlogik haben wir noch nicht so viel gemacht“ sagt Giana. Sie geht zu Maria und streichelt ihre Schulter.
„Die Regel von De Morgan lautet -(AvB) ist -A^-B und -(A^B) ist -Av-B“ sagt Maria und schaut den Lehrer unsicher an. Dieser bekommt den Mund nicht mehr zu.
„Ja, das ist richtig, Maria. Das ist ja unglaublich. Habt ihr einen Mann im Ohr, erlaubt sich die „Versteckte Kamera“ einen Scherz mit mir?“ fragt er und schaut die Kinder in der Klasse an.
Jetzt lacht Giana nicht mehr, sie will gegen den letzten Spruch des Lehrers protestieren.
„Das ist ungerecht! Wir haben uns alles erarbeitet! So schwer ist das auch wieder nicht“ meckert sie, Herr Krüger winkt aber nur ab und bittet die Mädels fortzufahren.
Giana dreht sich zur Tafel, mit der Kreide in der Hand.
„Wenn wir die Regel von De Morgan anwenden erhalten wir:
--(-Av(B^-C))^--(-Av(B^C))“
Herr Krüger stöhnt auf, nimmt Giana die Kreide aus der Hand und sagt, dass das reicht.
„Wir sind doch noch gar nicht fertig. Ich dachte wir sollten die Negationsnormalform der Formel bestimmen“ jammert Giana während sich Maria wieder hinsetzt.
„Das kann alles gar nicht sein. Hier wird ein Spiel mit mir getrieben. Komm mal her, Giana.“
Das Mädchen geht nah an ihn heran und er schaut in ihre Ohren.
Giana hört, wie die Kinder beginnen zu lachen, dabei schmollt sie.
„Manno, wenn Thorsten, unser Klassenbester, was vernünftiges sagt, dann schauen Sie auch nicht in seine Ohren“ jammert Giana, doch Herr Krüger schüttelt nur seinen Kopf.
„Der sagt aber nichts was Universitätsniveau hat.“
Ricky, ein Junge mit braunen Haaren und Sommersprossen im Gesicht fragt, was „Niveau“ heißt.
Giana stöhnt und erklärt es ihm.
„Niveau ist ein französisches Wort und bedeutet den Rang oder die Stufe einer Sache. In der Mathematik sind es die Punkte einer Höhe, die Niveaumenge.“
Nachdem Herr Krüger lange genug die Ohren von Giana untersucht hat, schaut er ganz fassungslos die Kinder an. Mit einem Lächeln dagegen setzt sich Giana wieder hin.
„Liebe Schüler“ sagt der Lehrer zu den Kindern, „das, was eben gerechnet wurde, braucht ihr überhaupt noch nicht zu wissen. Für die, die später mal aufs Gymnasium gehen und Mathematik als Leistungskurs besuchen werden, könnte es von Interesse sein. Aber das ist erst in vielen Jahren der Fall.“
Jetzt schaut er zu Giana und Maria.
„Mensch, Mädels, ihr seid ja völlig unterfordert hier in der vierten Klasse einer gewöhnlichen Grundschule. Man müsste euch auf eine Schule für Hochbegabte packen.“
Giana schaut lächelnd zu ihrer Schwester, welche etwas schlechtes Gewissen bekommt. Denn keiner weiß, dass sie alles nur wegen dem Zauberwort wissen. Giana stört es weniger und als der Lehrer wieder mit dem Unterricht fortfährt, er malt einen Kreis und darin ein Quadrat, meldet sie sich und muss dabei gähnen. Genau in dem Moment fängt Herr Krüger an zu lachen. Er will das auf jeden Fall seinen Kollegen im Lehrerzimmer erzählen, auch Gianas Klassenlehrerin will er von berichten.
In der Pause geht Thorsten, ein blonder dicker Junge, zu Giana und fragt sie, warum sie so viel weiß in Mathe.
„Das ärgert dich jetzt, ne? Maria und ich sind jetzt die besten in Mathe, nicht mehr du“ prahlt Giana, doch Thorsten verneint es.
„Nein, Giana, ich muss nicht immer der beste sein. Aber wie kommt es, dass du Sachen kannst, die erst in der Uni vorkommen.“
„Ich muss mir nur ein Mathebuch anschauen, dann verstehe ich es.“
„War das schon immer so?“
„Ich habe ein magisches Wort gefunden, mit dem man alle Fragen lösen kann.“
Thorstens Augen weiten sich.
„Ein magisches Wort? Wie heißt es?“
„Dickstickklicktickglück. In der nächsten Stunde haben wir Sachkunde, du kannst es ja mal da probieren. Du musst nur das Zauberwort flüstern, dann fällt dir die Antwort ein.“
„Dickstickwas?“
„Nene, noch mal sage ich es dir nicht. Ein Professor von der Uni hat es mir verraten, er hat es mir auch nur einmal gesagt.“
In der nächsten Stunde glänzen wieder die beiden Mädchen, ihre Klassenlehrerin wollte heute über das Wetter sprechen. Wie aber Tiefdruckgebiete entstehen, wie sich genau Wolken bilden und was Passate sind, das wollte sie den Schülern allerdings nicht erklären. Das haben Giana und Maria dafür getan. Immer wieder sagt die Lehrerin Frau Gissel den anderen Kindern, dass sie das noch nicht wissen müssen, Giana und Maria hält das nicht davon ab allerlei wissenswertes aus der Wetterkunde zu berichten. Thorsten dagegen versucht sich die ganze Zeit an das angeblich magische Wort zu erinnern, das Giana ihm genannt hat. Aber eigentlich glaubt er nicht daran, das es so ein Wort gibt.
Nach jeder Stunde gehen die Lehrer zu Frau Gissel und berichten ihr von dem gewaltigen Wissen der beiden Schwestern. Um halb zwei Uhr endet die letzte Stunde. Während die Kinder ihre Schultaschen auf den Rücken packen, geht Frau Gissel zu den beiden Wunderkindern und bückt sich zu ihnen, die gerade ihre Federtaschen und Hefte in den Ranzen legen.
„Giana, Maria, ihr seid nicht dafür bekannt die besten der Klasse zu sein. Heute wart ihr es aber, ihr habt Sachen gewusst, die Kinder normalerweise nicht wissen.“
Maria will es jetzt sagen.
„Frau Gissel, wir schummeln.....Entschuldigung.“
„Ihr schummelt? Wie macht ihr das denn?“
„Wir sagen leise immer ein Wort und nachdem wir es geflüstert haben wissen wir jede Antwort.“
Giana hebt die Hand und schüttelt den Kopf.
„Nein, Frau Gissel, wir schummeln nicht. Wir haben in den letzten Monaten viel gelesen, aber erst heute haben wir uns getraut unser Wissen mitzuteilen.“
„Ne, das stimmt nicht. Milanonimalolinamo ist das magische Wort.“
Die Lehrerin schaut die beiden Mädchen verwundert an, sie zieht ihre Augenbrauen hoch und wiederholt das Wort.
„ Milanonimalolinamo. Und jetzt? Jetzt soll man alles wissen?“
Giana fällt ein, dass das magische Wort nur bei denen funktioniert, die auch in der Traumwelt leben können. Und das sind bisher nur sie und ihre Schwester.
Giana lacht wieder.
„Man kann auch Malokukamolulakomu sagen, das geht auch. Dann findet man auch die Antwort auf jede Frage“ entgegnet Giana ihr, dabei lacht sie.
Frau Gissel kann sich nicht beherrschen und muss lachen. Nachdem sie sich beruhigt hat, schaut sie die Mädchen stolz an.
„Mädels, ihr seid zwei Hochbegabte. Die Anna-Lindh-Grundschule wäre das richtige für euch. Ich werde in dieser Woche mal mit euren Eltern telefonieren, weil hier in der Pettenkofer-Grundschule werdet ihr euch auf Dauer langweilen.“
Auf dem Heimweg ein wenig später erklärt Giana ihrer Schwester, die zehn Monate jünger ist als sie, dass sie nicht auf eine Schule für Hochbegabte gehen sollten.
„Wer weiß, da ist es vielleicht auch für uns schwer. Lieber bleiben wir auf einer normalen Schule, schreiben immer Einsen und können den ganzen Tag spielen“ will Giana Maria überzeugen.
„Ach, Mann, wir schummeln. Das, was wir können, kann ja jeder“ jammert Maria und kratzt sich am Ohr.
Giana wird kurz ernst. Die ganze Zeit hat sie gelacht und war fröhlich, jetzt will sie ihrer Schwester etwas wichtiges sagen. Sie stellt sich vor ihr, bleibt stehen und hält mit ihren Händen Marias Schultern.
„Du, Schwesterherz, wir werden die auf-alles-Antwort ja nicht für böses nutzen. Wir dürfen auch nicht damit so sehr angeben. Entschuldige, aber das Angeben hat mir so einen Spaß gemacht. Ich werde es nicht mehr so viel tun.“
„Die Leute werden uns bewundern obwohl das jeder kann.“
Giana lächelt ihr ins Gesicht, mit ihrer Hand streichelt sie Marias Kopf.
„Nein, das kann nicht jeder. Wir sind etwas besonderes. Das ist gar kein Fluch. Das ist was ganz tolles ein Auserwählter zu sein.“
„So wie Jesus?“
„Vielleicht. Vielleicht ist es aber gar nicht unsere Aufgabe die Welt zu retten. Es ist einfach nur ein Zauber. Vielleicht...vielleicht...“
Bei den letzten Wörtern schaut Giana von ihrer Schwester weg nach unten auf die dunkelgrauen viereckigen Steine des Fußgängerwegs.
„Was vielleicht?“
„Vielleicht ist das nur heute so weil wir diesen Traum hatten. Morgen sagen wir ganz oft Milanonimalolinamo und wissen trotzdem nicht mehr.“
Maria schaut ihr ins traurige Gesicht und bekommt Mitleid mit ihr. Aber auch sie würde es gerne haben, wenn der Zauber mit dem magischen Wort immer gehen würde. Und auch sie wird etwas betrübt.
„Das wäre toll, wenn die auf-alles-Antwort immer klappen würde. Wir sollten uns nur nicht so bewundern lassen für Sachen, die wir eigentlich nicht wissen. Das wirkt dann so seltsam.“
Giana verfliegt die schlechte Laune wieder, dreht sich um und läuft mit ihr den Heimweg weiter. Sie unterhalten sich jetzt über eine mögliche Fernsehkarriere, wo sie zu jeder Sendung hingehen möchten. Giana ist wieder total begeistert von eine dicke Show als Alleswisserin zu machen, Maria muss bei manchen Ideen von ihr lachen.
Als sie an einer Einfahrt eines weißen Einfamilienhauses vorbeilaufen, bleibt Giana stehen. Ein Mann in grauer Lederjacke, mit grauen Haaren und einer Brille holt eine Zeitung aus dem Briefkasten, dabei meckert er.
„Verdammt, auf meinem Briefkasten steht doch „Reklameeinwurf verboten“. Ich hatte auch schon den Aufkleber „Keine Werbung“ oder „Gibt´s Werbung, gibt’s Ärger“. Ich hatte auch schon die freundliche Variante, „wir wollen Müll vermeiden“. Diese „Berliner Woche“ ist doch nur Werbung.“
„Das ist keine Werbung, das ist eine interessante Zeitung. Da steht auch drin, dass sie ins schwarze samtene Bett gemacht haben als sie mit ihrer Frau Doris in der Hochzeitsnacht im Hotel „Faires Bueno“ lagen und sich küssten. Daraufhin habt ihr dann gelacht.“
Überrascht schaut sie der Mann an, beinahe lässt er die Zeitung fallen. Was Giana gerade erzählt hat wissen nur er und seine Frau. Keinem hat er es berichtet, hat sie es weitergeplaudert?
„Woher...woher weißt du das?“ fragt er verdutzt und geht einen Schritt auf sie zu.
„Das steht in der „Berliner Woche“ drin. Wir haben die heute morgen gelesen und uns totgelacht.“
„Hier drin?“ ruft der Mann und wedelt mit der Zeitung in seiner Hand.
„Ja, aber ich weiß nicht mehr wo. Irgendwo war ein kleiner Absatz.“
Der Mann blättert verwundert in der Zeitung, dabei murmelt er „Das gibt es doch nicht.“
Giana murmelt für sich wieder Milanonimalolinamo, kurz darauf weiß sie etwas neues über ihn.
„Letzte Woche hat Harry, der Hellseher, in dieser Zeitung geschrieben, dass Sie nur einmal etwas geklaut haben. Sie waren ein Kind und haben in einem Supermarkt einen Schokoriegel eingesteckt. Als sie ihn gegessen haben, fanden Sie, dass der nicht so gut schmeckt. Das war einer der Gründe warum Sie nie geklaut haben.“
Der Mann lässt die Zeitung fallen und beginnt zu stammeln.
„Aber...aber das habe ich nie einem erzählt,“ ruckartig bückt er sich und nimmt die Zeitung wieder in die Hand, „so etwas steht da drin?“
Beide Mädchen rufen laut „JA!“
Ruckartig bückt er sich, hebt die Zeitung auf, einen Wimpernschlag später gibt er sie Giana in die Hand.
„Zeig mir, wo hast du das gelesene mit der Hochzeitsnacht?“
Die beiden Mädchen können sich nicht mehr halten, gackern los und rennen weg, der Mann humpelt hinterher und ruft ihnen was zu.
Nach ein paar Minuten haben Giana und Maria sich beruhigt, sie gehen wieder ganz normal. In ein paar Minuten sind sie zuhause.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20664 Verfasst am: Di 25.Mrz.2014 07:11
 
Giana Sisters 4.Teil
 
„Was gibt es denn heute zu essen?“ ruft Giana vom Wohnzimmer in die Küche. Maria, die neben ihr sitzt, fragt sich gerade, ob es auch ein magisches Wort gibt, mit dem man sich sein Lieblingsessen herbei wünschen kann. Wenig später kommt die Mutter mit einem dampfenden Topf und meint, dass es heute Kohlrouladen gibt. Die warmen Kartoffeln und die Sauce stehen schon auf dem Tisch.
Nachdem Giana das Zauberwort einmal geflüstert hat, weiß sie, wo die Kohlrouladen ihren Ursprung haben.
„Kohlrouladen gab es zum ersten mal im Byzantinischen Reich“, erklärt das blonde Mädchen während die Mutter ihr welche auf den Teller gibt, „damals wurden die Weinblätter Dolma genannt.“
Sogleich beginnen sie mit dem Essen, Giana weiß, dass Nahrung sehr wichtig ist für den Kopf und den Körper. Würde das magische Wort auch noch funktionieren, wenn sie drei Tage nichts mehr essen würde?
Nachdem sie gegessen haben, fragt die Mutter, wie es geschmeckt hat.
„Sehr gut. Das nächste mal kannst du ja was kochen, was wir noch nie gegessen haben“ sagt Giana und stellt ihren Teller zur Seite.
„Was soll ich denn kochen? Hast du einen Wunsch?“ fragt die Mutter.
Giana murmelt das magische Wort, dabei denkt sie an Spätzle.
„Koche doch das nächste mal Capuns, das ist aus der Schweiz“, schlägt Giana vor. „Du wickelst Mangoldblätter um Spätzleteig, der Fleisch enthält. Dann kochst du die in Milchwasser. Mit Käse kannst du sie auch noch überbacken.“
„Woher kennst du das Rezept?“ fragt die Mutter, die sich immer noch fragt, warum ihre Tochter auf einmal so viel weiß.
„Das habe ich mal im Fernsehen gesehen. Ich liebe Spätzle“ antwortet Giana und steht vom Tisch auf.
Die beiden Mädchen gehen in Gianas Zimmer und machen die Hausaufgaben. Die sie problemlos in 15 Minuten erledigt haben. Danach kommt die Mutter ins Zimmer.
„Kinder, eure Lehrerin hat eben angerufen, sie berichtete, wie ihr in der Schule weit über die Stränge geschlagen habt. Alles mögliche konntet ihr beantworten, das meiste, was ihr wusstet, wissen nur Kinder aus der Oberschule.“
Maria kratzt sich am Kopf, während Giana nicht aufhört zu lachen.
„Wir wissen sogar vieles, was erst in der Uni rankommt“ sagt Giana, Maria verzieht das Gesicht dabei.
„Was hast du, Maria?“ fragt die Mutter und streichelt ihren Kopf.
Giana vermutet schon, dass ihre Schwester von der auf-alles-Antwort erzählen will.
„Maria ist traurig, dass die anderen Kinder nicht mit uns mithalten können“ sagt sie schnell, doch Maria schüttelt den Kopf. Sie wird von schlechtem Gewissen geplagt und würde am liebsten allen erzählen, warum sie so viel wissen. Auf der anderen Seite würde sie Giana damit verärgern. Ihre Schwester hat ihr ja gesagt, dass sie mit dem Zauberwort nichts böses tun wollen. Und nicht angeben! Beim Essen eben hat Giana aber wieder angegeben.
Da Maria nichts sagt und nur betrüblich auf ihren beschriebenen Hefter schaut, will die Mutter erzählen, was die Lehrerin ihr am Telefon vorgeschlagen hat.
„Eure Lehrerin hat gesagt, dass ihr auf eine Schule für Hochbegabte gehen könntet. Da würdet ihr euch bestimmt nicht mehr langweilen.“
Hastig schüttelt Giana ihren Kopf.
„Nein, da wird es dann auch für uns nicht so einfach sein. Wir wollen lieber auf einer normalen Schule bleiben.“
„Und du, Maria?“ fragt die Mutter und streichelt ihre Schulter.
Doch Maria sagt nichts. Das kommt der Mutter alles sehr seltsam vor. Woher wissen ihre Kinder auf einmal so viel? Und warum ist Maria auf einmal so betrübt?
Als sie das Zimmer wieder verlässt, will Giana mit ihrer Schwester reden.
„Was bist du so traurig?“
Maria schaut nach einer längeren Zeit von ihrem Hefter weg genau in Gianas Augen.
„Du hast wieder angegeben.“
„Wann?“ fragt Giana überrascht.
„Na vorhin beim Essen. Das mit dem byzantinischen Reich. Und dem Gericht, was aus der Schweiz kommt.“
„Ach, das waren doch nur kleine Infos. Unsere Mutti hat mich ja gar nicht mit Loben überworfen. Sie hat sich schon daran gewöhnt, dass wir so viel wissen.“
„WAS jeder kann! Wir müssen nur Milanonimalolinamo sagen und dann wissen wir das, was andere lernen, verstehen und sich merken müssen.“
Giana verliert langsam die Geduld mit ihrer Sister. Wie oft soll sie es denn noch ihr sagen?
„Maria, wir sind Auserwählte, wir sind was ganz besonderes. Unser Gehirn ist mit dem ganzen Universum verbunden, wer weiß, vielleicht bekommen wir noch eine große Aufgabe, die wir mit unserer neuen Fähigkeit lösen müssen.“
„Müssen wir Menschen retten?“
„Vielleicht. Vielleicht müssen wir auch die ganze Welt retten. Milanonimalolinamo ist geheim, wir sollten keinem von der Traumwelt erzählen.“
Ohne was zu sagen steht Maria auf und geht in ihr Zimmer. Wahrscheinlich will sie mit ihrem Puppenhaus spielen oder was malen oder basteln, Giana ist es gerade egal. Sie geht ins Wohnzimmer und ruft ihre beste Freundin Lisa an. Sie quatschen kurz miteinander und vereinbaren, dass Lisa zu Giana kommt.
Eine halbe Stunde später ist sie bei Giana.
Sie legt ihre Jacke auf einen Ständer im Flur und meckert, dass draußen so schlechtes Wetter ist.
„Die ganze Zeit regnet es, kalt ist es auch. Dabei fängt doch jetzt der Frühling an“ jammert Lisa und geht mit Giana in ihr Zimmer.
„Morgen ist es warm und die Sonne scheint“ behauptet Giana und setzt sich an ihren Tisch.
„Hast du den Wetterbericht gehört?“ fragt Lisa, die hofft, dass ihre Freundin recht hat.
„Nein, ich weiß es einfach“ sagt Giana mit einem Lachen.
Lisa geht zu dem weißen Tisch neben der Heizung und fragt, ob sie das Radio anmachen kann. Giana nickt und Lisa schaltete das Radio an, dabei dreht sie am Drehpegel.
„Was für einen Sender suchst du?“ fragt Giana.
„Ich wollte „Radio Teddy“ hören.“
Giana stöhnt auf.
„Das ist doch nur ein Kindersender.“
Verwundert schaut Lisa sie an.
„Wir sind doch aber Kinder...“
„...für die es keinen passenden Radiosender gibt. Das Wissen, was auf Radio Teddy mitgeteilt wird, ist nur was für kleine Kinder.“
„DAS stimmt nicht. So, hier ist der Sender.“
Im Radio spricht der Moderator Roland:
„Tja, Robert, das ist nicht so einfach zu beantworten. Auf jeden Fall kann man den Klimawandel nicht von heute auf morgen schnell mal stoppen. Da müssen die Regierungen der Länder sich zusammen setzen und Beschlüsse fassen weniger Treibhausgase zu produzieren.“
Roland spricht über Telefon mit einem Jungen.
„Kann man nicht eine Maschine bauen, die das Kohlendioxid aus der Luft in Sauerstoff umwandelt?“
„So wie Bäume?“, fragt Roland, „du, das weiß ich nicht. Was ist denn genau die Aufgabe gewesen?“
„Wir sollen Probleme unserer Welt aufschreiben.“
„Mehr nicht?“
„Ne, mehr nicht. Morgen wollen wir im Unterricht darüber reden.“
Roland lacht kurz.
„Ich dachte schon, ihr habt als Hausaufgabe aufbekommen den Klimawandel zu stoppen, haha. Na dann schreibe den Treibhausgaseffekt auf. Es gibt ja Menschen, die sagen, dass es gar kein Klimawandel gibt, der vom Menschen verursacht wird. Aber das ist glaube ich Quatsch. Dann kannst du noch schreiben die Überbevölkerung oder der Hunger und die Armut in der dritten Welt oder...“
Lisa überlegt. Bei der heutigen Mathehausaufgabe gab es auch eine Sache, die sie nicht lösen konnte.
„Ich glaube, ich rufe da an. Ich konnte heute was nicht in Mathe.“
„Was denn?“ fragt Giana und glotzt dabei aufs Radio.
„In der Aufgabe sind Türme aus sechs Steinen. In jedem Stein kommt eine Zahl. Man muss die benachbarten Steine nehmen, die Zahlen, die sie enthalten, zusammenaddieren und dann in den Stein eintragen, der dadrüber ist.“
„Das ist doch voll einfach“ behauptet Giana und nimmt Lisa das Handy aus der Hand, welches sie schon aus der Hosentasche genommen hatte um bei Radio Teddy anzurufen.
„Wo rufst du an?“ fragt Lisa und will sich das Handy wieder nehmen.
„Bei Radio Teddy. Lass mich mal, du hast auch schon von meinem Handy telefoniert“ moniert Giana und dreht sich von Lisa weg. Nach ein paar Minuten ist Giana mit Roland verbunden, sie hört sich im Radio. Etwas aufgeregt ist sie gerade.
„Hallo, mit wem spreche ich da?“ fragt Roland freundlich.
„Mit Giana.“
„Wo hakt es denn bei dir? Welche Hausaufgabe zerbricht dir den Kopf?“
Giana hustet kurz. Beinahe hätte sie gelacht. Denn das, was sie sagen will, klingt schon verrückt.
„Wir haben heute von unserer Sachkundelehrerin eine besonders schwere Hausaufgabe bekommen. Und im Radio habt ihr gerade über das selbe Thema gesprochen. Über den Klimawandel.“
„Achso. Und ihr müsst den jetzt erklären.“
„Ne, wir müssen den lösen. Nur wenn wir morgen die Aufgabe abgeben, wo drinsteht, wie man den Klimawandel stoppen kann, dann bekommen wir eine gute Note.“
Roland lacht.
„Da will mich doch jemand veräppeln. Giana, das kann doch gar nicht sein.“
„Ne, das ist so. Ich bin auf der Anna-Lindh-Schule, da ist es besonders schwer. Aber ich habe mir ja schon was überlegt um den Klimawandel zu stoppen.“
„Was denn?“
„Es wird in großen Türmen Luft durch eine flüssige Natronlauge gepumpt. Dieser Stoff absorbiert das CO2. Natriumcarbonat entsteht so mit Kohlenstoff und Sauerstoff. Gleichzeitig wird ein Teil des in der Lösung enthaltenen Wassers gespalten, sodass Wasserstoff entsteht. Er lässt sich anschließend mit dem Kohlenstoff zu Kohlenwasserstoffen verbinden. Aus diesen Molekülen bestehen Kraftstoffe wie Benzin, Kerosin oder Alkohol.“
„Natriumcarbonat. Du, wir hatten das in der Schule, aber erst auf dem Gymnasium.“
„2NaOH + CO² + H²O ist gleich Na²CO³ + 2H²O. Na²CO³ ist Natriumcarbonat, auch Soda genannt.“
„Du, da kann ich dir leider nicht weiterhelfen. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass das in der Grundschule verlangt wird. Auf was für eine Schule gehst du nochmal?“
Lisa schaut ihre Freundin ganz verblüfft an. Sie weiß, dass sie auf die Pettenkofer-Grundschule geht. Das Wort Natriumcarbonat hat sie auch noch nie gehört.
„Das ist eine Schule für Kinder, die einen IQ von mindestens 150 haben. Weil es davon nicht so viele Kinder gibt, sind auf der Schule auch nicht viele. Ist meine Antwort auf den Klimawandel jetzt richtig?“
Roland stöhnt kurz auf.
„Ich werde das, was du vorgeschlagen hast, weiter reichen. Das werde ich Leuten zeigen, die sich damit auskennen.“
Giana grinst jetzt über beide Ohren.
„Werde ich berühmt werden, wenn ich den Klimawandel gestoppt habe?“
„Wenn du richtig liegst, wirst du das berühmteste Mädchen der Welt sein. Die Giana-Methode wird von allen Ländern genutzt um das CO² in der Luft zu reduzieren.“
Eine Stunde später geht Lisa wieder. Dauernd hat Giana irgendwas erzählt, was nur Lisa weiß. Was Lisa geträumt hat, was sie dachte, als sie das große Geschenk unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt hat und welche Farbe ihre Unterhose hat, die sie heute trägt.
„Woher weißt du das?“ hat Lisa ständig gefragt, doch Giana hat nur gelacht und behauptet die „Magic Giana“ zu sein.
Nachdem Lisa gegangen ist, öffnet Giana die Tür von Marias Zimmer. Sie sieht, wie ihre jüngere Schwester Blumen malt. Tulpen, Flockenblumen, Disteln und daneben fliegen Bienen und eine Hummel.
„Warum malst du Blumen?“ fragt Giana, die selber gerne welche gemalt hat. Jetzt findet sie das aber eine Zeitverschwendung.
Maria dreht sich zu ihrer Schwester, anders als vorhin, lacht sie jetzt.
„Ich habe mich gefragt, wo Biene Maja wohnt. Dann habe ich Milanonimalolinamo gesagt und in meinem Kopf erschien dann das Bild, was ich jetzt male.“
„Ach, das ist doch langweilig“ behauptet Giana und winkt ab, „ich habe vorhin bei Radio Teddy angerufen und gesagt, wie man den Klimawandel stoppen kann. Roland meinte, er reicht meine Idee weiter. Ich will heute unbedingt die Tagesschau sehen, da wird bestimmt darüber berichtet.“
„Klimawandel? Was ist denn das? Moment.... Milanonimalolinamo.....achso, davon habe ich schon mal gehört.“
Giana will schon was sagen, hält jedoch kurz inne. Sie könnte die ganzen Probleme auf der Welt nehmen und die lösen. Man würde sie das Jahrhundert-Mädchen nennen, alle Menschen der Welt wären gerne ihre Freunde und die ganzen Musiker der Welt würden Songs für sie schreiben. Und ein Film würde es geben, „The great Giana“.
„Warum lächelst du?“ unterbricht Maria sie in ihren Träumereien.
Giana schüttelt sofort den Kopf. Sie will keinem davon erzählen, auch nicht ihrer Schwester.
„Nichts, ich habe nur an etwas gedacht. Milanonimalolinamo....hier in der Blume schläft die Biene Maja immer, ne? Und hier trifft sie sich immer mit Willi, ihrem besten Freund.“
„Genau“ antwortet Maria und malt weiter.
Nach dem Abendbrot will Giana unbedingt Fernsehen schauen. Sie ist ganz heiß auf die Tagesschau, denn das, was sie herausgefunden hat, betrifft ja die ganze Welt. Ihr Vater sitzt vor dem TV-Gerät und sieht eine Sportsendung, Giana fragt, ob sie die Tagesschau sehen darf. Er wechselt das Programm zu ARD, bei dem noch kurz Werbung läuft. Giana kniet sich auf den Boden und wackelt aufgeregt mit ihren Beinen. Maria kommt in diesem Moment ins Zimmer und will ihr ein Bild zeigen, dass sie eben gemalt hat. Sie hat sich überlegt, dass Biene Maja im Winter friert und einen Wintermantel trägt. Diesen hat sie auf Papier gezeichnet. Doch als sie Giana das Blatt zeigen will, dreht diese den Kopf weg und zeigt auf den Fernseher.
„Ich komme gleich in der Tagesschau!“ ist sich Giana sicher und legt das bemalte Papier auf den Teppich. Genau in dem Moment ertönt die Melodie der Tagesschau. Als links des Sprechers das Bild von Gandolfino erscheint, erstarrt Giana.
Der Sprecher begrüßt die Zuschauer und bringt eine Nachricht, die erst wahrscheinlich keiner glauben wird in Deutschland.
„Heute Mittag ist ein Pfarrer mit einem tragbaren Käfig vor dem Reichstag erschienen. Erst wurde er verlacht, den er behauptete Gottes Sohn bei sich zu haben: Einen grünen Wurm in der Größe eines Dackels mit runden roten Ohren und dicken Lippen. Doch man glaubte ihm schnell, als er den Wurm aus dem Käfig holte. Der Wurm kann sprechen. Aber nicht nur dies, er hat allerlei Lösungen für die großen Weltprobleme uns genannt: Krebs, AIDS, Tinnitus, Alzheimer, Klimawandel, das Israel-Palästina-Problem um nur einige zu nennen. Noch ist ungeklärt, woher der Wurm komme und wieso er sprechen kann. Sprechen kann er übrigens alle Sprachen, die es gibt. Sein Name ist Gandolfino.“
Nun wird ein Presseraum gezeigt, in dem ganz viele Journalisten sitzen und Fragen stellen. Vorne am Pult ist Gandolfino, umringt von etlichen Mikrofonen.
„Dieses Wesen ist unglaublich. Würmer zeichnen sich durch einen langgestreckten, schlauchförmigen Körperbau und kriechende Fortbewegungsweise aus. Das ist auch bei Gandolfino der Fall. Dies ist aber auch das einzige, was er mit den Würmern gemeinsam hat. Unvorstellbares Wissen, eine bravouröse Intelligenz und eine Aura des Heiligen umgibt dieses Geschöpf. Egal ob Klimawandel oder Krebs, er hat auf alle großen Fragen der Menschheit die passende Antwort. Auf die Frage, woher er komme, antwortet er stets, dass er der eingeboren Sohn Gottes ist.“
Ein Journalist fragt den Wurm, warum er so viel weiß.
„Weil Gott mir die Antworten gibt...............Ich weiß zum Beispiel, dass Sie gar kein Journalist werden wollten, sondern Autor von Kinderbüchern werden wollten. Doch ihre Kinderbücher wurden abgelehnt, weil Sie die Hauptfiguren immer zu stark und zu mächtig gemacht haben. Ihren Büchern mangelt es an Realität.“
„Woher...woher wissen Sie das?“ stammelt der Journalist.
„Habe ich doch gerade gesagt!“ meckert Gandolfino, „ich bin Gottes Sohn und weiß alles! Jesus Christus hätte dieses Wissen auch von seinem Herren bekommen, wenn man ihn nicht so früh gekreuzigt hätte. Jesus war übrigens 33 Jahre, zwei Monate und drei Tage alt als er gekreuzigt wurde.“
Nun sieht Giana, die ihren Mund nicht mehr zu bekommt, auf der Mattscheibe wieder den Nachrichtensprecher.
„Nach dieser Tagesschau zeigen wir Ihnen einen Sonderbericht über das Wesen, dass nicht nur die Existenz Gottes beweist sondern uns von all unseren Problemen befreien will.“
Giana hat ihre Radiosendung mit Radio Teddy längst vergessen, sie fragt sich, warum Gandolfino das nur macht. Traurig schaut sie auf ihre Füße, ihr kommt der Gedanke, dass er es deswegen tut um von allen geliebt zu werden. Das wollte ja eigentlich schon Giana. Ihr fällt ein, dass Gandolfinos Tagebuch ihr vielleicht mehr verraten wird. Sie wird den Gedanken nicht los, dass er irgendwas böses plant. Denn er soll ein Freund der Spinne Miraumax sein, die wiederum ein böses Ungeheuer sein soll.
Der Vater hat noch die Mutter aus der Küche geholt und nach der Tagesschau schaut die ganze Familie die Sondersendung über Gandolfino. Über seine Lösungen zu den Weltproblemen wird da in erster Linie berichtet, Giana versteht das meiste nicht. Und sie hat auch keine Lust mit der auf-alles-Antwort das zu kapieren. Den ganzen Tag hat sie gelacht und war fröhlich, jetzt hat sie nur noch Lust ins Bett zu gehen und zu schlafen.
Nach der Sendung macht der Vater die Sendung aus.
„Das ist ja allerhand. Wie hat er nur diesen Heiligen aus dem Mittelalter gefunden, der das Zusammenleben der Juden und Araber gepredigt hat? Dieser Heilige soll nur ein Bettler gewesen sein“ sagt er mit der Fernbedienung in der Hand.
„Der Wurm hat den Ort seines Tempels genannt, den man jetzt ausgraben will. Dort findet man die Texte seiner Predigten“ wiederholt die Mutter aus der Sendung.
„Doch woher weiß er von dem Tempel? Der wurde nirgends genannt und auch nie gefunden!“ ruft der Vater aus und muss lachen.
„Vielleicht kommt dieser Gandolfino wirklich von Gott“ sagt die Mutter und legt ihre Hand auf sein Bein.
Maria dreht sich zu ihren Eltern und will schon von der auf-alles-Antwort erzählen, da hält Giana sie zurück. Sie zerrt sie in ihr Zimmer um mit ihr zu reden.
„Nein, Maria, wir erzählen niemandem davon. Hoffentlich träumen wir heute Nacht nochmal von der Traumwelt, dann gehen wir zu Gandolfinos Versteck und suchen nach Hinweisen, was er wirklich vorhat“ sagt Giana, schon etwas zornig.
„Was hast du denn? Warum bist du denn so sauer?“ fragt Maria. „Ist doch toll, wenn Gandolfino die Welt rettet.“
Giana tritt mit ihrem Fuß auf den Boden.
„Wir hätten das machen können, Maria.“ Nun beruhigt sie sich wieder. „Ich hoffe, dieser Wurm führt nichts böses im Schilde.“
„Warum sollte er?“
„Na der ist doch ein Freund von diesem bösen Ungeheuer.“
„Das wir noch gar nicht gesehen haben“, protestiert das braunhaarige Mädchen, „vielleicht ist Gandolfino ein lieber Wurm.“
„In seinem Tagebuch stand aber, dass er unsere Welt beherrschen will“ weiß Giana.
„Vielleicht wird er ein lieber Herrscher. Also, wenn ich ein Herrscher wäre, dann wäre ich auch lieb.“
Giana beruhigt sich wieder. Vielleicht hat Maria ja recht. Die schlechten Gedanken verfliegen ihr wieder, ein leichtes Lächeln macht sich in ihrem Gesicht breit.
„Vielleicht hast du recht. Und durch unsere Hilfe ist er in unsere Welt gekommen und konnte der ganzen Menschheit helfen“ sagt die Blondine.
„Wenn er der König der Menschen ist, dann dürfen wir bestimmt auch mal zu ihm. Ohne uns wäre er nicht in unserer Welt.“
„Du hast recht“, stimmt ihr Giana zu und streichelt kurz die Schulter ihrer Schwester, „außerdem stand auch in dem Tagebuch, dass er mit der bösen Spinne nichts mehr zu tun haben will. Ich glaube es ist ganz gut, was er gemacht hat.“
„Ja. Mit Milanonimalilinamo kann man auch ganz schlimme Sachen anstellen. Das hat er nicht getan. Hast du das mit dem Radeon-Gas verstanden?“
Giana schüttelt den Kopf. Sie weiß nur, dass Gandolfino eine Formel für ein Gas gefunden hat, was sich rasend schnell in der Luft ausbreitet, den Kohlenstoff vom CO² abspaltet und in Stickstoff, einem neutralen Element umwandelt. Normalerweise würde sie jetzt die auf-alles-Antwort sagen müssen um das zu verstehen, aber sie findet gerade, dass man nicht alles wissen und verstehen muss.
„Warte diesmal in der Traumwelt auf mich, okay? Zusammen werde ich nicht so viel Angst haben wie beim ersten mal“ versichert ihr Maria. Giana nickt und will auf ihre Sister dort warten.
Maria geht wieder in ihr Zimmer, sie will vor dem Schlafengehen noch einen Wintermantel für Willi, den Freund von Biene Maja zeichnen. Giana sagt die auf-alles-Antwort mehrmals leise auf und fragt, was Gandolfino vor hat.
„Die Welt beherrschen!“ hört sie eine Stimme in ihrem Kopf.
„Wird er ein guter Herrscher werden?“ fragt sie.
Doch anders als sonst bekommt sie keine Antwort. Vor ein paar Stunden hatte sie das magische Wort gefragt, welcher Mensch als erster auf der Welt gerechnet hat. Auch da hat sie keine Antwort erhalten. Vielleicht weiß Milanonimalolinamo nicht alles. Vielleicht gibt es nicht zu jeder Frage eine eindeutige Antwort.
Als sie sich umzieht, die Zähne putzt und den Eltern den Gute-Nacht-Kuss gibt, stellt sie sich vor, wie sie im Meer auf einem Surfbrett auf den Wellen reitet. Mithilfe des magischen Wortes. Aber ihr fällt ein, dass man da eine sehr gute Reaktion braucht und damit einem die auf-alles-Antwort hilft muss man es ja auch sagen. Und da vergehen ein paar Sekunden, beim Surfen entscheiden manchmal Hundertstelsekunden.
In ihrem Bett gibt sie Maria noch ein paar Klopfzeichen. Und gleich darauf schläft sie ein.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20665 Verfasst am: Sa 29.Mrz.2014 15:57
 
Giana Sisters 5.Teil
 
Plötzlich wacht Giana auf. Es ist draußen hell, die Sonne scheint, nur ein paar Wolken sind am Himmel. Heute hat sie gar nicht von der Traumwelt geträumt! Ihre Mutter betritt das Kinderzimmer, erst lacht sie und dann setzt sie sich auf den Stuhl neben des Tisches.
„Hallo Giana. Oder bist du Maria?....hahahaha....entschuldige.“
Giana schaut ihre Mutter entgeistert an. Was ist denn das für eine Frage gewesen? Maria sieht doch ganz anders aus als Giana.
„Du musst doch heute in die Schule? Oder arbeitest du nicht in einer....in einer....Bäckerei? Wäscherei? Schmiererei? Hahaha.“
Giana erhebt sich ruckartig von ihrem Bett.
„Was ist mit dir los, Mutti?“
Verwundert schaut ihre Mutter sie an.
„Ich bin deine Mutti?“
Sofort steht sie vom Stuhl auf und reißt ihre Arme in die Luft.
„Juchhu, ich bin eine Mutti! Ich habe Kinder, ja! Maria ist auch mein Kind, oder?“
Giana verlässt sofort ihr Zimmer, sie erkennt ihre Mutter nicht mehr wieder. Schnell sagt sie das Wort Milanonimalolinamo und fragt, was mit ihre Mutter los ist.
„Sie hat telefoniert. Deswegen ist sie jetzt total dumm“ hört sie eine Stimme in ihrem Kopf sagen. Schnell dreht sie sich wieder um und geht in ihr Zimmer zurück, in dem ihre Mutter wieder auf dem Stuhl sitzt und vor sich hin lacht.
„Mit WEM hast du heute telefoniert?“ fragt die Blondine.
Die Mutter hört auf zu lachen und beginnt zu grübeln.
„Habe ich heute telefoniert? Ja, ich glaube schon. Telefon nennt man doch diese Dinger, die man anknipsen kann und dann Bilder sieht. Ach ne, das ist ja ein Fernseher. Was ist denn ein Telefon noch mal, Giana, meine heißgeliebte einzige Tochter? Ach, ne, ich habe ja noch ein Sohn. Oder waren es zwei?“
Hastig geht Giana aus ihrem Zimmer wieder raus und hört, wie ihre Mutter in schallendes Gelächter ausbricht. Sie eilt schnell zu Marias Zimmer und sieht, wie ihr Vater im Flur telefoniert. Ruckartig öffnet sie die Tür von Marias Zimmer und sieht, dass ihre Schwester gerade aufsteht. Anders als sonst hat sie grüne Haare.
„Maria, was ist denn mit Mutti los? Und warum hast du grüne Haare? Die hast du doch nur in der Traumwelt.“
„Was soll sein? Grüne Haare habe ich doch immer!“ sagt Maria verwundert.
„Mutter ist völlig verrückt geworden. Hast du von der Traumwelt geträumt?“
„Ja. Du etwa nicht?“
Schnell sagt Giana Milanonimalolinamo und fragt, warum sie nicht von der Traumwelt geträumt hat. Doch diesmal erhält sie keine Antwort. Kurz darauf klopft es an der Tür und ihr Vater betritt das Kinderzimmer.
„WER seid ihr?“ fragt er mit offenem Mund und großen Augen. Die beiden Mädchen gaffen ihn nur an. Im Hintergrund hört man die Mutter, welche lacht und sich um den Hals ihres Mannes wirft.
„Wir haben jetzt Kinder. Einen Sohn und eine Tochter“ ruft sie und der Vater beginnt zu lachen. Gleich darauf wird er aber wieder ernst
„Um ein Kind zu bekommen“, sagt er, „muss man Liebe machen. Wir haben uns aber in der letzten Nacht nicht geliebt.“
„Stimmt. Das ist komisch. Hast du Kinder bei ebay bestellt?“ fragt sie und schaut ihre Kinder ganz blöde an. Der Vater kratzt sich am Kopf und meint:
„Ne, habe ich nicht. Es kann aber sein, dass man Kinder gratis dazu bekommt, wenn man die 100. Auktion gewonnen hat. Kinder gibt es genug, die werden heutzutage verschenkt. Wer von euch ist der Junge? Warum habt ihr beide lange Haare? Jungs haben doch kurze Haare.“
„Lass sie doch“, erwidert die Mutter und lächelt wieder, „wenn unser Sohn lieber lange Haare tragen will, dann lass ihn doch. Das Telefon klingelt schon wieder. Giana, gehst du mal ran? Es ist bestimmt für dich.“
Wer sollte sie denn so früh anrufen? Giana geht irritiert in den Flur zum Telefon und hebt ab. Am anderen Ende der Leitung hört sie die Stimme von Gandolfino.
„Hallo Giana, hier ist dein Rivale. Was hast du denn heute schönes geträumt?“
Giana bleibt still. Woher hat er ihre Nummer?
„Was willst du von mir?“ fragt sie, etwas wütend.
„Mit dir reden. Ich verdanke dir meinen Erfolg. Ohne dich wäre ich nicht in deiner Welt. Die mir jetzt bald gehören wird. Die Menschen werden jetzt ganz dumm. Das hast du ja schon bei deinen Eltern gemerkt.“
„Wie...wie...machst....du...das?“ stammelt Giana, sie hat auf einmal Probleme sich zu konzentrieren.
„Übers Telefon. Die elektromagnetischen Strahlen, die aus dem Telefon kommen, habe ich modifiziert. In der ganzen Welt telefonieren die Leute heute und werden dumm. So wie du! Wieviel ist 12-2“
Giana will die Antwort sagen, aber sie kann gerade noch nicht einmal so eine leichte Rechnung lösen. Als sie auflegt hört sie noch das Lachen Gandolfinos.
Hinter ihr stehen ihre Eltern, der Vater streichelt ihre Schulter und spricht mit ihr.
„Na, mein Süßer, wer hat dich denn angerufen?“
Giana will es sagen, doch ihr fällt es nicht mehr ein. Mit wem hat sie eben telefoniert? Sie will das magische Wort sagen um eine Antwort zu erhalten. Milanomilano.....milanomolani...Maloninalonilamoni.....wie ging das Wort noch mal?
Sie kratzt sich verzweifelt am Kopf während ihre Eltern beginnen zu lachen.
„Hast du es vergessen?“, fragt die Mutter mit einem fetten Grinser, „das macht nichts, ich habe auch ganz vergessen, mit wem ich vorhin telefoniert habe. Es war glaube ich Gandalf, der Zauberer aus Herr der Ringe, hahahaha!“
Die beiden Eltern lachen sich jetzt schief, Giana wird das aber zu unheimlich und sie beginnt zu weinen.

Einen Moment später wacht sie auf. Es ist stockdunkel, draußen scheint der Mond und einige Sterne funkeln am Himmel. Sie hat nur geträumt. Erleichtert atmet sie aus. Gleich darauf dreht sie sich wieder zur Seite und schließt die Augen....
Etwas später sieht sie sich in der Traumwelt neben dem Gebüsch und dem großen Fliegenpilz stehen. Von weitem sieht sie einen Fuchs auf sich zueilen.
„Warte, Giana, ich will dich nicht fressen, ich will dich gastronomisch anspruchsvoll verspeisen. Das ist ein Unterschied! Ich habe mir extra Besteck und einen Teller eingesteckt, warte!“ ruft der Fuchs und kommt ihr immer näher. Giana springt hoch in die Luft, genau auf den riesigen Kopf des Fuchsen. Welcher danach platt gedrückt auf dem Boden liegen bleibt. Obwohl sie noch kein Extra eingesammelt hat, konnte sie den Fuchsen platt treten. Sie holt sich dennoch die Extras, die in den schwebenden Plattformen versteckt liegen, läuft über die wacklige Brücke, die verschwindet, wenn man sie betreten hat und springt von der großen Treppe auf die zwei Steininseln, die in der Luft fliegen. In kürzester Zeit erreicht sie den Tunnel, der sie zu Level zwei bringt. Da wo, die Steine des Tunnels rot leuchten, kauert Maria auf dem Boden.
„Da bist du ja, Giana! Warum leuchten die Steine hier überall rot und sind so warm?“
Maria schaut sie mir grünen Haaren an.
„Die leuchten, damit wir was sehen können“, antwortet Giana ihrer Schwester, „komm, wir müssen schnell zu Gandolfinos Versteck. Ich habe einen ganz bösen Traum gehabt.“
„Was für einen Traum? Wir träumen doch gerade.“
„Ich habe geträumt, wie Gandolfino die Menschen dumm macht. Über die Strahlung der Telefone. Ich habe dann auch telefoniert und ich konnte nicht mehr 12-2 rechnen. Milanonimalolinamo konnte ich auch nicht mehr sagen.“
Fragend schaut Maria sie an, sie hat diesen Traum nicht gehabt. Ohne zu Zögern springt Giana in das Loch im Tunnel, welches einen zum zweiten Level bringt. Maria folgt ihr.
Nachdem beide die Diamanten eingesammelt haben, die über der steinernen Plattform schweben, kommt auch schon ein weiterer Fuchs.
„Ich habe die auf-alles-Antwort, ich habe die auf-alles-Antwort. Seitdem ist alles so einfach. Und so egal. Alles ist egal, das Leben ist egal. Ich finde das Leben egal, ich finde den Moment, in dem man fällt, egal. Das Leben ist egal, der Tag heute ist egal, die ganze Welt ist egal“ singt er, doch weiter kommt er nicht. Giana ist auf seinen Kopf gesprungen.
Kurz darauf erreichen die beiden Mädchen das Versteck von Gandolfino, in dem noch alles ganz durcheinander auf dem Boden liegt. Nachdem beide etwas gesucht haben, finden sie sein Tagebuch. Giana blättert darin und liest folgendes:
„...wenn ich es erst mal geschafft habe, dass die ganze Menschheit mich liebt, dann mache ich sie dumm. Die können dann noch nicht mal 1+1 rechnen, ein Chaos wird ausbrechen. Die werden mich ständig fragen, wo es lang geht, ich werde ihnen die Antwort nur sagen, wenn sie mich zum Königsherrscher der Welt ernannt haben. Denkmäler werden mir erbaut, alle Kinder werden nach mir benannt und im Kino wird es nur noch Filme über mich geben!“
Giana zeigt die Passage ihrer Schwester und schaut nachdenklich auf das Poster an der Wand, auf dem der Wurm abgebildet ist.
„Also ist Gandolfino doch böse“ sagt Maria und schlägt das Tagebuch zu. „Wie können wir ihn in seine Welt zurück bringen?“
Giana überlegt, ihr fällt nur eine Idee dazu ein.
„Wir müssen den magischen Kristall in dieser Traumwelt finden. Das ist die einzige Möglichkeit, die mir einfällt.“
„Was ist das eigentlich für ein Doppelblitz gewesen, den wir vorhin eingesammelt haben?“ fragt Maria sie, auch das würde Giana gerne wissen. Beide hüpfen aus Gandolfinos Versteck wieder raus. Mit dem ersten Blitz erhalten die beiden Mädels die Möglichkeit mit einem harten Ball zu schießen. Der Doppelblitz wird diese Fähigkeit bestimmt irgendwie verbessern, denkt sich Giana und wirft, um es zu testen, den Ball in Gandolfinos Versteck. Beide sehen, wie der Ball von einer Wand zu anderen apbrallt. Das ging vorhin noch nicht. Vorhin ist der Ball, wenn er gegen eine Wand geprallt ist, einfach verschwunden.
Die Mädels gehen weiter und sehen einen schwebenden Steinblock mit einem gelben Stern. Das wird entweder ein Diamant oder ein Extra sein. Maria hüpft gegen den Stein und eine große Erdbeere fällt heraus. Sofort sammeln sie diese ein. Ein weiteres Extra, doch was nützt es?
„Das werden wir noch herausfinden“ erklärt Giana und geht weiter. Über den beiden Mädchen befindet sich eine Kammer, aus der Geräusche kommen.
„Was wird in der Kammer über uns nur sein?“ fragt Maria ängstlich und zeigt mit ihrem Finger nach oben.
„Das werden wir gleich sehen“ ruft Giana und springt gegen die Kammer, die auf der Stelle zerbröselt. Zwei Würmer fallen heraus, die genauso aussehen wie Gandolfino.
„Endlich sind wir befreit!“ ruft der eine Wurm, der andere Wurm jauchzt auf und spricht irgendwas unverständliches. Beide kommen auf die Mädels zu, als Giana ihre Hand hebt, bleiben sie aber stehen.
„Kennt ihr Gandolfino?“ fragt Giana die beiden Würmer.
„Ja, kennen wir“ sagt der eine Wurm, der andere dagegen schüttelt seinen Kopf.
„Was denn jetzt? Ja oder nein?“ will Giana wissen.
„JA!“ sagt der eine Wurm, der andere nuschelt irgendwas.
„Warum nuschelt der Wurm?“ fragt Maria.
„Der ist etwas doof“ sagt der eine Wurm. „Der meint es aber nicht so. Er will immer das Gegenteil von mir sagen, auch wenn es falsch ist. Warum fragt ihr nach Gandolfino?“
„Gandolfino ist jetzt in meiner Welt und hat vor sie zu beherrschen“ antwortet Giana, die jederzeit bereit ist einen Ball zu schleudern sollten die beiden Würmer ihr zu nahe kommen.
„Echt? Unser Freund ist mal wieder größenwahnsinnig. Wie soll ein Wurm eure Welt beherrschen. Seid ihr dort nur kleine Mücken und Fliegen?“
„Er kennt die auf-alles-Antwort.“
„Die auf-alles-Antwort. Ich kenne sie auch. „Desoxyribonukleinsäure“ heißt sie.“
„Nein“ sagt Giana und schüttelt den Kopf.
„Doch, „Desoxyribonukleinsäure“ ist die auf-alles-Antwort. Immer wenn euch einer etwas fragt müsst ihr nur dieses lange Wort sagen, was kaum einer versteht. Und alle werden euch für schlau halten und euch keine Fragen mehr stellen.“
„NEIN!“ rufen die Mädchen, das scheint die Würmer zu verärgern. Sie kriechen für ihre Verhältnisse schnell auf die Mädels zu, diese werfen aber auf der Stelle die harten Bälle auf sie. Kurz darauf sind die Würmer besiegt.
Giana und Maria gehen weiter und erreichen das Ende des großen Raumes. Unter ihnen ist kaltes Wasser, darüber schweben Steinblöcke. Giana erfrischt sich sofort mit dem Wasser, Maria macht es ihr nach. Denn die roten leuchtenden Steine in dem Raum strahlen eine Wärme aus, die sie ins Schwitzen bringt.
Kurz darauf hören die Mädchen es über ihnen summen, sie schauen nach oben und erkennen die Biene Frida.
„Hallo Giana und Maria!“, begrüßt sie die Biene, „hat Gandolfino eure Welt schon erobert?“
Giana springt auf einen Steinblock, der in der Luft schwebt um mit Frida zu reden.
„Er ist dabei sich sehr beliebt zu machen“ ruft das blonde Mädchen der Biene zu.
„Dann wird es höchste Eisenbahn, dass ihr ihn aufhaltet. Ihr müsst den magischen Kristall finden. Wenn ihr ihn berührt, hört der Traum auf und Gandolfino verschwindet wieder.“
Giana überlegt kurz. Würde dann immer noch die auf-alles-Antwort funktionieren?
„Wird die auf-alles-Antwort dann noch gehen?“ fragt sie und fässt sich erwartungsvoll mit der Hand an den Mund.
„Nein, die wird dann nicht mehr gehen“, versichert ihr Frida, „Milanonimalolinamo geht so lange bis du den Kristall gefunden hast.“
Mit einem Schmollgesicht schaut Giana enttäuscht auf das blaue Wasser unter ihr.
„Nein, dann will ich nicht zum Kristall.“
„Dann wird Gandolfino noch schlimmes veranstalten in deiner Welt“, erwidert die Biene.
Giana krempelt die Hose ihres Schlafanzugs hoch, setzt sich auf den Steinblock und lässt ihre Beine im Wasser baumeln. Dabei denkt sie nach. Am liebsten würde sie die auf-alles-Antwort für immer behalten. Dann wird Gandolfino aber ungebremst seinen Weltbeherrschungsplan umsetzen. Maria steht auf einem anderen Steinblock und setzt sich auch hin. Ohne zu fragen weiß sie, was ihre Schwester gerade beschäftigt.
„Was bringt uns die auf-alles-Antwort, wenn Gandolfino so mächtig wird, dass er uns was tut. Der wird uns bestimmt einsperren lassen“ sagt Maria. Sie könnte auf die auf-alles-Antwort verzichten zum Wohle der Menschheit.
„Wir müssen ihn heute nach unserem Traum finden und besiegen“ sagt Giana, die das magische Wort nicht aufgeben will.
Biene Frida fliegt tiefer, genau vor Gianas Kopf.
„Wo ist Gandolfino jetzt?“ will sie wissen.
„Das weiß ich nicht. Der wird aber bestimmt von der Regierung bewacht“ antwortet Giana. Irgendeine Möglichkeit muss es doch aber geben.
„Wenn man einen von euch küsst kommt man mit ihm in unsere Welt. Gibt es auch eine Möglichkeit ihn wieder in diese Traumwelt zu bringen?“ fragt sie wobei sie ja schon die Antwort kennt.
„Du musst den Kristall finden, Giana“ erklärt ihr Frida, „eine andere Möglichkeit gibt es nicht.“
Giana steht wieder auf, dabei schüttelt sie ihren Kopf.
„Nein, ich will die auf-alles-Antwort nicht aufgeben. Ich will den Kristall nicht finden.“
„Dann musst du für immer hier bleiben. Es sei denn, du küsst hier wieder jemanden“ antwortet die Biene.
„Na gut, dann soll es halt so sein“ sagt Giana etwas verunsichert. „Komm, Frida, ich küsse dich!“
„NEIN!“ ruft die Biene und fliegt wieder ein Stück höher, „ich will nicht in eure Welt. Dort wird mich ein Mensch fangen und in einen Käfig sperren.“
„Nein, das wird er nicht. Ich werde auf dich aufpassen!“
„Warum willst du die auf-alles-Antwort um jeden Preis behalten?“ fragt die Biene und setzt sich auf den Steinblock, wo Maria sitzt. „Ich fühle, dass Maria den Kristall finden will.“ Die Grünhaarige schaut Giana an und nickt. Das reicht Giana, sie hüpft auf dem Steinblock auf und ab und ruft in alle Richtungen.
„NEIN! Ich will die auf-alles-Antwort behalten! Komm, Maria , wir baden ein wenig. Vielleicht ist im Wasser ein Fisch, den wir küssen können um in unsere Welt zurück zu kommen.“
„Hast du deinen Traum mit Gandolfino ganz vergessen? Wo er alle Menschen dumm macht?“ fragt Maria. Doch davon will die Blonde nichts hören, sie schüttelt ihren Kopf und ist sich sicher, dass man einen Traum nicht überbewerten darf.
„Das war doch nur ein Traum. Vielleicht will Gandolfino nur der Welt helfen.“
„Hast du auch vergessen, was in seinem Tagebuch steht?“ fragt Maria und hüpft zu dem Steinblock, auf dem Giana steht.
„Ach Mann! Ich will das Zauberwort nicht aufgeben. Wir werden schon einen Weg finden Gandolfino wieder in diese Welt zu bringen.“
„Das geht nur mit dem Kristall!“ ruft die Biene während sie über ihren Köpfen fliegt. Doch Giana lässt sich nicht beirren, sie nimmt ihre Schwester an die Hand und hüpft mit ihr auf den Steinblöcken, die über dem Wasser schweben, zum Ausgang des großen Raumes. Biene Frida ruft ihnen noch was hinterher, doch Giana hört es nicht mehr. Auf gar keinen Fall will sie den Kristall jetzt finden.
Die Mädels gehen durch einen Ausgang eine Treppe hoch, die sie wieder ins Freie bringt. Vor ihnen ist ein hellblauer Diamant, den sie einsammeln. Dahinter ist ein Abgrund mit einer Steininsel in der Mitte. Die Schwestern springen schnell auf diese Insel und dann auf die andere Seite, gleich darauf erkennen sie einen Fuchsen, der auf sie zu kommt.
„Hallo, ich heiße Ottokar Rotspecht und habe eine Heuschreckenallergie. Endlich habe ich auch mal eine Krankheit. Ich hatte nie eine Krankheit, war immer gesund. Aber der Arzt hat mir gesagt, dass ich eine Heuschreckenallergie habe. Ich bin zum Arzt gegangen, weil ich seit zwei Tagen so feuchte Augen habe. Ach, ist das toll, dass ich endlich auch mal krank sein darf.“
„Bleib stehen!“ ruft Giana und hebt ihre Hand hoch, „warum willst du unbedingt krank sein?“
Der Fuchs bleibt stehen und lacht.
„Es ist schön wenn sich andere um einen kümmern. Und man nicht mehr arbeiten muss.“
„Als was arbeitest du denn?“ fragt Maria.
„Na, ich bin ein Monster in eurem Traum und muss euch fressen. Das ist mir aber zu anstrengend.“
„Wir werden dich gleich küssen“ sagt Giana und geht einen Schritt vorsichtig auf den Fuchsen zu.
„Mich küssen? Ach ist das toll. Mich wollte noch nie einer küssen. Du bist bestimmt verliebt in mich, weil ich jetzt krank bin, oder? Ich sage es doch, wenn man krank ist wird man von allen gemocht, jeder liebt einen und alle kümmern sich um einen.“
Giana zieht ihre Schwester hinter sich her, welche sich von ihr wegdrückt.
„Giana, wir müssen den magischen Kristall finden“ meckert sie, doch Giana ignoriert ihre Sister.
„Komm, Maria, wir beide küssen den Fuchsen, dann sind wir wieder in unserer Welt“ bittet Giana, doch Maria will nicht.
„Wir müssen die Welt retten, Giana“, fleht Maria, „der böse Gandolfino wird über die Telefone und Handys alle Menschen doof machen.“
„Ach, das habe ich doch nur geträumt gehabt“ erwidert Giana und küsst den Fuchsen, welcher verträumt seine Augen geschlossen hat.
Einen Moment später wacht Giana auf, fünf Minuten bevor der Wecker klingelt. Als erstes denkt sie an ihre Schwester. Hat sie jetzt auch den Fuchsen geküsst? Schnell steht Giana auf und geht zu Marias Zimmer. Als sie im Flur ist klingelt das Telefon. Sofort muss sie an ihren Traum denken.
„Nicht ans Telefon gehen!“ ruft Giana, im selben Moment hat sie die Tür von Marias Zimmer geöffnet.
Eilig geht sie zu ihrem Bett und versucht Maria wach zu rütteln. Doch vergeblich, sie scheint nicht aufzuwachen. So sehr sie auch an ihr rüttelt, Maria hält die Augen verschlossen und schläft weiter. Schlechtes Gewissen befällt Giana, sie hat nur an sich und die auf-alles-Antwort gedacht. Was werden wohl ihre Eltern dazu sagen? Es dauert auch nicht lange, da betritt der Vater das Zimmer.
„Was machst du hier?“ fragt er die Blonde.
„Maria wacht nicht mehr auf!“ ruft sie ihm ins Gesicht, wenig später ist auch die Mutter im Zimmer. Während sie an Maria drückt und zieht um sie zu wecken, steht der Vater ratlos daneben.
„Um Gottes Willen, was ist nur mit Maria los? Sie ist im Koma!“
„Was ist denn Koma?“ fragt der Vater und kratzt sich am Kopf. Entgeistert schaut seine Frau ihn an.
„Achso, Koma und Kopa, unsere Großeltern.“
„Sag mal spinnst du? Rufe lieber schnell einen Arzt!“ ruft die Mutter ihm ins Gesicht. Gleich darauf öffnet der Vater das Fenster und ruft laut „ARZT!“ heraus.
„Papa, hast du telefoniert?“ fragt Giana, doch der Vater hört nicht und ruft wieder laut „ARZT“ aus dem Fenster. Die Mutter schreit ihn an, lässt Maria los und eilt zum Telefon.
„Nicht! Du darfst nicht telefonieren!“ ruft Giana und rennt ihr hinterher. Doch ihre Mutter hört nicht auf sie und wählt die 112.
„Hallo, meine Tochter liegt im Koma. Kommen Sie bitte schnell....Mariendorfer Weg 6....6a.....bei...bei....verdammt bei......klingeln sie an der Klingel ganz unten rechts....mein Name ist....mein Name ist.....der Name meiner Tochter ist Marianne....ne....Marie....ne....hahahaha.“
Giana schaut ihre Mutter entsetzt an, welche lachend das Telefon wieder auflegt. Sie geht an Giana vorbei in Marias Zimmer, in dem am Fenster immer noch der Vater laut „ARZT!“ ruft.
„Lass mal, Schatz, wir brauchen kein Arzt!“ sagt sie ihm und umarmt ihn.
Er dreht sich wieder zu ihr und fragt, warum er das Wort überhaupt rufen musste.
„Weil...weil....hahaha...ich weiß es gar nicht mehr. Warum rufst du auch das was ich dir sage. Wenn ich sage, rufe „Ich bin dumm“, machst du es?“
Der Vater geht vom Fenster weg, umarmt seine Frau und versichert ihr:
„Ich würde alles machen, dir zuliebe. Was machst du dir Sorgen wegen Martha? Sie will halt noch ein wenig schlafen.“
„Heißt das Mädchen dort Martha?“ fragt die Mutter und zeigt auf die schlafende Maria.
„Ja, die habe ich gestern aus Knete gebastelt. Du wolltest doch unbedingt ein Kind haben“ sagt der Vater. Während die Eltern sich wie Bekloppte unterhalten fährt Giana ein kalter Schauer über den Rücken. Ihr Traum ist wahr geworden! Ihre Eltern sind jetzt völlig dumm geworden, nur weil sie kurz telefoniert haben.
Nun vergisst Giana die auf-alles-Antwort, sie eilt in ihr Zimmer, legt sich ins Bett und deckt sich zu. Sie ist aber gar nicht mehr müde um zu schlafen und wackelt deswegen nervös mit den Beinen im Bett. Was hat sie nur angestellt? Anstatt den Kristall gemeinsam mit Maria zu finden um die Welt von Gandolfino zu befreien hat sie nur an ihr Vergnügen und ihre auf-alles-Antwort gedacht. Aus ihren Augen fließen Tränen, sie schämt sich gerade ihre Sister im Stich gelassen zu haben.
Aus dem Wohnzimmer hört sie ihre Eltern, wie sie tanzen und singen. Scheinbar haben sie sich alkoholische Getränke besorgt und betrinken sich jetzt am hellen Tag.
Es dauert nicht lange, da machen sie den Fernseher an und Giana hört den Tagesschausprecher reden.
„In der Krimkrise ist Bewegung eingekehrt. Sagt man das so? Ach egal, für alles ist Gandolfino zuständig, er hat Putin gesagt, dass er zurücktreten soll um ihm, unserem neuen Weltbeherrscher Platz zu machen. Gandolfino sagte, dass Putin in ein Käfig gesteckt werden solle, zusammen mit Julia Timoschenko und Vitali Klitschko, ja, liebe Zuschauer, das finde ich auch. Gestern Abend schon hat Gandolfino gesagt, dass es Gottes Wille ist ihn als rechtmäßigen Erben von Gustav Cäsar zu ernennen und....Moment, der hieß nicht Gustav Cäsar....das war ein römischer Feldherr und Kaiser, der hieß Melitta Cäsar.....ne, Melitta war die Frau mit dem Kaffee, toll heute die Tagesschau, oder? Sonst quatsche ich Sie immer voll, heute können Sie interaktiv mitwirken...Ich finde, jeder sollte die Möglichkeit haben von seinem Leben in der Tagesschau zu berichten. Wir von der ARD sind heute in den Straßen Deutschlands unterwegs gewesen und haben die Leute gefragt nach den Neuigkeiten des Weltgeschehens.“
Man hört eine Frau jetzt sprechen.
„Hallo, ich bin Sabine Neumann und will unbedingt allen mitteilen, dass...dass...Äpfel grün sind....nein, das wollte ich nicht sagen....ich wollte sagen, dass man schwedische Gardinen sagt, weil aus Schweden das beste Metall für die Gitterstäbe der Gefängnisse kam....verdammt das wollte ich auch nicht sagen.“
Ein Mann, wahrscheinlich ein Reporter fragt sie nach dem Sinn des Lebens.
„Der Sinn des Lebens besteht darin....Ohrläppchen zu zählen...nein, laut „Känguruh“ sagen und sich im Kreis drehen....nein....seit ich telefoniert habe bin ich total dumm geworden, hahaha.“
Jetzt fangen auch die Eltern von Giana an zu lachen. Für Giana dagegen ist es ein Albtraum geworden. So sehr sie sich aber bemüht, sie kann nicht einschlafen.
Nach einer Weile kommt die Mutter mit einer Weinflasche in ihr Zimmer getorkelt.
„Schatz, was schläfst du denn? Musst du nicht zur Schule? Auch egal, von mir aus kannst du den ganzen Tag spielen.“
Normalerweise würde sich Giana darüber freuen was ihre Mutter gerade gesagt hat, jetzt ist es anders. Genervt wirft sie ihre Decke auf den Boden, steht auf und schreit ihre Mutter an.
„WAS IST MIT EUCH NUR LOS??? 'Ihr seid ja total verrückt geworden. Warum trinkt ihr?“ schreit Giana und rennt an ihrer Mutter vorbei ins Wohnzimmer. Sie sieht, wie ihr Vater seinen Arm hinterm Kopf verrenkt hat und sich so völlig umständlich am Ohr kratzt. Er schaut auf den Fernseher, an dem man einen Politiker sieht welcher in die Kamera spricht.
„Ja, mit sofortoger, nein mit sofirtiger, nein, mit...“
„...sofortiger...“ springt ein Journalist ein.
„Genau, mit fosortiger Richtung, ähh Wirkung wird Gandolfino neuer Bundeskanzler. Frau Merkel hat sich heute beim G8-Gipfel zu viel erhaucht, ähh erlaubt.“
„Das ist Horst Seehofer gewesen von der Partei, die gerne ein Zeh ißt. Die CSU, hahaha.“
Die Eltern von Giana lachen auch laut auf, nur Giana ist nicht zu lachen zu Mute.
„Schau mal, jetzt wird die Merkel gezeigt“ ruft der Vater und zeigt lachend auf den Fernseher.
Giana sieht Frau Merkel, wie sie beim G8-Gipfel unter den Tisch krabbelt und bei den Regierungschefs an den Schuhen zieht. Anstatt sich zu beschweren, lachen die meisten von ihnen mit der Merkel mit. Nun wird wieder der Tagesschausprecher gezeigt.
„Frau Merkel ist nach der Sitzung zurückgetreten, sie will lieber den ganzen Tag auf dem Spielplatz krabbeln. Soll sie doch, wir haben doch noch Gandolfino.“
Nun wird der Wurm gezeigt.
„So ist es Gottes Werk, er hat mich gesandt um den Plänen des Teufels Einhalt zu gebieten. Alle Regierungschefs der Welt spielen verrückt. Bevor sich die Welt in eine riesige Klapsmühle verwandelt, werde ich, Gandolfino, Gottes eingeborener Sohn, das Ruder in die Hand nehmen und euch, lieber Menschen, in den sicheren Hafen der Glückseligkeit führen. Frau Merkel ist nicht mehr regierungsfähig. Barack Obama läuft in den Straßen Washingtons mit einer kleinen Plastiktüte und sammelt Zigarettenstummel um sie noch zu rauchen. Hollande popelt in den Nasen anderer Menschen um diese zu essen, wie widerlich. Und Cameron ist heute morgen zu einem Radiosender gegangen um seine Pfurzgeräusche aufnehmen zu lassen. Liebe Menschen, kommt zu mir, das ist das Werk des Teufels. Mich hat er nicht befallen mit seinen Geisteskrankheiten, ich werde euch helfen und euch aus dieser Krise führen.“
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20666 Verfasst am: Mi 2.Apr.2014 22:59
 
Giana Sisters 6.Teil
 
Ein wenig später ist Giana eingeschlafen und erwacht an der Stelle, an der sie den Fuchsen geküsst hatte, der so glücklich war krank zu sein. Der ist aber verschwunden, auch von ihrer Sister ist keine Spur. Sie steht auf dem Gipfel eines Berges. Vor sich sieht Giana einen Abgrund, über dem eine gelbe Plattform schwebt. Auf ihr kriecht ein rundes etwas. Giana geht einen Schritt nach vorne und hüpft hoch. Dieses Etwas ist eine karmesinrote kriechende Halbkugel mit zwei kleinen Augen und einem breiten Mund. Einem sehr breiten Mund, der sich durchs ganze Gesicht zieht.
„Wo ist Maria?“ ruft Giana dem Monster zu, welches sie schon die ganze Zeit anstarrt und seinen Mund von einem Lachen zu einem ernsten Blick hin und her wechselt.
„(singt)Im Dornenwald sang Maria für mich (ernst) Maria ist verschwunden als sie mich sah.“
„Verschwunden?“ fragt Giana und fragt sich ob ihre Schwester das Monster geküsst hat. Dann wäre es aber auch nicht mehr in der Traumwelt.
Das rote runde Ding kriecht auf seiner Plattform hin und her, dabei sagt es:
„(singt) Den Sohn, den hat Maria geboren, man sagt, er sei auserkoren (ernst) Maria ist verschwunden, in Luft hat sie sich aufgelöst als sie da stand wo du standest und in die Luft sprang.“
„Hat sie ein Monster geküsst?“ fragt Giana und springt in die Luft um das rote Etwas mit dem breiten Mund besser sehen zu können. Als sie schon fast zwei Meter über dem Boden fliegt berührt sie mit ihrem Kopf einen unsichtbaren Block. Ihr wird schwarz vor Augen und in dem Moment wo sie merkt, dass sie wieder auf den Boden fällt wedelt sie panisch mit ihren Armen. Sie landet auf einem Steinboden, der aus den selben Steinziegeln besteht wie die Steinblöcke der schwebenden Plattformen im ersten Level.
Sie schaut um sich und sieht brennende Fackeln an den Wänden und einen Stein mit einem gelben Stern in der Luft schweben. Auf sie kommt ein laufendes großes Auge.
„Ich habe mir ein Wort ausgedacht, mit dem ich mich überall hinzaubern kann“ spricht das Auge und kriecht auf Giana zu. Diese hebt ihre Hand und deutet dem Auge an stehen zu bleiben.
Doch das Auge ignoriert Gianas Geste und krabbelt weiter auf sie zu.
„Ich muss nur an den Eiffelturm denken, den Künstler zu seiner Erbauungszeit abgelehnt hatten und schon bin ich da und packe mit an ihn zu erbauen. Ich denke jetzt an den Kometen, der im Oktober diesen Jahres am Mars vorbeifliegen wird. Und schon rausche ich mit ihm durch die Weiten des Universums. Oder ich denke ich wäre ein Siliziumkristall einer Solarzelle und schon sehe ich mich auf einem Dach eines Hauses sitzen. Wo bist du denn gerade, Giana?“
Das Auge ist immer näher gekommen, im letzten Moment hat Giana es mit einem Ball abgeschossen. Sie holt sich einen Diamanten aus dem Steinblock mit dem gelben Stern und sieht nahe der Decke eine Kammer und darüber ein Loch. Giana springt hoch und sieht, dass in der Kammer ein Diamant liegt. Eine ganze Kammer für einen Diamanten? Hier waren doch bestimmt mehr, denkt sie sich. Jemand war schon hier und hat zusätzlich noch ein Loch in die Decke gehauen. War das vielleicht Maria?
Schnell hüpft Giana durch das Loch und läuft auf der Decke des Levels. Um sie herum ist alles schwarz, nur ab und an kommt ein Abgrund, über den sie springen muss. Ein paar Minuten später erreicht sie erneut einen Abgrund, an dem Maria auf den Knien sitzt.
„Maria, da bist du ja endlich!“ ruft Giana und berührt ihre Schulter.
„Du bist also wieder zurück“ sagt Maria und dreht sich vom Abgrund weg zu Giana. „Ich dachte, du wolltest unbedingt die auf-alles-Antwort behalten.“
„Gandolfino hat die Menschen über die Strahlung der Telefone dumm gemacht. Wir müssen den Kristall finden, Frida hatte recht“ antwortet Giana, die ein wenig schlechtes Gewissen hat weil sie Frida nicht gleich geglaubt hatte.
„Wir müssen über diesen Abgrund wieder zurück in den Keller. Denn hinter dem Abgrund ist auf dem Dach des Levels eine Mauer, die einem den Weg versperrt. Da war ich schon“ sagt Maria und zeigt auf die andere Seite. Giana schaut hinunter und fragt sich, wie tief der Abgrund wirklich ist. Sie müssen über den Abgrund springen in den Keller zurück, in dem auf dem Boden Diamanten liegen. Springen sie nicht weit genug, dann stürzen sie in die Tiefe, in die klaffende Schwärze.
Giana geht ein paar Schritte nach hinten, nimmt Anlauf und springt von der Kante des Abgrunds in den Keller. Während des Fluges merkt sie schon, dass sie zu weit springt und sie drückt ihren Körper nach hinten. Augenblicklich bleibt sie in der Luft stehen und fällt. Giana schaut nach unten und sieht nur das Dunkel des Abgrundes, zur Seite glitzern die Diamanten, die auf dem Kellerboden liegen. Während Giana fällt drückt sie sich nach vorne und in der letzten Sekunde kann sie mit ihren Händen den Kellerboden greifen. Hastig krabbelt sie hoch und dreht sich zu ihrer Sister, welche mit großen Augen zu Giana runterschaut.
„Du darfst nicht zu weit springen. Aber auch nicht zu wenig. Während du in der Luft bist kannst du deine Richtung steuern mit deinem Körper“ ruft ihr Giana zu, doch Maria schüttelt nur den Kopf.
„Ich traue mich nicht“ ruft sie ihrer blonden Schwester zu.
„Hast du schon ein Leben verloren?“ fragt Giana. Sie selber hat ja schon eins verloren, ganz am Anfang der Geschichte.
„Nein. Hat man hier mehrere Leben?“ fragt Maria verwundert.
„Ja, man hat drei Leben. Wenn man 100 Diamanten eingesammelt hat, dann bekommt man ein Extraleben“ ruft Giana ihr zu. „Komm schon, spring ab. Es ist besser du springst etwas zu weit als zu wenig.“
Maria geht ein paar Schritte nach hinten und nimmt ihren ganzen Mut zusammen. Nach ein paar schnellen Schritten springt sie ab und sie landet genau in der Lücke, die in den Keller führt.
Giana lacht und sammelt zwei Diamanten ein.
„Das hast du besser gemacht als ich. Dein Sprung war perfekt.“
„Du bist dafür die mutige von uns beiden. Ich bewundere dich dafür“ gibt Maria zu, beide sind nur ein Jahr auseinander, sie hat aber immer das Gefühl, dass Giana 5 oder 6 Jahre älter ist.
„Komm, da drüben ist der Ausgang des Levels“ ruft Giana und stürmt los. Im letzten Moment bleibt sie stehen. Unter ihr rieselt Sand in den Abgrund. Dieses Loch hätte sie beinahe nicht gesehen. Zusammen mit Maria springt sie über den Abgrund und geht in den Ausgang.
Wenig später stehen beide wieder im Freien, am blauen Himmel fliegt eine Biene.
„Ihr seid erst im siebten Level. Es ist noch ein langer Weg bis zum Kristall“ sagt die Biene und lacht die Mädels an.
„Kannst du uns zum Kristall bringen?“ fragt Giana, die festgestellt hat, dass alle Bienen bisher nett waren.
„Warum?“, fragt die Biene, „spiele doch den Level, der macht Spaß.“
„Wir müssen aber so schnell es geht zum Kristall“ ruft Giana „Gandolfino will die Welt beherrschen, wir müssen es verhindern.“
„Gandolfino. Er ist doch der beste Freund der bösen Spinne gewesen. Na gut, dann helfe ich dir.“
Die Biene fliegt dicht vor Gianas Augen.
„Ich kann dich an das Ende diesen Levels bringen. Mehr nicht“ bietet die Biene an. „Euch beide kann ich aber nicht nehmen. Ich hole mal meine Freundin.“
Kurz darauf erscheint eine zweite Biene und zusammen nehmen sie die „Giana Sisters“ auf ihren Rücken. Die Mädchen sehen während des Fluges unter sich viele gelbe Türme und schwebende Brücken. Das wäre eine aufregende Jump&Run-Aktion gewesen, gut, dass die Bienen sie ans Ende des Levels bringen, wo sie eine Burg sehen.
Die Bienen landen und die beiden Mädchen steigen von ihren Rücken. Schnell huschen sie in die Burg. Als sie durch das Eingangsportal flitzen sehen sie sich in einem Gang, der an einer Treppe endet, die runter in einen noch größeren Raum führt. Auf sie krabbelt ein großes Auge zu. Es jammert, weint und flucht.
„Verdammt, Data ist tot. Und Gata glaubt, ich habe den Mord gesehen. Alle glauben Gata. Ich weiß aber, dass Bata den Mord gesehen hat.“
Giana bleibt stehen und hält mit ihrer Hand Maria fest. Mit der anderen Hand deutet sie dem Auge an stehen zu bleiben.
Ein weiteres Auge kommt aus dem Hintergrund gekrochen und spricht die Mädels an.
„Ich heiße Bata und ich bin mir sicher, dass Gata den Mörder gesehen hat. Und Gata sagt, dass das Auge neben mir den Mord gesehen hat.“
„Nein, du hast den Mord gesehen“ sagt das andere Auge.
„Gata sagt aber du hast ihn gesehen.“
Das Auge überlegt kurz, schaut zu Giana und dann wieder zu seinem Freund. In der Zeit sind noch weitere Augen dazu gekommen, die vor sich hinquatschen und sich fragen, wer ihren Freund getötet hat.
„Okay, ich habe den Mord gesehen“ sagt das Auge, das von allen Fata genannt wird und als erstes auf die beiden Sister zu kam. „Es waren die beiden Mädchen hier. Data wollte nur fragen, ob ihnen unsere Burg gefällt und daraufhin sind sie brutal auf ihn raufgesprungen.“
Ein Raunen geht durch den Raum, die ganzen Augen, die im Raum sind, scheinen ihm zu glauben. Giana protestiert, dass sie es nicht war, doch vergebens. Die Augen krabbeln bedrohlich auf sie zu. Blitzschnell rennt sie mit Maria wieder über die Treppe aus dem Raum, dreht sich um und schießt mit ihrer Schwester die harten weißen Bälle auf die Augenmonster. Nach ein paar Sekunden sind alle besiegt und Giana atmet erleichtert aus.
Sie gehen wieder die Treppe runter in den großen Raum und gehen bis an sein Ende – Der Gang wird unterbrochen mit einem Schwimmbecken, in dem graue Piranhas schwimmen. Über dem Wasser sind zwei einzelne Steinblöcke. Hinter dem Becken geht der Gang weiter.
„Wir müssen auf die Steinblöcke springen und dürfen nicht ins Wasser fallen“ sagt Giana ihrer Schwester. Giana weiß, sollten sie ins Wasser fallen würden sich die Piranhas über sie her machen. Ohne groß zu überlegen springt Giana auf den ersten Block. Plötzlich rutscht sie aus, Maria schreit auf und Giana fällt. In letzter Sekunde konnte sie sich noch an dem Steinblock halten, ihre Beine baumeln in der Luft. Mühsam zieht sie sich wieder hoch und bleibt mit zitternden Beinen auf dem Block stehen.
„Alles gut, Maria!“ ruft sie ihrer Schwester zu und dreht sich um um auf den nächsten Block zu springen. Jetzt macht sie es mit einem Doppelsprung, sie springt auf den Block und gleich darauf springt sie wieder ab. Und landet in dem Gang. Auf der anderen Seite steht Maria. Sie schließt die Augen und atmet durch. Sie sagt sich, dass sie noch drei Leben hat und es jetzt keine große Tragödie wäre, wenn sie sterben würde. Wie ist es eigentlich zu sterben? fragt sie sich und schaut in das Wasser, in dem sich die Piranhas tummeln. Jetzt nur nicht daran denken, sagt sie sich und geht drei Schritte zurück. Mit drei großen Sätzen springt sie ab. Erst springt sie auf den ersten Block, gleich danach auf den zweiten und schließlich noch in den Gang. Sie hat einen Triple-Sprung gemacht, Giana klatscht in ihre Hände.
„Mann, Maria, mit dir spiele ich nicht mehr dieses Spiel, haha. Du bist zu gut für mich. Es müsste „Maria Sisters“ heißen und nicht „Giana Sisters“ lobt Giana ihre Schwester, welche sich ganz rot im Gesicht die Haare zu einem Zopf bindet.
Mit aufgetanktem Selbstbewusstsein stürmt Maria voran, Giana ihr hinterher. Nach einer Zeit ändert der Gang sich, der Boden besteht aus dunkelgrünem Bastgeflecht, vereinzelt mit kleinen Löchern, durch die man Wasser schimmern sieht. Die beiden Mädels merken, dass der Bastboden sehr wacklig ist. Vorsichtig huschen sie durch den Teil des Ganges und kommen schließlich zu dem Abschnitt wo der Boden wieder ganz normal mit Steinziegeln bedeckt ist. Der Gang endet nach einer Weile in einem Abgrund, drei Meter weiter und zwei Meter höher geht der Gang weiter. Da wo der Gang weiter geht rennt eine türkisfarbene Maus hin und her. Und das in einer beeindruckenden Geschwindigkeit.
„Ich werde es heute noch finden, ich werde es heute noch finden“ ruft die Maus und flitzt wie eine Verrückte in dem Teil des Ganges, an den die Sister gerade nicht herankommen. „Ich suche das schnellste Wort der Welt. Ist es 'Flitzblitz' oder 'Ratzfatz'? Es gibt bestimmt ein Wort, das muss man nur sagen und dann wird man schneller. „Potzblitz“, „Hotspot“, „Brattopf“!“
„Bleibe stehen, Maus“ ruft Giana der Maus zu. Denn solange das kleine Tier dort hin und her rennt können die Mädchen nicht zu ihr springen. Die Maus ist immerhin so groß wie Gianas Kopf. Doch die Maus hört nicht auf das Mädchen und spricht ganz schnell „rabarberrabarber“ hintereinander.
„Das ist auch nicht das schnellste Wort. Hat! Vadscherat! Ne, das Wort muss schon was bedeuten!“
Giana überlegt und bekommt eine Idee.
„Maus, bleibe stehen. Ich weiß wie du ganz schnell werden wirst.“
Auf der Stelle bleibt die Maus stehen und schaut den Abgrund runter zu der Gangöffnung, an der Giana und Maria stehen.
„Sag mir das Wort, bitte!“ fleht die Maus.
„Desoxyribonukleinatoriatissimonationala!“
Die Maus geht ein kleines Stück nach hinten.
„Wie war das Wort?“
Giana geht zwei Schritte nach hinten, Maria weicht aus.
„Desoxyribonukleinatoriatissimonationala!“
Die Maus schaut nachdenklich auf den Steinboden und stammelt das Wort.
„Desoxylala...Desoxynatoraitala? Wie war das Wort noch mal?“ fragt die Maus und schaut vom Boden wieder zu Giana. Die jetzt genau in dem Moment in seinem Gang landet. Erschrocken geht die Maus einen Meter zurück, fasst sich aber wieder und schreit sie an.
„Du hast mich langsam gemacht! Du hast meiner Raserei ein Ende machen wollen, na warte!“
Schon bei ihren ersten Worten begann die Maus sich wieder zu bewegen, immer schneller und vergeblich versucht Giana sie mit einem harten Ball zu treffen. Die Maus stürmt ans andere Ende des Ganges und schimpft, dass es immer noch nicht das Wort gefunden hat, mit dem man ganz schnell wird. Als die Maus zurück direkt auf Giana zu rennt springt diese hoch. Genau auf die Maus rauf, es macht Platsch! Und die Maus ist ruhig. Gleich darauf springt Maria über dem Abgrund in den Gang in dem jetzt Giana steht. Sie nimmt eine Fackel von der Wand und geht mit ihrer Schwester gerade aus. Der Gang endet in einer großen Halle, dessen Boden zehn Meter weiter unten ist. Giana ist erst mulmig zu Mute solch eine Höhe runter zu springen. Aber bisher hat sie in dem Traumabenteuer noch keine Schmerzen beim Fallen gehabt. Als Maria noch „Warte!“ ruft springt Giana runter, sie schreit auf und als sie sicher auf dem Boden landet lacht sie laut.
„Komm, spring runter, es ist ganz einfach!“ ruft sie ihrer grünhaarigen Schwester zu, da erstarrt sie auf einmal. Sie hört hinter sich etwas krabbeln. Pfeilschnell dreht Giana sich um und aus einem länglichen Raum, der sich hinter der Halle befindet, krabbelt eine riesige Spinne auf sie zu.
Sofort beschießt Giana das Monster mit einem Ball. Der linke Taster der Spinne bricht ab und sie geht einen Schritt nach hinten.
„Warum beschießt du mich? Ich wollte dich herzlichst begrüßen, dich überraschen und dir mit meiner Schere eine kleine Locke abschneiden, welche ich mir zwischen die Beine klemmen würde. Es würde mich beseelen, mich geistloses und unfrommes Getier, dich lieben zu dürfen, Schönste der Schönen, Mutigste aller...aller....oder komm du, Maria, du Fee, du Regenbogen-Schurke, in dir steckt mehr als in deiner Schwester, du bist nur zu schüchtern....“
In der Zwischenzeit ist auch Maria dazugestoßen. Verärgert schaut sie das Spinnenmonster an, welches einen Pflock zwischen den Schwestern stoßen will. Sie hebt schon die Hand und will einen Ball schleudern, da hebt die Spinne ihre Vorderbeine und kullert ihre Augen.
„Nein, Maria, tu das nicht! Ich weiß, dass du deine Schwester über alles liebst. Aber hast du dich nicht schon gefragt warum gerade du grüne Haare in diesem Traum hast? Giana hat immer noch ihre normalen blonden Haare. Zwar zerzaust, wild durcheinander – aber blond, wie immer.“
Giana sieht, dass man mit der Spinne reden kann. Doch was hat sie vor? Meinte sie nicht vorhin, dass sie sie lieben will? Und jetzt will sie sich bei Maria beliebt machen.
Die Spinne läuft von links nach rechts und wedelt mit seinem Taster den Mädels zu.
„Oder willst du nicht doch, Giana? Komm, wir küssen uns, sind ein Liebespaar bis ans Ende der Zeit und regieren mit...“
„...der auf-alles-Antwort über die Menschheit“ setzt Giana fort und schleudert einen Ball auf die Spinne. Das wollte das Monster also: Einen Kuss, damit es mit Gandolfino zusammen in Gianas Welt schlimme Sachen anstellen kann.
Maria tut Giana nach und beide werfen mit ihren Bällen auf die Spinne. Diese kreischt auf und stürmt auf die Mädels zu. Maria springt im letzten Moment zur Seite, Giana genau über die Spinne. Während Giana gerade in der Luft steht und dabei ist runterzufallen, wirft sie Bälle auf die Spinne. Maria, die an der Seite steht, schießt ebenfalls die Bälle. Nach ein paar Sekunden liegt die Spinne tot auf dem Boden.
Giana will schon weiter eilen, aber Maria braucht kurz eine Pause. Das ist jetzt viel Aufregung auf einmal gewesen.
Der längliche Raum, der aus der Halle zu dem Versteck der Spinne führte, hat an seinem Ende einen Ausgang. Da geht es bestimmt zum nächsten Level, denkt Giana. Ihr ist aufgefallen, dass die Level immer schwerer wurden. Und es sind noch so viele! Wenn sie richtig mitgezählt hat ist sie im achten Level. Und es sind 32! Aber als sie im dritten Level war und mit dem roten Monster mit dem superbreiten Mund gesprochen hatte, ist sie gegen einen unsichtbaren Block gesprungen. Daraufhin war sie zwei Level später an einer Stelle wo ihr eine Biene gesagt hatte, dass sie im siebten Level sei. Scheinbar gibt es Möglichkeiten Level zu überspringen. Giana erzählt es Maria, sie sollten nach solchen „Warps“ Ausschau halten.
Während Maria zur toten Spinne starrt schaut Giana über sich und sieht, dass die Decke des länglichen Raumes aus Steinziegeln besteht, die sie mithilfe des elektrischen Balles zerbröseln kann. Spaßeshalber springt sie dagegen und auf der Stelle zerfällt der Steinblock in Kies. Giana sieht, dass darüber ein Raum ist. Maria ist aufgeschreckt, als Giana den Stein zerdepperte und sie kann gerade noch sehen wie ihre Schwester in einem Loch verschwindet.
Einen kurzen Moment später ist Maria ihrer besten Freundin gefolgt, sie steht in einem dunklen kahlen Raum. In der Ecke liegt ein Diamant, Maria sammelt ihn ein, dabei ruft sie laut ihre Schwester. Wie vom Erdboden verschluckt.
Einen Moment lang überlegt Maria, dass Giana vielleicht wieder einen Warp gefunden hat. Genau hier in dem Raum. Maria hüpft in dem Raum und schließlich trifft sie mit ihrem Kopf in einer Ecke des Raumes einen unsichtbaren Block.
Es wird kurz schwarz um sie....

Giana kniet auf der schwebenden Plattform, die aus dem selben Material ist wie die gelben Tonnen im ersten Level. Unter sich sieht sie Bäume, allerdings nur als kleine Punkte. Ein See, der so groß ist wie ihr Daumen und einen hellbraunen Weg, der so dünn ist wie ihr Haar. Sie schwebt weit über hundert Meter in der Luft. Ob sie, wenn sie runter springen würde, mit ihrer neuen Jump-Fähigkeit heil ankommen würde? Genau da, wo sie sich das fragt, erscheint ihre Schwester neben ihr. Sie reibt sich die Augen und stöhnt.
„Toll, Maria, das du den Warp gefunden hast. Ich würde gerne mal wissen wieviel Level wir jetzt wieder übersprungen haben“ sagt Giana, gleich im nächsten Moment schaut sie wieder in die Tiefe. „Vorsicht, wir sind hier weit oben. Ganz weit oben. Traust du dich von hier runter zu springen?“
Maria kriecht zu Giana und schaut runter. Und erstarrt. Augenblicklich fangen ihre Beine an zu zittern.
„Wir...wir sind ja so weit oben...schau da ist eine Wolke....unter uns!“ sagt Maria und zeigt mit ihrer Hand auf eine kleine Wolke, die gerade seitlich ihrer Plattform schwebt.
Giana steht wieder auf, dabei lässt sie ihren Blick nach unten gerichtet.
„Ich glaube wir sollten nicht runterspringen, das ist unglaublich hoch hier“ sagt sie und schaut um sich. „Schau, Maria, da ist eine schwebende Steininsel und dahinter ist wieder eine Plattform. Wir müssen da lang!“
Maria dreht sich zu Giana und sieht wie sie auf die Steininsel springt. Mit zitternden Knien steht sie wieder auf und will ihrer Sister folgen. „Bloß nicht nach unten schauen“ sagt sie sich ständig und jumpt los.
Hinter der gelben Plattform ist wieder der gewöhnliche Boden mit seinen runden Steinen. Scheinbar sind sie jetzt auf einer großen fliegenden Steininsel. Eine Biene fliegt auf sie zu, Giana will sie schon fragen ob sie sie ein Stück mitnehmen möchte. Doch anders als die anderen Bienen fliegt sie direkt auf Giana zu, das Mädchen kann gerade noch ausweichen. Die Biene fliegt einen hohen Bogen herum zu Giana zurück, da schießt sie mit einem Ball. Genau in dem Moment fliegt die Biene hinter einen schwebenden Steinblock. Und der Ball folgt der Biene – und trifft sie. Mit einem lauten Schrei stürzt die Biene in die Tiefe. Das ist also das Erdbeeren-Extra gewesen. Ihr Schuß trifft jetzt immer.
Die beiden Mädchen gehen weiter bis zu einer großen gelben Tonne, in der es brennt. Feuerrote Flammen flackern in der Tonne.
„Hier kommen wir nicht weiter“ jammert Maria, doch ein paar Sekunden später ist Giana auf den Rand der Tonne gesprungen.
„Ohh, ist das hier heiß“ ruft sie und springt über die Flammen auf die andere Seite der fliegenden Insel. Dort sieht sie einen spitzen Kegel, über dessen Spitze ein Diamant schwebt. Als sie ihn einsammelt kommt auch Maria über die Tonne gesprungen. Weit kommen die Mädels aber nicht. Die Steininsel, auf der sie laufen, endet und eine zweite Insel schwebt fünf Meter weiter weg. Fünf Meter würden die Mädchen in der Traumwelt locker schaffen, aber hier ist es so, dass an der gegenüberliegenden Insel an ihrem Rand gleich eine brennende Tonne steht.
„Ohh, nein, wie sollen wir darüber?“ klagt Maria, „wir müssen über den Abgrund und über die Feuertonne springen. Schaffen wir das?“
Giana schaut nach vorne und geht drei Schritte nach hinten. Sie bräuchte einen größeren Anlauf. Wie weit kann sie eigentlich springen?
Sie will etwas testen. Sofort dreht sie sich zu Maria und sagt ihr, dass sie zur Seite gehen soll. Giana nimmt Anlauf und springt so weit sie kann. Maria fragt, ob sie einen Warp sucht doch Giana antwortet ihr nur das Wort „gleich“ und zählt die Meter, die sie gesprungen ist. Danach geht sie wieder zum Abgrund und schaut nachdenklich nach vorne.
„Ich bin acht Meter weit gesprungen. Das wird zu knapp, wir müssen ja auch über die Flammen springen“ sagt sie, „es gibt nur eine Lösung.“
„Wir warten bis eine Biene kommt. Die holt dann noch eine Freundin und bringt uns rüber“ schlägt Maria vor.
Daran hatte Giana gar nicht gedacht. Doch so sehr sie auch den Himmel absucht, hier ist keine Biene mehr. Außerdem war vorhin eine Biene, die sie angegriffen hat.
Giana will schon abspringen, da bleibt sie stehen.
„Du hast recht, wir warten auf eine Biene“ gibt Giana ihr recht. Denn dieser Sprung ist ihr zu gewagt.
Sie warten. Und warten. Zwischendurch ist ein Fuchs erschienen, der behauptete ein magisches Wort zu kennen, das man sagen muss und dann hören alle in der Welt seine Gedanken. Den haben sie mit ihren Bällen vertrieben. Aber eine Biene hat sich nicht gezeigt.
„Wir haben nicht ewig Zeit, wir können in der Traumwelt nichts essen. Wir schlafen ja eigentlich. Und man kann nur 3 oder vier Tage ohne zu trinken überleben. Wir müssen auf den Rand der Tonne dort drüben springen“ sagt Giana und zeigt auf die brennende Tonne auf der anderen Insel. „Das ist sehr gefährlich, aber wir haben ja schon rausgefunden, dass man im Jump den Flug steuern kann.“
Sie dreht sich zu Maria und berührt ihre Arme.
„Wir werden jetzt bestimmt sterben“ sagt Maria wehleidig und schaut sie mit traurigem Blick an.
„Wir haben ja noch ein paar Leben“ antwortet Maria, die gerne mehr ihre Schwester ermuntern würde. Was sie nicht kann, weil ihr selber Bange geworden ist. Bisher empfand sie alle Stellen in dem Traumabenteuer als schaffbar. Der Abgrund hier und die brennende Tonne auf der anderen Insel ist für sie die erste Stelle wo sie das Gefühl hat sterben zu müssen.
„Vielleicht können wir so tief fallen. Komm, wir springen lieber runter“ bringt Maria ein, doch Giana schüttelt nur den Kopf. Sie geht ein paar Meter nach hinten und nimmt Anlauf – Bei jedem Schritt denkt sie „Es muss klappen!“ Am Rand der Insel springt sie ab. Als sie über dem Abgrund fliegt schaut sie nicht nach unten. Die Tonne mit ihren lodernden Flammen kommt ihr immer näher. Bloß nicht hineinfallen! Als sie auf den Rand der Tonne landet, schließt sie kurz die Augen. Die gleißende Hitze der heißen Flammen aus der Tonne strömt an ihren Körper und bringen sie dazu nicht lange nachzudenken. Sofort springt sie vom Rand über das Feuer auf den Steinboden. Und bricht mit einem Freudenausruf erst mal zusammen.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20668 Verfasst am: Mo 7.Apr.2014 00:12
 
Giana Sisters 7.Teil
 
Noch etwas benommen vom Glückstaumel rappelt sich Giana wieder auf, sie sieht vor sich zwei große weinrote Kegel mit Diamanten auf ihrer Spitze. Sie nimmt sich einen davon und hört plötzlich von überall ein klingendes Geräusch. Wer war das? Das Geräusch hörte sich an, als ob Diamanten zusammenfallen würden, ein heller hoher Klang. Hat sie jetzt ein Extraleben bekommen?
Auf der anderen Seite des Abgrunds steht Maria, sie glaubt nicht daran, dass sie den Sprung zur anderen Steininsel auf den Rand der brennenden Tonne schaffen wird. Das dachte sie aber auch in dem Keller, wo sie vom Dach des Levels in die Lücke springen musste, in der der Keller weiter verlief.
Sie geht ein paar Schritte zurück und hüpft hoch. Vielleicht ist ja hier wieder ein Warp, denkt sie. Ein paar mal springt sie von verschiedenen Stellen in die Luft, doch es zeigt keinen Erfolg. Sie muss den waghalsigen Sprung machen.
„Milanonimalolinamo“, murmelt sie, „werde ich den Sprung überleben?“
Keine Antwort.
„Milanonimalolinamo...Milanonimalolinamo...Milanonimalolinamo...werde ich es schaffen?“
Das Mädchen wartet und wartet, doch sie hört nur leise das Summen einer Biene, die viele Meter über ihr vorbeifliegt.
Sie muss den Sprung wagen. Mit bleiernen Beinen geht sie auf den Abgrund zu. Von Sekunde zu Sekunde wird sie immer schneller. Sie stürmt auf den Rand der fliegenden Steininsel zu. Mit einem lauten Schrei springt sie am Rand ab. Ohne es zu wollen schaut sie runter. Unter sich sieht sie eine Landschaft mit kleinen roten Punkte, die sich bewegen. Sind es Füchse? Die schier unermessliche Höhe, in der sich Maria befindet, lässt sie schwindlig werden. Im Magen hat sie ein drückendes Gefühl, ihre Beine fühlen sich flau an. Und mit ihren Armen rudert sie in der Luft. Die Hälfte des Sprunges hat sie schon hinter sich gebracht, die Steininsel, wo Giana auf sie wartet, kommt Maria immer näher. Sie muss auf dem vorderen Rand der Tonne landen und gleich danach über sie rüberspringen. Die lodernden Flammen kommen ihr immer näher. Mit ihrem Körper drückt sie sich nach hinten. Dadurch verlangsamt sie ihren Sprung. Mit ihrem rechten Fuß will sie schon den vorderen Rand der Tonne berühren, doch nur ihre Fußspitze berührt das gelbe Metall der Tonne. Mit ihrem Kopf stößt sie sich an der Tonne und wird bewusstlos. Sie kann nur noch fühlen wie sie fällt und fällt...
„MARIA!“ ruft Giana, welche auf dem hinteren Rand der brennenden Tonne steht. Ihre Sister ist verschwunden, sie ist runtergefallen. Mit einem Satz springt Giana auf den vorderen Rand der Tonne und sie kann noch sehen, wie Maria in die Tiefe fällt und immer kleiner wird. Giana fällt ein Stein vom Herzen, als sie sich daran erinnert, dass man in der Traumwelt mehrere Leben hat. Sie hüpft über die Tonne zurück auf den Steinboden und betet zu Gott, dass Maria bald kommen wird. Erwartungsvoll steigt sie wieder auf den hinteren Rand der Tonne und schaut in die Richtung, in der der Level anfängt.
Es dauert nicht lange, da erscheint Maria am Rand der anderen Steininsel.
„Schaue nicht nach unten wenn du springst!“ ruft Giana Maria zu, welche los rennt und abspringt. Giana lässt sich auf den Steinboden nach hinten fallen und macht Maria schon mal Platz. Doch sie will sehen ob ihre Schwester es schafft. Deswegen hüpft sie mehrmals hoch über die Tonne, dass sie sie sehen kann. Sie sieht, dass Maria sehr weit springt. Wahrscheinlich wird sie nicht auf den vorderen Rand der Tonne landen. Hoffentlich hinter der Tonne und nicht genau in die Flammen! In den letzten Sekunden hört Giana auf zu springen und drückt die Daumen, Maria fliegt direkt auf die brennende Tonne zu. Und genau auf den hinteren Rand. Maria ruscht daran ab und fällt auf den Boden, der mit runden Steinen gepflastert ist. Sie landet neben Giana mit einem lauten Stöhnen.
„Super, du hast es geschafft!“ ruft Giana und küsst ihre Schwester glücklich auf den Kopf.
„Ich brauche eine Pause!“ verlangt Maria und setzt sich im Schneidersitz auf den Boden.
„Es sind noch so viele Level. Wir schaffen das bestimmt nicht“ jammert sie, doch sie fügt hinzu „zum Glück hat man hier mehrere Leben. Vielleicht finden wir noch den einen oder anderen Warp.“
„Wir müssen es schaffen. Du hast ja gar nicht unsere Eltern erlebt nachdem sie telefoniert haben. Die waren total dumm. Bestimmt haben die Menschen überall jetzt die Telefone abgeschaltet. Dann wird sich Gandolfino bestimmt was neues überlegen.“
„Was ist mit dem Fuchs und der Biene, die wir geküsst haben?“ fragt Maria, die hofft, dass diese beiden Tiere nicht auf die selbe Idee kommen wie Gandolfino.
Giana winkt ab und schüttelt den Kopf.
„Die Biene, die du auf den Hinterkopf geküsst hast, habe ich ja nicht gesehen. Der Fuchs, den ich geküsst habe, der unbedingt krank sein wollte, ist glaube ich harmlos gewesen.“
Die beiden Mädels unterhalten sich noch ein wenig, danach stehen sie auf und gehen weiter. Nach einer Zeit stellen sie fest, dass die Steininsel endet und zur nächsten Insel wieder ein Abgrund dazwischen liegt. In dem Abgrund stehen lange rechteckige Steinquader mit der kurzseitigen Kante nach oben in der Luft, zwischen ihnen ist ein Abstand von fast drei Metern. Eigentlich machbar, denkt die Blondine, doch als sie hochschaut sieht sie einen langen Steinblock, der zur nächsten Steininsel führt. Das wird einfacher sein.
Mit einem Satz springt sie auf den Steinblock, Maria folgt ihr. Beide sehen, dass ein Monster auf sie zugekrochen kommt, was sie schon mal gesehen haben. Es ist die rote Halbkugel mit dem breiten Mund. Während es auf sie zukriecht spricht es sie freundlich an.
„Eidersaus, was seid ihr nur für liebe Wesen, stattet mir, einem Taugenichts, einen Besuch ab.“
Sofort wechselt es seine Miene zu einem bösen Gesichtsausdruck.
„Habt ihr euch überhaupt angemeldet? Ich seid doch noch kleine unbedeutende Kinder, so eine Kundschaft brauche ich nicht.“
Giana will schon einen Ball auf das Monster werfen.
„Du willst mit mir Ball spielen“ sagt das Monster plötzlich wieder freundlich, „das ist toll, ich war mal ein Ball. Jemand hat mich geteilt, mir aber meine zweite Persönlichkeit gelassen. Meine zweite Hälfte kriecht irgendwo völlig seelenlos durch die Gegend, ihr Süßen.“
Giana legt den Ball zur Seite und geht mit Maria an der Hand an dem Monster vorbei. Als sie schon einen Meter hinter dem Monster sind fängt es an zu schimpfen.
„Ihr habt keinen Eintritt gezahlt! Ihr kommt her, besudelt mit euren dreckigen Füßen mein Areal und werft mir noch vor ich wäre persönlich gespalten. Eine Frechheit so etwas. Na wartet, euch kriege ich!“
Doch für das Monster ist es zu spät, die Giana Sisters sind schon vom Steinblock auf die andere Insel gesprungen. Einige Meter vor ihnen stehen Steinplatten länglich neben einander. Um so weiter die Platten weg sind um so höher sind sie. Es sieht so aus, als ob vor den Mädels ein Hügel stehen würde.
Sie gehen auf die Steinplatten zu, da fliegen drei Bienen zu ihnen. Die linke Biene trägt einen Schal und zittert, die mittlere hat eine Brille vor den Augen und die rechte Biene zeigt einen verkrampften Gesichtsausdruck, was daran liegen mag, dass ihr ein Vorderflügel fehlt.
Die Biene mit der Brille lacht auf als sie die Mädels sieht und fliegt dicht an ihre Köpfe heran.
„Habt ihr schon von der neusten Meldung gehört? Der Kristall wurde versteckt! Ihr werdet ihn nie finden!“
Die Augen der Biene leuchten hinter den Brillengläsern.
„Wer hat ihn versteckt?“ will Giana wissen, die sofort einen Hoffnungsschimmer sieht. Vielleicht ist der Kristall im 20. oder 15. Level versteckt und sie müssen nicht bis in den 32. Level kommen.
„Der Kristall....puhhhh, ist das kalt...der Krrristall wurrrrrde geklaut“ will die Biene mit dem Schal fröstelnd die Brillenträgerin korrigieren. Welche sich sofort umdreht und den Kopf schüttelt.
„Der Kristall wurde geklaut, damit er noch besser versteckt wird. Bisher lag der Kristall unübersehbar im 32.Level in einer Halle.“
„In welchem Level ist der Kristall versteckt?“ fragt Giana, die sich schon denken kann, dass sie keine hilfreiche Antwort erhalten wird.
Wie erwartet lacht die Biene sie aus und hebt ihren Zeigefinger hoch.
„Na das werde ich euch doch nicht verraten. Warps sind schon schwer zu finden, aber den Kristall findet ihr nie. Der ist bestimmt im 398. oder 489.Level versteckt.“
„Ich denke es gibt nur 32 Level“ mischt sich Maria ein.
„Haha, habt ihr das gehört, Freunde?“ ruft die Biene und hebt ihre Brille mit der Hand kurz über die Augen, „denkt ihr wirklich, dass eine ganze Welt in 32 Level reinpasst? Ihr müsst das zehn- oder hundertfache nehmen, genau weiß das keiner.“
„Gibt es auch....brrrrr.....gibt es auch einen Level in der Wüste?“ fragt die Biene, die dauernd friert.
„Nein“, sagt ihr Redeführer, „einen Wüstenlevel gibt es in dem Remake „Gianas return“. Warum frierst du denn, es ist doch gar nicht kalt.“
„Ich....brrrrr....ich bin ein Kind der Sonne, ich brauche schon so meine 5000 Grad Celsius mindestens.“
Während die Bienen sich unterhalten sackt Giana in die Knie. Es gibt also noch viel mehr Level als 32. Und der Kristall wurde versteckt. Vielleicht hat das Gandolfino so eingerichtet, vielleicht hat er noch einen mächtigen Verbündeten in der Traumwelt. Die Spinne Mirazmax kann es aber nicht sein, denn die haben sie ja schon besiegt. Ihre Gedankenwelt wird unterbrochen von der Fliege, der ein Flügel fehlt. Sie landet auf dem Boden und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
„Fliegen kann ja so anstrengend sein. Du hast es gut, Giana, bei dir ist noch alles heil.“
Giana stöhnt kurz und richtet sich wieder auf.
„Dafür kommen wir jetzt nicht weiter. Wir werden den Kristall nie finden“ sagt sie in bemitleidenswertem Ton.
„Ach, glaube den beiden doch nicht alles. Die Traumwelt hat nur ein paar kurze Level und der Kristall ist für jedermann zu haben“ sagt die Biene und lacht. Die anderen beiden Bienen bekommen das Gespräch nicht mit, sie sind vertieft in der Diskussion, ob die Traumwelt eine Wüstenwelt sein sollte.
„Dein Freund hat aber was anderes erzählt“ protestiert Giana, die gerne der Biene, mit der sie gerade spricht, glauben würde.
„Mein Freund will unbedingt in einer riesigen Welt leben, mit mächtigen Rätseln, nur lösbar für fanatische Nerds. Unsere Welt wurde 1987 für einen 8-Bit-Computer konzipiert, deine Traumwelt ist nur ein Medley in kurzer Fassung davon.“
Giana spricht sofort den Brillenträger an. Welcher antwortet:
„Ja klar, ist nur ein Medley. Unsere Welt hat nur drei Level, mit vier Monster, und die ganzen Diamanten, die du bisher gesehen hast, sind Ebenstücke des magischen Kristalls gewesen.“
„Ach, komm, da gibt es größere Welten. „Super Mario World“ auf dem SNES ist größer“sagt die Biene mit dem fehlenden Flügel.
„Drei Level können es nicht sein“ widerspricht Giana, „wir sind im 10. oder 11. Level.“
„Na gut, dann sage ich dir die Wahrheit“ antwortet die Biene mit der Brille, „es gibt nur einen Level. Immer wenn ihr ihn geschafft habt baut sich ein neuer Level auf, der zufällig erstellt wird. In jedem Level ist der Kristall versteckt.“
„Echt?“ staunt Maria und schaut Giana mit großen Augen an. Doch diese weiß langsam nicht mehr, was sie von den Bienen halten soll.
„Ich will die Wahrheit hören! WO ist der Kristall?“ schreit Giana die Bienen an.
„Der Kristall....ist im....brrrr.....ist im Erdinnern....wo es schön warm ist....heißes Eisen, heißes Nickel...sind noch 1000 Level bis dahin.“
„Sagt mir die Wahrheit!“ ruft Giana erneut, jetzt verliert sie die Fassung. Sie nimmt einen Ball und zielt ihn auf den Brillenträger.
Jetzt bekommen die Bienen Angst, alle drei erzählen etwas anderes. Der Brillenträger meint, dass der Kristall im 106,8.Level ist, die frierende Biene sagt im 0.Level, den man nur erreicht, wenn man in der Traumwelt träumt und die Biene, die sich so abmühen muss weil ihr ein Flügel fehlt, sagt im -41.Level.
Das reicht Giana, sie schleudert einen harten weißen Ball dicht neben den Bienen um ihnen Angst einzujagen. Die haben sie jetzt auch und im Nu sind sie auch verschwunden.
Das blonde Mädchen lehnt sich gegen eine aufragende Steinplatte und schließt die Augen. Sie murmelt das magische Wort und will wissen, in welchem Level der Kristall versteckt ist.
„Im nächsten Level“ hört sie eine tiefe Stimme in ihrem Kopf sagen, sofort schlägt sie wieder ihre Augen auf.
„Im nächsten Level ist der Kristall!“ ruft sie zu ihrer Schwester, welche auch das magische Wort etwas gefragt hat. Und zwar ob sie das Abenteuer lebend bestehen werden, doch sie hat keine Antwort erhalten.
„Hast du das magische Wort gefragt?“ will Maria wissen.
Giana nickt und springt auf die Steinplatte vor ihr rauf. Um dann auf die nächste Steinplatte zu springen, die zwei Meter weiter weg steht. Maria folgt ihr, sie fragt ihre Schwester noch, warum Milanonimalolinamo nicht auf alle Fragen eine Antwort hat.
„Weil manche Antwort vielleicht in den Sternen liegt, was hast du denn gefragt?“
Maria hüpft auf die Steinplatte, auf der Giana steht. Sie hält sich an ihr fest und sagt:
„Ich habe gefragt gehabt ob wir das Abenteuer lebend bestehen werden.“
Giana murmelt kurz das magische Wort, doch auch sie bekommt keine Antwort auf diese Frage.
Sie überlegt kurz und glaubt zu wissen warum ihr das magische Wort nichts dazu sagen kann.
„Weil das keiner sagen kann, ob wir es schaffen werden. Es hängt von uns ab.“
Die Mädels hüpfen auf die Steinplatte, die am höchsten in die Luft ragt und sehen vor sich eine wacklige Brücke auf der eine türkisfarbene Maus hin und her rennt. Die Brücke führt zu einer Steininsel auf der eine Burg steht.
„Bleib stehen, Maus!“ ruft Giana dem Tier zu, doch es rennt wie eine Wilde weiter. Die Maus fängt an laut und ganz schnell zu den Mädchen zu reden ohne sie dabei anzuschauen, dabei rennt sie auf der Brücke.
„Ich habe das Wort gefunden, nach welchem mein Freund gesucht hatte.“
„Das magische Wort, mit dem man alles weiß?“ fragt Giana, doch sie erinnert sich gleich darauf an die Maus in dem einen Dungeon, dass nach dem Wort gesucht hatte, was einen schnell macht.
„Milanonimalolinamo?“ fragt die Maus, „nein, mit dem Wort weiß man einfach alles, mehr aber nicht. Da passiert sonst nichts, mit meinem Wort wird man ganz schnell.“
„Wie heißt es?“ fragt Giana.
„Rattattfatzdatt! Ohhh, jetzt werde ich wieder schneller. Das ist das Wort, sprich es aber nicht aus. Du bist dann wahnsinnig schnell, um wieder langsamer zu werden musst du ein anderes Wort sagen. „Lolokimono!“. Ich versuche es die ganze Zeit zu sagen, aber es klappt nicht.“
„Warum nicht?“ will Giana wissen, die gleich mal das Wort aussprechen will, mit dem man ganz schnell wird.
„Weil man das Wort „Lokokimono“ langsam sagen muss damit es wirkt. Wenn man aber „Rattatttfatzdatt“ gesagt hat spricht man ganz schnell, man kann nichts mehr langsam sagen.“
„Rattatt...“ sagt Giana schon, doch sie wird sogleich von der Maus unterbrochen.
„Überlege es dir gut. Wenn du „Rattattfatzdatt“ gesagt hastgibt es kein Zurück mehr. Du bist dann flitzschnell, alles saust an dir vorbei. Und das andere Zauberwort „Lokokimono“ hilft dir dann nicht mehr, weil du es nicht langsam sagen kannst. Lokokimoni, Lokokimono, Mist wieder zu schnell ausgesprochen.“
„Bleibe doch bitte mal stehen!“ bittet Giana die Maus. Denn solange sie wie eine Verrückte auf der Brücke hin und her rennt kann sie mit ihrer Schwester dort nicht rauf.
„Ich kann nicht stehen bleiben. Bin gehetzt und gejagt, das Blut kocht in meinen Adern, Lokokimoni, Lokokimono, verdammt, wieder zu schnell gesagt.“
„Sprich es doch ganz lange aus. Loookoookiiiimooonooo.“
„Stimmt, das hatte ich noch gar nicht ausprobiert“ sagt die Maus und spitzt ihre Ohren, „Looooookooookiiiimooonooo.......Looookooookiiiimoooonoooo.....ah, das tut gut!“
Die Maus spricht das Wort jetzt ganz gedehnt aus und wird immer langsamer.
Giana hat in der zeit das Wort „Rattattfatzdatt“ ausgesprochen und sie merkt, wie schnell auf einmal ihre Gedanken sind. Die Maus ist nach mehrmaligen Aussprechen des Wortes, mit dem man langsam wird, auf der Brücke stehen geblieben, Giana will zu ihr. Ganz schnell springt sie auf die Brücke und obwohl sie nur drei Schritte machen will, flitzt sie über die Brücke und springt auf die Steininsel, auf der die Burg steht.
Maria steht noch auf der anderen Seite auf der Steinplatte und sie hat gesehen, wie die Brücke an den Stellen zusammengefallen ist, an denen Giana sie berührt hat.
Die Brücke hat jetzt ein paar Löcher, darunter sieht Maria eine weitere Brücke. Sie springt runter und sofort zerfällt der Brückenrest und auch die Maus fällt runter – auf eine weitere Brücke, in der eine Maus hin und herrennt. Diese ist ganz verzweifelt und rennt panisch herum, Maria muss über sie rüber springen.
„Ich muss es wissen, sonst werde ich wahnsinnig“ schreit die Maus während sie rennt, die andere Maus, die mit Maria auf diese zweite Brücke gefallen ist, ist glücklich, dass sie nicht mehr so gehetzt ist und legt sich mit verschlossenen Augen hin um zu schlafen und sich auszuruhen.
„Ich muss es wissen, sonst raste ich aus“ schreit die andere Maus und rennt auf Maria zu. Diese springt rüber und fragt gleich darauf, was die Maus wissen will.
„Wo ist die Sonne nur hin?“ fragt die Maus verzweifelt, „warum ist hier nie Nacht? Gibt es in der Nacht funkelnde Sterne von denen man mir berichtete hat? Warum gibt es das nicht in unserer Welt? Was ist das hier eigentlich für eine seltsame Welt?“
Gerade als die Maus ihren letzten Satz ausgesprochen hat stürmt sie auf Maria zu und das Mädchen muss erneut über die Maus springen.
„Ich kann dir helfen“ ruft Maria, „ich kenne ein Wort, mit dem erhält man Antwort auf fast alle Fragen die es gibt.“
Die Maus bleibt stehen und schaut Maria mit schiefem Blick an.
„Du meinst die auf-alles-Antwort? Wie heißt sie denn?“
„Milanonimalolinamo....du musst es vielleicht manchmal mehrmals hintereinander sagen.“
Die Maus schaut nachdenklich auf die Brücke und flüstert das magische Wort. Diese Gelegenheit will Maria nutzen, sie rennt zum anderen Ende der Brücke, auch hier zerfällt der Boden unter ihren Füßen. Mit einem Satz springt sie auf die Steininsel, wo Giana schon auf sie wartet.
„Der nächste Level ist in der Burg da hinten“ sagt Giana und zeigt auf das alte Gemäuer. „Da soll auch der Kristall stecken.
Ohne zu Zögern betreten beide die Burg in der Hoffnung bald den Kristall gefunden zu haben.
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Dover    
 
 
Mitglied Dover
Rang FANatic
FANatic
aus Berlin
300 Beiträge
seit 22.04.2005
(5589 Tage)
Beitrag 20669 Verfasst am: Fr 11.Apr.2014 03:02
 
Giana Sisters letzter Teil
 
Staubige Luft, die von den dreckigen großen bunten Fenstern beleuchtet wird, wirbelt jedesmal auf wenn die beiden Schwestern in den Gängen der Burg laufen. Große Gemälde hängen an den Wänden, sie zeigen unter anderem Giana mit einer Erdkugel als Kopf oder Gandolfino auf einer glänzenden goldenen Münze abgebildet. Neben jeder Tür ist eine Steinstatue, so groß wie Giana und Maria. Die Steinstatuen zeigen Personen die die beiden Mädchen aus ihrem Leben kennen. Hinter einer Statue, die wie Lisa die Augen aufreißt wenn sie etwas tolles hört, ist ein Raum, der wie Lisas Zimmer aussieht, nur das alles gespiegelt ist. Ihre Buntstifte liegen auf dem Boden, ihre Romane liegen aufgeschlagen und bemalt daneben, der Pumuckl mit dem Anzug von Clever hängt mit einem Bein in der obersten Reihe ihres Kleiderregals zwischen den Hosen, nur Lisa fehlt. Von ihrer Wohnung ist auch nur ihr Kinderzimmer in der Burg. Oder ein Zimmer ist ein Jugendzimmer des Vaters, das Bett ist bedeckt mit Blättern aus einem Rollenspiel, auf dem Boden ist ein Strategiespiel im Stil von Battle Isle ausgebreitet und auf dem Schreibtisch steht ein C64er, auf dem man Giana Sisters spielen kann.
Zwischendurch kommt ein laufendes Auge oder eine türkisfarbene Maus um die Ecke gehuscht, dann müssen die Sisters über sie rüberspringen oder sie abschießen.
In den Räumen haben die Mädels alles abgesucht, doch sie haben den Kristall nicht gefunden. Ein laufendes Auge meinte, dass der Burgherr im Keller schlafe und es nicht gut finden wird wenn Giana und Maria in seinen Zimmern alles durchwühlen. Er soll ein neues magisches Spielzeug haben. Vielleicht der Kristall? Aber mit dem Kristall kann man ja nicht spielen, den braucht Giana nur um Gandolfino wieder in seine Welt zu bringen.
„Wir müssen in den Keller“ schlägt Giana vor. „Hier haben wir alles schon abgesucht.“
„Ist schon seltsam, das mit den Zimmern von unseren Freunden und Eltern“ sagt Maria, „nur unsere Zimmer haben gefehlt.“
„Die werden vielleicht in der oberen Etage der Burg sein“ vermutet Giana, „lass uns da mal hingehen wenn im Keller nichts war.“
Nach einer Zeit finden sie die Treppe, die in den Keller führt. Giana nimmt eine Fackel, die schon vorbereitet neben der Eingangstür in einer Mulde in der Wand liegt. Als sie sie mit ihrer Rechten Hand umklammert beginnt sie zu flackern, legt sie die Fackel in die linke Hand, so hört sie auf zu leuchten und erlischt.
Sie gehen durch den Eingang des Kellers und laufen in einem Gang, der mit rotleuchtenden Teppichen auf dem Boden und an den Wänden bedeckt ist. Auf ihnen sind Bilder von Schlössern und Burgen gewebt. Wenn man lange genug auf einen Teppich schaut, so wechselt er das Bild, dann wird die Innenarchitektur des Gebäudes gezeigt.
Giana und Maria schauen auf die Teppiche und glauben, dass es nur Bauwerke in ihrem Traum sind.Eine Burg ragt wie eine Schraube in den Himmel, eine andere Burg erstreckt sich über ein ganzes Tal, die Burg ist wie eine Stadt, nur das da der König, seine Familie und seine Ritter wohnen.
Giana will einen der Teppiche, die an der Wand hängen anfassen. Das Schloss, das darauf gewoben ist, schimmert in rotem Marmor, seine Kuppel ist in vier gleichgroße Riesenblätter aufgegangen und lässt den Anblick für einen reich geschmückten Thronsaal frei.
Als sie ihre Hand an den Teppich legt, wo die Kuppel des Schlosses ist, schließt diese sich wieder. Erschrocken, dass sich das Bild auf dem Teppich bewegt hat zieht sie ihre Hand wieder zurück.
Ein laufendes großes Auge kommt in der Zwischenzeit auf die Mädchen zu.
„Jetzt hast du die Kuppel zu gemacht. Nun muss man bis zum fünften Bild schauen und den Knopf neben dem Thron drücken“ meckert das Auge. „Was sucht ihr hier überhaupt? Ach, ihr seid Giana und Maria, oder?“
„Halt, bleibe stehen“ ruft Giana und hat einen Ball wurfbereit, „woher kennst du uns?“
Das Auge bleibt stehen und starrt sie mit ihrer großen Pupille an.
„Ihr seid die, die den Kristall holen wollen. Bedenke, dass du dann nicht mehr von uns träumst und die magischen Wörter erfüllen auch nicht mehr ihre Funktion.“
Giana kennt ja jetzt drei Zauberwörter, das mit dem man alles weiß, das mit dem man ganz schnell wird und das Wort mit dem man wieder langsamer wird. Letzteres hat sie gleich gesprochen gehabt, als sie über die Brücke geflitzt ist und vor der Burg landete. Ihre Bewegungen waren schneller, sowohl im Kopf als auch im Körper. Fast schon hektisch stammelte sie das Wort „Lokokimono“, ihr fiel ein, dass man es langsam und gedehnt aussprechen muss, es dauerte ein paar Sekunden bis sie wieder ihre normale Geschwindigkeit hatte.
Und das laufende Auge vor ihr, dessen Iris rot leuchtet, sagte ihr, dass sie auf die Zauberwörter verzichten muss wenn sie den Kristall findet. Das weiß sie ja schon, erst wollte sie die auf-alles-Antwort auch nicht aufgeben. Aber in der realen Welt wo sie lebt droht ein Chaos auszubrechen.
Wegen Gandolfino. Sie darf jetzt auch nicht noch ein Monster küssen. Denn es weiß die auf-alles-Antwort vielleicht auch und stellt damit dumme Sachen an.
„Ich weiß, wir werden auf die magischen Wörter verzichten“ versichert Giana dem Auge. „Wer ist der Burgherr?“
„Wenn ihr den Kristall finden wollt, dann ist es meine Aufgabe euch zu vernichten!“ ruft das Auge und kriecht auf sie zu. Sofort beschießen Giana und Maria es mit ihren harten Bällen. Das Monster ist gleich darauf tot.
Sie gehen an dem toten Auge vorbei und kommen an ein Wasserbecken, welches den Gang trennt. Hier sehen sie nichts, sie hören nur wie etwas aus dem Wasser taucht. Da hier keine Teppiche mehr sind, die den Gang beleuchten, nimmt Giana die magische Fackel in die rechte Hand, sofort flackert sie auf und die Sisters können ihre Umgebung sehen. Im Wasserbecken bewegen sich rasierscharfe Messerklingen auf und ab und in der Mitte des Beckens schwebt ein Steinblock in der Luft.
Maria hält sich entsetzt die Hände vor dem Mund, Giana reibt sich den Schweiß von der Stirn. Beide tragen ja noch ihren Schlafanzug, mit dem sie schlafen gegangen sind. Die sind mittlerweile ganz dreckig und an manchen Stellen zerrissen. Doch das interessiert die beiden gerade weniger, sie haben Angst beim Sprung auf den schwebenden Block abzurutschen und in die scharfen Messerklingen zu fallen, die von einer Maschine im Wasser angetrieben werden.
Giana will als erste springen, sie geht zwei Schritte zurück, dabei streift sie mit ihrem Arm Maria, welche gleich zur Seite geht. Die Blondine holt Luft, atmet gleich darauf aus und stürmt nach vorne. Als sie abspringt, schreit sie auf. Und landet genau auf den Steinblock. Sie muss an das Becken denken mit den Piranhas. Da ist sie ja abgerutscht, hier ist sie dagegen sauber gelandet.
Gleich darauf springt sie ab um in den Gang zu kommen, der von dem Wasserbecken abgetrennt wurde.
Es ist etwas umständlich mit der Fackel in der Hand, sie muss sie aber halten, damit sie was sieht. Sie springt vom Steinblock ab und stellt auf einmal fest, dass sie nicht weit genug gesprungen ist. Schnell wirft sie die Fackel in den Gang und streckt sich nach vorne. Die Fackel leuchtet nicht mehr, es ist stockdunkel. Gerade so kann sie aber die Kante des Ganges greifen.
„GIANA! Bist du tot?“ ruft Maria, kurz nachdem das Licht ausgegangen ist.
„Nein, ich...ich...“ stammelt Giana und klettert in den Gang rein. Im Dunkeln sucht sie nach der Fackel. Als sie sie gefunden hat, nimmt sie die Fackel in die rechte Hand, sogleich leuchtet sie auf. Nach der ganzen Anstrengung und Anspannung lacht Giana schließlich auf. Sie stellt sich an den Rand des Ganges und leuchtet zu Maria rüber.
„Jetzt bist du dran!“ ruft Giana Maria zu.
„Geh zur Seite!“ sagt Maria und geht etliche Meter zurück. „Und bloß nicht die Fackel jetzt ausmachen!“
Maria rennt los. Am Ende des Ganges springt sie ab, landet ganz kurz auf dem Steinblock und springt von ihm wieder ab. Genau in den Gang, in dem Giana steht.
„Das hast du super gemacht. Wie in einem Film!“ lobt Giana ihre Schwester, welche ganz verlegen auf den Boden schaut.
„Ich habe aber auch ganz große Angst gehabt“ gibt die Grünhaarige zu.
„Ich auch“ sagt Giana mit einem Nicken und nimmt ihre Schwester an der Hand.
Hier in dem Gang leuchten von den Wänden wieder die Teppiche an den Wänden in roten Farben, die Burgen und Schlösser darauf sind immer fantastischer geworden. Eine Burg steht auf einem Berg, der wie ein Pilz geformt ist. Auf einem anderen Teppich ist ein Schloss, welches auf einer Brücke steht, die sich über eine tiefe Schlucht zieht. Die Brücke ist breit und aus Stein, von ihr führen kleine Treppen zur Straße, die sich in der Schlucht befindet.
Es dauert nicht lange, da endet der Gang wieder in einem Wasserbecken, in der Mitte des Beckens ist diesmal kein schwebender Steinblock sondern eine kleine Plattform, die bis zum Wasserboden reicht. Über der Plattform sind zwei schwebende Steinblöcke auf dem wieder ein rotes gewölbtes Monster mit breitem Mund kriecht. Die Mädchen wären schon auf die Plattform gesprungen und hätten das rote Monster was gefragt, würde aus dem Wasser, was dazwischen ist, nicht immer ein großer grüner Fisch springen. Immer, wenn er aus dem Wasser springt spricht entweder er etwas oder das rote Monster. Ist er im Wasser so ist auch das rote Monster still.
„...und dann habe ich ihm gesagt...“ spricht der Fisch während seines Sprunges laut und verschwindet dann wieder im Wasser. Einen Augenblick später springt der Fisch wieder aus dem Wasser und erzählt weiter.
„...dass er das Leben hier nicht so....“
Platsch, der Fisch ist wieder im Wasser, gleich darauf springt er wieder Richtung Decke und spricht weiter.
„...ernst nehmen soll, wir sind ja nur ein Traum!“
„Wo ist der Kristall?“ fragt Giana kurz danach, nur das rote Monster kann sie gerade hören. Doch es sagt nichts. Als der Fisch wieder aus dem Wasser springt, sagt das rote Monster:
„Ey, Kumpel, das Mädchen fragt wo der Kristall ist.“
Der Fisch hört es und als er sich wieder umdreht und ins Wasser fallen will, lacht er auf. Er planscht ins Wasser und als er wieder rausspringt ruft er:
„Der Kristall ist magisch, wenn man in seiner Gegenwart schläft...“
Weiter kommt der Fisch nicht, er taucht wieder im Wasser. Doch die Mädels warten geduldig bis er wieder aus dem Wasser hüpft und weiterspricht.
„...dann träumt man von der Welt, an die man vor dem Schlafen noch gedacht hat.“
„Wo ist der Kristall? Er soll hier in der Burg sein“ fragt Giana. Als sie das magische Wort Milanonimalolinamo geflüstert hat, wurde ihr nur gesagt, im Keller der Burg. Wo genau, das konnte sie nicht erfahren.
„Unser Burgherr hat ihn, der mächtige Drache Topalek, er hütet ihn wie einen Schatz“ sagt der Fisch und als er wieder taucht spricht das rote Monster weiter:
„Ihr werdet den Kristall nicht bekommen, es sei denn ihr besiegt Topalek.“
„Wo geht es zu Topalek?“ fragt Maria genau da, wo der Fisch seinen höchsten Punkt erreicht. Sogleich dreht er seine Schnauze nach unten und sagt, dass sie nur weiter gehen brauchen.
„Dann höre auf zu springen“ meckert Giana und Maria erinnert sie, dass der Fisch das eben nicht gehört haben kann, weil er wieder unter Wasser getaucht ist.
Als der Fisch an ihnen in die Höhe vorbeirauscht wiederholt Giana ihre Forderung, doch der Fisch lacht nur auf.
„Erkläre du!“ sagt der Fisch zum roten Monster welches ständig seinen Gesichtsausdruck ändert.
„Na gut, dann erkläre ich es den beiden widerlichen Eindringlingen. Wir mögen es sehr, wenn wir Besuch bekommen und unsere Gastfreundschaft zeigen können. Und wenn ihr meinem Freund, dem Fisch, zu nahe kommt, dann sterbt ihr. Wir würden euch niemals was tun.“
Das hat eben das rote Monster gesagt. Nach jedem Satz hat es seinen Gesichtsausdruck verändert. Von böse zu lieb und wieder zu böse. Das kennen die Giana Sisters ja schon aus anderen Levels, dieses seltsame Verhalten der roten Monster.
Die Mädels warten, bis der Fisch wieder im Wasser taucht und springen dann beide zusammen auf die andere Plattform. Das rote Montser meckert erst und dann lobt es sie für den Sprung.
Sie gehen weiter und kommen in eine große Halle, an dessen Wänden Diamanten hängen. Ein großer Drache mit grünen Schuppen und roter Zunge schaut sie an. Hinter ihm steht ein hell leuchtender Kristall auf einem goldenen Stativ.
„WAS wollt ihr, Eindringlinge?“ ruft der Drache.
„Wir wollen den Kristall“ antwortet Giana und sieht, wie der Drache bedrohlich auf die beiden zukommt.
Schnell spricht Giana leise für sich das Wort „Rattattfatzdatt“, mit dem man schnell wird. Gleich darauf rennt sie schnell wie der Blitz um den Drachen herum zum Kristall. Sie will ihn schon berühren, da schlägt der Drache mit einem seiner Flügel nach ihr. Sie schreit auf und fällt zur Seite. Das nutzt Maria aus und sie beschießt den Drachen mit den harten Bällen. Dieser brüllt auf und speit Feuer in ihre Richtung. Da der Drache gerade nicht zu Giana schaut, beschießt diese ihn mit den Bällen. Der Drache ist nun hin und her gerissen, mal schaut er zu Giana, dann beschießt ihn Maria. Und wenn er zu Maria schaut, dann bewirft Giana ihn.
Maria steht dem Drachen gegenüber, auf der anderen Seite von ihr steht der Kristall. Seitlich des Drachen steht Giana, sie fragt sich ob es ausreicht den Kristall zu berühren. Aber erst müssen sie den Drachen besiegen. Welcher nach dem zehnten Schuss der Mädchen aufschreit und sich mit seinen Flügeln in die Luft schwingt. Als er an die Decke fliegt, rennt Giana zum Kristall und berührt ihn. Gleich darauf wacht sie auf aus der Traumwelt und sieht sich in ihrem Kinderzimmer zuhause.
Hastig steht sie auf, sie schaut zum Wecker und sieht, dass es sechs Uhr morgens ist. Erst in einer Stunde müsste sie aufstehen. Eilig verlässt sie ihr Zimmer, sie merkt, dass ihre Eltern noch schlafen. Leise geht sie an den Computer ihrer Eltern und sucht bei google nach Gandolfino. Sie erfährt, dass er gesucht wird, angeblich hat er sich einer Gruppe von Gangstern angeschlossen. Diese Bande knackt Geheimzahlen von Kontonummern. Mit dem magischen Wort kann er sicherlich jedes Konto knacken.
Sie liest, dass ein Chaos ausgebrochen ist und das man die Telefone abgeschaltet hat. Man wollte Gandolfino schon festnehmen, doch er war verschwunden. Er hat viele Fans auf der Welt durch die Aktion mit den Telefonen verloren, die paar, die er noch hat, bitten um seine Amnestie.
Mit leisen Schritten geht sie zu dem Zimmer von Maria und stellt fest, dass sie noch schläft. Hat sie jetzt auch den Kristall berührt?
Kurz darauf wacht Maria schweißgebadet auf, sie hat zwei Tage nur geschlafen und von der magischen Welt geträumt. Sie reibt sich die Augen und Giana fragt sie sofort, wie sie den Kristall berührt hat.
„Als du den Kristall berührt hast“ erzählt Maria, „da habe ich schnell das Zauberwort Milanonimalolinamo gefragt, ob es einen Trick gibt den Drachen zu überlisten. Und ich bekam dann eine Idee. Als wir den Doppelblitz aufgesammelt haben, da haben wir ja rausgefunden, dass die Bälle reflektieren. Ich habe ganz viele Bälle so abgeworfen, dass sie von der einen Wand zur anderen prallen. Das hat den Drachen irritiert, er war ständig damit beschäftigt den Bällen auszuweichen. In der Zeit bin ich zum Kristall gerannt und habe ihn berührt.“
Giana lacht ihre Schwester an.
„Wir haben es geschafft, Maria! Gandolfino ist wieder in seiner Welt, wir müssen nie wieder gegen Füchse oder laufende Augen kämpfen und...und...“
„Was und ?“
„Wie heißt das höchste Haus der Welt? Milanonimalolinamo!“
Giana wartet, doch in ihrem Kopf erscheint keine Antwort. Gleich darauf schaut sie ihre Schwester traurig an.
„Das Zauberwort geht nicht mehr“ jammert sie und haut mit ihrer Hand auf ihr Bein.
„Das ist doch nicht so schlimm“, will Maria sie aufmuntern, „man muss doch nicht alles wissen. Wir sind noch Kinder, wir können noch viel lernen.“
„Milanonimallinamo....Milanonimalolinamo.....verdammt, es geht nicht mehr“ sagt Giana und geht ganz betrübt wieder in ihr Zimmer.
Wenn Gandolfino nicht gewesen wäre, dann hätte sie am liebsten ihr Leben lang von der Traumwelt geträumt und die magischen Wörter benutzt. Ihr kommt aber in den Sinn, was ihre Schwester ihr mal gesagt hat. Das es ungerecht ist, wenn sie mithilfe eines Zauberwortes das weiß, was andere verstehen und lernen müssen.

ENDE
 
 
   
     
 
  Antworten mit Zitat     Private Nachricht senden  
 
 
    Kontrolle    
 
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  
 
 
Du darfst nur lesen.  
 
     
 
  Gehe zu Seite  1   2   3   4   5   6   7   8   
 
4458 Besucher heute (und 19 Bots) • 2303 Besucher gestern (und 52 Bots) • 2047 Besucher vorgestern (und 55 Bots)
© Apache (seit 2006) • © 2004-2007 CBACK.de (CrackerTracker seit 2006-05-01, bereits 63136 abgewehrt) • © phpBB SEO (seit 2008-08-14)
© 2003-2007 Moxiecode Systems AB (TinyMCE seit 2006-12-05) • © 2001-2008 phpBB Group (Forum seit 2003-04-22)